Schwer zu glauben, nicht zuletzt für uns selbst, aber am Freitag sind wir noch ziemlich fit: Wir schaffen es geduscht durch das Kellerlabyrinth des Hostels zum Frühstück, haben keine Kopfschmerzen und erinnern uns noch gut an das bisher Erlebte.
Zu den U20-Vorrunden, die auf die äußerst unchristlichen Zeiten von 10 und 12 Uhr morgens gelegt wurden, damit sie von hiesigen Schulklassen besucht werden können, schaffen es trotz unseres vorbildlichen Verhaltens dann aber doch nicht. Später erfahren wir, dass die Sache sowieso ein wenig nach hinten los ging.
Hintergrund war folgender: Man hatte ein Programm initiiert, bei dem Firmen Karten für die U20-Vorrunden kaufen konnten, die dann an Schulklassen weitergegeben wurden. Auf diese Weise konnten die Schulen kostenfrei ihre Schüler zum U20-Slam schicken und sich den Stempel "Zeitgemäß" ins Klassenbuch hauen. Problem im Endeffekt: Die Schüler waren anscheinend teilweise zu jung, in jedem Fall mit viel zu wenig Lust ausgestattet, an der Veranstaltung teil zu nehmen, abgesehen von "Was willst du, du Opfer?", manchmal etwas willkürlichen Punktevergaben und "Hurensohn"-Rufen. Wurde mir jedenfalls im Nachhinein so berichtet.
Statt uns am frühen Morgen schon vor die Tür zu wagen, drehen Julius und ich einige Musikvideos, unter Anderem "Quit playing games with my heart" von den Backstreet Boys, "Sometimes" von der Kelly Family und ein eigens improvisiertes Lied namens "Allein in Düsseldorf", zu dem Andy Strauß eigentlich noch einen Rap Part beisteuern wollte. Mit genügend Muße gibt's die Lieder bald auch hier zu sehen.
So vertändeln wir ordentlich Zeit und schaffen es noch gerade so, unseren Teamtext fürs Finale so weit zu ändern, dass er gegenüber den restlichen Teams halbwegs konkurrenzfähig ist. Danach geht's auf Richtung Schauspielhaus, denn Julius hat einen vollen Terminkalender.
Zuerst steht die Moderation der Vorrunde 8 auf dem Plan. Da Christian, der neben Julius eigentlich zweiter Moderator werden sollte, sich erheblich nach seinem Ausflug zum Rhein und nach Schloss Benrath verspätet, soll ich seinen Part übernehmen. Das geht auch ganz gut und ich mache das mittlerweile ziemlich gerne, auch wenn es etwas befremdlich ist, dass wir mächtig unter Zeitdruck stehen. Die Vorrunde beginnt 17:30 Uhr, das Halbfinale um 19:00 Uhr und ab 21:00 Uhr steht die Premiere von "The Black Rider" auf dem Spielplan, weswegen man uns auch pünktlich wieder los sein will. Das führt mitunter dazu, dass der (eigentlich sehr liebe) Boutmanager Patrick nach einer Anmoderation zu uns kommt und sagt: "Ok, das waren jetzt 2 Minuten Zwischenmoderation, was wir aber brauchen sind 1:30 Minuten, sonst geht das hier zu lange." Am Ende liegt unser Moderationsrekord bei 1:15 Minuten und Patricks Wohlwollen in unseren Händen, sodass wir entspannt abmoderieren können. Die anwesende Jury im Kleinen Haus ist trotz der großartigen Moderation ziemlich komisch drauf. So bekommt Felix Römer für seinen Text an einen Freund mitunter nur etwas mehr als 4 Punkte und so mancher heimliche Favorit verpasst das Halbfinale. Jana scheidet leider ebenso aus mein lieber Renato Kaiser und Udo, trotz eines fabelhaften letzten Startplatzes, Ruben Neugebauer und Michael Naumann Moritz Neumeier kommen ins Halbfinale.
Dort treffen sie auch direkt auf Julius. Glücklicherweise müssen wir nicht noch ins zakk fahren, sondern dürfen gleich im Schauspielhaus bleiben. Diesmal ist das Kleine Haus auch richtig voll und die Stimmung super. Aus unerfindlichen Gründen gibt es in Düsseldorf zwar immer ein Jurymitglied, dass nie über die 8 Punkte hinaus kommen möchte, aber dafür gibt es ja die Streichwertung. Julius setzt sich vom fünften Startplatz im Endeffekt auf Platz 4 und sichert sich damit die Finalteilnahme, ebenso wie Bumillo, Björn Högsdal, Scharri und Julian Heun. Traurig für Michael Moritz Neumeier: der unsägliche 6. Platz.
Danach geht's schnell mit dem Taxi ins zakk. Komisch, aber so gut wie keiner der Teilnehmer fährt ab Einbruch der Dunkelheit noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, da niemand so recht weiß, wie lang die Bahnen fahren und außerdem die Wege zu den Stationen ziemlich weit sind. Stattdessen merken die Taxi-Unternehmen recht schnell, wo dieses Wochenende die Kasse klingelt und postiert schon ab dem ersten Abend immer eine Reihe Autos vor den Veranstaltungsorten. Schade um die Tagestickets für die Öffentlichen.
Im zakk angekommen heißt die Devise: schnell etwas essen, Text noch einmal durchgehen, runterkommen und dann auf ins Teamfinale. Die Auslosung, die uns auf den fünften Startplatz bringt, hätte besser laufen können. Trotzdem kann ich es noch lustig finden, dass Tommy Tesfu uns zwischendurch als K.I.Z. des Poetry Slam bezeichnet. Den "Kein Affe ist illegal!"-Button, der auf die Leiden des jungen Scott Horst hinweist, seines Zeichen viertes Teammitlied bei Allen Earnstyzz, trage ich täglich stolz an meiner Brust. Die Lesedüne scheint vom Unglück verfolgt zu sein, schon wieder so ein zeitiger Startplatz, härter trifft es eigentlich nur SMAAT auf Startplatz 1. Zu PauL lässt sich bis dahin noch nicht sehr viel sagen, da sie ein großes Geheimnis aus ihren Texten machen.
Moderiert wird das Finale dann von Etrit Hasler und Patrick Armbruster, die eine hammermäßige Stimmung erzeugen, bis die zakk-Halle zu toben beginnt. Eröffnen darf das TeamLSD mit einem Text, der sicher auch locker fürs Stechen gereicht hätte, man überzeuge sich selbst. Die Lesedüne bringt einen neuen Text, den sie noch am selbigen Tag geschrieben und auswendig gelernt haben, Respekt. PauL setzt sich mit einem furiosen Auftritt an der Spitze fest, wir bleiben bis zu den vorletzten Startern namens Klötgen und Koslovsky auf Platz 3 und damit im Teamstechen, ehe uns eben jene beiden Berliner Herren noch auf Platz 4 und damit in den Wahnsinn verdammen. Nein, aber es ärgert einen immer genau dann, wenn es arschknapp ist, genau wie jetzt. Glücklicherweise verfliegt solcher Ärger mittlerweile immer sehr schnell, zumal von überall her lobende Worte an unsere Ohren heran getragen wurden. Den zweiten Platz sichert sich das begnadete Team Tübingen. Und genau so sieht dann auch das Endergebnis aus: PauL gewinnt, Team Tübingen wird ziemlich knapp zweiter, k.u.k dritter. Später wird jemand sagen, dass das Finale wie ein Sack voller FDP-Politiker war, egal, wo man mit einem Stock draufschlägt, es trifft immer den richtigen. Glückwunsch an dieser Stelle nochmal vom Team Totale Zerstörung. Videos vom Finale gibt es hier.
Gegen 5 sind wir im Bett, diesmal ohne diese Meute Slammer vor den Türen, denn das Fussballspiel am kommenden Morgen erfordert gut ausgeschlafene Athleten, was schwierig ist, wenn in 4 Stunden die Nacht schon wieder vorbei ist.

