Während ihr das lest, bin ich wahrscheinlich schon auf dem Weg nach Berlin. Gerade ist dort eine Stelle freigeworden, die in puncto Arbeitsaufwand und Bezahlung genau so proportioniert ist, wie ich mir das vorstelle. Ich hätte nie gedacht, dass es MDR Hier ab vier sein würde, das mir zum Amt des Bundespräsidenten verhilft, aber wer ahnt solche Dinge schon? Zwar sehe ich in obigem Beitrag wie ein kleiner dicker Junge aus, der nicht deutschsprachiger Meister im Poetry Slam, sondern Gewinner des Titels “rundestes Gesicht im deutschen Fernsehen” ist, aber wenn man dafür Bundespräsident wird, will ich mich nicht beschweren. Immerhin wissen sogar meine Omas jetzt, womit ich einen Großteil meiner Freizeit vertändle. Und das ist doch mal was.
Was ich nicht mag: Talente entdecken, die ich niemals haben wollte und wahrscheinlich dafür andere Talente (z.B. Rockstar-Sein) ausgelöscht haben. Heute: Der Sushi-Bau. Wie schrecklich ist das denn? Warum kann ich das gleich beim ersten Versuch so gut? Soll ich etwa Sushi-Bastler werden?Ich seh mich schon auf dem Amt sitzen: 'Nene, Herr Herrmann, vergessen Sie das mal mit dem Schreiben, das haben Sie nicht richtig drauf. Aber ich hab da auf Ihrer Seite gesehen, dass Sie gut Sushi machen können, wäre das nicht vielleicht was?' Na vielen Dank auch.
Was ich ebenso nicht mag: Keine Zeit zu haben, mich so sehr mit Dingen zu beschäftigen, wie ich es für nötig erachte. Heute: aus Spaß an der Freude Vocals aufnehmen. Ok, am Ende ist es doch halbwegs hörbar geworden, aber es hätte noch so viel dran gemacht werden müssen, obgleich eben das gerade echt nicht drin ist. Wir werden es sehen, wie es ankommt, aber dazu später mehr. Aber mega-professionell sieht es aus, und das ist meist schon die Hauptsache.
Ein Hund der mindestens doppelt so traurig aussieht, wie er in Wirklichkeit ist. Das muss auch ziemlich doof sein als Hund. Nur weil dein Herrchen den ganzen Tag lang still auf einem Bürostuhl sitzt und Bürodinge tut, bist du sogleich gezwungen, dasselbe zu tun. Da beneide mal einer die Tiere. Man stelle sich nur vor, das eigene Frau- oder Herrchen arbeitet in einem Sportgeschäft und man müsste ständig mit ansehen, wie sich Menschen in Funktionskleidung einkleiden lassen, weil die so herrlich praktisch ist, weil die hier noch so einen Luftabzugschlitz und einen Mienenpieper in den Nacken eingenäht hat und man immer vorbereitet ist, wenn plötzlich doch mal eine Lawine durch Mitteldeutschland rollt. Den ganzen Tag müsste man dann mit ansehen, wie sich Menschen für den Alltag und die spontane Everest-Besteigung ausrüsten lassen. Nee, dann doch lieber Büro.
Von nun an sind wir also offiziell zertifiziert. Eigentlich wollten wir die Shirts ja verlosen, aber dann stand plötzlich doch nicht 'Arte Webslam' drauf, wie bei denen, die wir schon haben. Die hier können wir kaum verschenken, das würde ja falsche Vorstellungen wecken. Da muss nur der Falsche gewinnen und schon heißt es im Bundestag, Philipp Rösler sei jetzt auch noch Arte Slam Meister 2011. Nene, aber die Bücher von Superkollege Sebastian23, so wir sie denn bald erhalten, kommen unter den Hammer, hihi. Macht nicht so viel Sinn, macht aber Spaß.
Und das kommt dabei heraus, wenn Produktdesigner keine Ahnung haben. 'Helmut, komm mal! Du schau, wir haben die neuen Jugend-Räder aus der Lackiererei bekommen!' 'Hey, das sind ja fetzige Farben! Da werden die Jugendlichen aber Freude haben, wenn sie damit auf gemeinsame Radtouren gehen!' 'Genau! Wir brauchen noch einen Namen für die Reihe.' 'Für die Mountain Bikes? Weißt du, man muss die Jugend immer dort abholen, wo sie ist, also auch sprachlich.' 'Und was schlägst du vor?' 'Unser neues Rad ist doch ein absolutes Top-Modell, ein Riesenhit! Ich mein, das fetzt urst, wenn du mich fragst.' 'Und wie nennen wir es dann?' 'Hm, ich weiß nicht. Ach! Hier! Warte! Ich hab's! Wie wär's mit Mountain Ass!' 'Wow, klasse! Das wird beliebter als das iPad! Ganz sicher!'
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So sieht's aus. Manche Leute haben dann einfach mal zwei iMacs bei sich stehen. Die waren zu ihrer Zeit ja auch spottbillig. Grad mal ein paartausend D-Mark haben die gekostet. Aber es geht mir in gewisser Weise ja ähnlich. Ich weiß ja auch schon lange nicht mehr wohin mit dem ganzen Gold. Ich mein, das stapelt sich hier überall. Und funkeln tut das wie die Pest. Da kann man sich gar nicht richtig konzentrieren, wenn das die ganze Zeit blinkt. Manche nennen so etwas first world problems. Ich nenne das existentielle Bedrohung.
Im Übrigen: Hier sieht es nur halb so kalt aus, wie es Wirklichkeit war. Ständig lief man Gefahr, direkt auf der Stelle festzufrieren, wenn man tatsächlich an der Ampel anhielt und auf Grün wartete. Ständg musste man aufpassen, dass einem keine bösen Checker vor die Füße spuckten, sodass man reintrat und festfror oder noch schlimmer, ausrutschte und sich diverse Knochen brach. Winter ist eben doch so eine Art Krieg. Wie machen das die Tiere? Vielleicht sterben sie ja einfach. Oder halten alle Winterschlaf. Aber das kann man als Mensch ja kaum machen. Ich mein, wer überweist dann in der Zwischenzeit die Miete? Wie oft kann man sterben, bevor es dann nicht mehr klappt mit dem Frühlingserwachen? Und überhaupt, will man das?
Manche Leute sagen ja, die Ärzte wären für Jungs in etwa das, was die Backstreet Boys für Mädchen sind. Diese Menschen erkennt man meistens daran, dass sie sofort nach Äußerung dieser Meinung nicht mehr am Leben sind. Kann man nix machen, das ist der nunmal der Lauf der Dinge. Also seien Sie ruhig neidisch auf diese Karten. Wenn es ganz besonders gut läuft, sind K.I.Z. sogar noch Vorband, habe ich irgendwo gelesen. Jetzt mag ich mich in vielerlei Hinsicht disqualifiziert haben. Aber sagen Sie das am besten nicht laut, sie wissen schon, es passieren sonst immer sehr schnell sehr unglückliche Unfälle.
Leipzig, das ist nicht nur Berlin vor 10, New York vor 160 und Chemnitz in 280 Jahren, sondern auch sowas wie der kreative Stern Westsachsens. Denkt man zumindest, wenn man dem ganzen Kreativwirtschaftsgerede der kreativen Wirtschaftsleute glauben möchte. Tatsächlich aber tummeln sich zwischen vielen Fotografen (aka Ich-habe-zu-viel-Geld-und-mir-davon-eine-Spiegelreflexkamera-gekauft-Wesen), Literaten (aka Hey-los-wir-tun-so-als-wären-wir-Leipzigs-Rapszene-und-treten-damit-bei-Poetry-Slams-auf-Wesen) nicht ganz so viele Menschen, denen man nicht bloß das kreative Potential eines Pfunds Hackfleisch zugestehen möchte. So wie wahrscheinlich überall.
Worauf wollte ich hinaus?
Glaubt man Youtube, gibt es mindestens tausend Milliarden Menschen auf der Welt, die keine Ahnung vom Filmemachen haben. Heute verkünde ich stolz: Ich bin einer von ihnen! Dazu noch ein paar hundert, die lustige Videos von ihren Katzen machen und etwa 12 Leute, die so tolle Videoblogs führen, dass ich mittlerweile ein großer Fan geworden bin.
Aber ich schweife ab.
Es gibt da diesen Mann, der einen Kurzfilm gedreht hat. Er handelt von einer jungen rothaarigen Frau, die Probleme mit einem Mörder hat, der gern rothaarige Frauen tötet. Deshalb lässt sie sich ausschließlich in schwarzweiß zeigen, denn dann könnte man auch denken, sie hätte nur braune Haare. Sie zieht in ein Hotelzimmer, in dem schon ein Gast lebt und okkupiert dessen Dusche. Der arme Gast ist völlig verwirrt und reagiert.
So oder so ähnlich der Inhalt des dreieinhalbminütigen Meisterwerks, das ganz oben zu sehen ist. Ich finde es toll. Zwar habe ich den Film beim ersten Anschauen nicht verstanden, aber das soll hier als Qualitätsmerkmal gewertet werden. Schauen Sie sich den Film doch einmal selbst an und prüfen sie, ob sie ihn beim ersten Versuch verstehen. Falls ja, sind Sie herzlich dazu eingeladen, mich per Kommentar mit Hohn und Spott zu übergießen. Kleiner Tipp: Die Zeitung ist wichtig. Für alle total Interessierten gibt es hier eine kleine Hintergrundgeschichte zum Film.
Ahoi (wie wir Hollywoodprofis zu sagen pflegen)! Love (wie es in der Kreativszene heißt)!
Falls Sie spontan Angst haben: Seien Sie beruhigt, Christo treibt nicht erneut sein Unwesen. Verantwortungsvolle Mitbürger haben den selbsternannten Künstler schon vor Jahren mit Millionen von Euros ruhig gestellt. Das da ist die Deutsche Nationalbibliothek im schönen Leipzig. Naja, wenigstens ein Teil von ihr, denn sie ist sehr groß. Wenn man vor ihrem Portal steht, kann es passieren, dass Kindergärtnerinnen mit ihren Schützlingen vorbeischlendern, die dann fragen: 'Frau Dings, was arbeiten die Leute hier?', worauf sie sagt: 'Hier wird nicht gearbeitet. Hier denken und rauchen die Leute.' Womit sie nicht ganz Unrecht hat.
Meine neuste Anschaffung: Ein Thermometer. Es wurde auf Dauer einfach zu schwer, die Außentemperatur nach der Zahl der am Bürgersteig festgefrorenen Passanten zu bestimmen. Und die Polizei gibt ja auch nur noch geschönte Zahlen raus, wenn man fragt, wie viele Leute sie letzte Nacht wieder haben erfrieren lassen. Im Park ist mittlerweile der Teich zugefroren. Und wir haben den arbeitsfreien Sonntag genutzt und sind gleich mal mit dem Fön ausgerückt, um den Enten ihr Terrain zurückzuholen. Ist auch wirklich unerträglich, wie sich ansonsten diese ganzen Kleinfamilien auf dem gefrorenen Nass produzieren, während man in Ruhe einen Spaziergang tätigen und darüber nachdenken will, wieso sogar der Iran Uran anreichern kann, aber man selbst zu doof dafür ist.
Das obligatorische Zugbild. Sie müssen wissen, ich bin jetzt im Besitz eines Reisepasses. Jawohl, so richtig mit RFID-Chip drin und solchem Quatsch. Und da hab ich den Pass abgeholt. In Leipzig darf ich das nämlich nicht. Hat wohl was mit meinem Amt als inoffizieller Bürgermeister der Stadt zu tun. Wahrscheinlich will man sicher gehen, dass mich die Sachbearbeiterinnen nicht aus Zuneigung zu ihrem inoffiziellen Chef bevorzugt behandelt behandeln oder so. Jedenfalls hab ich jetzt so ein Ding. Und einen neuen Personalausweis. Ziemlich heftig, was in meinem Leben alles so abgeht. Das fällt mir auch immer wieder auf. Rock'n'Roll!
Teil 1 meiner neuen Doku-Reihe: Was ich mache, während ich eigentlich etwas für meine Zukunft tun sollte. Heute: Einen Marterpfahl zeichnen. Schön, nicht wahr? Wieder so ein Talent, das ich nie ausgebaut habe. Schade drum, wirklich schade. Aber noch kann ja prinzipiell ein zweiter Paul Gauguin werden. Noch ist es nicht ganz zu spät. Und dann kommt irgendwann Doctor Who bei mir in der Vergangenheit vorbei und nimmt mich mit in die Zukunft, um mir zu zeigen, dass ich weit nach meinem Tod doch noch weltberühmt geworden bin. So wie er es mit van Gogh getan hat. Das wär doch was.
Und dann muss man abends nochmal ganz dringend zu einem dienstlichen Termin, torkelt eilt um 4 Uhr 21.30 Uhr aus der Kneipe Parteizentrale und trifft auf das. Ja, sie erkennen nichts, das weiß ich. Aber dort hinten, ganz in der Mitte, das war eine Spontandemonstration. So richtig mit einen Müllcontainer auf die Straße schieben Barrikadenbau, zwei angezündeten Böllern Werfen von Brandsätzen und ganzen 30 Mann 400 Vermummten. Da sollte man lieber mal locker bleiben aufpassen und das Kreuz in Zukunft am besten nicht zur Festung umfunktionieren komplett sperren, sonst könnte man sich da auch unnötig provoziert fühlen da ganz schnell Anarchie ausbrechen.
Unnötige Bilder Teil 64: Die Mensa. Völlig zusammenhanglos. Ohne jedweden Hintergedanken fabriziert. Nichts Interessantes dabei. Und trotzdem da. Fast wie die deutsche Comedy-Szene, Dschungelcamp, eine Einführungsvorlesung in die praktische Philosophie, 99% meines Tages.
Und dann war doch noch etwas Interessantes dabei. Bald werde ich nämlich der Menderes der Zielgruppe 50+ sein. Denn ich durfte Teil des Miniformats Karin auf Zack bei MDR Hier ab vier sein und der netten Karin das Phänomen Poetry Slam erklären. Traf sich dann auch ganz gut, dass am gleichen Tag der Leipziger Poetry Slam stattfand und wieder knapp 400 Leute Lust hatten, sich das anzugucken. Sobald's im Fernsehen läuft, werde ich es sowieso so oft schreiben, dass ihr keine Chance habt, es nicht zu sehen Bescheid sagen.
Kleiner Ausschnitt vom Slam. Sieht irgendwie seltsam organisch aus, dieses Ambiente, oder? Wie dieses Fisch-Dungeon (Lord Jabbu Jabbu) bei Zelda: Ocarina of Time. Wenn ich irgendetwas wirklich gehasst habe, dann waren es Wasser-Dungeons. Aber es wird gerade ein wenig nerdig. Hier ist ein lustiges Bild. Und hier etwas Anderes: Erinnern Sie sich an das tolle BUch Die Entdeckung des Himmels? Ja? Dann wird Sie auch das hier irgendwie interessieren. Und jetzt halten Sie aus bis zum 22. Februar und lesen Sie anschließend dieses Buch. Es ist eins der besten, versprochen. (Und spätestens ab jetzt ist es völlig unglaubwürdig, dass ich für die ganze Werbung kein Geld bekomme.)
Wäre ich kein Pessimist, würde ich jetzt nicht nicht schreiben, dass mit dem Januar eigentlich auch schon 2012 vorbei ist. Wer es klug anstellt, teilt sich die paar Urlaubstage so ein, dass schon ab Anfang Dezember Urlaub ist, Weihnachten fällt ja eh aus, schließlich geht kurz davor endlich die Welt unter. Aber was, wenn nun doch nicht? Amerikanischen Priestern und zauseligen Wahrsagerinnen kann man nach Falschvoraussagen immerhin die Bude einrennen und ihnen gegen die Glaskugel treten, aber den Maya? Was hilft da? Nach Südamerika fahren und gegen einen Tempel spucken? Indiana Jones hinschicken und ihn mal so richtig drauflosschänden lassen? Oder ruft kurz vorm Weltuntergang – der italienische Weltenkapitan sitzt schon längst auf dem Mars im Trockenen – doch noch Christian Wulff an und lässt die Sache abblasen? Man weiß es nicht. Alles, was man weiß, ist, dass der Twitter-Januar ein ganz bezaubernder gewesen sein muss. Überzeugen Sie sich selbst.
I get up, go out, and everything is changed. The blood drains from my head, the noise of things bursting, merging, avoiding one another, assails me on all sides, my eyes search in vain for two things alike, each pinpoint of skin screams a different message, I drown in the spray of phenomena. (Beckett)