
Ich mag Dokus. Und ich mag Skateboards. Folglich sind Skateboard-Dokumentation quasi Pflichtprogramm für mich. Deshalb musste ich mir auch unbedingt This ain't California von Marten Persiel anschauen. Jene Doku, die in letzter Zeit mit Preisen überhäuft wurde und glücklicherweise nun in ausgewählten Kinos läuft. Dem vielen Publikum nach zu urteilen sogar ziemlich erfolgreich, wie es scheint.
Der Film handelt von einer Gruppe Kinder aus der DDR, die irgendwann das Skateboardfahren für sich entdecken. Also nicht, indem sie von ihren Eltern zum Geburtstag ein schönes fertiges Skateboard geschenkt bekommen, sondern so richtig entdecken. Mit ganz viel Ausprobieren, Rollschuhrollen an den Brettern von Stuhllehnen und so weiter.
Zusätzlich wird die Geschichte von Denis fokussiert, der, wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, olympischer Schwimmer werden soll, sich aber dann doch lieber für ein Leben auf vier Rollen entscheidet. Mit dabei immer eine Kamera, die all den Quatsch, den die Kinder so machen, filmisch festhält. Auch, wenn sie später nach Berlin gehen und dort erstmal eine richtige Skater-Szene treffen, die nicht so recht ins Bild der ordentlichen DDR passen will. Und auch, wie Denis sich immer mehr zum furchtlosen Helden der Gruppe mausert, der ein eher trauriges Ende erlebt.
Ich mochte den Film wirklich. Auch wenn mein Urteil vielleicht von vornherein dank eines Spiegel-Online-Artikels ein bisschen getrübt war. Und man kann die Kritik auch wirklich ein bisschen nachvollziehen. Denn viele Dinge, die in der Doku etwas widersprüchlich erscheinen, werden meist nur mit einer kurzem Bemerkung erklärt. "Die Kamera und die teuren Filme waren halt einfach da" usw. Ich zweifle nicht an der Existenz der Protagonisten oder an ihren Geschichten, aber manche Stellen wirken doch zu sehr inszeniert. Der Stasi-Mann scheint seinen Text wirklich schlecht auswendig gelernt zu haben und auch das große Gathering der Protagonisten im Erwachsenenalter erscheint mir nicht so richtig echt, wenn man manche Person doch unter anderem Namen und mit ganz anderer Profession kennt. Und auch so manche DDR-Kamerafahrt sieht doch ein bisschen arg professionell und nach Spielfilm aus. Dass die Magdeburger Jungs auch alle mit fabelhaftem Berliner Akzent sprechen, fällt da vielleicht gar nicht so auf.

Aber ich will gar nicht meckern, denn das Gefühl, das vermittelt werden soll, kommt auf jeden Fall sehr gut rüber. Ein paar Jungs, die einfach nicht für das Ordnungsdenken der DDR gemacht sind und eigentlich nur Skateboard fahren wollen. Die als Teil der ersten Skateboardwelle sogar noch ganz automatisch etwas öffentliche Aufmerksamkeit mitnehmen und dann doch gegen die Wand fahren. Zumindest, was Denis aka Panik angeht. Wer sich wenigstens für eines dieser Themen interessiert, sollte sich den Film ruhig mal ansehen. Man wird nicht enttäuscht sein, höchstens ein bisschen irritiert. Am Besten, man macht nicht den gleichen Fehler wie ich und liest den Artikel erst danach.
This ain't California
2011, 95 Minuten
Regie: Marten Persiel









Tilman Birr via Facebook
22. August 2012
André, bitte! This ain’t “ehemalige DDR”. This is “DDR”, denn damals gab es sie noch.
André Herrmann via Facebook
22. August 2012
Achja, stimmt :D
Kelle
22. Mai 2013
Na endlich, hab ich gerade gefunden, den Film bekommt man jetzt auch im Netz… hier der Link: https://itunes.apple.com/de/movie/this-aint-california/id641904649