Direktbleeder

Dort, unter der Blutbuche im Park, da haben sie vor siebzig Jahren einen Mann verkehrtherum an einen Ast gehangen. Der hatte im Juweliergeschäft eine zwei Meter lange Perlenkette verschluckt. Er war kein stadtbekannter Dieb und wollte bis zuletzt nicht sagen, was er bezwecken wollte mit der Tat. Den Juwelier, den hatte er durch ein geschickt gelenktes Wort in Richtung Goldpreis dieser Woche in seiner Hinterzimmer gehen, nur um sich, in aller Seelenruhe, die Perlen in den Hals gleiten zu lassen.

Und wie er wartete zu Hause auf seinen Darm und dessen Ausschiss, tat sein Magen ihm nichts Gutes und zersetzte das Perlmutt ganz seicht ein wenig frohen Mutes, gab den Kalk, den Roh- und Bau- und Füllstoff in sein Blut und ließ ihn büßen. Kein Auge tat er zu und dachte, dass er wohl krepieren müsste und alles was ihm aus dem Hals, dem Arsch und aus der Haut nach draußen drang war Galle, Wasser, Rotz und Blut, nur kein Perlmutt an einer Schnur.

Er stellte sich noch in der Nacht und bat, nein flehte bald nach einem Arzt, den ihm zu ordern, die Gnade der Gesetzeshüter doch erfordern täte. Zwei große Polizisten hielten den Mann an jeweils einem Bein und, ob man's glauben mag oder auch nicht, die Perlenkette kam ihm langsam aus dem Hals zu hängen. Der dazugeholte Arzt zog langsam an den kleinen Kugeln, um seiner Speiseröhre keinen Schaden beizufügen. Doch der Dieb, bei vielleicht 160 Zentimetern, biss kräftig zu und schluckte nochmals, denn ein Fünftel des voran gegangenen Übels, dacht er, würde er vertragen können.

Da hingen sie ihn in den Park, kopfüber an die Buche und gingen weg, auf das die Kette, sich den Weg alleine suche. Was keiner der Gerechten und selbst der Geächtete nicht ahnten, war, dass Bluthochdruck beim Hängen über Kopf, durchaus zum Tode führen kann. Und so fanden sie ihn leblos, dort an jenem Baum, die Perlen immer noch versteckt und schnitten ihm den Magen auf. Blutvergiftung hieß es später, als man die Papiere schrieb, wegen ein paar Perlen, starben ein geständiger und wiederholter Dieb. Man setzte ihm kein Kreuz und nur wenn man es weiß, denkt man noch daran, wo man den Perlendieb von Leipzig einst verkehrtrum aufgehangn.

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