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Heute habe ich im Spiegel gesehen, dass sich mein Backenzahn langsam aber sicher dunkel verfärbt. Ich habe beim Zahnarzt angerufen, aber die Sprechstundenhilfe versicherte mir, dass sie keine Vollnarkosen anbieten. Um also nicht zum Arzt zu müssen, habe ich „dunkler Zahn“ gegooglet und mich daraufhin gleich wieder ins Bett gelegt. Laut Internet bin ich jetzt sowieso krankgeschrieben.

Ich fühle mich unhygienisch. Dabei habe ich meine Zähne immer brav geputzt. Im Internet schreiben die Leute, dass das ganz normal sei und eigentlich jedem passieren könne mit dem absterbenden Zahn. Aber ich glaube ihnen nicht. Immerhin stirbt mir gerade ein Teil meines Körpers ab. Und sicher würde keiner von ihnen so locker darüber schreiben können, wenn ihm auf offener Straße plötzlich ein Bein abstürbe und abfiele oder sie morgens aus dem Bett aufstehen würden, einer ihrer Arme aber noch liegen bleiben würde. Dieses unbeschreibliche Gefühl des Alterns. Und der Angstschweiß treibt den Verwesungsprozess wahrscheinlich noch vorran.

Als ob mich Zahnärzte in meinem Leben nicht schon genug gequält hätten. Die Sache mit den Weisheitszähnen allein. Nur, weil meine Weisheitszähne keine Konformisten gewesen waren und sich nicht darauf hatten einlassen wollen, zu wachsen, wie es am besten gewesen wäre, sondern schräg und so gegen mein Gebiss rebellierten, nur deshalb hatte man sie in einer schrecklichen Operation voller „Eeeeeeeeeeeeeeh“ und „Herr Herrmann, sind Sie Bluter, oder was?“ und „Oh, Entschuldigung, Herr Herrmann, das war ein Nerv.“ aus meinem Körper entfernt. So wie es doch immer läuft mit denen da oben, wer nicht ins System passt, wieder einfach hinterrücks aus ihm herausgeekelt.

Meine Freundin meint, dass ich, wenn es etwas Schlimmes sei, schon längst üble Schmerzen gehabt hätte und freiwillig zum Zahnarzt gegangen wäre. Aber wie kann ich denn sicher sein, nicht schon längst üble Schmerzen gehabt und vielleicht währenddessen nur geschlafen zu haben? Oder im Koma gelegen zu haben? Mit Zeit, den Tagen und Monaten hatte ich es ja noch nie so, in der Uni war ich auch schon lang nicht mehr und verderbliche Waren besitze ich nicht, ich könnte also ohne Probleme einfach einen Monat lang ohnmächtig in meinem Zimmer gelegen haben, während mein Zahn so gut schmerzte, wie er nur konnte, danach wieder aufgewacht sein und es dann erst bemerkt haben.
Bevor meine Freundin kommt, veranstalte ich also eine kleine Totenmesse für meinen Zahn. Ich demontiere die Lichterkette vom Küchenfenster und lege sie mir in den Mund. Danach lege ich mich in den Flur, ich putze mir nicht die Zähne, weil ich weiß, dass ich sterben werde und summe dazu Post Rock Weltuntergangsmusik Musik von A Silver Mt. Zion. These teeth could’ve grinded mountains….

Als meine Freundin zur Tür herein kommt erschrecke ich und beiße zu.
Jetzt habe ich Schmerzen. Jetzt muss ich zum Zahnarzt. Oder besser in die Notaufnahme. Aber wenigstens können die Vollnarkosen.

Mein erstes eBook ist da!
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4 Kommentare!

boah, andré, absterbender zahn ist was ganz fieses. so was will man doch nicht lesen, ey. was solln das.

Also irgendwie hab ich das Gefühl, du brauchst einen anderen Zahnarzt. Haben die Weisheitszähne echt so weh getan? Das kann ich mir gar nicht vorstellen, wenn du einen guten Zahnarzt hast. Ich hab davon nix gespürt, außer dass da halt ein Zahn gefehlt hat. Und dass das ganze Gesicht von der Spritze taub war, lass dir ne richtig gute Spritze geben, von nem wirklich guten Zahnarzt, dann geht das alles und der Zahn ist einmal raus, dann kann er nie mehr schmerzen, ob du nun im Koma liegst oder nicht ;)

Für die Weisheitszähne war ich beim Kieferchirurgen. Die Spritzen dort hat ein stylischer Design-Arzt so schmerzhaft gesetzt, nicht der Chirurg. Von dessen Arbeit haben mir die Geräusche gereicht. Vollnarkosen wären dabei nicht usus, hatte man mir gesagt.

Geschmerzt hat es im Nachhinein eigentlich noch viel mehr – und das eine Woche lang, auch mit Schmerzmitteln. Womöglich waren das Phantomschmerzen. Schlimm war dann auch die Nachuntersuchung, bei der ich dann zu spüren bekam, dass da ja noch Mullpfropfen in den Kratern beherbergt waren, die so schön fest saßen. Nach dem Rausziehen sprudelte es dann ganz lustig in meinem Mund.

Bald hab ich wieder einen Termin. Juhu.

André, deine Aussage bestätigt meinen Verdacht noch mehr, der Kieferchirurg ist nicht gut!
Mich wollte mein Zahnarzt auch zu so nem Chirurg schicken, aber ich hatte noch keine Schmerzen an den Weisheitszähnen, sodass ich das so lange rauszögern konnte, bis mein Zahnarzt die gezogen hat.
Das Schönste bei den Geräuschen war, dass sie sogar das Radio lauter gemacht haben, dass ich es nicht so hörte *lach* Aber ernsthaft, ich hatte keinerlei Schmerzen und auch sonst nix, von dem was du erzählst, dann danke ich dem lieben Gott noch mal für meinen tollen Zahnarzt ;)

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