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Die Sonne ist mir eine alte Bekannte geworden. Wenn sie morgens schon vor dem Fenster wartet, noch ehe ich die Jalousien nach oben gezogen habe, fällt wenigstens die Einsicht, doch noch eine Runde vor mir zu haben, etwas leichter.

Denn nur allzu oft habe ich dabei zugesehen, wenn zuerst dein Lachen, dann dein Lächeln mit einem Mal verschwand. Und wie sich deine dunklen Pupillen, bei deren Anblick man glaubte, tief in deine Gedanken sehen zu können, immer und immer größer wurden, je mehr sich die Angst vor der Wirklichkeit in die ausbreitete. Die Angst davor, alles wieder einmal zerbrechen sehen zu müssen. Dass es doch alles nicht wahr sein kann. Nicht immer wieder, sagtest du und versankst, wie eine schwer Verwundete mit dem Rückem im Schutt deiner eingestürzten Welt.

Ich bereue es wie eh und je, mich in Gang zu setzen, anstelle heimlich über die Feuerleiter aufs Dach zu klettern und mit einem Kescher alle jene Träume aufzufangen, die jetzt langsam aus den Fenster flüchten. Es wäre die einzige Aufgabe, die ich jetzt noch bereit wäre zu erledigen. Ein Traumfänger zu sein.

In den Fluren hinter den Wohnungstüren mehrt sich die Bewegung, der Duft der Gewohnheit plärrt elend durch die Zimmer der noch Schlafenden. Die ganze Stadt ist dicht behängt mit wundervollen Fetzen von Geschichten, die es eigentlich nur aufzusammeln und aneinander zu nähen gilt. Überall verfängt sich die ein oder andere Erinnerung im Gestrüpp der Bäume, den Sträuchern oder Telegraphenmasten. Aber niemand möchte sich mehr die Zeit nehmen, sich nach ihnen auszustrecken.

Ich ließ dich liegen, streichelte dein Haar und küsste deine Stirn. Ob Klarheit immer schmerzhaft sein müsse, fragtest du oft. Und ich wusste keine Antwort. In meiner Zeit bin ich allein viel gerannt. Bin auf Dinge zugerannt, vor Dingen davongerannt, hinter Dingen hergerannt und dabei immer öfter gestolpert. Hatte überlegt, aufzuhören. Doch jedesmal, wenn ich mich fallen ließ, fingst du mich auf.

Dass du mein perfekter Deckel seist, orakelte ich immerzu an den perfekten Tagen. Wenn wir gemeinsam am Fluß standen, als träfen wir einen guten Freund. Einen, der fließt, während wir uns Hand in Hand nur treiben ließen.

Heute stand ich wieder dort, sah dem Nebel zu, der sich auf dem Wasser aalte und fragte mich, ob du bei mir stündest, wie man so gern sagt. So lang ich blieb, bis die Sonne die ersten Spaziergänge vorbei trieb, kamst du nicht. Ich fühlte dich nicht länger meinen Rücken halten. Ich sah dich nicht. Und dein Bild in mir verblasst mit jedem Tag.

Wenn man statt mich immer uns, wenn man statt dich immer uns gemeint hat, was blieb dann zurück, als du gegangen bist? Was blieb, als ich dich nicht halten konnte? Ich glaube, nichts als jene Wut, die mich jetzt schon von allein alles einreissen lässt, was mir sonst in den Jahren immer und immer wieder ungewollt in viele kleine Scherben brach.

Just a perfect day
feed animals in the zoo
and then later a movie, too
and then home

Oh it’s such a perfect day
I’m glad I spend it with you
oh such a perfect day
you just keep me hangin on

Lou Reed – Perfect Day

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