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Frühling in Leipzig: Und plötzlich erwachen die Verrückten

Frühling, juhu! Es könnte alles so schön sein, wenn es keine anderen Menschen gäbe! Nun gut, wir wollen nicht ganz so hart sein, aber wenigstens auf die Frisbee-Atzen mit den vollverspiegelten Brillen könnte ich ganz gut verzichten. Aber hey, Frühling! Die absolut beste Zeit des Jahres, wenn man kein Allergiker ist. Wobei, Allergiker, was hatte Louis CK über die gesagt? Warum letzte Woche trotzdem Frühling mehr so geht so war, das habe ich bei Weltnest mal aufgeschrieben.

Als ich vor 75 Jahren nach Leipzig zog, da war es ein grauer Oktober. Monatelang zeigte sich die Stadt nur in tristen Farben und gerade, als ich so weit war, die Umzugskisten zu packen, nach Bochum zu ziehen und mein Leben wegzuwerfen, da war es plötzlich so weit: Der Frühling kam und alles wurde gut.
Frühling und Leipzig, das ist wirklich perfekt. Überall blüht es und die ganze Stadt sieht aus, als müsste sie sich übertrieben schick machen, weil sie neuerdings auch ein Modeblog hat. Fast schon erschreckend, wie sanftmütig und gut gelaunt mich diese Zeit des Jahres immer macht.
Schade nur, dass ich vom Unglück verfolgt bin und jedes Quäntchen Gutes, das mir widerfährt, durch ein noch größeres Unglück neutralisiert werden muss.

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A Week in Pictures 16/2014

Auch wenn das Wetter heute vermutlich etwas Anderes vermuten lassen wird oder zumindest nicht das prächtigste Wetter angesagt ist, so konstatiere ich: Ab heute wird es wärmer. Ab jetzt wird es richtig Frühling. Wundern Sie sich nicht, über diese Aussage. Wenn Sie erst einmal so alt sind, wie ich, dann haben sie keine Freuden mehr außer den Wetterbericht. Frühling und Leipzig ist eine großartige Kombination, das wird Ihnen jede/r bestätigen die/der es erlebt hat. Gut, es gibt Menschen wie mich, die sich konstant vom Unglück verfolgt fühlen, aber das tut nicht viel zur Sache. Nur, dass es einem mitunter ziemlich schnell den Tag vermiesen kann, wenn man alles auf sich selbst projeziert fühlt, Frühling in Leipzig hin oder her. Bei Weltnest habe ich dazu mal etwas aufgeschrieben.

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Weil ich ein guter Mensch bin, backe ich mitunter sogar Geburtstagskuchen. Hier mein bisher einziges und gleichzeitig bestes Exemplar: Ein Shepherd’s Pie mit Kerze. Fast so schön wie das Video über die zwei niederländischen Damen, die zum ersten Mal in ihrem Leben im Flugzeug unterwegs sind. Und weil ich jetzt auch so ein DSLR-Fuzzi bin, gibt’s das Ganze natürlich klassisch mit unscharfem Hintergrund und ganz viel “So sah das niemals in Wirklichkeit aus”-Farbkorrektur. Man hat ja sonst nichts zu tun. Mal schauen, wann ich anfange, Hashtags zu benutzen oder meine erste Hochzeit fotografiere. Lange wird es vermutlich nicht mehr dauern.

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Das vermutlich beste Kostüm der Welt. Leider ist es nicht meins, aber an einem ALF-Kostüm erfreue ich mich dennoch sehr. Eine Schmach, wenn man Serien-Diskussionen beiwohnt (Menschen um die 25 haben nichts Anderes mehr zu besprechen als Serien) und bei der zwingenden Diskussionsfrage nach der besten Serie der Welt nicht mindestens einmal ALF genannt wird. Man denke da nur an so großartige Folgen wie jene, in der Alf über Nacht eine Lagune im Garten der Tanners baut, an jene, in der er mit dem ganzen Gold, das in seinem Raumschiff verbaut ist, einen Ferrari für Linn kauft, jene, in der Alf süchtig nach Baumwolle wird und ständig das Innenfutter der Couchkissen isst oder die unheimlich traurigen Weihnachtsfolgen rund um das todkranke Mädchen Tiffany. Nicht zu vergessen natürlich das traurige Ende der Serie, an dem die Frage im Raum steht, was in Zukunft mit Alf geschehen soll. Ich hätte ihn sofort zu mir genommen. Auch wenn es vermutlich eine sehr teure Angelegenheit geworden wäre.

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Katze 2 beim Versuch, den Kameramann aufzuessen. Oder sie war einfach nur sehr müde, wer vermag das schon zu unterscheiden? Katze 2 ist mindestens so cool wie Lucy. Auch wenn ich eigentlich kein Fan von so halben Actionfilmen bin, freue ich mich doch sehr darauf. Ich könnte wetten, der Film nimmt locker einen Platz neben dem Fünften Element und vergleichbaren Filmen ein. Die Idee ist schön, prädestiniert für schöne Effekte und Michael Bay hat mit dem Film nichts zu tun. Perfekter geht es eigentlich nicht. Hatte ich eigentlich von dem Film Liebe erzählt? Diese Geschichte über die sterbende Frau und ihren Mann, der sich bis zum Ende um sie kümmert? Tatsächlich einer der traurigsten Filme, die ich seit langem gesehen habe. Und traurige Filme gehen eigentlich immer.

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Wilhelm Meisters Wanderjahre, endlich. Mit ganz viel Aufklärung und so. Ich weiß, Sie fragen sich bestimmt: Wie kann jemand, der den 25 schönsten Beckett-Zitaten am liebsten noch 100 hinzufügen würde, so etwas voller aufklärerischer Ideen lesen? Keine Ahnung, ich mochte die Geschichte der Lehrjahre einfach sehr. Gerade weil man sie heutzutage komplett anders liest, als sie eigentlich gemeint ist und man erst beim Lesen des Kommentars merkt, was Herr Goethe rüberbringen wollte. Zum Beispiel, das Wilhelm (zu Beginn der Lehrjahre) ein Idiot ist und nicht jemand, der sich einfach selbst verwirklichen will. Vielleicht mochte ich als gescheiterter Germanistik-Student also nur die Tatsache, dass es durchaus Momente gibt, in denen Textanalyse so wirkt, als könnte sie die Welt verändern. Zumindest die kleine Welt eines Post-Abiturienten, aber immerhin.

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Speaking of Veränderung: 39.000 Zuschauer bei einem Drittligaspiel, der helle Wahnsinn. Und wieder ein Stück näher an Liga 2. Aber genug von Fußball, nur noch etwas zum Thema “etwas schaffen”: Making it ist eine gerade in der Mache befindliche Dokumentation über das Leben als Illustrator. Und der Trailer ist richtig groß. Ich habe keine Ahnung, wann die Doku veröffentlicht wird, aber ich werde versuchen, am Ball zu bleiben, denn die Videoschnipsel auf der Homepage machen sehr viel Lust auf mehr. Okay, ich habe nichts mit Illustration zu tun, aber das tut ja nichts zur Sache. Die neuen Banksy-Bilder kennen Sie, oder?

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Und dann Osterfeuer. Eher weniger mein Fall, in der Kälte zu stehen und nur von einer Seite warm zu werden, weswegen man sich ständig wie ein Broiler fühlt, aber immerhin: Ins Feuer gucken fetzt. Wahrscheinlich so ein Höhleninstinkt. Auch wenn die ganze Geschichte immer leicht melancholisch wird, weil so ein Feuer und die dazugehörigen Treffen leicht dazu einladen, die jeweiligen Leben auszubreiten und zu vergleichen. Und ich höre einfach nicht gern, wer früher noch DJ werden wollte und den Berliner Minimal-DJ-Namensgenerator sicher gut hätte gebrauchen können, jetzt aber CDU wählt und das vollkommen okay findet. Oder wenn Leute nur noch im “wir” sprechen. Da blutet einfach mein Herz. Aber wie schrieb mir jemand bei Twitter: “If langweilig floats your boat, so be it.” Stimmt wahrscheinlich sogar.

acht
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Total vergessen: Herzlichen Glückwunsch zum 8. Geburtstag, liebes Blog!

Eigentlich war es ja schon am 1. April so weit. Aber da war irgendetwas. Vielleicht hat der Paketbote wieder einen meiner schwachen Momente erwischt, mir achtzig Pakete für alle möglichen Nachbarn aufgedrängt und mir damit nachhaltig den Tag versaut.
Jetzt ist es jedenfalls schon mehr als zwei Wochen später und bald ist Weihnachten. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn die Schokohasen direkt von Schokoweihnachtsmännern abgelöst werden würden.

Wie dem auch sei: Ich habe das Jubiläum verpasst. Tja. Mittlerweile gibt es dieses Blog seit acht Jahren. Ja, dieses. Es ist sogar so oldschool, dass es noch das Blog heißt und nicht der. Acht Jahre und ein paar Zerquetschte, 2939 Tage, um genau zu sein. Denken Sie sich an dieser Stelle bitte irgendwelche sentimentalen Gedanken über das, was man innerhalb von acht Jahren alles erleben kann, denken Sie an irgendein schmalziges Lied von Enya und Kamerafahrten durch grüne Wälder, durch die ich, nachsinnend über die vergangene Zeit, im weißen Leinengewand schlendere.
Sehen Sie, genau deswegen gibt es das auch nicht.

Letztens sagte mir jemand, er hätte auch gern so etwas, so eine Chronik. Ich weiß nicht, ob der Terminus Chronik hier so trefflich passt, aber ich frage mich, was die Historiker der Nachwelt wohl sagen werden, wenn sie dereinst auf diese Seite stoßen. “LOL?”, “Achje, wie primitiv die modernen Menschheit doch war!” oder “Das ist also das Tagebuch von Tom Riddle?”
Mittlerweile ist vieles Gewohnheit, aber keineswegs so negativ konnotiert, wie es das Wort vermuten lässt. Es macht immer noch Spaß, sonst würde, allen voran ich, es vermutlich auch längst ein gelassen haben.

Ich bedanke mich für das zahlreiche Vorbeikommen und Mitlesen, das Kommentieren und Teilen. Danke für die Geschenke und das Lob. Danke für das Geld.
Und ja, das ist ein bisschen Selbstbeweihräucherung. Aber so machen wir Modeblogger das eben.

 

Foto von A♥

krtt
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Wenn kleine Kinder keinen Walkman mehr erkennen, dann fühle ich mich sehr alt

So langsam komme ich in ein Alter, in dem ich anfange, mich über die Marotten der Jüngeren zu echauffieren. Ich verstehe nicht, warum man jedes Essen auf Instagram posten muss. Noch weniger, warum man dazu tausende Hashtags verwenden muss, die niemanden interessieren #vegan #thisisleipzig #leipziglove #yummyinmytummy #ootd #jajagehtsterben. Aber glücklicherweise finde ich noch Interesse an der neusten Technik und es werden wohl noch ein, zwei Jahre vergehen, ehe ich für immer stehen bleiben und alles Neue verteufeln werde.

Letztens habe ich darüber nachgedacht, wie ich es mal meinem Großcousin erklären werde (er ist übrigens ein Jahr alt, sehr cool und trägt Slayer-Shirts), dass ich erst mit 14 ein Handy bekam und eine SMS 39 Pfennig kostete. Dass wir uns noch umständlich und verbindlich in der Schule verabredeten oder man einfach bei einem Kumpel vorbeiging und fragte, ob er rauskomme. Dass ich tatsächlich noch Karten lesen kann und dass mein Cousin den ersten Walkman der Welt hatte. Also zumindest dieses silber-blaue Sony-Ding.

Was passiert wohl, wenn man den heutzutage Jüngsten einfach mal einen Walkman in die Hand drückt und sie fragt, was das wohl ist? Das Ergebnis ist erschütternd und ich wette, Sie werden sich danach sehr sehr alt fühlen. Es sei denn, Sie fragen sich die ganze Zeit: “Häh, was schreibt der alte Mann da? Und was zum Teufel ist dieses Walkman?”
Aber sehen Sie selbst:

I can't go on, I'll go on. (Weiterlesen…)

wn
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Jogger auf der Straße, Autos im Park: Leipzigs paradoxer Sonntag

Faszinierend, schon so lange in einer Stadt zu wohnen aber noch immer nicht all ihre jährlichen Gepflogenheiten miterlebt zu haben. Immerhin: Letztes Jahr war ich zum ersten mal (zumindest vor) dem Wave Gothik Treffen. In diesem Jahr habe ich dann zum ersten Mal zum Leipzig-Marathon geschafft. Okay, 9.000 Menschen, die quer durch die Stadt laufen und dabei komische Klamotten tragen, das hat man beim verkaufsoffenen Sonntag auch, aber was neu war, war zumindest, dass die Autos durch den Clara-Park umgeleitet worden. Autos in Leipzigs coolstem Park, ist das nicht sinnlos? Das und mehr habe ich bei Weltnest.de einmal aufgeschrieben.

Als ich vor 75 Jahren nach Leipzig zog, da wäre es gar nicht dazu gekommen.
Doch in diesem Jahr soll alles anders werden, so habe ich es mir vorgenommen.
Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich tatsächlich in der Stadt, wenn der Leipzig-Marathon für allerlei Umleitungen und in meiner Straße für eine herrliche Ruhe sorgt, weil sie den ganzen Tag lang gesperrt ist. Und diesmal will ich mir das Spektakel unbedingt ansehen.
Ein Protokoll:

09:30 Uhr: Ich schrecke aus dem Schlaf hoch. Oh mein Gott! Solch eine Ruhe vorm Haus bin ich einfach nicht gewöhnt. Vielleicht hätte ich doch nicht um 2 Uhr morgens noch auf die Idee kommen sollen, aus Recherchegründen den Film 300 zu gucken, weil da mal kurz von der Schlacht bei Marathon gesprochen wird. Ich beschließe, auf das Duschen zu verzichten und hechte aus dem Haus in Richtung Sportforum.

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