Wäre er eine S-Bahn, würde man ihn womöglich spätestens nach dem ersten Wochenende von erfahrenen Schweißern wieder in seine stählernen Einzelteile zerlegen lassen. Nach der ersten fetten Entgleisung.
Wenn er es übertreibt. Wenn er mit hundertfünfzig durch die Stadt und aus ihr heraus rasen muss. Wenn er dabei die Kontrolle verliert. Links und rechts Lack auf den Leitplanken lässt. Der Beifahrer, ohne das Ratschen zu realisieren, seelenruhig eine Kippe dreht. Bis keine Leitplanken mehr da sind. Die Vorderachse bricht. Und die Kiste nach oben wegbricht. Den Bäumen am Straßenrand entgegen fliegt. An einer dicken Eiche hängen bleibt. Auf der Straße nicht einmal Bremsspuren zurück bleiben.
Dann fühlt es sich für ihn nicht schlimm an, zu sterben. Nicht bemerkenswert. Eher ist es ein wenig enttäuschend. Keine am inneren Auge vorbeiziehenden Filme. Keine weltbewegenden Abschiedsworte. Keine dunkelhaarige Schönheit in wehendem Kleid und kein Licht. Nur bloßes Abwarten. Ein Schlussstrich. Im scheißkalten Dunkeln. Warten, dass das Sterben vorbei geht. Den bunten Bildern zuschauend. Benebelt vom Adrenalin.
Viel zu schnell, das alles. Die Broschüren lügen. Nicht einmal mit dieser Geschwindigkeit ist es die Lenksäule, die ihn umbringt, sondern der Airbag, der ihm mit säuerlichem Knacken das Genick zerbricht. Wie der Schmerz Gedanken und Körper zu trennen weiß. Wie er versucht, was er aus den ganzen Filmen gelernt hat, irgendetwas Geiles aus der Situation zu machen. Vielleicht einen Witz zu reißen. Aber. Nichts passiert. Dunkel wird es. Schluss.


