Natürlich habe ich mir die Welt Kompakt gekauft, wenn sie denn nun einmal von Bloggern gestaltet wird. Für die Ausgabe am 01. Juli übernahmen einige Blogger die Redaktionsräume des kleinen Bruders der Welt und durften fortan gestalten und formen, was sie bewegt, ein einmaliges Medienexperiment nannte man das. Hier sei zuerst auf die Vorgeschichte hingewiesen, ein großer Spaß.
Nun aber liegt sie hier vor mir, ich bin extra bis zum Bahnhof gelaufen, um sie mir kaufen zu können und kann mich im Endeffekt nur BasicThinking anschließen, wenn die Redakteure dort von einem misslungenen Versuch sprechen, der die Belanglosigkeit des Internets zeigt Den Beitrag würde ich genau so unterschreiben, auch wenn es mir mindestens genau so leid tut.
Irgendwie scheint sich die ganze Ausgabe allein darum zu drehen, wie toll neue Medien und überhaupt sich alle furchtbar einig sind, dass die Welt eine bessere wäre, wenn nur alle die neuen Kommunikationsmittel nutzten und beachteten. Seit Ewigkeiten schon belächelt die Bloggerschaft die unqualifizierte Berichterstattung der etablierten Medien über Internetdinge, aber mehr, als diese vielleicht anders (und natürlich auch endlich mal aus einer Nutzerperspektive) zu erklären, kommt dann doch nicht, außer ein Artikel über Farmville, wie man ihn bereits in jeder Zeitung mindestens einmal zu oft gefunden kann. Man darf und soll zweifelsohne darüber diskutieren, inwieweit der verstärkte Einsatz des Internets unsere Gesellschaft zum Besseren beeinflussen kann, aber so wirklich mehr als ein Hurra auf Twitter und Konsorten habe ich beim, zugegeben nicht gänzlichen, Lesen der Zeitung nicht gelernt. Twitter-Meldungen hingegen gibt es anscheinend zurecht in keinerlei Printmedium, dafür aber überaus hässliche Schriftarten. Vielleicht habe ich wenigstens gelernt, dass es Marktversagen sein soll, wenn Printmedien immer weniger Abnehmer finden, was Quatsch ist, aber das nur am Rande.
Das Format hingegen fand ich eigentlich ganz witzig, nur dass gleich gänzlich auf Ressorts verzichtet wurde, macht die Ausgabe zu einer Wut aus zusammengewürfeltem Fließtext. In viel zu vielen Parataxen. Das nervt mich extrem. Schon im Internet. Ich bin ja auch so. Aber ich mag es nicht einmal an mir selbst. Dass ich mir eine Literaturausgabe gewünscht hätte, ist eine andere Geschichte, denn auch das hätte daneben gehen können. Immerhin hat man es mal probiert, wobei das so genannte Experiment sicher in erster Linie als Aufwertungsversucht der Welt in Richtung Szenigkeit und Hipness zu werten war. Hat nicht geklappt, ab morgen schreiben dann also wieder die Springer-Akademiestudenten mit biederem Anspruch. Bei turi2 gibt’s zum Abschluss einen kurzen Einblick in den Ablauf der Arbeit der Alternativredaktion. Auch schön der Artikel bei kress.
Bevor die Diskussion aufkommt: Das alles ist keineswegs als Lanzenbruch für irgendwen zu werten. Dass diese Ausgabe nicht allzu viel Mehrwert mit sich bringt, sagt natürlich nichts über die gesamte Bloggerschaft, ihre Innovations- und Informationsfähigkeit oder Sonstiges aus. Es bspw. hätte schon etwas gebracht, Ressorts einzuhalten und auch zu bedienen.













