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Es gibt ein T-Shirt mit der Aufschrift code poet im Internet zu kaufen. Früher fand ich es immer ganz witzig, aber vor ein paar Tagen, während eines Spaziergangs, wurde mir klar, dass der Aufdruck eine falsche Aussage ist.

Es wird ein kleiner Ausflug in die Sprachwissenschaft nötig sein, um diese meine These etwas zu untermauern, bzw. die Unmöglichkeit direkter Poesie mittels Programmiersprachen etwas zu unterstreichen. Dabei möchte ich mich, auch wenn ich mir bewusst bin, dass es nur eine Theorie ist und selbst diese nicht fehlerfrei sein kann, auf die überlegungen von Ferdinand de Saussure stützen.

Bevor ich also zu den Programmiersprachen komme, muss ich, da jede Programmiersprache eine vom Menschen erfundene Sprache ist, die sich zudem auf seinen Verständnisbereich innerhalb der Sprache, die er für sich genommen schon spricht oder mit der er zumindest umgehen kann, mich zuerst der menschlichen Sprache überhaupt zuwenden. De Saussure unterschied zwischen der langage, der Phänomenologie menschlicher Rede, die für sich genommen noch ohne Regeln auskäme und der langue, dem abstrakten Regelwerk der Sprache, ohne die aber nun einmal keine Verständigung möglich wäre, selbst wenn immer ein Toleranzbereich zwischen der langue, über die man sich einig ist, beispielsweise das grammatische Regelwerk der deutschen Sprache (und das ist gerade in diesen Tagen ein extrem schlechtes Beispiel) und der Form der langue, wie sie uns im Alltag, der Umgangssprache oder den verschiedenen Ausdrucksformen begegnet.

Ich möchte überhaupt nicht zu tief in die Materie eindringen, auch wenn sie sehr interessant ist, aber ich finde, dass noch ein wenig fehlt. Die parole, der eigentliche Akt des Sprechen, in welchem man die langue mittels Sprechakten und über Konversationsmaximen realisiert, bezieht sich zwar offensichtlich auf die langue, aber weiter noch auf die langage, da wir als Sprecher, z.b. unserer Muttersprache, schon längst nicht mehr die langue visualisieren oder über sie nachdenken, während wir uns im Alltag unterhalten oder ganz konkrete Sprechakte vollziehen. Einzig wo man es noch an sich selbst ganz offenbar beobachten kann ist beim Erlernen einer Fremdsprache. Wenn wir so sehr mit dem Jonglieren aller Regeln im Kopf beschäftigt sind, dann ist es für jeden Muttersprachler unserer Fremdsprache ein leichtes zu erkennen, dass wir diese Sprache nur erlenen oder erlernt haben. Könnte man also nicht auch sagen, dass parole und langue zusammen einfach nur einer Gewöhnung, bzw. einer hohen Sprachsicherheit zu entsprechen haben, wenn sie sich möglanlichst wenig einander nähern sollen? Wenn ich sage, dass Programmierer keine Poeten sind, dann soll das nicht heißen, dass X, der als Programmierer arbeitet, nie und nimmer ein Poet sein kann. Was ich verdeutlichen will ist, dass er nie über seine Programmierarbeit irgendeine Poesie in seinem Quellcode ausdrücken könnte. Warum das so ist, oder besser gesagt sein soll, das wollen wir jetzt untersuchen.

Rein theoretisch könnte es ja möglich sein, einem Menschen von Beginn seines Lebens an eine Programmiersprache zu lehren, sodass er sie als seine Muttersprache akzeptieren würde. Ich bin mir aber nicht sicher, inwieweit die Sprachen, die wir zur Kommunikation untereinander über Jahrhunderte hinweg entwickelt haben, sich mit einer Programmiersprache vergleichen lassen, die alleinfalls Geschick und eben auch gute Programmierkenntnisse erfordert, um sie zu entwickeln. Ich weiß nicht, wie ich es deuten soll, dass sich die Schlange hier in den Schwanz beisst. Aber auch davon möchte ich einmal absehen, da das Thema schon zu viele If-Anweisungen zu bewältigen hat. Beziehen wir also alles auf uns selbst, wie wir tagtäglich programmierend an unseren Rechnern sitzen und uns irgendwann ein T-Shirt kaufen, das den Aufdruck code poet trägt und bei unseren Freunden mächtig Eindruck schindet.

Allein was diese meine komische These halten könnte wäre, festzulegen, dass Programmiersprachen für den Einsatz in und mit Maschinen konzipiert sind, dass sie überhaupt konzipiert und in Sprachpaketen abgefasst ständig aktualisiert werden (was bei der langue eher schleichend und nur im Rechtschreibregelwerk rucktartig passiert) und dass sie möglichst einfach, möglichst effizient und möglichst leicht zu erlernen sein sollen. Wenn dies gilt, dann könnte man Computersprachen allen falls einen Stil zuordnen, der allerdings schon durch die Unterschiedlichkeit der Sprachen an sich gegeben ist.

Selbst wenn man beim Erlernen einer Programmiersprache, meistens ist es bei der ersten noch am schlimmsten, von den vielen Befehlen, Funktionen, Objekten, Klassen
und Headerdateien erschlagen zu werden scheint, so stellt man doch spätestens dann, wenn man sie eine Weile in der Praxis einsetzt, dass es irgendwann immer nur noch dasselbe ist. Ich kann mir vorstellen, dass es zu solch einem Dilemma auch in natürlichen Sprachen kommen könnte, allerdings ist dies bis jetzt nicht passiert und passiert keinesfalls innerhalb von zwei Wochen. Die Vielfalt spielt also eine besonders große Rolle. Wenn man dem deutschen vorwirft, dass es unheimlich kompliziert ist, so sollte man sich einmal mit Fremdsprachlern unterhalten, denn diese werden einem zumeist erzählen, wie simpel doch das Deutsche ist. Einerseits existieren hier so viele Regeln, dass man kaum etwas falsch machen kann, andererseits aber verfügen wir über viele Alternativen, Synonyme und Lockerungen innerhalb, zumal sich das Deutsche im Laufe der Zeit derart verändert hat, dass man schon zwischen Alt- und Neudeutsch und dann noch nach Dialekten unterscheidet, in welchen jeweils nur Eigenheiten in Grammatik, Synonymie und Freiraum herrschen.

Das Große Manko bei künstlichen Sprachen ist demnach schlichtweg die Bestrebung nach Effizienz und Simplizität, mit der gleichzeitig zwar extrem produktiv gesprochen werden kann, aber dementsprechend auch ohne großartige Vielfalt.

Die einzige Form von Kunst, die auch in Turnieren wie z.B. Topcoder verglichen wird, ist die Form und die Kürze des Quellcodes. Keine Frage, man kann elegant programmieren, aber eben nur, indem man sich der kleinen Tricks der großen Sprachen bedient, mit denen es leicht ist, gut zu schreiben, wenn man sie nur kennt und das gestellte Problem einwandfrei überblickt. Ich maße mir nicht an, dies zu können, aber ebensowenig kann ich Eier legen und weiß dennoch, wann ein Ei gut oder schlecht ist. Auch ist mir klar, dass diese Aussage von Bernhard Shaw stammt, aber ich wollte sie unbedingt kopieren und verwenden, um meinen schlechten Stil noch zu karikieren.

Es sei gesagt: Ich kenne die Ecken und Kanten dieses Beitrages, ergo weiß ich auch, dass all das nur funktionieren kann, wenn man voraussetzt, dass man ausschließlich über eine Sprache, die Menschen untereinander zur Kommunikation benutzen, poetische Züge entwickeln kann. Natürlich könnte man eine Kunstsprache kreieren, die gestalterischen Vorzüge einer jeden Sprache beinhaltet. Immerhin wären damit diese Zeilen komplett widerlegt, aber nie würde diese Sprache zum industriellen Einsatz kommen, einfach, weil sie im Gegenzug zu ihrer Komplexität und Schönheit natürlich auch sehr schwer zu erlernen und zunehmend ineffizient wäre.

Was ich also sagen will ist, dass ich um die Möglichkeit dieser Sache weiß, sie aber für übertrieben und irreal halte, doch wozu sich noch rechtfertigen. Weitaus mehr wert ist es in diesem Moment, dass sich wieder ein Kreis geschlossen hat und eine neue Schleife entstanden ist. Wie schön, dass man immer etwas findet, über das sich viel reden, aber kaum etwas sagen lässt…

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