« »

Ich kenne nur wenige Worte, die mit einer solchen Selbstverständlichkeit benutzt werden, wie all jene, die etwas schwer zu fassendes bezeichnen, so paradox und nicht passend das auch klingt. Abgesehen vom Bullshitprinzip (im Deutschen wohl am ehesten mit Mist zu vergleichen), aber das ist zudem ein anderes Thema, verwendet man gemeinhin unheimlich gern gerade die Begriffe, über die sich Philosophen aller möglichen Länder seit Unzeiten den Kopf zerbrechen und mit welchen Philosophiestudenten in Diskussionen nur so lange um schmeissen, bis man einmal nachhakt und keine Antwort mehr bekommt. Heute spuckte mir vorallendingen der Begriff “Liebe” im Kopf herum, da ich ihn irgendwo am Morgen aufgeschnappt haben muss, jedoch kam ich bei genauerer Betrachtung nicht so leicht zu einem Ergebnis, und selbst jenes, unter welchem ich dann später inne hielt, ist prinzipiell keines.

Was meint der Begriff Liebe, kann man ihm eine eindeutige Bedeutung zuweisen oder ist die lockere Umschreibung einer Sache, die sich nicht pauschalisieren lässt durchaus gewollt?

Zu unterscheiden bleibt zuerst die Liebe zu einem Gegenstand und die Liebe zu einem Lebewesen, selbst, wenn Tiere unter deutschem Gesetz als Gegenstände gelten. Natürlich kann ich mit emotional an einem Gegenstand hängen, jedoch wird dieser in keiner Weise und zu keiner Zeit irgendeine Emotion mir gegenüber äußern können, und schafft er es doch, man baut sicherlich schon längst an den ersten Roboterfreunden, so wird man es nicht auf dieselbe Stufe der Intensität bringen, wie sie die menschliche und tierische Emotion inne hat. Zumal möchte ich behaupten, dass oftmals das Klammern an Materialismen eine reine Ausweichreaktion aufgrund fehlender eigener, aufoktroyierter oder nicht erwiderter eigener Emotion ist. Natürlich gibt es Dinge, die auch Emotionen vermitteln, aber vielmehr noch sie hervorrufen können, beispielsweise ein fabulöses Beispiel ist die Musik, wobei diese mehr noch nur unsere eigenen Emotionen aufwühlt und dabei vielleicht manchmal einige an die Oberfläche bringt, die wir nicht oder nur spärlich kennen oder bisher wahrgenommen haben. Ich möchte mich auch von dem üblicherweise hergestellten Zusammenhang zwischen einer zwischenmenschlichen Beziehung und Liebe absehen, da auch dieser nicht zwangsläufig gegeben und erst recht nicht notwendig ist. Da zuerst einfach Beziehung alles mögliche sein können, müssen sie noch lange keine Liebesbeziehung sein. Aber ich greife vor.

Liebe ist zeitlich ab-, aber auch ebenso zeitlich unabhängig. So lässt sich nicht zwangsläufig von einer Liebe sprechen, wenn ich mich regelmäßig mit jemandem treffe, mit diesem sexuellen Kontakt habe. Einerseits vermag mich ein starkes Gefühl, das nicht einmal Liebe sein muss, buchstäblich aus dem zeitlichen Kontext zu reißen, andererseits ist sie situativ ein absolutes Unikat. Denn wenn ich mit keiner Handlung zweimal dasselbe Gefühl verbinden kann, höchstens ein ähnliches, dann muss man auch bei der Liebe abwägen. Entweder man lässt sich darauf ein und bezeichnet ein Geflecht von Gefühlen, die sich sehr ähneln als Liebe, Trauer, etc., oder man macht es an nur einem Moment fest, was niemand tut. Eine Abstufung zum Ersten wäre noch, dass man zwar eine Grenze zu einem anderen Gefühlsoberbegriff zieht, aber diesen so eng hält, dass nur die speziellsten aller Situationen einen Platz unter den großen Gefühlsprototypen erhalten.

Gemeinhin geht man davon aus, dass eine Liebe auch Profanes beinhalten muss, Flauten, Höhen, Tiefen, etc. und begründet die Stärke dieser Handlung dann mit der Ausdauer, mit der sie ausgeführt wird. Leider aber, wie man schon sieht, macht man somit aus einer Emotion eine Handlung, was die Gleichung Sex = Liebe bewiese, es aber nicht tut.

Eine Liebesbeziehung wäre also eine zwischenmenschliche Beziehung, die aus einer Liebe heraus entstanden ist, aber nicht für sich eine weiter existierende Form von Liebe fordert, wenn nur das Verlangen der Beteiligten nach ihr schwach genug ist, wobei gesagt werden sollte, dass sich, allein aufgrund der nie gleich bleibenden Intensität eines Gefühls, diese beiden Wörter kaum zusammen passen.

Ich möchte behaupten, dass es also keine dauerhafte Liebe gibt, keine jedenfalls, die kontinuierlich verlaufen würde. Eine Beziehung geht immer mit dem gegenseitigen Einverständnis von Alltäglichkeit einher, somit wird der geistige und rein emotionale Liebesbegriff veralltäglicht, haltbar gemacht, also konserviert, da ganz einfach die meisten Menschen eine Sprunghaftigkeit, wie ich sie noch kurz beschreiben möchte, nicht ertragen könnten.

Nehmen wir an, dass wir nach dem Prinzip der engen Grenzen des Liebesbegriffes lieben, uns also ruhig mehrmals verlieben können, es aber nicht veralltäglichen wollen, worin würde das enden? Man sollte nicht verschweigen, dass der Spruch Liebe macht blind. doch ein Quantum Wahrheit beinhaltet, wenn man an die biologischen Reiz-Reaktionsschemata und Neurotransmitter denkt. Man verliebt sich also und fokussiert bis ins Details die Person oder die Sache der Begierde. So lange wird man alles daran setzen, so lange wird man berauscht sein, bis auch die letzte Eigenheit des Gewollten offen dargelegt ist und man wortwörtlich das Begehrte erobert hat. Jetzt hat es all seinen Reiz verloren. Es ist vollkommener Quatsch, wenn man sich einzureden versucht, dass eine Liebe lodern und gleichzeitig stagnieren kann, denn sie muss ständig belebt werden, vielmehr noch nie abebben, sondern immer Neues zu Tage fördern. Denn hat man erst einmal alles ausgeschöpft, von dem man vormals dachte, dass es unerschöpflich wäre (neurotransmitterbedingt), dann wird es umso schmerzlicher sein, feststellen zu müssen, dass man sich geirrt und aller Nachschub versiegt ist. Man wird alles fallen lassen.

Fernerhin entzieht sich beinahe jede sexuelle Handlung dem Liebesbegriff. Höchstens als Folgehandlung würde ich jene gelten lassen, aber nie als absolutes äquivalent zur Liebe.

Aus rein emotivistischer Sicht müssten Liebe und ihr negatives Gegenstück, was dann semantisch gesehen ein schwaches Gefühl, bzw. ein starkes negatives, wenn man der Liebe eine positive Emotion zuweist, wäre, die größten Warheitsträger überhaupt sein. Aber über die Probleme mit dem Emotivismus muss sich jeder selbst klar werden, denn die emotivistische Sicht verspricht längst nicht das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Dieser ist nicht die schöngeistige, gefühlvolle Lehre, sondern der Versuch, über ethische und moralische Propositionen mit subjektiv emotional gefärbtem Inhalt zu einer Handlung, bzw. zu einer Unterlassung zu ermutigen. Hierbei wird aber jedwede Diskussion unmöglich, weshalb ich schrieb, dass sich jeder darüber selbst klar werden müsste.

Dieser Text ist nicht vollständig und wird irgendwann fortgesetzt. Bei Unstimmigkeiten oder Sonstigem bitte einen Kommentar schreiben!

Mein erstes eBook ist da!
Es heißt Bitterfeld hat auch schöne Ecken und beinhaltet 10 Geschichten aus meiner Reihe "Sehr gute Texte". Kaufen darf man es bei Amazon oder xinxii (epub) für 99 Cent.

Mehr Infos zum Buch gibt es hier.

Sag der Welt deine Meinung!


Ich liebe Kommentare! Bitte lass dich nicht davon abhalten, mich zu beglückwünschen oder zu kritisieren. Falls du das nicht öffentlich tun willst, schreib mir einfach eine E-Mail. Ich freue mich immer über Post, außer es geht um Penisverlängerungen:
post [at] andreherrmann [punkt] de

Connect with Facebook