Die Toilettenpapierhalterung im Bad müsste für Asiatinnen die Hölle sein. Sie klappert und klimpert, dass es für Stomp oder die Anführung eines Spielmannszuges reichen würde. Ich habe schon öfter gehört, dass für die Asiatin von Welt jedwede Toilettengeräusche schier unendlich peinlich sein sollen. Während sie früher deshalb andauernd die Spülung betätigt haben (Wie kann man dann noch zur Sache kommen?), haben die Toiletteninhaber des öffentlichen Raums auf diese Marotte reagiert und überall kleine Kästen aufgehangen, die auf Knopfdruck das Rauschen der Spülung imitieren, sodass Madame ungestört ihr Geschäft verrichten kann, ohne dabei literweise Wasser zu verschwenden. Vielleicht liegt hier der Knackpunkt der asiatischen Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel. Die Sache mit dem Aufschwung ist einfach: einen lokalen Überschuss produzieren (z.B. indem man Wasser spart) und dadurch den eigenen Exportsektor finanzieren (z.B. in dem man klospülungsimitierende Kästen baut), der so in Verbindung mit einer abgewerteten Währung billig Waren exportieren kann (10 Euro je Rauschekasten). Aber wir Ostkinder sind da nicht so zimperlich. Wir hatten garnicht die Auswahl, um wählerisch zu werden. Wir haben nicht einmal heute Bidets (geschweige denn solche abgefahrenen Dinger), obwohl ich mir das sehr lustig vorstelle. In einer Broschüre habe ich gelesen, dass russische Frauen etwas abfällig auf die Kleidungsgewohnheiten der Europäerinnen blicken, da sie nicht immer gleich alles zeigen, was sie haben und sich allgemein weniger hübsch anziehen. Dabei ist es gerade bei Russinnen interessant. Man sieht sie, die Frau fein gemacht bis auf die Achillesferse, mit High Heels, Minirock und einem Dekolette mit der Durschlagskraft einer Scud-Rakete, daneben trottet der Mann mit der Attitüde eines Baumstamms, dem man am oberen Ende eine Eisscholle zum Gesicht modelliert hat. Größer kann der Unterschied kaum sein. Da ist es verständlich, dass sich die Frauen hier anpassen und eben auch Trainingshosen tragen, wenn der Partner auf Feinrippunterhemden umschwenkt. Der große Clash der Kulturen. Wenn erst einmal die Wirtschaft durchglobalisiert ist und auch wir Deutschen beim Toilettengang ein stetes Rauschen vermissen, wird das sicher der nächste große Problempunkt. Dann werde ich zu alt zum Wehrdienst sein. Abgesehen davon, dass man mir ohnehin schon freiwillig keine Granaten in die Hand geben wollte. Ich werde dann meine High Heels abstreifen, mich in den alten Ohrensessel setzen und denken “Hab ich’s doch gewusst!”, während ich die Bernsteinverziehrungen an der Decke betrachte, im Fernsehen Livebilder von der Kaufhausfront sehe und meiner Frau die ausgeleierten Trainingshosen flicke.
Mein erstes eBook ist da!
Es heißt Bitterfeld hat auch schöne Ecken und beinhaltet 10 Geschichten aus meiner Reihe "Sehr gute Texte". Kaufen darf man es bei Amazon oder xinxii (epub) für 99 Cent.
Mehr Infos zum Buch gibt es hier.
5 Kommentare!
Sag der Welt deine Meinung!
Ich liebe Kommentare! Bitte lass dich nicht davon abhalten, mich zu beglückwünschen oder zu kritisieren. Falls du das nicht öffentlich tun willst, schreib mir einfach eine E-Mail. Ich freue mich immer über Post, außer es geht um Penisverlängerungen:
post [at] andreherrmann [punkt] de













le.x
16. Februar 2009
Anerkennendes Genicke vom Leser nebenan, wunderbar formuliert und die Beispiele treffsicher zum Ziel gebracht. Meine Hochachtung dieser Leistung.
André Herrmann
16. Februar 2009
Ich glaube, vorhin ist mir die Lösung eingefallen, warum wir hier keine “Washlets” haben. Der Grund ist selbstbezüglich, also Achtung, es wird kompliziert:
Da wir keine Rauschekästen haben (und auch keine benötigen) können wir auch keine Washlets (mit Bidet) haben, da wir, dieses Spritzzeug ungewohnt, jedesmal vor uns hinkichern würden, bis wir uns in 10 Jahren daran gewöhnt hätten. Dabei würden wir jedoch gleichzeitig das Gefühl der unendlichen Peinlichkeit (i. F. GduP) ob unserer Toilettengeräusche entwickeln. Um diesen GduP kaschieren zu können, bräuchten wir Rauschekästen. Eine Schleife…herrjeh.
Torben
16. Februar 2009
Sehr interessanter Bericht, ich wusste gar nicht das die Asiatinnen so einen Kasten benötigen.
jens kassner
18. Februar 2009
Interessante Meinung über Russinnen und deren Männer. Meine Frau stammt ja nun aus Sibirien (wirklich). Und sicherlich ist sie tatsächlich eine elegantere Erscheinung als ich. Nur ist mir leider die Baumstammfigur nicht angeboren und von Feinrippunterhemden halte ich freiwillig nicht viel.
André Herrmann
18. Februar 2009
Ist ja nun auch meistens so, dass die Frau den Mann aussticht. Böse sollte es jedenfalls nicht wirken (falls sich das so anhört).