# Im Treppenhaus rollen Rollkoffer

Im Park spielen die Kinderkrippenkinder auf dem Gras. Nicht weit davon drückt sich ein dürrer Mann mit schmunzelndem Gesicht.
Gestern. Man soll eine Petition unterschreiben, für einen besseren Übergang über die Straße, damit den Kindern nicht die Köpfe abgefahren werden.
Jetzt. Die Kindern spielen an der Straße und vielleicht ist der schmunzelnde Mann da, damit ihnen nicht die Kinderköpfe abgefahren werden.
Von den Bäumen läuft Teer. Aus den Nasen Blut. Niemand lacht über pinke Hosen. Probleme werden herkömmlich mit Fäusten gelöst.

Heute gibt es kein … in den Gedichten. Das ist der Hype. Der nächste nach dem Abhacken, das immer und immerwährende Fehlen des …
Auf der Tastatur ist es ALT und dann 0, 1, 3, 3. So wird man es nennen womöglich. Gib allem einen freundlicheren Namen und befreie dich selbst.
Reiss’ die Balkontür auf und setz dich zu dem roten Schirmchen, das da so verloren steht. Warum nur ein Stuhl, du erklärst es nicht.
Und dann an ihn denken. Vorübergelehnt an ihn denken mit dem Blick geheftet auf die weiche Stadt da ganz weit unten stockwerktiefer.

Sie sagen nichts mehr. Bald schon sagt niemand mehr etwas. Sie machen nur noch, machen, fahren los, lassen dich stehen, sind weg.

# Der Ernst des Lebens

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an dieses schreckliche Machwerk niederer Kultur: Halle, eine Stadt zum Hassen.

Nun war es nicht meine Idee, diesen Text der Oberbürgermeisterin der Stadt Halle zukommen zu lassen, sondern ironischerweise die des Moderators des Hallenser Poetry Slams, aber schlecht fand ich sie nicht. Die Oberbürgermeisterin anscheinend schon.

Der/die Verfasser/in, die jedenfalls nicht die Megabürgermeisterin war, muss beim Schreiben ganz schön in die Tischplatte gebissen haben, um nicht in das gekonnte Setzen von Böswilligkeiten zu verfallen. Dass das oberflächlich auch gelungen ist, erkennt man gut.

Ich weiß nicht, ob ich jetzt noch eine Antwort schreiben sollte. Wahrscheinlich schon. Aber dafür müssen die Worte wohl erwogen werden, wie ich gelernt habe. Bis dahin gibt es hier den Antwortbrief der Stadt Halle (die Seite funktioniert immer noch nicht richtig…):

Antwort der Stadt Halle (Saale)

P.S.: Es steckt System dahinter, dass dieser Eintrag in der Kategorie “Literatur” gespeichert wurde. Lest mehr Stadtschreibergeschichten!

# Aphorismus des Tages [163]

In einer Welt, in der der alles mit allem verbunden und Entfernungen praktisch kaum eine Rolle mehr spielen, ist sich wirklich – abzüglich Reisedauer – jeder selbst der Nächste.

# Die Technik und ich

Mit gutem Recht kann ich von mir behaupten, nicht vollständig im Zeitalter des Personal-Computers aufgwachsen zu sein. Natürlich gab es jene, die von Anfang an einen Computer hatten und jeder hatte mindestens einen solcher Verrückten in der Klasse, die schon vom Bildschirm gebleicht ihre Schultüte in Empfang nahmen, weil ihr Vater nach der Wende bei IBM angefangen hatte und deshalb auch zu Hause ständig kryptische Computerbeschwörungsbefehle in die Tastatur zu hacken hatte. Für das Gros der Leute jedoch waren Computer noch nichts von essentieller Bedeutung. Erstens, weil sie sich niemand leisten konnte, der nicht bei irgendeiner Computerfirma arbeitete und zweitens, weil sie sowieso schwer zu bekommen waren, Überhaupt war alles technische Gerät in den ersten Jahren nach der Wende noch schwer zugänglich. Ich persönlich durfte ja nicht einmal nach Schulschluss an den guten alten RFT-Fernseher, bzw. musste das Gerät immer rechtzeitig abschalten, damit sich die Röhre noch genügend abkühlen konnte, bevor meine Mutter von der neokapitalistischen Arbeit nach Hause kam und sogleich prüfend ihre Handfläche auf das Hinterteil des Fernsehers zu legen pflegte.

Man muss sich das einmal vorstellen, was es heißt, keinen Computer zu haben. Ich ging noch raus um Spielen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Kindern von meterhohen Kletterburgen fielen und sich dabei die Zähne ausschlugen. Wir haben uns noch im Innenhof der Neubaublocks gegenseitig die verbliebenen Milchzähne gezogen. Wir schossen unsere Fussbälle so hoch es ging an den Blöcken hinauf. Nie kam jemand bis aufs Dach, nur einmal schoss der komische Ralf einer armen alten Frau, die den ganzen Tag aus dem Fenster guckte, mitten ins Gesicht, sodass ich eine Woche lang Angst hatte, die Polizei würde mich finden und der MIttäterschaft anklagen. Hachja…

Aber irgendwann ging es dann ja los. Mit Ende der Grundschule kamen die ersten Heim-PCs, die auch der letzte Depp zu bedienen in der Lage war, da sie vermittels Windows95 das nötige Rüstzeug an Bord hatten, das unverständliche Innere dieses Kastens in eine Klickbunti-Welt nach außen hin zu wandeln. Als ich aufs Gymnasium gehen sollte, hatte die Schule schon vorsorglich die Anschaffung eines Computers empfohlen, aber wahrscheinlich niemand außer den leichenhaften Computerhackern wusste, was sie damit anstellen sollten. Nur ein schönes Gefühl der Erhabenheit löste es aus, wenn man diesen Kasten dann nach Hause geschleppt (in meinem Fall schwarz und unglaublich schwer, aber immerhin mit einer Umschalttaste, die ihn bei Bedarf in einen Fernseher verwandelte, yeah!), bestmöglich angeschlossen und in Betrieb genommen und nun gespannt davor saß und darauf wartete, dass er einem endlich das Leben erleichtere.

Und selbst mit Computer waren Bilder von leicht bekleideten im wahrsten Sinne des Wortes heiße Ware. Jeder kaufte einen Computer. Jeder. Und fortan verglich man in den Pausen Megahertz-Angaben gleichwertig mit dem Grad der Bahaarung des eigenen Unterleibs. All das noch ganz ohne Internet. Heutzutage weiß man ohne Internet schon nicht einmal mehr, wozu ein Computer überhaupt gut ist. Wir haben uns damals aus Langeweile sogar noch freiwillig mit den Funktionsweisen von Programmen wie Microsoft Money auseinander gesetzt. Und bis ich irgendwann Ende der 90er ein Modem bekam, dachte ich, der Internet Explorer sei dazu da, die vielen hocherotischen JPG-Bilder, die man in der Schule auf dicken Stapeln von Disketten gespeichert herum reichte, anzeigen zu können.

Irgendwann um diese Zeit kamen dann auch die ersten Kinder, wenn sie krank waren, auf die Idee, die Mitschriften einfach zu kopieren, weil ihre Mutter das Privileg genoss, in einem Büro mit Kopierer zu arbeiten und nicht in einer Erzmine oder dem lokalen Kohlekraftwerk. Statt alles, wie zuvor, in mühsamer und stundenlanger Handarbeit abzuschreiben, ging jetzt alles innerhalb von ein paar Minuten über die Bühne und schwupps war man wenigstens theoretisch gesehen auf den aktuellen Stand des Schulstoffs. Dass man mit dem Kopieren auch gleichzeitig die krakelige Schrift der Mitschüler mitkopierte, merkte ich erst viele Jahre später, als mich mein Biolehrer nach der Ausgabe einer Klassenarbeit verdutzt fragte, wie ich auf die Idee käme, im Inneren einer Zelle wäre neben Zellkern und Mitochondrien auch eine “Warknolle” zu finden. Dennoch profitierten viele von der Technik, nicht zuletzt mein Schul-, besser gesagt Freizeitfreund Thomas, der in der zwölften Klasse praktisch nie in der Schule war und am Ende stolz jedem, der es sehen wollte, seinen Zeugnisvermerk über 167 Fehltage präsentierte. Auch ich profitiere von Technik, und am liebsten an meinem Computer mag ich den Aussc

# Aphorismus des Tages [162]

Alle, die dir etwas von einem Ehrenkodex erzählen, gehören gar nicht dazu. Und alle, die davon erzählen könnten, haben es durchgezogen.
Also: Draußen ist schönes Wetter, mach, was immer du willst. Niemand kann dich aufhalten. Und niemand wird es tun. Red dir nicht auch das noch ein.

  1 2 3 ...66 67 68 ...201 202 203