Ich glaube, ich befinde mich am anderen Ende von Collien Fernandes.
Gutes Lied, um nachts nach Hause zu laufen:
Direktqueen
Ich glaube, ich befinde mich am anderen Ende von Collien Fernandes.
Gutes Lied, um nachts nach Hause zu laufen:
Direktqueen
Manchmal kommt es mir so vor, also würden viele Blogs mit der Zeit einfach nur immer ähnlicher und viele ehemals sehr gern von mir gelesene Blogs einer thematischen Orientierung hin zur Metaebene la “Look, what I found!” zum Opfer fallen und dabei selbst wieder eine Menge Metainformationen produzieren (so ein Blogbeitrag will schließlich auch bei Twitter, Facebook, etc. angekündigt sein) und so in einem Schierlingsbecher, gefüllt mit reichlich Gefällt-Mir-Buttons und blauen Vögeln versinken. Nein, davon schließe ich mich nicht aus, ich sehe mich nicht als Einäugiger unter den Blinden, auch ich kämpfe ständig dagegen an, diese Seite nicht vollständig zur Link- und YouTube-Schleuder mutieren zu lassen, habe selbst Zugang zu einem Facebook- und MySpace-Account und viel zu lange Farmville gespielt, bis es mir endlich von selbst zu nervig wurde.
Als vor ein paar Jahren noch Social-Bookmark-Dienste gehypet wurden und plötzlich jedermann regelmäßig in Blogbeiträgen Links feil bot, schienen die Blogs im Endeffekt noch einmal heil davon zu kommen. Die meisten ließen es irgendwann bleiben, nur ein paar erstickten an der eigenen Verweiswut. Heute haben nur noch ein paar Blogs die sperrigen Listen von Icons unter den Beiträgen kleben, in regelmäßigen Web-2.0-Anflügen füge ich hin und wieder selbst solche auf dieser Seite ein und lösche sie ein paar Stunden später wieder, auch die Twitter-Ära scheint irgendwie vorbei, zwar twittern noch viele und einige Blogs sind auch diesem Trend zum Opfer gefallen, da ihre Besitzer gänzlich auf 140 Zeichen umgestiegen sind, die meisten Blogs jedoch haben sich damit arrangiert und verfügen zusätzlich/stattdessen seit kurzem über einen blauen Button, der mich zum eigentlichen Punkt meines Argwohns führen soll.
Vor kurzem tauchten auf sehr vielen Blogs eben diese Facebook-Buttons auf, die es Facebook-Nutzern ermöglichen, direkt einen Link zu diesem oder jenem Beitrag auf ihre Profilseite zu setzen, man kennt das ja. Eine gute Idee, vor allem natürlich aus der Sicht Facebooks,denn sie kompensieren damit gleich mehrere Probleme von Blogs: 1) Viele Leser sind schlichtweg zu faul, zu kommentieren, einen simplen Klick kriegen sie dann aber doch noch gebacken. 2) Blogs benötigen Links, sind auf die virale Verbreitung ihrer Inhalte angewiesen und haben so quasi einen neuen Absatzmarkt. 3) Facebook boomt gerade mächtig, so wie einst besagte Social-Bookmarking-Dienste oder Twitter.
Die dabei erwachsenden Probleme werden allerdings meist übersehen: 1) Facebook ist ein gewinnorientiertes Unternehmen und schert sich nur so lang um seine Nutzer, wie sie zum Gewinn beitragen. 2) Jede Werbung mittels eines Klicks auf den Gefällt-Mir-Button ist auch immer Werbung für Facebook. 3) Dass Nutzer freiwillig die Aufgabe der Werbung (noch dazu äußerst vertrauenswürdig, denn jeder glaubt der Empfehlung eines Freundes mehr als herkömmlicher Werbung) ist ein absoluter Glücksgriff. 4) Facebook ist für Datenschutz nicht gerade bekannt und hat mit besagtem Button ein großartiges Marktforschungsinstrument geschaffen, dass nicht so schreckliche steril wie normale Marktforschungsinstrumente daherkommt, mittels der gesammelten Daten reichlich Kunden finden wird und dabei dem Nutzer, wie auch dem Blogbesitzer noch einen Mehrwert vorgaukelt.
Auf diese Weise sichert Facebook wieder einmal unglaublichen Zulauf (klar spielen da noch andere Faktoren mit, aber das führte zu weit) und darauf folgt diese stetig steigende Verbreitung, die sich gerade in Deutschland entwickelt (eigentlich schon seit letztem Jahr, vielleicht wird es nur mir erst seit diesem Jahr so richtig bewusst).
Worauf ich hinaus will: Ich glaube nicht, dass auch die Ära des Gefällt-Mir-Buttons ewig halten wird und auch davon werden Blogs nicht aussterben, zum Glück. Es wird einfach etwas Neues kommen und dann wieder etwas Neues, es wird nicht schlecht sein, aber sicher auch nicht per se revolutionär. Aber man sollte sich immer vor Augen halten, dass es sich bei den meisten gehypten Diensten um Unternehmen handelt, die nicht ohne Gegenleistung irgendetwas kostenlos anbieten. Dabei sind gerade Gewohnheiten und heimliche Vorlieben, etc. für Marketingmenschen extrem schwer zu erfassen und deshalb besonders interessant. Das heißt nicht, dass Blogger so etwas nicht ohnehin oft genug preis geben würden und es damit frei für alle verfügbar wäre, aber es auch noch direkt an die Marktforscher zu liefern, finde ich gar nicht gut. Was ich vielmehr schade finde ist, dass sich so viele Blogs, die vor einiger Zeit mal als Instrument eines Guerillajournalismus gefeiert wurden, als neue Öffentlichkeit des kleinen Mannes, um mal ein paar dieser schlimmen Floskeln zu bemühen, die jedoch eine Stimmung vermitteln, die, finde ich, Blogs innewohnt, nun als kostenlose Werbe- und Marktforschungspartner instrumentalisieren lassen. Wer weiß, ob man es noch Ironie nennen kann, wenn sich oft sogar Ad-Free-Blog- neben Gefällt-Mir-Buttons finden lassen.
Irgendjemand würde dies sicher gern als fortschrittsängstlich, gar -feindlich, verstehen wollen, aber da muss ihn sie enttäuschen. Ich sage nicht, dass man solche Dienste nicht nutzen, sondern nur, dass man sich bewusst sein sollte, weshalb sie überhaupt angeboten werden. Sicher wird bei den meisten Diensten nichts schief gehen, nur wenn, dann dürfen sich ruhig alle beschweren, das sei ihr gutes Recht, aber niemand sollte dann argumentieren, die Weitergabe von Daten wäre illegitim. Wenn eine Firma von Anfang an keinen Hehl daraus macht, gesammelte Daten verkaufen zu wollen, würde ich doch lieber noch einmal stark darüber nachdenken, ob ich nicht doch etwas verbergen habe.
Achja: Dass sich plötzlich alle nur noch über diese bescheurte Pinnwand unterhalten können, nervt mich extrem. Dass der eigene Status dazu noch ständig über irgendein verrücktes Internettelefon aktualisiert werden muss, ebenso.
Um es mal provokativ zu formulieren:
Ein definitorisches Merkmal von Sklaverei ist es, dass Sklaven untereinander nur vereinzelt, bzw. gar nicht kommunizieren können. Um die heutige Gültigkeit dessen zu bewahren, empfinde ich es als notwendig, das Merkmal in folgender Hinsicht zu erweitern: Sklaven können untereinander nur vereinzelt, bzw. gar nicht oder ausschließlich kommunizieren.
Heute läuft die dritte Runde der Aktion “Ein Herz für Blogs”, bei der Blogbesitzer dazu aufgerufen sind, einfach einmal ausdrücklich ein paar ihrer Lieblingsblogs zu empfehlen. Die Idee dahinter ist denkbar simpel, kommen auf diese Weise schließlich hin und wieder kleine Blogperlen ans Licht einer breiteren Öffentlichkeit. Nichtsdestotrotz hat der ursprüngliche Initiator der Aktion im Oktober 2009 nach 2 Runden verkündet, sie nicht weiterführen zu wollen, nicht zuletzt um auf diese Weise deutlich zu machen, dass sie nicht dazu gedacht war, das eigene Blog auf Grund zahlloser Verlinkungen der Aktionsseite bekannt, sesshaft in den Deutschen Blogcharts und für potentielle Werbekunden attraktiv zu machen (nachzulesen hier). Dass die Aktion nicht als Linkbait gedacht war, nehme ich dem Herren hinterm Stylespion vollkommen ab, aber das sollte gar nicht Thema sein.
Heute läuft, wie gesagt, die dritte Runde, neu aufgelegt durch das Blog uarrr.org, dessen Betreiber sich durch ständiges Beleidigen seiner Leser auszeichnet, aber immerhin eines der innovativsten Themes in der deutschen Bloglandschaft gebaut hat.
Und weil ich schon bei der ersten Runde mitgemacht und die zweite dann irgendwie verpasst habe, hier meine Liste (ja ja, keine ‘kleinen’ Blogs, aber ich bin eben auch nur den Großen hörig):
Meriche: Ich mag diese kleinen Ausschnitte sehr.
Glamourdick: Mein derzeitiger Inbegriff eines privaten Blogs mit überaus guter Lesbarkeit.
Stackenblochen: Der Mann hat eine Meinung und steht dazu, das gefällt mir.
Vigilien: Scheint so langsam die Beachtung zu finden, ich es verdient.
500beine: Nachwievor sehr gern, kann man also ruhig mal wieder erwähnen.
Entkorkt den Sekt: Koch, alias das Unwesen, tritt zurück! Das macht Miss Merkel noch lange nicht zur Heldin, aber es gibt dem Tag trotzdem eine nette Färbung.
Ich sehe ja sehr oft Misserfolg als unvermeidlich an (wer außer mir bspw. vergisst es, seine Hefte zu einer Sololesung mitzunehmen?) und in der richtigen Stimmung bin ich ohne Weiteres dazu fähig, offensichtliche Erfolge zu Misserfolgen umzudichten, nichtsdestotrotz bleibt nachwievor zu hoffen, dass es im Fall der Fälle kein Mystery-Buch wird, das wäre dann doch zu hart.
Dank gebührt Mr Emotional!