Gestern war das Team Totale Zerstörung eingeladen, sich im Rahmen des Textil Festivals in der Alten Salinenschule in Erfurt mit anderen Teams zu messen. Julius war schon seit Freitag in Erfurt, da er schon einen Short-Story-Abend zu moderieren hatte, ich kam erst am Samstag nach und ein neuer Text wollte ausprobiert werden.

Im Zug saß ich neben einem Komponisten, den ich den Großteil der Fahrt über bei seiner Arbeit beobachten durfte. Es sah so aus, als schriebe er die Noten direkt in jenem Takt, den er gerade in seinem Kopf hörte, eine ausgeschriebene Notenschrift, unglaublich verklausuliert. Ich kann gerade einmal Tabs lesen, wahrscheinlich rührt daher meine laienhafte Faszination, die sicher bereits jedem Musikstudenten abgeht.

Die Alte Salinenschule war gänzlich vom Festival vereinnahmt. Bis dato waren verschiedene Workshops und Shows gelaufen, das Team Battle sozusagen das Grand Finale. Es gab auch einen Applausraum und wenn mir Julius nichts Falsches hat glaubhaft machen können, dann stammt der in dieser winzigen und vollständig dunklen Kammer immer und immer wieder abgespielte Applaus von unserem letzten Auftritt beim Erfurter Slam im Dezember letzten Jahres bei Radio F.R.E.I. Man möge sich selbst überzeugen (schlechte Qualität weil mit Handy aufgenommen):

Ganz in der Nähe der Alten Salinenschule fand übrigens zeitgleich ein Treffen der Hells Angels statt. Die Polizei hatte ihre Freude dran und fuhr dauernd mit Sixpacks hin und her, parkte man hier mal dort und schaute nachts auch noch einmal bei uns vorbei. In Erfurt, muss man wissen, ist die Rockerlage seit dem "Incident", wie wir Lost-Süchtigen sagen, ein bisschen angespannt. Hier die Angels, in Weimar die Bandidos, wenn der nächtliche Taxifahrer mir das richtig erklärt hat, egal.

Und dann war es entgegen der veranstalterdesillusionierenden Besucherflaute vom Vortag schön voll in der alten Turnhalle, das Publikum äußerst begeisterungsfähig und aufmerksam, alles schön und vor allem noch schöner, dass uns das Publikum am Ende dann wohl am Liebsten hatte, zumindest haben wir diese fetzigen Siegerscherpen ausgehändigt bekommen. Die sollte man jedoch lieber nicht in allzu großer Öffentlichkeit tragen, wenn man nicht mit einem Burschenschaftler verwechselt werden will.

Sehr schön das alles. Als nächstes das Berliner Team Battle am 24. Juni. Da sind wir Titelverteidiger. Also Daumendrücken.

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