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Zweitausendsechzehn

Wie im letzten Jahr, im Jahr davor, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009 und 2008.

 

Januar:
Teufel, Tod und Gerechtigkeit beim Neujahrstarot und die Stimmung ist erfolgreich ruiniert. „Nein, nein, das bedeutet Veränderung. Und Veränderung ist gut.“ Steuer machen am 1. Januar und gleich wieder weg. Ich bin jetzt schon müde. Fünf Tage Ruhrpott, runterfahren im Hotel bei Cola und täglich einer Seite. Van Gogh, Munch und nicht kiffen in Amsterdam. Und schon wieder im Flugzeug. In Leipzig freuen sie sich mehr über die Nachricht, als ich mich selbst zu freuen wage. Mittags auf der grünen Couch fühlt es sich richtig an. Schnee in der Regionalbahn. Sonne beim Dönerholen. Einatmen in Berlin und Finsternis in Brüssel. Serien, Serien, Serien, damit ich nicht nachdenken muss. Durch Richters Fenster in Köln gucken. Und es regnet und regnet in Brüssel. Ja klar, lasst mich alle allein hier. Vielleicht bin das einfach nicht ich. Hallo Spencer nachts im Bett.
Status: Ugh.

 

 

Februar:
Es regnet noch immer. Schlafen und lesen bis mittags. Dann ein paar Stunden ans Skript. Mitraillette und italienische Platte. Erfrieren bei L’Union und Fernweh vor Sky. Der meditative Weg zum Delhaize. Das Abzählen der Tage. Die Gangster von Molenbeek. Magenkrämpfe beim Superbowl. Und schon wieder im Flugzeug. Es wundert mich immer wieder, aber sie finden es tatsächlich gut. „So, jetzt siehst du aus wie uns!“ beim Friseur. Heimlich fotografieren im Medizinhistorischen Museum. Erfrieren auf dem Rückweg. „Sorry, das wird leider nichts, aber hättest du vielleicht doch noch etwas Lustiges?“ – und weg damit! Ein ganzer Monat voll Todos in anderthalb Wochen. Ich bin eigentlich nie da. Nie irgendwo. Pommes mit Gulaschsoße ab jetzt nur noch kurz vorm Südbahnhof. Die Sonntage bei untergehender Sonne sind die schlimmsten.
Status: Ach.

 

März:
Unendlich krank. Einfach laufen. Und plötzlich ist da sogar mal Sonne. Dann nur noch funktionieren. Schreib, schreib, schreib! Polnischer Abgang beim Sprachkurs. Am besten ist es, wenn man so knapp fertig wird, dass man keine Zeit hat, darüber nachzudenken, ob es gut ist – und wenn es dann zufällig total super ist. Drei brechend volle Buchmessenabende. „So kann es bleiben. So macht es Spaß.“ Snyder’s Honey Mustard & Onion. Ich will in den Osten. Tausende Orgamails, aber irgendwie klappt es. Wir touren und ich trinke zu viel Energiemilch. „Kein Ding, machen wir!“ in Köln. „Es sind leider nur sechs“ und dann ist es voll in Düsseldorf. „Ach, dann rauch ich halt wieder“ in Stuttgart. Mails, Mails, Mails. Papiere, Papiere, Papiere. Kopien, Kopien, Kopien. „Ich hab schon alles dabei und eigentlich direkt ab jetzt.“
Status: Uff.

 

 

April:
Anlaufnehmen. Magnolien fotografieren. Springen. Halt: „Das Haus wird evakuiert und Sie ziehen erstmal in ein Hotel.“ Das schrecklichste Hotel der Welt, wohlgemerkt. Les Gilmore Girls. IBIS-Umzug und Steak und weg. Kacke. „Willkommen zu Hause“ und niemand glaubt es. Manchmal fühlt es sich wie eine Niederlage an. Es ist keine Niederlage. Ein Bett, eine Couch, ein Couchtisch, das muss erstmal reichen. Einbauen, Umschreiben, Einzeichnen. Döner unter der einzigen Glühlampe. „Schick mal deine Änderungen für die zweite Auflage.“ Aufzeichnung, Aufzeichnung, ALF-Shirts fürs gespanntsein-ob’s-funktioniert. Es funktioniert! Deplatziertfühlen in der Uni. Roasten in den Pausen vor den Aufzeichnungen. Vormittags allein im Waschsalon fühlt sich alles wie ein Film an. Eine Woche am Stück. Kühlschrank of shame. Bowlen zum Geburtstag. Tschüss 1, Tschüss 2, Tschüss 3, Einladen, weg, Ausladen, weg.
Status: Fuck.

 

Mai:
Keine Pausen, bitte. Tür auf, Tür zu, Tür auf. Autofahrdienst André. Aufstieg und Wiedersehen auf der Dachterrasse. Ich hab doch gesagt, bitte keine Pausen. Nachts auf der Autobahn und morgens am Bahnhof. Wie das trotzdem alles immer klappt, ist mir ein Rätsel. Sitzen in Moabit, Hustlen in Kreuzberg und offiziell in Leipzig. Hochzeit und Ferne in Sachsen-Anhalt. Und dann tatsächlich wieder da. 6,66 Euro und Karten für Louis CK. The art of Storytelling im Waschsalon. Am besten verstehe ich mich immer mit denen, die ganz unten liegen. Fünf Serienpiloten am Stück analysieren. Wenn man nichts erwartet, wird es immer am besten. Schwarze Luckies schwankend in Berlin. Rauchen am Fenster im Westen. Bifi Roll in Aachen, Schnitzel in Münster. Und dann ist tatsächlich fast so ein bisschen Pause.
Status: Puh.

 

 

Juni:
Abschiedsslam in Dresden. Überlegen in Leipzig. Zwei Monate da und erst jetzt Zeit zum Ankommen. Eine Cola-Mate für den Weg. Aufholen, was liegen blieb. Bowlen, Bier und Fahrrad. ALF stirbt. Salzstangen. Bei Sonnenaufgang aufs HDI-Haus zufahren. Vorträge und alle zwei Tage in den Meetingraum. Ich kann schon keine Chips mehr sehen. Ein Glück, dass das nicht mein Job ist. Besprechen in Leipzig, besprechen in Berlin. Ein Pilot aus Versehen. Ausflug nach Tschechien passend zum Brexit. Ich fühle mich so weit weg. Lesen, lesen, lesen. Laufen und immer wieder sitzen.
Status: Hm.

 

Juli:
Statt Deutschlandspiel in Pfützen. Alle wieder da. Nachmittags lesen auf der Couch, morgens planen im Café. Wie früher. 500 Leute bei der Lesebühne. Völlig kaputt nach Hamburg. Das ist also die Grenze. „Machen wir. (Ich weiß zwar noch nicht wie, aber was soll’s.)“ Ebbe und Flut. Stille. Das komische Klappern auf dem Weg nach Dresden. In der Sonne hinter der Villa. 10 Kilometer laufen. Eine ganze Nacht Gitarre. Die längste Fahrt der Welt. Letzte Runde Berlin, dann ist Ruhe. „Jetzt kann ich nicht schlafen.“ Jeden Tag Schuhe putzen. Kurze Hosen und doch wieder RB. Wehe, das regnet. Sitzkonzert. Nie wieder alkoholfreies Bier. 18 Kilometer Fahrrad. Es heißt Overlook, nicht Overview Hotel! Kurz vor dem Aufschlag denken: „Passt mir grad gar nicht.“ „Die Betäubungsspritzen tun den meisten Leuten ja mehr weh, als das Nähen selbst, also suchen Sie’s sich aus.“ „Ja, klar, dann mach’mer ohne.“ Ab jetzt liegen.
Status: Tilt.

 

 

August:
Liegen, liegen, liegen. Tausendmal beim Arzt. Ich dachte, ich hätte die News. Sitzen auf der Sachsenbrücke. Liegen an der Pferderennbahn. Immer das Tagesgericht. My standard break from life. Ausflug nach Pissen. Eine Stunde von West nach Süd. Die richtig gute Party. Der richtig beschissene Sonntag. „Wann waren Sie das letzte Mal bei uns?“ „Vor zwei Wochen.“ Ich verpasse alles. Liegen, liegen, liegen. Ich bin der beste Bandagenbinder der Welt. „Wann geht das wieder?“ „Na ab jetzt.“ Der gute Freitag. Das Auslaufen am Samstag. ALF statt AfD. Und der viel zu frühe Sonntag. Ausspeicherstation André. Alle nur am Handy. Erst beim Baden merken, wie dünn man geworden ist. Doch wieder Fahrrad. Selbstvergewisserungsselfie. #nütztjanüscht Ein Ausflug nach Prag. Louis fucking CK. Die Nazis neben dem Theater. „Kannst du bitte ins Krankenhaus kommen?“ Sonnenbrand im Schatten. Wäscheaufhängen bei Punkrock um 07:30 Uhr. Das ist also diese Bundesliga. Schlafen wäre mal eine Idee.
Status: Uff.

 

September:
Park einräuchern. Ich gehe zur Halbzeit. Die Sommerpause endet in Hamburg. Immer ans Wasser. Unendlich krank in Potsdam. Unendlich krank beim Labskaus. Das sind also diese Sommerabende aus den Büchern. „Sorry, wenn ich jetz so störe, aber du bist doch Antreh Herrmann? Stark, alter!“ Lesen, lesen, lesen. Bebt es? Warum habe ich den scheiß Zettel nicht einfach mitgenommen? Döner bei Sonnenuntergang. Ich bin da. Krustenschweinebraten, Baselitz, Twombly und Sonnenbrand. Wenn man nichts erwartet, wird es immer am besten. Eigentlich warte ich nur auf morgen. Der beste Lesebühnenauftakt der Welt. 9 Seiten. Antifa-Sportgruppe für Jungantideutsche mit Internetverbot. Ich halte nie wieder Plätze frei. So you wanna be a superhero? Kartoffeln mit Quark. Das größte Paket der Welt. „Ach, Sie gehen nicht mit in die Kirche?“ #erstmalzupenny #pizzaruleseverythingaroundme Zwei Stunden in die Eisenbahnstraße. Zweieinhalb Stunden bis Heidepark! Sometimes it’s hard.
Status: Hmja.

 

 

Oktober:
Can you knot? Freitag zum Konzert laufen. Samstag „Ich geh mal kurz hoch zur Straßenecke!“ Sonntag Steak am See. Eis im Park. Catching up in der Hood. Überhaupt keine Lust auf Rumfahren. Seiten pumpen in Frankfurt. Geburtstage in Marburg. Respekt in Berlin. Regen am Morgen. Ein goldenes Ticket nach Stuttgart. Fünf Seiten für die Erstis. Visitenkarten von der CDU. Extra zur Signierstunde nach Berlin. Parler en francais. Zeug klären. „Mit dem Riss an der Gabel mache ich mir Sorgen um deine Gesundheit.“ Rewe hat alles! Mittags mit Cola nach Hause. Vorbereiten auf die Gilmore Girls. „Ich mach Kasse!“ „Oooookay.“ Alle reden zu viel. Ein ALF-Wecker. Anfängerglück. Es regnet passend zur Stimmung.
Status: Huih.

 

November:
Tiefkühldinosaurier zum Feiertag. Wenn der Kumpel nicht zum Biertrinken kommt, kommt er mit in den Roast. Das ist also das Business in Köln. Und dann das große Klassentreffen. Schlafen-geh-Verbot. „Ich wollte mal fragen, ab wann die Sauna geöffnet ist.“ Im Bademantel darf man nicht zum Frühstück. Living se dream mit Jumpys und Voyager. Diskutieren, diskutieren. „Eigentlich müssten wir mal wieder mitmachen.“ Und dann ganz früh zurück. Das war eindeutig zu lang. Gleich wieder Reden. Manchmal helfen Schellen. Ich bin nur zum Aufpassen da. Viel zu müde im Kino. Nach acht Monaten hängt auch endlich mal das ALF-Bild. $ick in Leipzig und Lesebühne in Halle. Leipzig – Dresden – Dessau – Leipzig – Chemnitz – Leipzig. Drei Döner in 24 Stunden. „Ey, Gästeliste! Lust?“ „Wann?“ „Na so jetzt.“ Das Ding ist fast ein bisschen schwer. Gilmore Girls um Punkt 9 Uhr morgens. Durch den Nebel zurück nach Leipzig. Gerade noch reinkommen.
Status: Ja.

 

 

Dezember:
„Pass auf, wenn’s glatt wird.“ „Ja ja.“ Girl Power. Ich brech dir die Beine. Slam. Stadion. Cosmic Trigger 1-3. Das Grinch-Gefühl und Modern Family. Ich hab gar keine Lust auf Wegfahren. Alles voller deutscher Rentner. Rumhängen, runterkommen. Schwarzer Sand und einfach loslaufen. Keine Wale. Ich fahre so gerne Auto. „Eine Cola Light, bitte.“ „Bei uns trinkt man Bier!“ Nichts geschafft. Noch so viel zu tun. Aber zu Hause erstmal auf die Fresse legen. Schon wieder Hamburg. Vor zwölf im Bett. Ein festlicher Abschied in Berlin. Ewiges Besprechen am Donnerstag. Und eine SMS: „Geht los. Kannst ins Krankenhaus kommen.“ Sekt, Schnaps und eine Auswahl an Kuchen. Und endlich wieder Against Me! Das nasse T-Shirt in meiner Tasche. Und weiter nach Dresden. Fünf Meter freie Sicht. Jetzt aber schnell noch was machen. Wie das immer klappt, sobald Druck da ist. Lesebühne, Weihnachtsfeier und Zigaretten mit Honig. Best old times, Fußball und das Internet erklären. Zeitreise. Ach, ach, ach. „Das wären das 60.“ 50 hinlegen: „70!“ „Ah, dann kriegen Sie ja noch 40 zurück.“ Ach, ach, ach. „Könnt ihr bitte aufhören, Videos von mir zu gucken!“ Ach, ach, ach. Und weg.
Status: Ja, ach.

In Kategorie: Allzumenschlich

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