Dass der Buchhandel bis Mitte des 18. Jahrhundert noch fast geldlos funktionierte und Buchhändler ihre Waren auf den Messen in Frankfurt und Leipzig einfach Seite gegen Seite, bzw. Buch gegen Buch stachen, sprich tauschten? Dass es einen riesigen Aufstand gab, als Leipziger Verleger plötzlich die Barbezahlung ihrer Bücher verlangten? Dass sich sogar süd- und westdeutsche Buchhändler fortan Reichsbuchhändlern nannten und ganz einfach alle Bücher Leipziger Verleger konsequent nachdruckten, sprich raubkopierten? Dass dieses Raubkopieren gleichzeitig Fluch und Segen für den Markt war? Dass Werke erst durch das illegale Kopieren auch in den kleinsten Winkel deutscher Landen gelangen konnten? Dass die Raubkopierer auf Grund der billigen Kopierwaren dazu gezwungen waren, möglichst viel davon abzusetzen und so gleichzeitig die Entwicklung des Versand- und Transportwesens begünstigten? Dass Autoren sich gegen die mickrigen Verlagshonorare zu wehren versuchten, indem sie die Bücher kurzzeitig einfach selbst verlegten? Dass nahezu alle Buchhändler einfach mit Raubkopien darauf reagierten und so diesen Emanzipationsversuch schlichtweg niederkopierten? Dass es allgemein viel mehr Schmähschriften gab und sich Verleger, Buchhändler und Schriftsteller noch so wunderbar öffentlich beleidigten? Dass sich einmal fast ein vom Buchhandel unabhängiges Subskriptionsmodell entwickelt hat, das am Ende eigentlich nur daran zu Grunde ging, dass die ersten Bücher so gar nicht den Geschmack der Besteller trafen? Dass sowohl Bismarck als auch SPD-Mitbegründer Lassalle der Meinung waren, Schriftsteller seien "eine Bande von Menschen, unfähig zum Elementarschullehrer, zu arbeitsscheu zum Postsecretär"? Dass Lassalle in der Wikipedia selbst als Schriftsteller bezeichnet wird? Dass ich dank dieser verrückten Hausarbeit an nichts Anderes mehr denken kann? Sie wussten es? Wusst ich's doch.

5 Kommentare

  1. andreas

    8. März 2011

    urheberrechts-seminar bei siegrist oder institutionalisierung von kunst bei homann?

  2. André

    8. März 2011

    Ja :-)

  3. andreas

    8. März 2011

    wirklich ein spannendes thema: und vor allem so funky aktuell!
    e-reader, selbstverlag, pdf-bücher…

  4. André

    8. März 2011

    It just never get’s old, it never get’s.

  5. Moe

    8. März 2011

    Soweit ich weiß, ist durch diesen Raubkopienkampf doch auch das Konzept “Taschenbuch” entstanden. Wär schön, wenn die großen Majors heute was ähnliches in petto hätten…

    Achja, tausche Hausarbeit “Augustus und die Rückgabe der Feldzeichen an die Parther” Seite für Seite gegen dein echt interessantes Thema! Meine Geschichtsdidaktik-H.A. bekommste dazu für lau :)

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