Den Campusgedanken fand ich aus der Ferne betrachtet immer gut. Dass ich im Endeffekt doch nie daran teilhaben würde, sollte sich schnell herausstellen.
Auf allen Ebenen sitzen die Fleißigen und starren gebannt auf Skripte und Bücher, nur um die Vorbeischlendernden mit ihrer strebenden Anwesenheit zu foltern, ihnen einen schlechtes Gewissen zu machen und noch mehr Stoff in sich zu konservieren. Es riecht nach Wolke, irgendetwas zwischen verbrauchter Luft, Schweiß und den Essensgerüchen aus der anliegenden Mensa. Ein paar Leute sitzen schon im Hörsaal und trommeln ungeduldig auf den Klapptischen, auf dem Display an der Tür steht Klausur.
Ich habe alles und gar nichts gelernt, kenne mich in meinen Aufzeichnungen, den Skripten und Exzerpten bestens aus und weiß, wo ich was zu finden habe. Was ich dort finden werde muss die Fragestellung hergeben, ein Glück, dass wir alles, was wir haben, benutzen dürfen. Es wird gut, so mein innerliches Klagelied.
Die Klausurzettel sind vollgepackt mit Schrift. Das trifft es, Schrift, eine Textwut, gegen deren Fähigkeit zur Einschüchterung es die ersten fünf Minuten anzugehen geht. Erste beantwortbare Frage suchen, Antworten suchen, schreiben, dann weitersehen, das ganze Spiel viermal, danach Ernüchterung und Flucht.
Draußen vor der Tür steht nicht wie erwartet Erleichterung. Es geht einfach weiter, das Zugehörigkeitsgefühl zum Campusvolk hat sich schon innerhalb der letzten drei Jahre nicht einstellen wollen, weshalb sich meine Anwesenheit in Bibliotheken und Universitätsstandorten auf das Nötigste beschränkte: Bücher ausleihen und zurückbringen, Veranstaltungen besuchen, ab und zu auf dem Weg etwas zu Trinken in einer der Cafeterien, schnelles Essen in der Mensa, wenn die Soziologie-Einführungsvorlesung für den stolzen Höhersemestrigen zu banal wurde.
Beim Auffüllenlassen der Druckerpatronen, dem Warten auf die Straßenbahn und der kollektiven Zigarette kommt es dann. Tatsächlich geschafft, Klausuren, Abschlussarbeit, Referate, Masterbewerbungen, alles erledigt. Es hinterlässt eine Leere, die seltsam produktiv wirkt. Seltsam, weil sie sicher mit viel zu wenig gefüllt werden wird, produktiv, weil wenigstens das Gefühl es so sagt.
Und ich grüße die Konsumsfrauen besonders freundlich, die schmerzenden Füße vom Wochenende auf Sylt sind egal. Auch wenn ich schon in drei Monaten einfach weiter zu Uni gehören werde, fühlt es sich wie ein Bruch an. Ein ständig gewachsener Riss, der endlich nachgebrochen wurde und bis zum nächstens Semester wieder sauber zusammenwachsen kann.
You took me hostage and made your demands
I couldn’t meet them so you cut off my fingers, one by one













