
Foto: bud-spencer-tunnel.de
Fangen wir so an: Der Bud-Spencer-Tunnel bekommt also, wie zu erwarten, einen Namen mit regionalem Bezug. Gleichzeitig soll das städtische Freibad in Bad Spencer, Bud-Spencer-Freibad oder Ähnliches umbenannt werden (so deutlich konnte ich den genauen Namen in der Debatte nicht heraus hören) und selbst Bud Spencer himself hat dazu seine Zustimmung geäußert.
Abgesehen davon, dass ich persönlich Bad Spencer für ein schreckliches Wortspiel halte, respektiere ich die Entscheidung. Und das nicht nur, weil ich in der Debatte vom SPD-Mann zitiert wurde. Zwar könnte man auch sagen, man hätte sich zu Weihnachten Inliner gewünscht und am Ende Rollschuhe bekommen, aber es ist eben auch besser als nichts. Und wenn, betrachten wir Bud Spencer mal kurz als religiöses Oberhaupt dieser Bewegung, der Papst persönlich über seinen Verlag sein OK für den Schwimmbadnamen gibt, dann hat der kleine Gläubige da nichts zu meckern.
Trotzdem noch ein paar Bemerkungen zum Verfahren an sich:
In der Debatte wurde immer wieder gesagt, dass das große Medienecho, insbesondere die Mobilisierung durch Facebook, nicht die Meinung der Gmünder Bevölkerung zum Ausdruck brächte. Man hatte mit der Abstimmung nur einfangen wollen, was für Namensvorschläge aus der unmittelbaren Bevölkerung kommen könnten. Wenn dem so ist, warum hat man dann eine Internetabstimmung geschaltet, die jedem zugänglich ist und nicht per Amtsblatt oder Aushang in der Stadt dazu aufgerufen, Namensvorschläge einzureichen? Dass social networks kleine Erdrutsche erzeugen können, weiß man sicher auch in Gmünd nicht erst seit Facebook und 4chan, nicht erst seit hunderte Leute zu privaten Geburtstagsparties auflaufen, weil die Einladung nicht privat verschickt wurde (weshalb lächerliche Politiker jetzt Verbote fordern) und nicht erst seit so vielen früheren Abstimmungen, bei denen Firmen haben die Öffentlichkeit per Internetabstimmung beteiligen wollten. Dass die Abstimmung also von einer breiteren Öffentlichkeit als zuerst angedacht genutzt wurde, hat man sich auch irgendwie selbst zuzuschreiben.
Außerdem beeinflusst schon die Gestaltung des Verfahrens bekanntlich das Ergebnis, sodass der Gemeinderat so wenig Opfer einer medialen Flut war, wie die Flutenden eine Spaßguerilla. Hätte man den örtlichen Schützenverein gefragt, wäre eine grobe Richtung genau so vorhersehbar gewesen, wie es bei einer offenen Internetabstimmung immer dazu kommen kann, dass sie einen kleinen Hype erfährt und ins genaue Gegenteil der eigentlichen Intention abdriftet. Internetnutzer spielen nun einmal gern (wer das als Argument für die Bezeichnung Spaßguerilla sieht, schaut auch so Fußballspiele und entferne bitte jetzt das Geäst aus seinem Popo) Und wenn die Regeln des Spiel Schlupflöchern beinhalten, dann werden sie auch genutzt. Das ist kein Phänomen des Internets, sondern vielmehr eine menschliche Natur (siehe Murphy's Law).
Natürlich war der Bud-Spencer-Vorschlag ein Spaß. Aber eben auch einer, den die Abstimmenden realisiert sehen wollten, denn im Endeffekt ging es doch immer nur um den Namen für einen x-beliebigen Tunnel, bei dem die Zusammenhangslosigkeit zwischen Name (Bud Spencer) und Projekt (Tunnel) ja erst den Witz ausgemacht hätte. Trotzdem standen eine Menge Leute dafür ein, was man gemeinhin wohl (kommunal)politisches Engagement nennt. Man könnte also auch sagen, die Aktion wäre ein kleiner Stresstest für den Gemeinderat gewesen, damit kennt man sich in Baden-Württemberg ja aus. Dass er mehr als bundesweites Aufsehen erregt hat, daran ist das böse Internet schuld, bzw. die jungen Leute, die sich damit auskennen und den ganzen Tag nichts anderes tun, als im Internet zu sein. Insofern ist das Aufgreifen des Namens und dessen Verwendung für das Gmünder Schwimmbad, in dem Bud Spencer persönlich heroisch dem Sieg entgegen geschwommen ist, eine sehr nette und faire Geste, aber eben gleichzeitig auch die Umformung eines guten in einem bloßen Wortwitz. Das soll die Leistung des Gemeinderates, sich überhaupt um die öffentliche Meinung zu kümmern und sich um Lösungsfindung zu bemühen, nicht schlechtreden (man schaue sich im Gegenzug nur einmal die Verteilung der Mittel zur Kulturförderung in deutschen Großstädten an und denke dann noch einmal über das Verhältnis von Nutzungsrealität und Mittelverteilung nach), aber sie ist eben eine genau so natürliche Reaktion auf große mediale Öffentlichkeit, wie sie Gmünd in der letzten Woche erfahren hat, wie Politik eine in Bezug auf die Bürgermeinung sein sollte.
Immerhin, hoffen wir, dass es zur Umbenennungsparty im Bud-Spencer-Freibad die versprochenen kostenlosen Speckbohnen für 3000 Besucher und dass auch Bud Spencer persönlich sich die Ehre geben wird. Wenn ich in der Nähe bin, will ich auch mal dorthin. Aber nur, wenn es im Schwimmbadkiosk ständig Speckbohnen gibt.


Nutzer
27. Juli 2011
Ein Spencer Tunnel ist eine Strafe für jede Stadt.
André
27. Juli 2011
Dann lasst uns Leipzig bestrafen, der Name “City-Tunnel” ist mir nicht Strafe genug.