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Zweitausendacht

Diese Idee fand ich so hübsch, dass ich sie gleich nachmachen muss. So läuft die halbe Blogwelt ja ohnehin.

Januar. Neues Notizbuch. Ein guter Freund schlägt mir mit einem Verkehrsschild beinahe die linke Hand ab. Meine Uhr zerspringt. Ich kaufe an einer Tankstelle „die größte Cola, die man für 2 Euro kaufen kann“ (1,5 Liter). Stagediving. Die Lesebühnenplanung steht. Ich wurde mit einem Mal so krank, dass ich ernsthaft daran dachte, einen Notarzt zu rufen. Überaus gute Prüfungen. Ein Vogel zerschellte an meinem Fenster.

Februar. Neues Notizbuch. Glück. Sascha Lobo gesehen und genau so beeindruckt, wie von jedem anderem Menschen in Connewitz. In Karlsruhe stand ich vor einem Club, rauchte und bemerkte erst, dass neben mir ein Typ umgehauen worden war, als er blutend direkt vor mir stand. Ich war dauerhaft müde, was sich auch auf den Lesebühnenfotos besonders schön zeigte. Ich lernte nicht Sarah Kuttner kennen.

März. Umziehen. Ich vertrieb mir den Monat mit Rumfahren. War überall und nirgends. War im Chemnitzer Flowerpower und betrunkene Iren gaben mir viel zu viele Fosters plus Jägermeister aus. Die Buchmesse war ein ganz und gar verrückter Ort. Dank Presseausweis fühlte ich mich so lange wichtig, bis ich die Masse von Menschen sah, die auch einen hatten. Die Uni ließ mich Spießrouten im verkorksten Einschreibesystem laufen.

April. Nicht unterwegs und dennoch nie da. Ebensowenig war ich bei Against Me!.Verrückt. Als hätte man die familären Dinge in weiser Vorraussicht kurzzeitig konzentrieren wollen, um dann lange von ihnen leben zu können. Wir beschlossen das „Team Totale Zerstörung“. Als zum ersten Mal im Jahr regelmäßiger die Sonne schien, merkte ich, dass ein Zimmer in Südrichtung ohne Vorhänge in vielerlei Hinsicht keine gute Sache ist.

Mai. Die Auftritte im Frühling waren die schönsten. Ich wurde mal wieder von kaputten Fahrkartenautomaten zum Schwarzfahren genötigt. Rächte mich mit einem Text. Der brachte auch die Strafe wieder rein. Kaufte mir einen neuen Pullover. Ich glaubte, die optimale Balance zwischen Auftritten und Nicht-Auftritten gefunden zu haben. Mir wurde klar, dass es eine schlechte Idee ist, sich im Vorraus keine Fahrzeiten aufzuschreiben.

Juni. Kreierte Laufrouten durch die Stadt, um möglichst viel an einem Tag zu schaffen. Ich fing an, auch unter der Woche unterwegs zu sein. Ich sagte zum ersten Mal einen Auftritt ab. Polizisten verlangten von mir detailierte Zeugenaussagen. Ich schrieb sie so detailiert, dass sie sich beschwerten.

Juli. Neues Notizbuch. Es war keine adäquater Ersatz, Hausarbeiten zu schreiben. Die Bahn begann fahrplantechnisch zu spinnen. Wieder Prüfungen. Unglaublich nervig war es, Nachmieter für ein WG-Zimmer zu finden, mit dem auch alle einverstanden waren. Ich war in Bayern, trank bayrisches Bier und fuhr mit U-Bahnen, die ohne Fahrer auskommen. Dass Hochzeiten mir sehr sehr unangenehm sind, merkte ich auch.

August. Die Uni engagierte uns, herrjeh. Ich machte viel, schrieb es auf und strich es anschließend in meinem Kalender durch. Ich fahre Auto und damit in die einzige Scherbe auf dem ganze großen weiten Parkplatz hinein. Der Sommer war wie immer die mit Abstand schlimmste Zeit des Jahres. Kam nachts total durchgeschwitzt nach Hause. Am nächsten Tag waren meine Klamotten weiß.

September. Wieder Umziehen. Glück. Krank gewesen. Ich machte mir meine eigene Sommerpause und tat nicht viel, merkte aber, dass es durchaus Zustände gibt, bei denen man sich nicht ständig fertig fühlt. Ich beschloss, dass Insitutionen keine Menschen sind und dementsprechend auch mechanisch behandelt werden dürfen. Ich strich Tage in meinem Kalender durch und tätigte viele Beschwerdeanrufe.

Oktober. Die Bahn machte noch immer Faxen. Die Uni machte wieder Faxen. Von nun an verspätete sich jeder meiner Züge um mindestens 15 Minuten. Ich war wieder einmal in Berlin und wurde wie eine wichtige Person behandelt. Ich war in Marburg und konstituierte, diese Stadt sehr zu mögen, aber froh zu sein, nicht dort zu wohnen. Manchmal fuhr ich freiwillig zu unmenschlich frühen Zeiten wieder in Richtung Heimat, nur um niemandem begegnen zu müssen

November. Neues Notizbuch.  So viel war ich binnen eines Monats noch nie unterwegs. Aber es lohnte sich sehr. Es blieb anstrengend. Doch ich erkannte, dass es in der Schweiz andere Steckdosen gibt und Migros-Kinder die besseren Kinder sind. Wieder einmal krank gewesen. Ich machte mich rar und kürte „Hast du da Zeit?“ zu meiner Lieblingsfrage. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben in Hamburg. Ich lernte nicht Sarah Kuttner kennen.

Dezember. Ich wurde von MIAs Mieze umarmt, von Fritz‘ Ken Jebsen geküsst. Mir wurde klar, dass ich meine Hand nicht im Januar, sondern vor einem Jahr fast verlor. Ich hasse Zahnarztbesuche noch immer. Erstaunlich, wie gut das mit der Uni lief. Manche Menschen überforderten mich. Aber man gewöhnt sich ein bisschen daran, der Puffer sein zu müssen. Ich musste mir To-Do-Listen schreiben, um überhaupt noch einen Funken Durchblick behalten zu können.

Was bleibt (Bilanz). Über 60 Auftritte in über 20 Städten. Dafür habe ich mehr als 1500 Euro bei der Bahn gelassen. Ich kann meine Bahn-Card-Nummer auswendig. Ich bin LivelyriX-Mitglied geworden und habe noch keinen Mitgliedsbeitrag bezahlt. Gasrechnungen können ganz schön schnell nach oben gehen. Ich habe viel zu oft neben Bundeswehrleuten im Zug gesessen. Ich freue mich auf die neuen ICEs. Silvester ist mir egal. Bachelor-Abschlüsse sind doof. Man ist nicht cool, wenn man nicht ständig die Revolution will. Ich bin uncool. Ich bin der Punchingball der Gesellschaft der neuen Macher. Sido ist Satiriker und zeitkritisch. Das Erzgebirge ist ein sehr komisches Gebiet. Die Stromrechnung ist niedrig. Ich habe eine Alternative zu MacJournal gefunden. Die Van-Gogh-Edition von Moleskine ist nicht so toll, wie ich dachte. 18°C reichen mir. Ich kaufe gern Kartoffeln und Suppengemüse. Ich brauche kein neues Handy. Die Südvorstadt ist nicht reaktionär. Es ist schön, wenn man nach Büchern oder CDs gefragt wird. Es ist nicht schön, wenn man diesen Durst nicht stillen kann. Ich habe zu viele Email-Adressen. Ich schreibe so lang, bis ich die 1000 Wörter voll habe. Ich mag es nicht, wenn Menschen Wortfetzen abwetzen und dabei ihre Hände bewegen, als könnten sie damit dirigieren. Ich mag Gisbert zu Knyphausen und Sido. Ich kaufe zu viele Bücher. Ich musste den letzten Satz löschen, sonst wäre der Text zu lang. Tausend.

In Kategorie: Allzumenschlich

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