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Als ich die Tür des Kühlschranks öffne, schweben mir weiße Wölkchen entgegen, die große Augen aus kondensiertem Wasser an den Schränken hinterlassen. Eric muss letzte Nacht am Thermostat gespielt haben, mein Essen ist zu einem Block gefroren. Ich entferne die Verpackung samt die Schutzfolie und probiere mein Glück mit der Mikrowelle. Aus dem Wohnzimmer dröhnt die englische Version von Der schwächste fliegt. Für mich macht es überhaupt keinen Sinn, englische Game Shows zu schauen, denn ich kann keine einzige Frage beantworten, weil ich von alledem, was hier als Allgemeinwissen gilt, keine Ahnung habe. Die Teilnehmer scheinen nicht ganz so schlimm zu sein, wie im deutschen pendant, die Moderatorin kommt sogar noch ohne Push-Up-BH und tiefen Ausschnitt aus. Vorm großen Wohnzimmerfenster checkt einer der Nachbarn unsere Mülltonnen. Es ist fast Monatsende, Zeit für die meisten von ihnen, nach Entlastung für die eigenen überquellenden Tonnen Ausschau zu halten. In der Küche knallt es, mein Shephard's Pie ist explodiert.

Es tut ihm sehr leid, sagt Eric und schaut mir noch eine ganze Weile beim Putzen der vielen Rillen und Löchlein in der Mikrowelle zu. Aber eigentlich scheint er nur so lange bei mir zu stehen, um mir von dem rothaarigen Mädchen erzählen zu können, dass er angeblich erst kürzlich abgeschleppt hat. Während er redet, geht er ununterbrochen in der Küche auf und ab, too keep myself warm, wie er sagt. Vielleicht hat es gar nicht am Kühlschrank gelegen, sondern einfach daran, dass wir seit Tagen kein Geld mehr auf der Gaskarte haben und sich niemand verantwortlich zeichnet, sie aufzuladen und die Heizung zum Leben zu erwecken. Beim reden reibt er sich die Hände, sagt hin und wieder "Hoho!" und wedelt seine dürren Finger durch die kalte Küchenluft. "When?", frage ich und meine irgendwie gleichzeitig Gas und Mädchen. "When's your class?" "Logic?", frage ich. "Yes" "Wednesday afternoon!", sage ich. "Wednesday afternoon then!" Ein rothaariges Mädchen, sagt er, mit festen Brüsten und roten Haaren, gut, dass niemand von uns da gewesen sei.

Das Schöne an logic ist, dass sie keinerlei gut ausgebildetete Redegewandtheit erfordert. Früher hatte ich ein Buch namens "In Mathe war ich immer schlecht", darin schwärmte der Autor von der Sprachunabhängigkeit der Mathematik. Und indem ich Quantoren beseitige, umstelle und Prädikate nach Gutdünken verteile, merke ich selbst, was er damit gemeint haben muss. Ich kenne noch so gut wie niemanden hier, nur Josh zum Beispiel. Schon in der ersten Vorlesung haben wir uns irgendwie darauf geeinigt, dass man Philosophie einfach studiert haben sollte, ohne dass wir selbst in irgendeiner Weise Ahnung von ihr gehabt hätten. Ich Politik/Philosophie, er Physik/Philosophie, ich löse seine wöchentlichen tests in der Pause, er erklärt mir, wie englische Politik funktioniert. Manchmal laufen wir nach den ersten anderthalb Stunden schnell rüber zur Mensa und essen klebrige Dinge aus großen Metallschalen, die beim Transfer von Kelle zu Teller ein Geräusch von sich geben, das einem langsam von der Haut abgezogenen Pflaster gleicht. Es ist bald November und Eric sagt, wenn es noch kälter wird, könnte der Regen bald zu Schnee werden. In der Vorlesung habe ich eine Rothaarige gesehen, aber sie sieht nicht aus, als würde sie die Veranstaltung wegen Eric verpassen wollen.

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