Wenn sich die neue Mieterin aus dem vierten Stock und mein Nachbar verheiraten würden, könnten sie sich "Schliebe-Biermann" nennen. Diese auf den ersten Blick unnütze Information war nötig, um sagen zu können: Schliebe Graffiti. Klasse. Das ist doch mal was. Ich muss jeden Graffiti-Film gucken, der mir in die Hände kommt und beim Zugfahren aus dem Fenster schauen, sobald die vorbeirauschenden Wände bunt werden. Ich muss zwangsläufig hinsehen, wenn die gerade einfahrende S-Bahn chromschwarz ist und finde die Kompromisslosigkeit, mit der diese Leute ihr Ding machen, koste es, was es wolle, seien es hunderttausende Euro Schadensersatz oder das eigene Leben, irgendwie beeindruckend.
Neulich habe ich unlike u gesehen, nach pure hate (und einigen anderen davor) der nächste große Film aus Berlin, der einerseits versucht, das Zugmalen in Berlin vom Anfang bis heute zu zeigen und andererseits in vielen Interviews nach der Motivation dahinter fragt, wobei er sich auch immer ein wenig um den Freitod von ruzd dreht. Sehr empfehlenswert.
Und weil ich gerade Lust dazu habe und mich sowieso im Anschauen von Bildern verloren hatte, kann ich auch gleich mal 20 sehr tolle Bilder von 4 großartigen Künstlern zeigen, Acid79, Daim, Dare und Zedz. Natürlich gäbe es da noch eine Menge Anderer, die zu nennen wären, aber naja, da müssen die jetzt durch.
Acid79, Berlin, der einzige der hier Aufgeführten, der auch in unlike u zu sehen ist, schöne Farben, die die Bilder manchmal wie Negative wirken lassen, sehr toller und eigener Style, bei dem das Ungleichgewicht der Buchstaben und ihr manchmal sehr ungleichmäßiges Arrangement gerade erst das Tolle ausmacht. (Bilder von lectrics.fr)





Daim, Hamburg, ich hab mich wie ein kleines Kind gefreut, als wir zum ersten Mal nach Hamburg gefahren sind und ich schon beim Einfahren in den Bahnhof die großen Pieces gesehen habe. Dieser 3D-Effekt ist einfach großartig und weil die Bilder so sauber und komplex gemalt sind, wirkt es tatsächlich, als kämen einem die Buchstaben entgegen.

via doktorsblog.de

via modern06.com

via superpaper.de
Dare, leider im letzten Jahr verstorben. Wenn man in die Schweiz fährt, dann kann man seine Bilder noch an den ewig langen Wänden am Bahnhof in Basel sehen. Ich mag diesen Style, der einerseits so simpel wirkt, es aber überhaupt nicht ist, der einerseits irgendwie oldschool zu sein scheint, aber andererseits aktueller nicht sein könnte. Auf jeden Fall stilprägend für unheimlich viele Leute.

via graffiti.org

via graffitinews.net

via senseslost.com
Zedz, Amsterdam, dem man das Designstudium mehr als ansieht, insbesondere weil er mittlerweile auch Skulpturen und Mixed-Material-Bilder macht. Sehr sehr toll, diese aufgebrochene Simplizität, mit der er seine Buchstaben lesbar und komplex in einem Zug macht. (Bilder von ilovegraffiti.de)










