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Eigentlich sollte man ausgeruht zum slam2009 fahren, das weiß ich, aber trotzdem schaffe ich es, mich vermittels Aufräumen, Sachenpacken, Mailsabrufen und Musikordnen bis halb 4 Uhr wach zu halten, nur um Punkt 9 Uhr in tautologischer Höchstform fest stellen zu dürfen, zu wenig Schlaf gehabt zu haben. So sitze ich dann neben meinem gepackten Rucksack und schaue auf eine tadellos saubere Wohnung, Julius und Jana verspäten sich ein wenig und ich verbringe die Wartezeit damit, auf der E-Gitarre Lieder über mein abgelehntes Bachelorarbeitsthema zu improvisieren. Als die beiden dann eintrudeln kaufen wir noch einen Kasten Astra beim Konsum, beim Bäcker etwas Backwerk für die Fahrt und dann geht es Punkt 11 los in Richtung Düsseldorf. Jana kränkelt ein wenig und schläft schnell ein, während Julius und ich lauthals Eels-Songs mitsingen und Videos von der sich langsam entlaubenden Umgebung drehen.

Nachdem wir es am voran gegangenen Dienstag nicht wirklich auf die Reihe bekamen, unseren Text für die Teamvorrunde auswendig perfomen zu können, kriegen wir ihn mittlerweile auf einem Rastplatz zu 99% auswendig hin, das fehlende eine Prozent muss wohl mit Glück gefüllt werden, aber wir sind zuversichtlich.
Die Google-Karte sagt, dass wir innerhalb von 4 Stunden und 38 Minuten im Hostel in Düsseldorf sein sollten. Dank Feierabendverkehr und Menschen, die sich mit ihren Autos in Leitplanken verkeilen, schaffen wir es in gut 6 Stunden und verfahren uns dabei nur ein einziges Mal. Meine Cousine schrieb mir am Abend vorher, dass Düsseldorf eine total tolle Stadt sei. Dem ersten Eindruck nach zu urteilen ist sie das aber nur, wenn man auf 50er-Jahre-BRD-Betonklotz-Romantik steht, wahllos zusammen geschüttet wie eine Packung Smarties, aber ich will nicht meckern. Die Ecken, die wir auf dem Weg zum Hostel zu Gesicht bekommen haben, können trotzdem wohl niemanden dazu bewegen, der Stadt das Prädikat “hübsch” zu verleihen. Das Hostel ist immerhin ziemlich neu und eine riesige Meute Slammer wartet bereits am Eingang als wir unseren Bierkasten in ihre Richtung wuchten (Merke: In Zukunft abdecken!). Die Parkplatzsituation ist nicht die beste in Düsseldorf.
In unserem Fall war der grandiose Verein Livelyrix e.V. so nett, die Startgebühr wie auch Fahrtkosten für uns zu übernehmen, an dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankeschön dafür. Dass Andere es da nicht ganz so komfortabel haben, merke ich schon, als ich bei der Anmeldund herumlungere. Julius und ich haben als Team Totale Zerstörung ein schönes Doppelzimmer zugeteilt bekommen (und ehrlich gesagt auch fest damit gerechnet), manche waren sich da nicht so sicher und haben sich ein Doppelzimmer reservieren lassen. Dafür dürfen sie nun zusätzlich 150 Euro bezahlen, nicht schlecht. Aber auch mir geht es schlecht, in meinem Anmeldepaket (die Gimmicks sind wieder einmal klasse!) hat man die Essensmarken vergessen. Da ich aber so lieb aussehe und hungrig obendrein, bekomme eine handgeschriebene Aufforderung zur Essensausgabe von Pamela Grenderath, einer der OrganisatorInnen, yeah!
Die ganzen ersten anderthalb Stunden sind eigentlich nur ein großes Umarmen und Wie-geht’s?-Fragen. Schön, wenn man so viele Leute kennt und sich freuen kann, sie wieder zu treffen, manche gerade erst mit einem Abstand von einer Woche, manche hat man schon ein halbes Jahr nicht mehr gesehen. Das Ganze ist eben doch eine große Familie, die Slamily eben, so viele nette Menschen.
Eine Stunde nach uns kommt auch Christian an, der mit dem Zug aus Dresden gekommen ist, Udo reist erst am Freitag an, da er am Donnerstag noch keinerlei Vorrunde zu überstehen hat. Dann muss schon wieder alles ganz schnell gehen. Auf den Karten sahen die Entfernungen zu den Veranstaltungsorten recht kurz aus, in natura aber ist eigentlich nur das Schauspielhaus bequem und unter einer halben Stunde zu Fuß erreichbar. Also das Auto geschnappt, das in einem überteuerten Parkhaus wartet, Pamela als Lotsin auf den Beifahrersitz gesetzt und auf ins zakk. Dort verabschiedet sich Julius sofort wieder, um mit Björn Högsdal und Anderen ins Pretty Vacant zu ihrer Vorrunde zu fahren. Als Jana und ich ins zakk (schöner Ort, muss man sagen)kommen, sichert sich Bumillo gerade seinen Halbfinalplatz. Zu essen gibt es Bohnensuppe mit einer sehr leckeren Wurst, nicht die robusteste Basis in Bezug auf die folgenden Feuchtfröhlich, die der Abend verspricht, aber immerhin sehr schmackhaft.
Julius hat Glück mit seiner Runde, achter Startplatz, am Ende Erster, besser kann es nicht laufen. Zweiter wird Björn Högsdal. Nur schlechter, wie Lars und ich schnell feststellen. Als mir der Boutmanager verrät, dass ich auf den zweiten Startplatz gelost wurde, trinkt Lars gerade einen Schnaps auf seinen ersten Startplatz. So schnell kann der slam2009 aus aktiver Sicht also zu Ende sein. Natürlich nervt so etwas und natürlich reagiert man enttäuscht, aber glücklicherweise nie sehr lang, dafür ist es einfach nett und dafür sind die Meisterschaften weit mehr Happening als Wettbewerb, im bestem Falle (nämlich des Sieges) beides. Im Endeffekt kommen aus meiner Runde Stefan Abermann und Sulaiman ins Halbfinale, nicht allzu überraschend.
Im Team läuft es startplatztechnisch nicht besser. Dritter Startplatz, aber faktisch zweiter, da das vorherige Team nicht zum Wettbewerb auftaucht. Das ist gänzlich ein komischer neuer Trend, Word Alert haben schon wieder abgesagt und schüren damit weiter an ihrem Mysterium, Team Attacke hat sich am Vortag aufgelöst, die Slamboys verzichten und das Team Poetry Spam ist einfach nicht da. Team Tübingen ergeht es nicht besser, denn sie müssen als erste ran und bringen einen so guten Text, dass sich trotz ihres schlechten Startplatzes noch locker ins Finale einziehen. Hätte man so oder so erwartet, die Tübinger im Finale zu sehen, aber man weiß ja nie und freut sich trotzdem. Für uns läuft es auch prima. Die Stimmung im Club ist zwar nicht beste, der Club hat allgemein das Problem, dass man auf dem Weg zu ihm durch die große Halle muss, wo gerade unter Anderem Smaat auf der Bühne stehen und so die Leute oft gar nicht bis in den Club kommen, aber es reicht für uns trotzdem zum zweiten Platz in der Vorrunde, nur kurz vor Ende vom ersten Platz verdrängt durch Team und Struppi.

Und dann ist Party, großes Beisammengesitze und -gestehe, -gerauche und -getrinke. Gegen 4 Uhr sind wir wieder im Hostel, vor dem uns wieder eine Meute Slammer in bester Laune erwartet, was später dazu führen wird, dass gleich 3 Polizeiautos voller Gesetzeshüter die Düsseldorfer Ordnung wieder herstellen möchten. Wolf möchte viel lieber mit einem der Polizeiautos wegfahren, aber die Nachbarin, die schon seit einiger Zeit mit dem Hostel auf Kriegsfuß stehen soll, fände das sicher gar nicht lustig. Nachdem die Polizisten merken müssen, dass die harte Tour (“Jetzt ist aber mal Ruhe hier!”) nicht zieht, wird es doch mal mit Kommunikation versucht und siehe: Erfolg, niemand kommt zu Schaden und alle gehen nach und nach zufrieden ins Bett.
Später muss noch eine Latte des Rosts verstehen lernen, dass sie nicht für den Bettentest gemacht wurde.

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