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A Week in Pictures 19/2018

Wenn ich früher sah, dass meine Eltern meinetwegen Geld ausgeben mussten, dann fand ich das immer ganz schlimm. Ich wollte nicht, dass sie sich für mich in Unkosten stürzen, wenn es dabei nur um so nebensächliche Dinge wie Schulsachen, Kleidung oder Nahrung für mich ging. Noch schlimmer war es allerdings, wenn meine Eltern unerwartete Ausgaben zu tätigen hatten. Wenn das Auto urplötzlich in die Werkstatt musste, mein Vater dann meiner Mutter die Rechnung zeigte und meinte: „Oh je, das war aber ganz schön teuer!“, dann stand für mich fest: Ich werde ab jetzt kein Geld mehr verbrauchen, sonst landen wir auf der Straße. Und wenn meine Mutter dann fragte, ob wir am Wochenende mal essen gehen sollten, dann sagte ich so etwas wie: „Nein, ein Stück Brot würde mir reichen.“ Dann sagte meine Mutter: „Oder wir machen uns einfach hier was Schönes? Worauf hast du Lust?“ Und ich antwortete: „Was ist denn am Günstigsten?“ Und meine Mutter: „André, du musst doch was essen!“ Und ich: „Ja, aber nicht jeden Tag!“


Wenn in Freiburg ein parteiloser Sozialwissenschaftler Oberbürgermeister wird, der amtierende Leipziger Bürgermeister in die Bankenwirtschaft will, weil er dringend Geld braucht, ich einen Master in Politikwissenschaft habe und noch dazu in keiner Partei bin, dann ist die Sache klar: Ich werde offenbar Leipziger Oberbürgermeister.
Und das, obwohl ich dachte, ich würde 2019 endlich mal ein ganzes Jahr lang nichts tun dürfen. Aber okay, so ein 10-Punkte-Programm ist ja schnell erstellt, siehe oben. Und es ist ganz erstaunlich, wie viele Leute mir schon geschrieben haben, dass sie mich wählen würden. Bestimmt 20. Seither bin ich natürlich in einer Zwickmühle. Sollte ich oder ist das alles Quatsch? Ich meine, ich wäre der beste Bürgermeister aller Zeiten, so viel steht fest. Ein bisschen Angst habe ich nur vor den Amtsmühlen. Das kenne ich ja schon aus dem MDR. Da wird immer am Anfang ganz viel erzählt und versprochen und dann wird das alles peu à peu immer kleiner gemacht, bis am Ende doch wieder alles so bleibt, wie es immer war. So darf ich mich als Bürgermeister natürlich nicht behandeln lassen. Außerdem: Wer wird sich da wohl aufstellen lassen? Der olle Horst schon wieder? Den schaff ich. Der Anwalt von der FDP? Gibt’s die FDP überhaupt noch? Und selbst, wenn ich nicht gewinne, dann habe ich immer noch das Internet hinter mir. Und dann gewinne ich halt per Putsch.
Nicht im Bild: Die tolle Doku namens Ungleichland, die letzte Woche im Fernsehen lief und sich exakt mit eben jenem Christoph Gröner und seiner tollen CG-Gruppe befasst. Gruselig, echt gruselig. Wie er sich da hinstellt und sich über die Anwohner*innen lustig macht und sie verspottet. Und so einer wird hier in Leipzig wie ein Held verehrt. Ich bin echt gespannt, was für eine Partei der gründen will. Wahrscheinlich so eine Art Ur-AfD resp. FDP deluxe, so von wegen „Hartz IV ist noch zu hoch!“, „Gesetzliche Versicherungen braucht kein Mensch!“, „Der Markt regelt das schon!“ und solcher Quatsch. Und auch der Satz am Anfang ist krass. Wie man das Geld einfach nicht los wird, wenn man es einmal hat. Man könnte fast sagen, der Mann hat das Problem erkannt. Aber hat er natürlich nicht, denn er guckt ganz woanders hin. Nun ja, das wird witzig, wenn ich dann Bürgermeister bin.
Auch witzig: Wie man einen Artikel über den neuen Oberbürgermeister schreibt, in dem es am Ende doch nur um frustrierte Wahlverlierer*innen geht.
Und ganz vergessen: Unser Heimatminister war in Leipzig und hat ganz viele Versprechen mitgebracht. Das Problem: Es bringt nichts, das Wohngeld zu erhöhen, weil die Mieten gestiegen sind, wenn man nichts gegen die steigenden Mieten an sich tun will. Und zwei Milliarden Euro für sozialen Wohnungsbau auf vier Jahre in der gesamten Bundesrepublik, das ist doch ein Witz. Geh zurück nach Bayern, oh Heimatmann. Schönes Video zum Thema, was man wirklich tun kann: Bodenlos von ttt.
Rechts: Und wenn’s mit dem OBM nichts wird, dann halt zurück zu meinem Imbissshop.


Links: Es war wieder Feiertag.
Rechts: Siehe hier.
Nicht im Bild: Evil Genius geguckt. Der Trailer war großartig. Ein Pizzafahrer überfällt eine Bank und trägt dabei eine Bombe um den Hals. Angeblich hat er die angelegt bekommen und musste eine Art Schnitzeljagd machen, um sie wieder lösen zu können. Die Polizei hält ihn auf, er sagt, er sei zum Bankraub gezwungen worden und BAM! das Ding geht hoch. Wer steckt dahinter? Okay, die Serie ist nur vier Folgen lang, aber trotzdem ist es mindestens eine, wenn nicht sogar zwei Folgen zu viel. Die ersten zwei Folgen sind wirklich super, danach wiederholt sich eigentlich nur noch alles. Denn soooo krass ist das Dahinterliegende wirklich nicht. Wenn ich mich also entscheiden müsste, dann würde ich auf jeden Fall Making a Murderer empfehlen.
Auch nicht im Bild: Wie Christian Lindner auf den Nazizug aufspringt. Was geht denn? Wie kann man denn nur? „Wir“ haben „ein Recht“ zu „wissen“, wer sich „bei uns“ aufhält, denn nur wer nützlich ist für unsere Wirtschaft, ist ein guter Mensch, der Rest soll halt im Mittelmeer verrecken. Außerdem: Den Judenstern gab’s schon mal. Und am Ende lag halb Deutschland in Schutt und Asche. Meine Güte. Kaum hat es diese Deppenpartei bei der letzten Wahl mit Glück wieder in den Bundestag geschafft, schon liebäugelt ihr Anführer mit den Faschos. Oder wie es bei Go, Trabbi, go! hieß: „Keen Haar am Sack, aber’n Kamm in dor Tasche.“


Links: Meine Güte, war das heiß. Und eigentlich mag ich ja Natur, zumindest immer so lang, bis ich wieder auf den Gedanken komme, dass sich um mich herum praktisch alle Tiere ständig umbringen oder miteinander Sex haben bzw. ständig darauf warten, eins von beiden zu tun oder es wahlweise auch nacheinander tun (pfui!). Wenn ich daran denke, dann finde ich Natur immer nur noch halb so cool. Unter diesem Umständen könnte ich nie Hippie sein. Ich kann nicht einfach irgendwo auf einer Wiese herummeditieren, wenn ich weiß, dass da oben gerade ein roter Milan herumkreist, der jeden Augenblick herunterrast, um einem friedlich umher hoppelnden Kaninchen das Genick durchzubeißen, während direkt daneben zwei Käfer ganz viele kleine Käfer machen. Dafür habe ich nicht 8.000 Jahre Zivilisation hinter mir.
Rechts: Und dann war ich bei detektor.fm und habe dort eine kleine Antrittsrede als Oberbürgermeister gehalten. Also fast, denn eigentlich habe ich nur einen Text eingelesen und war dabei dermaßen schnell fertig, dass die Leute gar nicht so richtig glauben wollten, dass ich überhaupt in der Aufnahmekabine war. Aber es macht Spaß, Sachen aufzunehmen und ich freue mich schon wieder viel zu sehr auf die Hörbuchaufnahme im September. Das wird cool. Und vielleicht macht ja bis dahin auch endlich mal jemand einen Podcast mit mir. Ansonsten mach ich das halt irgendwann alleine.


Beste Geburtstagsgeschenkeeinpacker*innen der Welt. Und wie meisterlich ich genäht habt, unglaublich. Irgendwas zwischen drei oder vier Stunden habe ich gebraucht, um den Stoff um den Siebdruck herum so umzunähen, dass ein halbwegs fester Rand entstand. Das zeigt einerseits, was ich für enormes Durchhaltevermögen habe, andererseits aber leider auch, dass ich überhaupt nicht nähen kann. Letzteres könnte ich noch deutlich illustrieren, wenn ich ein Closeup meiner „Nähte“ posten würde, aber das lassen wir mal lieber. Auf jeden Fall hat es trotzdem Spaß gemacht. Ich weiß gar nicht, was es noch für Dinge gibt, die ich überhaupt nicht kann, die mir allerdings trotzdem total viel Spaß machen. Fotos machen, vielleicht. Oder Gaming. Wobei es bei Gaming sogar noch eine Stufe härter ist, denn ich spiele ja nicht einmal selbst, sondern interessiere mich rein theoretisch dafür. Genau wie bei organisierter Kriminalität. Oder Videoschnitt. Letztens habe ich mich einen ganzen Nachmittag lang damit beschäftigt, ob man nun Softboxen oder Ringleuchten verwenden sollte, um das perfekte ausgeleuchtete Video zu erhalten. Und dann habe ich mich darüber informiert, welches Bibliographie-Programm wohl das beste ist und wie man Citavi auch auf einem Mac zum laufen bekommt, obwohl ich überhaupt keine Ambitionen habe, seit meiner Masterarbeit jemals wieder Citavi zu installieren. Es ist gräßlich. Letztens habe ich stundenlang die Installationsanleitung von Arch Linux studiert, weil es mich einfach interessiert hat, ob ich das heute noch so mirnichtsdirnichts wie früher einmal installiert bekäme (Ergebnis: Vielleicht, wahrscheinlich schon, aber garantiert nicht auf Anhieb). Noch schlimmer ist eigentlich nur mein Verhalten in Schreibwarenläden. Ich habe schon jetzt, vier Monate, bevor wir in die USA waren, auf der Seite von Staples ausgiebig studiert, welche gelben Schreibblöcke ich kaufen möchte. Schlimmer noch, ich habe Blätter auf die jeweiligen Größen der Blöcke zurechtgeschnitten, um live testen zu können, welche Größe mir am besten gefällt (Ergebnis: Junior). Gehen Sie bitte niemals mit mir in einen Schreibwarenladen, wenn sie nicht vor haben, dort eine ganze Weile zu verbringen. Ich kann sehr gewissenhaft Stifte studieren. Oder vorm Regal mit den vorgedruckten Blöcken stehen und davon träumen, wie gern ich ein Fahrtenbuch führen müssen würde, weil ich mir dann so einen vorgedruckten Fahrtenbuchblock kaufen könnte. Oder wie gern ich irgendwo mal Inventur machen würde, weil ich mir dann so einen Inventurblock kaufen könnte. Sie merken: Ich bin völlig krank.
Nicht im Bild: Wie ich die Wohnungen geputzt habe, alles gewaschen und sogar zwei Betten aufgebaut habe, weil ich den Schlafgäst*innen nicht zeigen wollte, in welch verwahrlostem Zustand ich normalerweise hause und wie ich dann beim Rausgehen dachte, dass es doch ganz nett aussieht. Wie ich zum ersten Mal in meinem Leben Pizza bei dem Laden neben dem alten Shahia gegessen habe und sie einfach so göttlich war, dass wir am nächsten Tag gleich nochmal dort hingehen mussten, ich exakt die gleiche Pizza noch einmal aß und mir dann doch ein bisschen schlecht vorkam. Nicht wegen Kalorien oder so, sondern weil ich echt so ein kulinarischer Bauer bin, dass es mich manchmal selbst gruselt.
Auch nicht im Bild: Wie dann am nächsten Morgen drei von vier Reifen der Schlafgäst*innen zerstochen waren, weil Connewitz einfach tausendmal krasser als die Eisenbahnstraße ist. Wie das eigentlich ziemlich kacke ist, wenn man gerade fahren wollte, dann aber zuerst auf die Polizei warten muss, weil Versicherung und so, und dann das Auto abgeschleppt wird, man beim Autohaus auf ein Ersatzauto hoffen muss und all das nur, weil irgendjemand Langeweile hatte.
Ebenfalls nicht im Bild: Wie sie Mittagsschlaf machte und ich daneben lag und eine Doku über Giftmörder guckte und mir erst später klar wurde, wie das von außen gewirkt haben muss. Von außen, ja. Könnte ja sein, dass das hier die Truman-Show ist, allerdings mit mir als Hauptdarsteller. Wie gesagt, ich sehe mich ja selbst schon lange als Youtuber, ich habe nur noch nicht angefangen, zu filmen. Und da hätte es schon für große Verwirrung gesorgt.


Links: Witzig!
Rechts: Guter Artikel in der taz darüber, wieso es Quatsch ist, dass es jetzt im Zuge der WM wieder total „cool“ wird, alles in schwarz-rot-gold zu packen. Sowieso war das eine gute Samstagsausgabe. Zum Beispiel dieses kurze how to in Bezug auf Trans und Cis fand ich super. Ganz nüchtern erklärt, einfach für alle, die es wissen wollen, sich aber nicht trauen, zu fragen.
Nicht im Bild: Warum ich Zeitung gelesen habe: Weil ich, guter Mensch, der ich nun einmal bin, vor dem Fußballgucken Plätze freigehalten habe für alle, die sich angekündigt hatten. Und dann mal wieder aufs Herbste enttäuscht wurde, weil immer, sobald ich freihalte, sich 1) niemand mehr dazu berufen fühlt, vielleicht trotzdem nicht erst fünf Minuten vorher zu kommen (Arschlöcher!) oder gar 2) erst fünf Minuten vorher abzusagen (und das auch nur auf Nachfrage), obwohl ich nur auf Grund der ursprünglichen Anfrage der Absagengen überhaupt erst gekommen war (Meta-Arschlöcher!). Hass! Sobald ich Bürgermeister bin, wird Plätze-Freihalten verboten. Oder ich reformiere einfach die Regeln fürs Plätze-Freihalten. Maximal bis 30 Minuten vor dem Spiel, wer dann nicht da ist, hat sein Recht verwirkt und der Platz wird frei. Wer nicht bis spätestens anderthalb Stunden vorher absagt, wird nie wieder angefragt und hat sein Freihalterecht verwirkt, außer er/sie rehabilitiert sich durch die freiwillige Bereiterklärung zum Freihalten, um die eigene Schande auszugleichen. Ach, ich wäre ein toller Bürgermeister.


Der Verlag hat die Vorschau geschickt. Nein, so wird das Buch nicht aussehen. Also schon irgendwie so in etwa, aber auf keinen Fall so. Dafür habe ich schon jetzt zu viele Änderungswünsche und möchte noch hier und da etwas ausprobieren. Warum es trotzdem so in der Vorschau steht? Reden wir nicht darüber. Auch die Zeile „Für Fans von Julius Fischer und Marc-Uwe Kling“ hätte ich gern gestrichen. Bin ich eine Eissorte? Jetzt neu! Kirsch-Knoblauch-Eis! Für Fans von Kirsche und Knoblauch! Na gut, im Endeffekt soll es mir egal sein, solang das Buch einfach in jedem Buchladen ausliegt und in jeder Radio- und Fernsehsendung gefeaturet wird. Ja, auch in den Kochsendungen.


Links: Weiß auch nicht, was das soll. Aber wie gut ist es bitte, dass der HSV endlich abgestiegen ist? Endlich! Das wurde aber auch sowas von Zeit! Noch ein Jahr länger und ich wäre selbst nach Hamburg gefahren und hätte die doofe Uhr auf null gestellt. Und wie armselig ist es bitte, dass das Spiel trotzdem Bengalos und Rauch und so weiter unbedingt zu Ende geführt werden musste? Spielabbruch, Abstieg, fertig. Das wäre doch die viel bessere Geschichte gewesen. Wenn wir schon absteigen, dann spielen wir das letzte Spiel aber auch wenigstens nicht bis zum Ende. Viel scheinheiliger ist doch, dann noch so zu tun, als wäre alles okay? Wie mich diese ganzen Vereinsoffiziellen immer nerven, wenn sie dann davon faseln, dass diese Chaoten ja auf gar keinen Fall Fans sein können, weil unser schöner Sport bla bla bla. Leute, wenn ihr wirklich verhindern wollen würdet, dass Pyrotechnik ins Stadion gelangt, dann würdet ihr das auch hinbekommen. Es gibt in diesem Land Leute, die verhindern, dass sich Menschen irgendwo in Deutschland, egal wo, Bomben um den Bauch binden und sich damit irgendwo in Deutschland, egal wo, in der Fußgängerzone in die Luft sprengen. Und ihr schafft es nicht, zu verhindern, dass Leute Knaller mit in euer blödes Stadion bringen? Ernsthaft? Das soll ich glauben? Tut doch bitte nicht so. Und bitte jetzt keine Pyrotechnik-ist-kein-Verbrechen-Diskussion, weil darum geht es mir jetzt gerade gar nicht.
Themenwechsel: Was für ein krasses RB-Spiel. Warum geht das nicht immer so? Ja ja, Doppelt- und Dreifachbelastung und so weiter. Aber wie machen das eigentlich Basketballspieler in der NBA? Die spielen von Oktober bis April 82 Spiele und wenn sie Glück haben, dann noch bis zu 38 Extraspiele in den Playoffs. Wie reden die dort über Doppelt- und Dreifachbelastung? Zum Vergleich Bundesliga: 34 Ligaspiele von August bis Mai mit einem Monat Pause dazwischen, dazu maximal 6 Spiele DFB-Pokal plus maximal 13 Spiele Champions-League. Arme Fußballer. Aber gut, dann halt noch eine Runde Europaleague. Obwohl sich da personell noch Einiges tun muss.
Rechts: Wuschelhund gekidnapt und zum Morgenspaziergang gezwungen.

Was fehlt:

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