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A Week in Pictures 29/2019

Gesprächstipps für den lauen Sommerabend:

  • Ein gutes Thema ist immer möglichst unverfänglich, witzig, universell und gleichzeitig schnell erzählt. Es muss allerdings zwingend aus der Ich-Perspektive erzählt sein, maximal „einem Kumpel passiert“ sein. Benutzen Sie gern mein jüngstes Erlebnis, als ich beim Blumengießen aus Versehen einer Oma von oben auf den Kopf gegossen habe und anschließend tagelang nicht das Haus verlassen konnte. Es wird für viel Heiterkeit sorgen.
  • Weitere gute Themen zeichnen sich durch eine gewisse Absurdität aus, die dennoch nachvollziehbar ist und dadurch nahbar wird, dass Sie sie mit viel Elan und einigen tiefgründigen (aber nicht weniger absurden) Gedanken bereits durchdacht haben. Beispiel: „Es ist eine absolute Frechheit, dass es Chipstonnen nur in der Geschmacksrichtung Paprika gibt!“
  • Als ebenfalls gut hat sich bewährt: „Wusstet ihr, dass sich die Umsätze von Ferrero verdreifacht haben, seit es Duplo und das ganze Zeit auch mit weißer Schokolade gibt? Heißt das, dass es einfach doppelt so viel Leute gibt, die weiße Schokolade mögen oder dass Weiße-Schokolade-Community gerade versucht, die über Jahrzehnte entstandene Konsumlücke zu schließen?“
  • Oder (und da muss ich zugeben, dass ich selbst nur bei diesem göttlichen Thema dabei war und es also nicht erfunden habe): „Wenn Sie an der Kasse stehen und jeweils vor und hinter Ihnen stehen auch Leute, für das Legen welches Warentrenners sind explizit Sie zuständig? Den vorderen? Den hinteren? Beide? Oder gar keinen?“ Werfen Sie ruhig immer mal ein paar Gedanken ein wie: „Braucht es überhaupt Warentrenner, wenn man die Waren einfach weit genug voneinander weg legt?“ „Aber wenn die Waren total weit auseinander liegen, dann passt ja nur noch ganz wenig aufs Band? Und was ist eigentlich mit der Umwelt?“ „Man sagt ja aber auch automatisch ‚Danke!‘, wenn der/die vor einer/einem selbst den Warentrenner hinter seine/ihre Waren legt. Also auf jeden Fall hinten!“ Garantierter Diskussionsspaß für mindestens eine Stunde!
  • Wenn die ersten Leute beginnen, ob der Temperaturen und des Alkohols sentimental zu werden, lächelnd in den Himmel blicken und sagen: „Also die Natur ist schon faszinierend. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass das nicht jemand geplant haben soll!“, dann unterdrücken Sie Ihren Lachdrang, hören Sie sich aufmerksam die Geschichten an über „Irgendeine Macht da oben“ oder „Naja, irgendwer, der auf mich aufpasst“ und antworten Sie mit derselben Mischung aus Pathos und Ernst: „Ich glaube an nichts als die Großen Alten. Ich glaube an Cthulhu, den Vorboten des Ghroth, der seit tausenden Jahren angekettet in der versunkenen Stadt R’lyeh festgehalten wird und im Schlaf nach den Auserwählten ruft. Ich glaube an Cthulhu, der dereinst wieder auferstehen wird, um mit Chaos zu regieren und die Seelen der Menschen zu rauben. ‚Das ist nicht tot, was ewig liegt. / Bis dass die Zeit den Tod besiegt.'“ – Und dann einfach mal gucken, was so passiert.
  • Wenn das Gespräch wieder Erwarten zu versiegen droht, einfach mal einwerfen: „Also ich persönliche hasse ja Filme von Wes Anderson!“ Sofort wird sich eine lebhafte Diskussion entspinnnen. Einziges Manko: Alle werden Sie hassen, obwohl Sie Recht haben.
  • Viel Spaß! Berichten Sie gern von Ihren Ergebnissen, insbesondere bei der Warentrenner-Frage!

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A Week in Pictures 28/2018

Ich glaube nicht an das Paradies, das jüngste Gericht oder irgendeine Art Pro-Contra-Liste, die man nach dem eigenen Tod vorgelegt bekommt. Prinzipiell glaube ich, dass einfach Schluss ist. Und das wäre auch vollkommen okay. Ich glaube nicht daran, dass man Ende noch einmal das eigene Leben im Schnelldurchlauf vorgespielt bekommt. Das einzige, was ich hoffe, ist, dass vielleicht noch einmal alle USB-Ladekabel, alle Feuerzeuge, alles Filterbeutel und Papes, die mir im Laufe meines Lebens so beim gemeinsamen Am-Tisch-Sitzen oder während eines „Kann ich das kurz mal benutzen?“ so geklaut wurden, auf einem großen Haufen sehe. Am liebsten mit so einer kleinen Tabelle daneben, auf der steht, wie viel Geld ich in meinem Leben gespart hätte. Nicht, weil ich mich um irgendetwas betrogen oder bestohlen fühle, sondern einfach nur, weil es dann so herrlich ironisch ist: Ich bin tot, Geld kann mir sowas von egal sein, aber dass ich 1.030 Euro allein für Ladekabel ausgegeben habe, die ich dann „mal kurz“ verliehen und nie wieder gesehen habe, 450 Euro für Filterbeutel, die beim Gehen irgendjemand anderes eingesteckt hat, das fände ich, so als Gerade-Verstorbener, wahrscheinlich sehr erheiternd.

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A Week in Pictures 27/2018

Vielleicht ist es so eine ganz weirde Art von Masochismus, vielleicht es auch nur meine ganz eigene masochistische Weirdheit, aber irgendwie finde ich es schade, dass ich ein Alter erreicht habe, in dem ich praktisch nie wieder eine Prüfung ablegen müsste. Ich habe Abitur gemacht, einen Bachelor, einen Master, habe aus Langeweile mal die Schwimmprüfungen bis einschließlich Gold gemacht und muss meinen Führerschein wahrscheinlich erst dann abgeben, wenn ich halbblind mit 90 Jahren durch eine Einkaufsstraße fahre und es dann auf mein Alter schiebe. Ich mache so einen lustigen Schreibkurs bei Shonda Rhymes und übe immer Französisch bei Rosetta Stone, aber beide werden nie von mir verlangen, mein Wissen in einer Prüfungssituation unter Beweis zu stellen. Ich will jetzt gar keine Diskussion über Sinn und Unsinn von Prüfungen anzetteln, sondern nur mal klarstellen, dass ich Prüfungen auch nie cool fand, es aber auch komisch finde, praktisch nie wieder welche zu haben. Natürlich komme ich immer mal wieder in Situation, in denen ich mich beweisen muss, aber niemals in eine solche, in der ich am Ende irgendein Zertifikat oder so etwas bekomme, einen Titel oder wasweißich. Das ist doch weird. Und natürlich finde ich es falsch, gleich eine Pflicht einzuführen, die Menschen dazu verpflichtet, immer mal wieder etwas Neues zu lernen, aber ich merke ja selbst, dass ich es auch nur mache, wenn ich quasi muss. Oder halt so lange allen davon erzählt habe, dass ich es irgendwann machen muss, weil mich sonst niemand mehr ernst nimmt. Keine Angst, ich mache nicht plötzlich einen Motorboot-Führerschein, lerne Segelfliegen oder anderes Midlife-crisis-Zeug. Ich vermisse es nur irgendwie, mich so wie damals bei der Führerscheinprüfung auf irgendetwas vorzubereiten, was nichts mit meinem restlichen Leben zu tun hat. Und dann da einfach hinzugehen, die Prüfung zu machen und danach so einen Zettel zu bekommen, der besagt, dass ich jetzt endlich einen Hummer fahren darf. Gibt es eine Prüfung für Produkttester von Tiefkühlpizza oder Chips? Die würde ich sehr gern ablegen.

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A Week in Pictures 26/2018

Bei Zurück in die Zukunft 2 geht es darum, dass Biff in der Zukunft heimlich die Zeitmaschine stiehlt, um seinem Vergangenheits-Ich ein Heft mit allen Sportergebnisse zu geben, durch das er unendlich reich wird. Dadurch verändert sich die Vergangenheit so sehr, dass Marty beim Versuch, in die normale Vergangenheit zurückzufliegen, in die neue, veränderte Vergangenheit gerät, die auf den ersten Blick genau so aussieht wie die alte Vergangenheit, aber unglaublich schrecklich, weil unmenschlich und böse, ist.
Ich weiß nicht, ob ich jemals Zugang zu einer Zeitmaschine hatte, aber anders kann ich mir langsam nicht mehr erklären, was hier abläuft. Rechtsruck, eine Verrohung des Diskurses, die völlig normal gewordene Übernahme von rechtspopulistischer Sprache durch einzelne Medien, das Kreieren eines diffusen Untergangsmythos‘ sowie eines Feindbildes der Linken und Gutmenschen und die gleichzeitige Dämoniesierung dessen, was man früher gesunder Menschenverstand oder Humanität genannt hatte. Irgendwo muss ich falsch abgebogen sein und an der Stelle gelandet sein, an der sich entscheidet, ob in Deutschland das Vierte Reich entsteht. Und alles, was Marty machen konnte, um die „normale“ Vergangenheit wiederherzustellen war, an den Zeitpunkt zurückzureisen, da sich die Vergangenheit spliteten, um dort die Ursache für die Veränderung zu beseitigen, das heißt den Sport-Almanach zu finden und zu verbrennen. Klingt schwierig, ist aber doch noch verhältnismäßig einfach, wenn man es versucht, auf die Situation hier zu transferieren. War es die AfD? Ich glaube nicht. Die AfD war wahrscheinlich selbst überrascht von der Übernahme durch die Nazis. Aber was war es dann? Die nicht-zerschlagene NPD? Vielleicht. Eine Rot-Grüne Politik, die nicht die Wehen der Globalisierung abfedern konnte, obwohl sie genau dafür gewählt worden war? Auch. Eine verfehlte Aufarbeitung des Nationalsozialismus‘ und eine ebenso verfehlte Entnazifizierung? Jap. Ein gestörtes innerdeutsches Ost-West-Verhältnis? Auch das. Aber versuch mal, genau dort hinzureisen. Vor allem, wenn du vergessen hast, wo du die Zeitmaschine geparkt hast.

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Best of Twitter Juni 2018 #ff

Das war also der Juni. Es folgt eine Auswahl der schönsten Tweets des Monats.

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