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Zweitausendzwölf

Wie im letzten Jahr, im Jahr davor, 2009 und 2008.

Januar: Es regnet. Neujahr stehe ich beim Gyrosmann und denke, dass es ziemlich okay ist, Neujahr beim Gyrosmann zu stehen. In Hamburg lernen wir, dass sich die Außergewöhnlichkeit eines Abends ein bisschen dadurch forcieren lässt, dass man am nächsten Morgen um 5 Uhr aufstehen und wieder nach Hause fahren muss, um dort ein Referat zu halten. Zürich mag ich nach wie vor sehr. Aber erst dann, wenn dem Superduperschnellzug mitten im Ötztal eine Achse bricht, bekommt man ein Gefühl dafür, was ‚Es hat geschneit!‘ wirklich bedeutet. In Salzburg sterben wir gefühlt 30mal während einer 10minütigen Taxifahrt. In München sitzen wir in einer Hafenkneipe und essen Pflanzerl. In Dortmund geht mehr als nur das U und in Bochum sind die Morgen angenehm ruhig. Dann schneit es auch zu Hause noch und stellt dabei ideale Lernbedingungen her. Mündliche Prüfungen über Ex-Jugoslawien sind mein Ding. Das erste Mal in der Titanic und eine Überseereise geplant.

Status: Läuft.

Februar: Es ist kalt. Und es gibt so viel zu tun. Neue Ausweisdokumente machen zu lassen, fühlt sich so schrecklich ernst an. Unsere Soloshow ist ausverkauft, tze. Eine Hausarbeit über das GTAZ. Los, wir versuchen das mit dem Album. Bei so viel Schnee und Sturm wird selbst das Flyer-Abliefern zur mehrstündigen Tortur. Das Fernsehen ruft an und verdrängt den Gedanken, sich mit dieser einen Veranstaltung mal so richtig zu übernehmen. Vielleicht sollte man manchmal ein bisschen langsamer machen. Das ist also diese Normalität. Und weil noch nicht genug zu tun ist, einfach mal das Blog komplett umgestalten.

Status: Hm.

März: Es wird Frühling, endlich. Ich kaufe eine Badehose, esse echten Bamberger Obatzda und bekomme die entspannteste Stadtführung der Welt. Erschöpfung im Auto nach Würzburg. In Luxemburg residieren wir zum ersten Mal dem gefühlten Status entsprechend. Soloshow ausverkauft, tze. Meine Meinung über postmoderne Theaterstücke wird gründlich revidiert. Meine Meinung über die Taxisituation in Eisenach wird gründlich zerstört. Veranstaltungs- und Leutetreffmarathon bei dieser komischen Buchmesse. Trotzdem ist es dort wie bei Twitter: Wenn man da ist, ist es okay, wenn man nicht dabei ist, verpasst man nichts. Aber die Textbox ist super. Trotzdem fühlt es sich erst in Weimar mal wieder richtig an. Die letzte Hausarbeit, es geht um Belfast. Alles sieht jetzt nach Fertigwerden aus.
Status: Hmpf.

April: Es ist Frühling. Endlich sieht es draußen mal wieder vielversprechend aus. Auch wenn der Frühling ein Lügner ist. Ernüchterung in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Erstaunlich, aber das Laufen hilft. Und das Karate erst. Manchmal würde schon das Gefühl des Wertgeschätztwerdens ausreichen. Wiederaufbau bei der Lesebühne und in Jena. Wenn schon den eigenen Geburtstag-Feiern, dann so. Und die Angst-Veranstaltung wird ein voller Erfolg. Allzeitbowling und S-Bahn-Marathon in Berlin. Das ist die Freundschaft. Riesengraffitis in Leipzig und Rapsfelder überall. Denken wir einfach nicht dran, dann geht es. Wenn es laut und verraucht wird, ist es am besten.
Status: Ja.

Mai: Es ist warm. Die Flugtickets sind da und doch ist es noch nicht richtig in meinem Kopf, dass in diesem Jahr noch eine fette Reise ansteht. Auf der Leipziger Kleinmesse fahre ich mit dem schlimmsten Fahrgeschäft der Welt und sterbe beinahe. Ich müsste mal meine Masterarbeit anmelden. Aber ich kann stattdessen auch zweimal wöchentlich in die Schwimmhalle gehen und merken, dass es sich gut anfühlt. Fahrradfahren und vorm Schwimmen rauchen. Ich schreibe einen Fanbrief an die ARD und liege viel im Gras. Die Bücher der Kollegen zu lesen motiviert.
Status: Oh ja!

Juni: Es ist heiß. Totale Motivation in Hotelzimmern, die immer im Fernsehschauen endet. So ein bisschen Natur ist schon gut. Wir gründen einen Stammtisch gescheiterter Politikwissenschaftler und scheitern seither einmal wöchentlich. Wie seltsam es einen zurücklässt, wenn jemand sagt, die Ärzte seien für ihn nur noch nette Musik aus einer Vergangenheit, die jetzt vorbei ist. Vielleicht funktioniert das wirklich. Es ist zu viel für einen allein. Drei nervenaufreibende Versuche, eine erfolgreiche Anmeldung der Arbeit. Nachts am See. Die Leere der Straße während des Fußballspiels. Regen, der diesen guten Geruch zurücklässt.
Status: Jaja.

Juli: Es bleibt heiß. Quatsch kaufen im Spielzeugladen, aufgehende Herzen im Künstlerbedarf. Postkarten aus den USA für alle! Rambo-Gucken am Vormittag. Wir fahren ins Zittauer Gebirge und fühlen uns alt beim Wandern. Wobei wandern übertrieben ausgedrückt ist, wenn es immer genau dann regnet, wenn man wirklich wandern gehen will. Endlich das Ende des Geburtstagsmarathons. So langsam wird’s hip hier. Seitenweise informationelle Vorbereitung auf die Reise. Wir hätten das anders machen sollen. In Chicago könnte man wirklich auch länger sein. Auch wenn es dort noch viel heißer ist. Dark-Knight-Sonnenbrand. Detroit könnte auch eine Stadt in Ostdeutschland sein. Gruselig ist es trotzdem ein bisschen. Toronto ist vor allem sehr hoch. Und man trifft dort sogar Leipziger, die wissen, wer wir sind. 15 Postkarten aus Chicago und Detroit, 4 aus Toronto. Ich glaube, ich werde professioneller Autofahrer in den USA.
Status: Yeay!

August: Es bleibt heißer. Morgenroutine in New York. Autofahren in Manhattan ist Krieg. Chicken over Rice in der 5th und Baseball bei den Yankees. Wenn es nur nicht so verdammt teuer wäre. Irgendwann hat man das Nur-Touri-sein satt. 105 Postkarten aus der Empire City und fetter Respekt von den Leuten im General Post Office. MET, MoMA, Guggenheim! Warum muss die Basketballsaison so spät beginnen und Football erst nächste Woche? Wieder-da-sein ist auch okay. Ich müsste mal anfangen, meine Masterarbeit zu schreiben. Open Flair zum Runterkommen. Besuchmarathon und so genannte antideutsche Kneipen in Berlin. Diese guten Berliner Morgen. Zwei Tage aufnehmen und noch nicht ganz überblicken, wie viel da noch gemacht werden muss. Müde unentwegt, aber muss ja.
Status: Phew.

September: Langsam wird’s kühler. Aufnahme- und Bearbeitungsmarathon im Studio, 14 Stunden täglich. Wir gehen gern ins Stadion. Wir gehen gern bowlen. Wir lesen gern misanthropische Autoren. Ich fange mal an, meine Masterarbeit zu schreiben. Okay, ein paarmal Rumfahren ist noch drin. So langsam brauchen wir echt mal einen zweiten Text. Betrübnis in sachsen-anhaltinischen Dörfern, Wohlfühlen in Frankfurt und dann mal eben in Prag. Vielleicht klappt ja noch so eine Veranstaltung. Ich sollte mal diese Berichte lesen. Ein Album-Cover! Ein DSDS-Gewinner! ARD-Vorabendserien vormittags im Hotel. Iron-Maiden-Stammtisch und dann ist es endlich endlich fertig. Alles in die Wege leiten so schnell es geht.
Status: Oha.

Oktober: Letzte Wärme. Die beim Fernsehen sind alle ganz nett. Auftritte sind auch nur Arbeit. Zuversicht abholen bei ehemaligen Leidensgenossen. Dann machen wir das mit dem zweiten Text eben mal schnell. Ich lese endlich mal diese Berichte. Laub-Harken zur Abwechslung. Ich mag auch Flughäfen. Lesen und Exzerpieren to the limit! Diesmal ist die Angst-Veranstaltung sogar noch krasser. Kino zur Abwechslung. Das letzte Mal Wärmehalle. Promowahnsinn und Anstandsbesuche. Na ein Glück, dass jetzt endlich jemand ein Kind bekommt. Fragt mich doch lieber, wie weit ich bin, anstatt was danach kommen soll. Sitzen am Fluss und Momente des Zuviel. ‚Vollzeit fetzt nicht, ich kenne Leute, die haben das ausprobiert!‘
Status: Ohje.

November: Ich hasse November. Das wird knapp. Lesen und exzerpieren, lesen und exzerpieren. Und da ist die CD! Leider erstmal nur digital. Dann schreiben wir den zweiten Text eben nochmal um. Alles neu und Zuschauerexplosion im Plan B. Und weil es noch nicht genug ist, fahren wir dann auch noch hierhin und dorthin. Pils-Bestell-Versuche im Hofbräuhaus. Firmengutscheine und Theme Hospital. ARTE-Filmerei und Krank-sein in Heidelberg. Und dann einfach nochmal gewinnen. Gefangen im Zug Richtung Dorf. Endlich mal The Silver Mt. Zion! Kochen zur Abwechslung. Jetzt muss es aber wirklich mal langsam.
Status: Oh shit oh shit oh shit!

Dezember: Kalt oder warm, wie man will. Die eine Veranstaltung noch, dann schließ‘ ich mich ein! Und dann geht’s plötzlich rapide voran. Die Mate-Bockwurst-Kombi. Wird schon. Vor-Weihnachten als Ziel. Als ob das die Jahre über nur Spaß an der Front war. Keine Heirat, keine Kinder. Der Riesenunterschied zwischen sich für tolerant halten und tolerant sein. Ganz anders wird’s wohl trotzdem. Natürlich ist es nicht weg! Das Doofe ist, dass es sich am Ende so anfühlt, als sei es ganz leicht gewesen. Sind wir alle so geworden? Fertig! Ich muss erstmal weg. Kino und Schreiben zur Abwechslung. It’s all about discipline. Bisher hat ja auch alles funktioniert. Why so serious?
Status: Hm.

Was bleibt: Ich glaube, das reicht für ein Jahr. Schauen Sie doch mal im Archiv nach.

In Kategorie: Allzumenschlich

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