Kommentare 0

A Week in Pictures 33/2018

Ironischerweise ausgerechnet auf einem Festival bin ich über den Ausdruck „Depressiver Hedonismus“ gestolpert. Ich las ihn im Rahmen eines Vortrags, den ich leider schon verpasst hatte und von dem ich nicht mehr weiß, wer ihn gehalten hat. Aber das Internet sagt immerhin, dass der Ausdruck vom britischen Kulturwissenschaftler Mark Fisher geprägt wurde. Er beschreibt einen Zustand, in dem man sich mit dem Gegebenen abfindet und sich in Unterhaltung zerstreut, obgleich man sich sehr wohl bewusst darüber ist, dadurch alles nur noch schlimmer zu machen, was daraufhin zu depressiven Störungen führt, die wiederum dazu führen, dass man sich noch mehr mit dem Gegebenen abfindet usw. usf. Sehr interessant. Besonders auf einem Festival. Ist mir gerade wieder eingefallen. Muss ich wohl mal dieses Buch lesen. Und dann mal gucken, was dran ist. Auf den ersten Hör klingt es erstmal ganz vernünftig. Aber vielleicht auch nur, weil man das Zusammenfallen der beiden Wörter auf einem Festival praktisch alle fünf Minuten in gelebter Form sieht. Tragischerweise hat sich Mark Fisher offenbar im letzten Jahr das Leben genommen. Was aber zumindest seine Theorie unterstützten würde, ironischerweise.

I can't go on, I'll go on. (Weiterlesen…)

Kommentare 0

A Week in Pictures 32/2018

Schulanfang ist immer so ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bin ich froh, dass die ganzen Kiddies jetzt wieder jeden Tag ganz früh aufstehen müssen und nicht länger jeden Abend auf den Straßen rumhängen und sich Kiffgras spritzen (© andre preneur) können. (Ich wäre so gern immer in dem Moment dabei, wenn die innere Reife irgendwann zwischen 18 und 21 diesen kritischen Punkt erreicht, an dem die Leute sagen: ‚Ach so bin ich in Wirklichkeit? Ja, gut, kann ich ja nicht ändern. Ist auch eigentlich ganz okay so. Kann ich doch eigentlich total gut zu stehen.‘) Andererseits bin ich nach wie vor immer ein wenig traurig, dass es für mich keinen wirklichen Grund mehr gibt, mich so richtig mit Heftern, Blöcken, Stiften und all dem Zeug einzudecken. Beziehungsweise mir sogar ein völlig neues Organisationskonzept zu überlegen. Wobei ich das zum Ende meiner Schulzeit schon ziemlich gut im Griff hatte und damm im Verlauf des Studiums perfektioniert habe. Wobei die Erfordernisse für Schule und Uni natürlich unterschiedliche waren. Soll heißen: Im Prinzip waren beide Orgasysteme perfekt. Aber halt jedes für sich. Ich will es Ihnen kurz skizzieren:
Schule: Für jedes Fach einen Hefter. So ein stinknormales Plastikding. Kein Papier, denn das sieht nach drei Wochen total zerfleddert aus. Wichtig: Hefter brauchen coole, schnell unterscheidbare Farben. Geschrieben wird ausschließlich in Blöcken, wahlweise kariert oder liniert (richtig coole Leute schreiben auf unliniertem Papier, kann aber nicht jede*r). Nach jeder Unterrichtsstunde bzw. nach jedem Schultag werden diese Blätter umgedreht in den Hefter geheftet, d.h. die ersten Blätter sind immer ganz hinten. So spart man sich Nerven und die Löcher im Blatt werden nicht unnötig strapaziert. Geschrieben wird ausschließlich mit Finelinern, weil das Schreibergebnis einfach tausendmal geiler ist als beim Kuli oder beim Füller (Füller ist sowieso das letzte. Nach fünf Jahren steht auf dem Blatt _nichts_ mehr.) Bücher bleiben konsequent zu Hause, denn die sind zu schwer. Außer in Fächern, wo es ohne Bücher Stress gibt. Ansonsten immer bei Melissa mit reingucken. So bleibt der Rucksack schön leer und Platz für den privaten Lesestoff, den man während des Unterrichts liest, weil es mal wieder viel zu langsam geht.
Uni: Fast dasselbe wie in der Schule, nur heftet man zu Hause einfach alles in einen dicken Ordner und schaut es nie wieder an. Maximal drei Tage vor der Prüfung. Richtig coole Leute schreiben alles direkt in den Laptop. Und nur die coolsten löschen dann nicht irgendwann aus Versehen all ihre Uni-Unterlagen und kriegen dann richtig Probleme.

I can't go on, I'll go on. (Weiterlesen…)

Kommentare 0

A Week in Pictures 31/2018

Ich weiß nicht warum, aber ich würde sehr gern mal in ein Autokino gehen. Also fahren. Oder wie auch immer man es korrekt sagt. Keine Ahnung, warum. Irgendwie gefällt mir die Idee. Ich weiß, ich weiß, es ist total umweltschädlich, aber bedenken Sie doch, dass ich es ja auch noch gar nicht getan habe. Okay, 1996 war ich schon mal im Autokino. Bei Independence Day. Und ich erinnere mich an beides nicht. Doch, ich erinnere mich noch daran, wie dieses Raumschiff in der Wüste abstürzt, Will Smith die Luke aufreißt, das Alien ins „Gesicht“ haut und sagt: „Willkommen auf der Erde!“ An mehr erinnere ich mich nicht. Woher kam der Ton? Aus so einer Box, die man sich ins Auto hängt? Oder über das Radio? Geht da nicht ruckzuck die Batterie leer? Gibt es auch Snacks? Muss man zu einem Stand gehen oder hinfahren? Oder kommt jemand vorbei? Gelaufen oder gefahren? Ein weiteres Problem: Das Programm. Ich habe mich jetzt schon wochenlang informiert und muss feststellen, dass das Programm des Autokinos eher auf die Fahrer von tiefergelegten Autos angelegt ist. Ich mag aber keine Actionfilme. Können die nicht einfach Der Marsianer zeigen? Den mag ich sehr, weil ich nie gedacht hätte, wie man tatsächlich zwei Stunden mit der Storyline „Typ bleibt aus Versehen auf dem Mars, muss aber zurück zur Erde“ füllen kann. Und wie dann am Ende alle auf der Welt zusammenarbeiten und kurz danach bestimmt die Sternenföderation gegründet wird, sodass das Star Trek-Zeitalter beginnt, ach, da wird mir immer warm ums Herz. Ah, ich lese gerade, dass man im Autokino Starthilfe bekommt, wenn man tatsächlich liegen bleibt. Das hilft schon einmal. Wenn mir jetzt noch einfällt, wie ich den Umweltsünde-Gedanken aus meinem Kopf verbannen kann, dann gehe ich bald ins Autokino. Oder fahre, wie auch immer.

I can't go on, I'll go on. (Weiterlesen…)

Kommentare 1

Best of Twitter Juli 2018 #ff

Das war also der Juli.
Es folgt eine Auswahl der besten Tweets des Monats.

I can't go on, I'll go on. (Weiterlesen…)

Kommentare 1

A Week in Pictures 30/2018

Ich habe nichts gegen Sommer, aber ich finde Sommer immer dann problematisch, wenn er in Verbindung mit zu vielen Menschen und hitzebezogenen Probleme auftritt. Beispiel: Es ist so trocken, dass irgendwelche Felder oder Bahndämme anfangen zu brennen, weil Rüdiger F. (53) aus Wummsen an der Prengel unbedingt bei 45 Grad Celcius nach achtzig Tagen ohne Regen unbedingt grillen musste („DAS HAMMWER FRÜHER OCH IMMER SO GEMACHT!!!1“). Und weil Bahndämme brennen, können bestimmte Züge nicht fahren. Sie fallen aus und am Bahnhof stapeln sich die Zugreisenden. Profi-Tipp: Wenn Sie immer noch an irgendeine mystische Überlegenheit der Deutschen glauben, dann verbringen Sie einfach mal mitten im Hochsommer zwei Stunden in einem beliebigen Großstadthauptbahnhof. Diese Sturheit, diese Hilflosigkeit und diesen Egoismus, gepaart mit abartigsten Modegeschmäckern und ästhetischen Totalausfällen zu sehen, das erdet enorm. Und plötzlich sieht man die indische Familie, die in luftigen Gewändern supergechillt im Schatten wartet, mit weitaus mehr Bewunderung aus vorher.
Aber es auch schöne Begegnungen im Sommer: Wie zum Beispiel das Berliner Pärchen, beide Ende 50, das auf meiner Rückfahrt von Hamburg nach Leipzig in Berlin zustieg und sich zu mir ins Abteil setzte. Der Mann: Ein großer, bulliger Rocker mit Vollbart, schwarze Klamotten, Lederweste. Die Frau: Gelbes Top, weiße Hose und nicht auf den Mund gefallen.
Während sich die beiden erstmal kaum wieder einkriegten vor Dank, als ich ihnen anbot, sie könnten doch an meiner statt am Fenster am Tisch sitzen, denn sie wären ja zu zweit, folgte bald das beste von vielen schönen Gesprächen.
Sie: „Gleich simmer in Leipzeh, da müss’mer umsteijen.“
Er (nach zwei Minuten Nachdenken): Wie hieß dit Nest, wo wir umsteijen müssen.
Sie: „Leipzig!“
Er: „Leipzig, aha.“
Sie: „Und dit is‘ überhaupt keen Nest! Leipzeh is‘ ’ne rischteh schöne Stadt!“
Er: „Ah Leipzeh! Ja, kenn ick!“
Sie: „Siehste!“
Er: „Ja, als ich ’84 nach Berlin jekomm‘ bin. Da ha‘ ick mich eenfach bei mir ins Dorf in‘ Zuch jesetzt und bin losjefahr’n. Denn bin ick ’s erste Ma in Erfurt ausjestiejen, hab mir umjeguckt und jedacht: Nee, jefällt mer nich! Ick also wüller rinn in‘ Zuch. Nächster Halt Leipzeh! Ick also ausjestiegen und eenen irjendwas jefragt: Ha‘ ick nüscht verstanden, glei wüller rinn in‘ Zuch. Und denn bin ick halt na Berlin jezojen.“

I can't go on, I'll go on. (Weiterlesen…)