we are wanderers

23. April 2010, Litritscher

 


Direktglory – Danke an die Centraltheaterfreunde!

Die Nachtschicht spielte meist Doppelkopf im Schwesternzimmer am Ende des Gangs, die Frauen kamen alle gern mit, wenn sie plötzlich in der Tür stand und leise dabei zusah, bis man sie bemerkte. Sie liebte es, mit ihnen im Raucherzimmer zu sitzen, die nichts mehr erschüttern konnte, an diesem Tisch zu sitzen, an der muffeligen Wand, die man in weiser Voraussicht orange gestrichen hatte. Sie ließ ihre nackten Beine baumeln, bis sie ganz kalt waren und sie nichts mehr sagen wollte. Dann stellte sie sich vor, draußen über die Straßen zu rennen, bis ihr die Füß weh täten von den winzigen Unebenheiten des Asphalts. Sie rannte und rannte, bis sie die Glastür ganz weit hinter sich gelassen hatte. Nachts, wenn die Station schlief, war es am schlimmsten. Die Tür wirkte so endgültig, so absolut, die grauen Fliesen schwarz. Und die alles tilgende Stille beflügelte nicht als all die Sinnlosigkeit, die sie hierher gebracht hatte.
"Alles ok?", fragten die Schwestern.
"Ich kipp' um", sagte sie und Tränen, die nicht salzig schmeckten, sammelten sich in ihren Augen. Die Schwere kam von hinten, drückte sie nach unten, sodass ihre Brust zu zucken begann.
Sie musste lächeln und dann lachte sie, das war das Traurigste. Nicht diese Leere, sondern der wiedergekehrte Hohn gegenüber sich selbst.
"Kommen Sie, Sie haben doch einen Notfallplan. Da haben wir sicher auch noch etwas, das sie beruhigt", sagten die Schwestern.
Für sie war alles so einfach. Für alle war es das.

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