Ok, an der Uni sind wir wohl eher als Suffköppe verschrien, aber das sind eigentlich alle Studiengänge, bis auf die Leute von den Kommunikations- und Mädchenedienwissenschaften vielleicht. Wir kennen gerade genug SPSS, um alle zu beeindrucken, die nicht wissen, was SPSS ist (das sind glücklicherweise die meisten) und wenig genug, um neben den wirklichen Cracks schon wieder cool zu wirken. Wir verfügen über genügend Fremdwörter, um unser tägliches Zeitunglesen wie eine Wissenschaft erläutern zu können und wir wissen, wo es das billigste Bier gibt. Nicht, weil wir unheimlich viel trinken, sondern weil wir so effizient arbeiten, dass quality time kein Fremdwort für uns ist. Aber wir wissen auch bloß nicht, wie man den Nahostkonflikt nachhaltig lösen kann, obwohl wir darüber reden. Und reden können wir gut. Auch wenn wir in den Gesprächen über Politik meistens jene sind, die ‘Naja, man könnte das aber auch so sehen’ sagen oder einfach nur wissen wollen, ob noch jemand Zigaretten hat. Und manchmal haben wir ja auch wirklich ein bisschen zu tun. Zum Beispiel jetzt gerade. Was auch der Grund dafür ist, warum hier so wenig passiert.
Geht los jetzt. Wir brauchen ein Album. Und mit Album meine ich keine so schrecklich typische Poetry-Slam-Sprech-CD, sondern ein Album, mit Wumms und so. Falls jemand mithelfen möchte, sei es in puncto Cover, Aufkleber oder Tshirt-Gestaltung oder megakrasse Beatproduktion, ist er/sie natürlich herzlichst dazu eingeladen. Einfach bei uns melden, wir sind für jede Hilfe dankbar. Mal schauen, wann wir den ersten Vorgeschmack liefern können. Rap aufnehmen ist doch schon eine diffizile Geschichte. Ständig schlägt man aus Versehen mit der Pistole gegens Mikrofon, dauernd schreien die Hoes dazwischen und wieder und wieder wird man unterbrochen, weil man sich neue Goldketten kaufen muss. Aber wir kriegen das hin.
Das hier ist einer von Leipzigs berühmten Durchgangshöfen. Diese wurden errichtet, damit Warenlieferanten einfach auf der einen Seite in das Haus hineinfahren, ihr Zeug abladen und dann ohne zu wenden am anderen Ende des Hauses wieder heraus fahren konnten. Die hier zu sehende Mädlerpassage ist darüber hinaus die erste überdachte Passage, da es tatsächlich erst Mitte/Ende des 18. Jahrhunderts möglich wurde, Glasdächer zu bauen. Außerdem ist sie natürlich sehr hübsch und beherbergt total goethemäßig Auerbachs Keller, wo dereinst schon der Teufel höchstpersönlich gespeist haben soll, während so ein verrückter Zauberer auf einen Fass durch die Gegend flog.
Schön lernen, jaja. Und immer noch die Europäisierung Südosteuropas, oder wie man gemeinhin sagt, des Balkans. Sehr interessant, hätte ich nie gedacht, allerdings ein so unglaublich weites Feld, dass man zwar ganze Bücher darüber lesen kann, es im Endeffekt aber immer noch drei andere Bücher gibt, die noch viel darüber erzählen können. Immerhin, ich weiß jetzt, warum Montenegro den Euro hat, obwohl es nichtmal in der EU ist ist und wieso Griechenland es doof findet, dass Mazedonien Republik Mazedonien heißen will. Ich verrate aber nicht warum. Googlet doch selbst.
Mein neues Allzeitlieblingsvideo. Diese Mädchen dürfte gern meine Cousine sein. In jedem Fall hat sie sich schon als mehr als cool ausgewiesen. Tja, da werden wohl manche Väter weinend aus dem Fenster gesprungen sein, als sie mit ansehen mussten, wie cool dieses Kind ist. Ich mag ja Kinder nicht besonders, was ich als Zeichen meines Junggebliebenseins deute. Aber wie gesagt, als Cousine würde ich das Mädchen sofort in den Herrmann-Clan integrieren. Sicherlich kann sie auch rappen. Etwas Cypress-Hill-mäßiges schwebt mir da vor. Jedenfalls sollten Parkway Drive in den kommenden Jahren lieber mal aufpassen, sonst sind sie ruckzuck nur noch die Nummer Zwei im Südpazifik.
Der gute Max Beckmann als Karnevalist. Nicht, dass jemand denkt, ich hätte das illegal in der bis gestern laufenden Beckmann-Ausstellung gemacht. Das Foto ist ein abfotografiertes Foto besagten Beckmann-Bildes. Das zufällig in der aktuellen Beckmann-Ausstellung zu sehen war, ja. Aber da kann ich ja nichts für. War eine gute Ausstellung, wenn sie auch ein bisschen zu sehr gehypet war, dafür dass die Gemälde in der absoluten Unterzahl waren. Aber immerhin die tollen Großstadtgrafiken waren zu sehen. Und von mir aus hätte die ganze Ausstellung aus Beckmann Bildern der zwanziger Jahre bestehen können. Da mag ich ihn am liebsten.
Und dann war endlich wieder Lesebühne. Quasi unser vierter Geburtstag, auch wenn der sich erst im April so richtig zum vierten Mal jährt. Wie immer eine wunderbare Veranstaltung, die mittlerweile extrem gut besucht ist. Da müssen wir uns echt etwas einfallen lassen. Mein ewig langer, 12-seitiger Text, trug den klangvollen Namen 'Historischer Mathe-Realismus'. Krasses Wortspiel, werdet ihr denken und deshalb nicke ich vorsorglich. Kam, glaub ich, ganz gut an und das freut mich. Schließlich soll daraus mal etwas mehr als nur so eine schnöde Reihe werden. Aber mal sehen.
Action-Aufnahme von der Lesebühne. Am Tastentelefon kein Geringerer als Julius, direkt vor der Linse der nadelgestreifte Frauentraum Kurt Mondaugen. In diesem Moment brachte Kurt sein monumentales City-Tunnel-Lied zur Uraufführung und ich glaube, ich liege nicht falsch, wenn ich sage, dass nicht nur meine Unterwäsche in diesem Moment etwas klamm wurde. Auch schön im Gedächtnis geblieben sind natürlich die Schnitzelgeschichten des famosen Herrn Michael Schweßinger, der wie kein Anderer von Schnitzeljunkies, Schnitzelmystikern und Schnitzelschnitzern zu berichten weiß.
Das obligatorische Zugbild. Ja, so fühlte sich das auch in meinem Kopf an. So wie es sich immer anfühlt, wenn sich das Wetter ändert oder mein Kopf einfach so meint, er müsse mal wieder unendliche spontane Schmerzen entwickeln. Da hilft dann nicht mehr viel, außer das gute Gewissen, sie eine total krasse Künstlerkrankheit zu haben, die man generell gern nur den kreativsten der Kreativen andichtet. Kopfschmerzen, quasi mein Ticket in die künstlerische Hoheliga. Yeah!
Und so sieht eine vollgekrakelte Seite unseres Gästebuchs aus. Wer gute Augen hat, mag durchaus etwas erkennen. In jedem Fall ist es nur Gutes. Mittlerweile fällt das Gästebuch so langsam aber sicher auseinander. Aber es ist eben noch nicht voll, darum wird es eisern und immerfort geklebt, bis auch die letzte Seite beschrieben ist. Wobei es vermutlich schon längst voll wäre, wäre es nicht irgendwann 2009 mal für ein halbes Jahr verschwunden gewesen. Bis heute hat es uns jedenfalls noch nicht erzählt, wo es damals gefangen gehalten wurde. Und das soll es auch nicht unbedingt wieder erleben müssen.
Die bekannte Gegenwarts-Philosophin Kim Kardashian erklärt uns ihr Verständnis von guten Vorsätzen fürs neue Jahr: 'Ich will 2012 etwas schlichter werden. Deshalb habe ich meinen Twitter-Hintergrund jetzt einfarbig gemacht' (geklaut aus der inTouch). Na wenn damit nicht gleich der halbe Welthunger gestillt ist, dann weiß ich auch nicht. In welches Land der Friedensnobelpreis in diesem Jahr geht, hätten wir damit ja geklärt.
Backstage bei der Erfolgslesebühne LMBN im Dortmunder Domicil. Was dort offen rumliegt ist das Skizzenbuch des fanastischen Live-Painters Artur Fast. Auf seiner Seite gibt es auch die live entstanden Kunstwerke von letzter Woche (klick) zu bestaunen. Auch krass: Wenn man plötzlich gefragt wird, ob man nicht vielleicht Lust hat, ein Buch zu schreiben. Bei einem krassen Verlag. Da blieb mir nur zu sagen: w00t?. Ich kleiner Depp? So ein echtes Buch? Mit so Seiten und Menschen, die das vielleicht lesen und womöglich noch ihre Meinung dazu ins Internet schreiben? Na holla.
Ein Insider-Witz. Ich hatte nicht gewusst, dass man bei LMBN ein Buch vorstellen muss. Und es wäre auch viel zu uncool gewesen, einfach das Buch, das ich gerade lese und sowieso dabei hatte, zu nehmen. Daher traf es sich gut, dass Herr Strauß gerade ein ganzes Kompendium an Dübel-Handbüchern dabei hatte. Ich habe lieber nicht nachgefragt, warum er die drei Exemplare dabei hatte, aber es wird schon seinen Grund gehabt haben.
Das ist Bochum. Dort drin kaufte ich mir das wohl ekelhafteste Frühstück, das ich je gegessen habe, aber das war eher nicht die Schuld der Stadt. Über Bochum weiß ich nicht viel, außer dass einer der bekannsten Einwohner der Stadt Sebastian23 heißt und ich weiß, wo er wohnt. Er ist ein sehr netter Mensch. Darüber imponieren mir Menschen, die Wohnungen mit mehr Zimmern haben, als es zum Geradeso-Überleben braucht, immer total. Es muss ein tolles Gefühl sein, sich gar mir ausgestreckten Armen um die eigene Achse drehen zu können, ohne dabei gegen mindestens zwei Wände oder einen der drei Mitbewohner zu schlagen. Aber das ist Luxus und auch nicht wirklich real.
Der großartige Kollege Nico Semsrott vertickt seit Neustem Unglückskekse an seine Fans. In denen sind dann lustig demotivierende Sprüche wie der obige zu lesen. Schön sind insbesondere die total authentischen Rechtschreibfehler. Auf diese Weise bekommt der geneigte Kekskäufer eine unglaubliche Nähe zum Kabarettstar Semsrott vermittelt. Man fühlt sich fast schon mit ihm in seinem Scheitern verbunden. Andere tolle Merchandise-Ideen wären signierte Nico-Semsrott-Colts, Medikamenten-Roulette-Spiele und Brillen, die so dunkel sind, dass man schlichtweg gar nichts mehr sieht, quasi das Gegenstück zur rosaroten Brille.
Das obligatorische Zugbild. Untwegs von Leipzig nach Dortmund vielleicht. Oder auf dem Rückweg von München nach Leipzig. Wer weiß. Die Zugbilder sind wahrscheinlich sowieso die uninteressantesten. Ebenso wie der Text unter ihnen, der zumeist eh nur aus den Fingern gesaugter Quatsch ist, denn niemand lesen will, lesen kann und natürlich auch liest. Aber sie zeigen eben so herrlich die Hektik und Vergänglichkeit unserer Existenz zugleich. Vielleicht wird das irgendwann mal irgendeinen findiger Galerist erkennen und dann macht er mich berühmt und dann habe ich plötzlich ausgesorgt. Und dann kommen Menschen und fragen, was ich mache und ich sage, dass ich oft Zug fahre und meine Kamera eine Sekunde lang ans Fenster halte, ein Foto mache und damit 50.000 Euro auf einen Schlag verdiene. Und dann werden die Leute lachen und ich werde lachen und alle sind glücklich, wie schön.
Mein Zugbegleiter las inTouch. Kann man ihm nicht verübeln. Würde die inTouch irgendwo herumliegen, würde ich sie vermutlich auch lesen. Ich lese ja sogar die Bahn Mobil, weil die immer im ICE rumliegt. Und wenn es vielen Menschen so wie mir ergeht, dann weiß man jetzt auch, wie das mit dem Nationalsozialismus so einfach funktionieren konnte. Lag ja überall herum, der Schund. Das führt mich zu der Frage: Ist die inTouch ein politisches Magazin? Ist sie vielleicht sogar das Kampfblatt der Partei DIE PARTEI? So viel Seichtheit ist immerhin fast schon wieder Kunst und erfordert eine Menge Arbeit. Ich weiß, wovon ich spreche.
Das dort ist das Leipziger Märchenschloss aka the Neues Rathaus. It's very beautiful and kicks asses of Rathauses all over Germany, ok may be not the Munich one. The Neues Rathaus is directly connected to the so called Innenstadt. If it's saturday and you're stupid enough to go there you'll be basically overrun by crazy shopping-people, hit by their viel zu großen Einkaufstüten and ridiculed by the fun they have spending tons of money. You're not even allowed to drive your bicycle in the Innenstadt, because if you do, you're to fast unterwegs to halt mal kurz an and buy something. And that's not what they want.'
Ein eher semi-gut funktionierender Versuch, in der echten Welt Werbung für ein digitales Produkt zu machen. Meine Spitzenidee.
For the record
Wenn mich nicht alles täuscht und nicht irgendwo auf der Welt jemand schon einmal so etwas gemacht hat – was sehr wahrscheinlich ist, zumindest irgendein Chinese hat das bestimmt schon dreißig mal gemacht und mindestens achtundzwanzig Male davon waren sogar besser – dann haben der werte Herr Julius und ich vor rund einer Woche das erste Team Audience Partizipation PoemDeutschlandsdes deutschsprachigen RaumsEuropasder Weltdes Universums ever aufgeführt. Das sage ich hier nur, damit es später in den Geschichtsbüchern keine Unstimmigkeiten gibt. Erstes APP im Team, wir, TTZ, bäm!
Für alle, die sich noch immer fragen, was zur Hölle denn ein Team Audience Partizipation Poem sein soll: ein Mitmachtext. Das heißt, das Publikum ist nach Aufforderung des/der Poeten dazu angehalten, irgendeine Handlung zu vollführen, meistens zu klatschen oder irgendetwas zu rufen. Passend zum ersten Team-APP überhaupt hieß der Text auch Die unerträgliche Scheißigkeit des Seins und das Publikum musste immerzu STERBEN! rufen. Wir finden das gut.
Die unerträgliche Digitalität des eBooks
Das Beste an meinem eBook ist, das seither viele Menschen zu mir kommen und mir sagen, wie scheiße sie eBooks finden. Für diese Offenherzigkeit möchte ich Ihnen danken. Rassismus kann eben nur funktionieren, wenn er irgendwann auch nach außen tritt. Ich habe nichts gegen eBooks. Und schön gar nicht gegen Papierbücher. Auch wenn ich es mir erlaube, viele Papierbücher nichtsdestotrotz keines Blickes zu würdigen. Insofern haben eBooks sogar ihr Gutes. Der Markt ist noch klein, noch tummelt sich lange nicht so viel Müll auf dem digitalen Bücherberg wie auf dem papiernen. Aber sei’s drum. Solang man sich nicht in Berlin trifft, um öffentlich eBook-Reader zu verbrennen, sind solcherlei Nostalgiker wahrscheinlich wenig gefährlich. Auch wenn ihr Zorn, von ihrem Verleger wieder nur mit weniger als 10% an jedem Buchverkauf beteiligt worden zu sein, schrecklich und trügerisch sein mag. Ich selbst werde wohl kaum in nächster Zeit auf die Idee kommen, meine Bibliothek digital nachzukaufen, obwohl ich dann vielleicht weniger Angst vorm Umziehen haben müsste. Eine Angst, die ich wiederum durch wilden Bücherkauf kompensiere. Ein absoluter Teufelskreis. Was ich sagen will: Wurscht.
Wer ist eigentlich dieser Mitt Romney?
Das Faszinierende an den US-Präsidentschaftswahlen im kommenden November ist ja nicht die Frage, wie viel Obama bis dahin noch vermasseln wird, sondern die Frage nach dem neuen Präsidenten republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Neben zahlreichen komplett Verrückten taucht da auch immer dieser steinreiche Mitt Romney auf, der zumindest bei der breitesten Front der Republikaner wohl die besten Chancen auf den Posten des letztendlichen Kandidaten hat. Man darf sich, ganz abseits seiner abseitigen Politik, ruhig mal fragen, womit dieser Mann eigentlich sein ganzes Geld verdient hat. Vor ein paar Jahren hätte man ihn hierzulande wahrscheinlich noch als so genannte Heuschrecke gebrandmarkt. Aber die Zeiten ändern sich, das gilt nicht erst seit intelligente Menschen RTL schauen. Und die folgenden 30 Minuten illustrieren das ganz gut.
Ich glaube, ich habe eine ganze Menge verpasst. Zwar glaube ich ohnehin, dass immer in dem Moment, da ich jemandem dies mitteile, ein fantastischer Film gedreht, ein großartiges Buch geschrieben und ein fantastischer Song geschrieben wird, von denen ich nie erfahren werde, aber hie rwurmt es mich tatäsächlich noch mehr. Ist 'Die Hütte' tatsächlich ein Weltbestseller und jeder spricht darüber, außer mit mir, weil man mir schon ansieht, dass ich ja eh keine Ahnung habe? Ich weiß ja nichtmal, wo der Pavillon der Hoffnung ist. Wahrscheinlich ist bei mir eh längst alles verloren und hinter meinem Rücken machen Veronica Verres und Til Schweiger Witze über mich. Na klasse.
Das ist der Hamburger Hauptbahn morgens um 7 Uhr. Dabei sei ein für allemal gesagt: Es ist eine höllisch dumme Idee, Auftritte anzunehmen, bei denen man genau weiß, dass man am nächsten Morgen zwischen 5 und 8 Uhr im Zug sitzen muss. Einfach sein lassen und zu Hause bleiben. Um nicht wieder wie ein Hirntoter aus dem Hotel zu wanken, geschickt den Zombie- und Vampirjägern auszuweichen und dann im Zug einfach nicht einschlafen zu können, aber später zu Hause nur noch halbtot anzukommen. Und dazwischen natürlich noch ein Uni-Referat zu packen, weil's so schön ist, das alles mal wie einen Film zu erleben. Mein Tipp: Eine Zeitmaschine oder das Beamen erfinden und alle Sorgen los sein. Aber da ich bis heute nicht von meinem zukünftigen Ich abgeholt wurde, muss ich davon ausgehen, dass es noch keine Zeitmaschine erfunden hat. Loser!
Und hier: das obligatorische Zugbild. Heute: Irgendwo zwischen Leipzig und Zürich. Aber eher irgendwo nahe Leipzig, so viel kriege ich noch zusammen. Dann explodierten die Rauchgranaten und wir wurden von dieser Hipster-Armee gefangen genommen. Sie rasierten uns Undercuts, überspielten Gigabytes voll schrecklicher Musik auf unsere MP3-Player und pinselten uns schnörkelige Tattoos auf die Brust. An der schweizer Grenze ließen sie uns unvermittelt wieder frei. Wir kamen nach Zürich, fuhren ins Schauspielhaus und sahen so ulkig aus, dass man uns direkt zum Sieger der dortigen Poetry Slam Gala erklärte. Nebst einem Mann aus Berlin, der ein gutes Blog und sehr tolle Texte schreibt.
Das ist der Zürcher Hauptbahnhof. Wie so Vieles in der Schweiz, ist er aus purem Gold gebaut, allein mehrere Diamantensäulen sorgen für die nötige Stabilität. Auch muss man sich keine Sorgen darüber machen, dass Leute sich eine Ecke des Bahnhofs abbrechen und den Erlös auf ihr Konto überweisen könnten, dann in der Schweiz sind alle Menschen reich. Aus dem Wasserhähnen fließt reinigendes Erdöl, in den Lampen tanzen lustige Erdgasflammen und Feuerzeuge gibt es nicht, da man sich an nahezu jeder Straßenecke mit bereitstehenden 1000-Franken-Scheinen seine Zigarette anzünden kann. Das zumindest ist so grob, was ich von diesem jüngstem Schweiz-Aufenhalt behalten habe. Und dass alle Menschen dort sehr nett sind und sehr zufrieden wirken, obgleich ich bei schweizer Mietpreisen täglich zwei bis acht Herzinfarkte bekommen würde. Das imponiert mir.
Grob zusammengefasst könnte man sagen: Stimmt. Allerdings gibt ja schon das 'eigentlich' den Hinweis darauf, dass es womöglich berechtigte Einschränkungen dieser These gibt. Menschen zum Beispiel. Ich glaube, man kann wirklich jedes Problem auf Menschen zurückführen. Ohne Menschen gäbe es keine Filmproduzenten mehr, die Veronia Ferres besonders dramatische Rollen anbieten. Ohne Menschen müsste man beim Fleischkaufen keine Angst mehr haben, dass Lady Gaga die Filets schon einmal getragen haben könnte. Es wäre eine gute, gute Welt. Bis auf die fiesen Tiere, die einen beim Umherstreifen in die Zehen hacken oder mit ihren riesigen Geweihen in die Luft schleudern. Hat eben alles Vor- und Nachteile. Außerdem würde man schnell an die tierischen Grenzen stoßen, wenn man einem Elch würde beibringen wollen, Playstation 3 zu spielen. Naja, also vielleicht wenigstens ein paar Menschen behalten.
Mein Zimmer in Zürich. Leider sieht man nicht das riesige Bad direkt mir. Das mit dem 10-Meter-Sprungturm und der völlig überdimensionierten Whirpool-Anlage, in der man sich nur deshalb nicht so verloren vorkommt, weil ja hunderte nackte Hotel-Mitarbeiterinnen 24 Stunden am Tag als Interieur fungieren und dem Gast Gesellschaft leisten müssen. Auch die Motocross-Strecke ist irgendwie nicht mit aufs Bild gekommen, ebensowenig die zahlreichen Diener, die immerzu durchs Zimmer wuseln. Ist alles recht komfortabel dort gewesen. Nur dass man in kaum einem Hotel mal kostenloses Wlan bekommt, das ist wirklich zu Speien.
Und dann bucht man einen unglaublichen Mega-Spar-Preis ohne Umsteigen zwischen Zürich und Salzburg und was passiert? Schienenunterbruch. Das heißt alle Aussteigen und Umsatteln auf schrecklich überfüllte Busse, die ersten lange auf sich warten lassen und zweitens von ambitionierten Russen überfrequentiert sind, die notfalls auch bereit sind, sich Sitzplätze zu erwrestlen. Aber so ist das immer, wenn ich etwas so gut organisiert habe, dass es fast schon zu perfekt erscheint: Irgendjemand kommt und sorgt dafür, dass es nicht funktioniert. Im Kindergarten traten mir böse Kinder gegen meine Bausteintürme, in der Schule zermalmten böswillige Lehrer meinen Illusionen von einem schönen Leben und heute kommen halt Russen und zwingen mich dazu, mehr als zwei Stunden meinen dreißig Kilo schweren Rucksack auf den Oberschenkeln zu balancieren. Es ist zum Blitze schießen.
Immerhin: In Österreich liegt gerade Schnee. Das hier muss irgendwo kurz vorm Ötztal gewesen sein. Ja, da wo sie diese tattoovierte Mumie gefunden haben. Die Legende sagt, dass Ötzi von einem Schneemenschen totgeschlagen und anschließend irgendwo eingefroren wurde, weil hält sich ja länger, hat man als Schneemensch auch drei Wochen später noch etwas von. Richtig ist jedoch, dass Ötzi ein herkömmlicher Bäcker aus dem Nachbarort war, der sich eines Abends in der hiesigen Schankwirtschaft derart den Geist verflüssigt hat, dass er auf dem Nachhauseweg einfach in eine Gletscherspalte (damals gab es überall Gletscher, Jungs spielten Gletscherfußball und Mädchen hielten sich kleine Gletscher als Haustiere) fiel und sein massiv konsumierter Alkohol einen natürlichen Verwesungsprozess schlichtweg unmöglich machte. Auf jeden Fall durften wir im Ötztal wieder auf einen Zug umsteigen. War auch ganz schön kalt auf der Droschke gewesen.
Und das ist Salzburg. Also zumindest die Festung Hohensalzburg, wenn ich mich nicht irre. Salzburg ist gut. Es gibt verrückte Taxifahrerinnen, die hysterisch lachens rote Ampeln überfahren und einem das dumpfe Gefühl geben, man werde wohl bald und besonders absurd im Ausland sterben. Es gibt eine wunderschöne Altstadt, ein sehr schönes Schloss und Österreicher, die alle sehr nett sind. Außerdem darf man sich unheimlich cool fühlen, sich in Georg Trakls Hood aufzuhalten, die er sich leider auch mit diesem Musikmenschen hatte teilen müssen. Besondere Vorkommnisse: Ich habe Salzburger Jungstier gegessen und war mir bis zuletzt nicht sicher, ob damit nicht vielleicht auch unliebsame Rap-Kinder bezeichnet werden, die man schlichtweg tötet und sie gemeinsam mit Nockerln an ahnungslose Touristen verfüttert.
Was fehlt:
München, Hofbräuhaus, Substanz, Fischer Stüberl, G-Hotel. Zu wenig Schlaf und fast die ganze Woche hindurch Auftritte. Zu viele Stunden im Zug. Mindestens eine gute neue Bekanntschaft. Und gefragt werden, wann endlich ein TTZ-Album kommt, unbezahlbar!
I get up, go out, and everything is changed. The blood drains from my head, the noise of things bursting, merging, avoiding one another, assails me on all sides, my eyes search in vain for two things alike, each pinpoint of skin screams a different message, I drown in the spray of phenomena. (Beckett)