Kollege Hansi hat in seinem Blog eine feine Aktion initiiert, die ihr bei Bedarf und nach Möglichkeit unterstützen solltet. Ich zitiere:

Folgende Situation:

In Leipzig gibt es eine Menge Menschen, die was mit Medien machen. Da ist viel Schrott bei, aber auch einige kleine Perlen. Eine davon ist das freie Bürgerradio Radio Blau.

[...]

Radio Blau ist manchmal haarsträubend amateurhaft, abseitig, bis auf Molekülgröße themenfixiert, dafür aber auch wieder witzig, familiär, warm und vor allem authentisch. Zudem ist es chronisch unterfinanziert, speziell seit es die alberne Extremismusklausel nicht unterzeichnet hat, was postwendend mit der Nichtunterstützung durch das zuständige Ministerium quittiert wurde.

Mein Bücherfundus ist mittlerweile ein großer Raumfresser geworden. Vieles davon brauche ich nicht mehr, einerseits weil ich ein sprunghafter Mensch bin und meine Interessen ständig wechseln, andererseits weil mich manche Dinge weniger begeistern als andere Leute.

Die Lösung

Ich biete alle meine nicht mehr benötigten Bücher online auf Booklooker.de zum Verkauf an.

Ihr kauft die Dinger. Ich übernehme die Angebotsgebühr, ihr bezahlt lediglich die Artikel und das Porto.

Ich spende den Erlös im Namen Aller an Radio Blau. Alle Bücher und CDs, die ab sofort bis zum 24.12.2011 gekauft werden, unterstützen somit die Leute von “Radio Blau”, nehmen mir nicht mehr Platz weg und verhelfen euch zu Lesestoff.

Find ich gut. Radio Blau ist ein sehr netter Sender, der uns bisher schon mehrmals nach Kräften unterstützt hat, schon mehrmals kurz vor seinem Ende stand und trotzdem noch den Mut hat, nicht jeden Quatsch mitzumachen. Da darf man gern ein wenig zurückunterstützen. Außerdem sind einige tolle Bücher spottbillig zu haben. Also hopp hopp.

Update, 6. Dezember:
Gleich 9 Bücher kauft ihr innerhalb der ersten wenigen Stunden? Wahnsinn, vielen Dank. Macht weiter so!

Ein Bild des aufstrebenden Künstlers Anit Sirch. Kann man ruhig mal zeigen, dachte ich. Ist dank Kranksein sowieso nicht allzu viel passiert Anfang der Woche. Und dnan bricht Ende der Woche diese Panik los: Oh Gott, da müssen ja noch besonders kreative Fotos gemacht werden, was tun? Naja, und dann kommt halt soetwas dabei heraus.

Da biste mal drei Tage nicht in der Uni und schon basteln die Bauarbeiter einen riesigen Betonklotz in den Innenhof. Angeblich wird dieses Etwas das neue Audimax, na super. Bald wird die Uni, von oben betracht, wie ein wütend zusammengeworfene Bauklötzesammlung aussehen. Und wenn mich nicht alles täuscht, kommen vor dieses Stahlbetonmonstrum sogar zwei ganze Bäume. Nein nein, ich find's ja ganz ok. hätte alles schlimmer kommen können, mit dem Innenstadtcampus. Mal abgesehen von der Campusbibliothek, die ich erst ein einziges Mal besucht habe und für absolut schrecklich befunden habe, finde ich das alles ganz gut. Vielleicht erlebe ich ja noch die offizielle Eröffnung? Ich glaube nicht.

Wir haben's getan. Und es war schrecklich. Ich weiß gar nicht, wie so viele Kritiken so gut ausfallen konnten, wenn der Film doch wirklicher Schrott war. Zwei Jugendliche, denen man diese bedeutungsschwangeren eternal-love-Dialoge partout nicht abnehmen kann, eine Story, die nur vom zweiten Teil des vierten Films an Absurdität übertroffen werden wird und ein Drehbuch, das anscheinend im Rahmen einer ADHS-Gruppe zusammengeklöppelt wurde. Muss man wahrlich nicht gesehen haben. Also ich schon, aber ihr nicht. Ihr dürft einfach meine Zusammenfassung lesen.

Hier, Skala und so. Muss man schließlich noch hin, solang sie noch nicht geschlossen ist. Außerdem muss man so einen Twilight-Abend erst einmal verdauen. Ganz hinten sieht man übrigens ein Plakat von Dillon, die in zwei Wochen in Leipzig gastieren und ihr Album vorstellen wird. Leider schon ausverkauft, leider hab ich sowieso zu tun. Wobei dieses leider immerhin die Lesebühne Schkeuditzer Kreuz ist. Und die mag ich sehr. Kommt einfach dort vorbei, dort ist noch gar nichts ausverkauft, das klärt sich erst am Abend.

Yes yes, haben wir also auch noch die ARTE Slam Meisterschaft, deren Teilnehmer sich aus allen Finalteilnehmern der deutschsprachigen Meisterschaften 2011 in Hamburg rekrutierten, gewonnen. Und den zweiten Platz gleich noch mitgewonnen. Zwar ist mein Nachname wie immer falsch geschrieben, aber damit kann ich gerade noch leben. Wer weiß, wie viele Mäzenatentum-Angebot ich schon versäumt habe, weil sie alle an André Hermann und nicht an André Herrmann adressiert wurden? Zu diesem Arte-Erfolg fehlt jetzt eigentlich nur noch ein Engagement vom Goethe-Institut. Also, liebes Goethe-Institut, wenn du dich in diesem Moment selbst googlest und dies liest, dann lade das Team Totale Zerstörung ein, mal irgendwohin quer durch die Welt zu fliegen und aufzutreten Danke!

Ein etwas undeutlicher Blick auf die Bühne des livelyriX Poetry Slams in der Distillery. 360 Zuschauer diesmal, neuer Rekord, randvoll der liebe Technoclub. Dort in der Bildmitte die Moderationsbiene Christian Meyer beim allmonatlichen Anfangsschnack. Ich glaube, es hat allen sehr gut gefallen. Die Stimmung war wieder großartig, die Poeten wie immer sehr gut, da kann man nur zufrieden sein. Ab kommendem Monat arbeiten wir aber trotzdem mit einem E-Ticket-Vorverkauf, um die Situation an der Kasse möglichst zu entspannen.

Was dieses Bild sagen will: Ich habe die Resonanzen aktualisiert und 13 neue Referenzen hinzugefügt. Es zeigt übrigens den aktuellsten Artikel über uns, just vor ein paar Tagen erschienen in der Leipziger Ausgabe des PRINZ.

Südvorstadt bei Nacht. Leipzigtypisch ist mal wieder niemand auf der Straße, denn alle sitzen zu Hause und sind gerade unheimlich kreativ. Aber halt so wie Berlin vor 10 Jahren. Komisch, in der letzten Woche gab es gar keinen Artikel in der FAZ, in dem Leipzig gehypet wird. Und weil mir jetzt nichts Weiteres einfällt, was ich dazu sagen könnte, hier eine Zusammenstellung von awkward physical contacts (danke cj).

Wenn man krank ist: Mittel gegen Kranksein nehmen. Wenn man gerade Zeit und nicht gerade ein gebrochenes Bein, Tuberkulose oder einen Arm zu wenig hat: einfach abwarten, geht auch so weg. Getrost verzichten kann man hingegen auf: Auspendeln, Auswischen, Klangschalen, Heilerde, Höhenluft, Räucherkerzen, Kristalle, Steine, Tamburine, Geistheiler mit kürbisfarbener Kleidung und so weiter. Weil: bringt nix.

Symbolfoto 'Hoodie 4 life!' Oder wie manch Anderer sagen würde: Ein Beispiel für den konstant langweiligsten Kleidungsstil der Welt. Ich persönlich erkenne mich hier ja nicht wieder, aber man sagte mir, das da sei wirklich ich. Auch würde es erklären, warum ich sogar weiß, was auf dem Tshirt _unter_ dem Pullover zu sehen war. Was aber auch daran liegen mag, dass ich es in weiser Voraussicht schon damals derart groß gekauft habe, dass ich es heute noch besitze und es mir endlich passt. Wie man gut an meinen Augen sieht, bin ich Schwede. Naja, mehr oder weniger. Schließlich sind meine Eltern Götter und verfügen damit eher weniger über eine Nationalität. Aber wenn ich es mir spontan aussuchen könnte, dann wäre ich gerade gern Schwede.

Was fehlt:
Zeit.

Und schon ist auch der November rum. 50 Jahre Gastarbeiterverträge mit der Türkei und es offenbart sich ein Problem wie in jeder handelsüblichen Ehe: Man hat sich leider immer noch nicht an die Macken der/s Anderen gewöhnt. Gleichzeitig kommt heraus, das einige Zwickauer über Jahre hinweg die Sache mit dem Heimatschutz ein wenig zu wörtlich genommen haben. Selbstverständlich ist auch hier wieder der urdeutsche Traditionsverein “Verfassungsschutz e.V.” mit von der Partie. In Moskau lässt man unterdessen nach 520 Tagen Isolationshaft endlich jene sechs Astronauten frei, die vor fast zwei Jahren bei einer Demonstration ein Banner mit der Aufschrift “Putin, vielleicht nicht ganz so gut” getragen hatten. Und während Bundeskanzlerin Merkel in Sibirien fröhlich an neu eröffneten Erdgas-Pipelines schnüffelt, holt in Italien Silvio Berlusconi zu einem letzten Schlag gegen sein Land aus und hinterlässt mit seinem Rücktritt einen derart desolaten Staatsapparrat, dass sich internationale Beobachter an Dresden 1945 erinnert fühlen. Außerdem: Messfehler im Genfer Kernforschungszentrum CERN. Bei einer Razzia im Teilchenbeschleuniger fanden Polizisten eine riesige unterirdische Marihuana-Plantage. Der Graskonsum hatte anscheinend dafür gesorgt, dass den zugedröhnten Forschern nur alles viel zu schnell vorkam. Aus der Welt: In Libyen fasst man endlich auch Gaddafis Sohn beim Besuch der ersten Burger-King-Filiale des in Tripolis. Vatikanstadt: Bei der Unterzeichnung des nachsynodalen apostolischen Schreibens der zweiten Sonderversammlung der Bischofssynode in Benin verkündet der Papst, man wolle im kommenden Jahr mehrere Raves im Gotteshaus in Italien veranstalten. Die UN feiern unterdessen das erste Jubiläum des internationalen Streubombenverbots, während jene 68 Staaten, die noch immer Streubomben haben, den Festakt mit zahlreichen Freudendetonationen begehen. In den USA schickt die NASA einen neuen Rover Richtung Mars. Erst kurz vor dem Start entschieden internationale Vertreter, das Fahrzeug unbemannt und nicht wie geplant mit Lothar Matthäus am Steuer ins All zu schießen. Sensation im Sport: Formel-1-Fans erwachen erstmals pünktlich zum Ende der Saison aus dem Koma. Ab der kommenden Saison sollen alle Rennen ausschließlich auf der Playstation ausgetragen werden. Fußball: Nach wiederholten Fan-Ausschreitungen bei Liga- und Pokalspielen beschließt der DFB, Fußball in Dresden komplett zu verbieten und schickt zum Neuanfang ein Netz voller Handbälle. Aber schauen wir doch einmal, was die Internetwelt im vergangen Monat so fabriziert hat:

Das Buch von Daniela Katzenberger ist auf Platz 1 der Bestsellerliste. Viele Leser denken bereits ernsthaft über den Kauf eines Regals nach.
@peterbreuer
Peter Breuer

Tochter sollte gestern ohne Terror einschlafen. Nun ist sie geschockt, weil sie morgens den Kopf ihres aufblasbaren Pferdchens im Bett fand.
@GebbiGibson
Gebbi Gibson

Mein Sitznachbar im Zug telefoniert laut. Namen aus dem Gespräch werden von mir bei Google eingetippt. Das wird bemerkt. Gespräch Ende.
@kasi
Karsten Wenzlaff

Ich besitze Spielekonsolen aller Art,habe stets kühles Bier im Kühlschrank und nur zwei Paar Schuhe.Das war auch irgendwie mein Tag, Männer.

Neoliberale Sozialpolitik bedeutet, die Menschen nur so weit verarmen zu lassen, dass sie Gefängnis noch als Bedrohung empfinden.
@haekelschwein
Herr haekelschwein

liebe selbstdisziplin, bitte mach, dass wenn ich jetzt zum pullern zu mcdonalds gehe, keinen wasabi beef burger und keinen mcrib esse.
@luzilla
luzilla

und nein, es geht nicht immer nur um sex. manchmal geht's auch um den preis.
@silvestah
silvestah

Die Griechen haben aus der Geschichte gelernt: Wenn sie noch ein bisschen auf Zeit spielen, gehen diesmal die Römer zuerst unter.
@peterbreuer
Peter Breuer

Nach vier Tagen ohne Computer hat man verstanden, was wirklich wichtig ist im Leben: Ein Computer.
@hoch21
Roman Held

Überraschung in Griechenland: Newcomer wird neuer Ministerpräsident! Die ganze Welt fragt sich: Wer ist dieser Silvionides Berlusconopolos?
@bov
bov bjerg

Behebung der Radwegschäden: 800€"Radwegschäden"-Schilder: 600€In einem Land zu leben, das sich für die Schilder entscheidet: Unbezahlbar
@rock_galore
Rokki Runsaasti

"Fick mich!" "Geht's nicht vielleicht ein wenig romantischer?" "Fick mich am Strand während die Sonne untergeht und langsame Musik läuft!"

Wer will schon Prince Charming, wenn er den Hofnarren haben kann?

In guten Beziehungen haben beide die Hosen an.In richtig guten Beziehungen hat niemand von beiden eine Hose.
@Ann_Alphabet1
Ann_Alphabet

Probleme lassen sich meistens durch zwei Arten lösen:1. mehr Zucker oder 2. mit Käse überbacken.
@doertemotion
Ol' Dörty Bastard

"Mein Sohn hat heute seine ersten Worte zu mir gesprochen""Och süß! Wie lauteten sie?""Wo zur Hölle warst du Sack die letzten 18 Jahre?"
@urFeiST
urFeiST

Unisex ist auch so ein Wort, welches ganz falsche Erwartungen hervorruft.

Misanthropie verhütet am besten.
@bangpowwww
ada blitzkrieg

Mega-Kran neben einer Wasserrutsche geparkt, trage Hitler-Uniform und will hier einen Flughafen im Meer bauen. N24 hat 2 Jahre ausgesorgt.
@Regendelfin
Marie von den Benken

Lese auf Spiegel.de " Intelligente Menschen sind anfälliger für illegalen Drogenkonsum" und denke: Wow, diese Farben!
@Herr_Schinka
Herr Schinka

"Sie steht am Scheideweg" klingt übrigens deutlich positiver als "Sie geht auf den Straßenstrich".

Just found out my friend is a magician. Asked if he needed me to come with him for support when he tells his parents.
@TillyvanSquirt
Tilly Isaksson

EIL +++ NPD-Mitgliederversammlung fällt wegen Gewerkschaftstreffen der Verfassungsschutz-V-Leute aus. Beschlussfähigkeit nicht mehr gegeben.
@Schlachtzeile
Schlachtzeile

Wer braucht schon diese NY-Stadt, die niemals schläft?Ich habe Biedenkopf, Hessen. Die Stadt, die niemals erwacht.
@Goganzeli
Constanze

Ich informiere mich über Busreisen und spüre nichts.
@bangpowwww
ada blitzkrieg

wie entmündigt man sich fühlt, sobald man irgendwo sitzt, wo man mit den füßen nicht auf den boden kommt.

immer wenn ich eine maus im gleisbett der ubahn wuseln sehe, denke ich:"HOFFENTLICH IST DAS NICHT LANDMAUS, DIE GRAD ZU BESUCH IST! OBACHT!"

Geschmackstot, farbenblind und mit 2 linken Händen kann man immer noch erfolgreich als Weihnachtsmarktglühweintassendesigner durchstarten.

Hab heut Blut gespendet. Ein glücklicher Mensch wird nach seiner Operation aufwachen & plötzlich die Fähigkeit haben 7 Döner in 1h zu essen.
@doertemotion
Ol' Dörty Bastard

Ich leide unter dem Fluch, dass ich die für den Tag vorgenommene Arbeit immer erst erledigen kann, nachdem ich den Nobelpreis gewonnen habe.
@souslik
M★RKUS TSCH★NNEN

andere in meinem alter haben ein arschgeweih, das ihnen jetzt peinlich ist. ich hab nur noch die web.de-adresse mit geburtsjahr drin.

"Der Sabine Christiansen haben Sie mal abgesagt mit dem Satz: Ich kann unmöglich kommen, weil ich um die Zeit immer daheim bin." Big ♥.
@HappySchnitzel
Sue Reindke

Herbst. Sieht eigentlich ganz lieblich aus. Zumindest wenn man davon absieht, dass man abwechselnd direkt auf der Stelle festfrieren oder sich vor Wärme fast wieder halbnackt auf die Wiese werfen möchte. Beim Festhalten dieses Moments befand ich mich gerade auf dem täglichen Rundgang durch das Viertel, den ich tätige, um für law und order zu sorgen. Mit dabei immer die getreue Doppelflinte mit Kipplauf, deren Breitseite schon so manchen Jogger aus der Bahn wehen durfte.

The obligatorian Zugbild: Diesmal, irgendwo in Franken. Im Hintergrund: Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht eine gigantische Raketenabschussbasis? Oder der Einschlagsort des Kometen, der die Franken damals auf die Erde brachte? Oder ein riesiger Vulkan, der die Franken von der Erde vertreiben will? Oder der erste Probelauf, einen Tiefbahnhof zu bauen? Das Ende des Leipziger City Tunnels? Der erste passende Whirlpool für Rainer Calmund? Oder war ich kurz eingenickt und längst in Japan, am Fuße des Fujijama? Vielleicht muss man es ganz anders betrachten: Ein Ufo? Der Kopf eines Atompilzes über München? Ich werde es vermutlich nie erfahren.

Finden Sie das Riesenrad. Ja, da ist wirklich eins im Bild. Welches übrigens auch der Beweis ist, dass ich tatsächlich eine Universität besuche. Dieses Streifenmonster ist die neue Unikirche, die schon längst hätte fertig sein sollen, links die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, wir selbst befinden uns im Neuen Seminargebäude. Es ging um rationalistische und konstruktivistische Ansätze bei der Beurteilung des Erfolgs der EU-Südosterweiterung. Und da ganz in der Mitte ist ein Riesenrad. Vom Weihnachtsmarkt. Ja, ich kann's mir auch nicht erklären, wie das zusammenhängt. Aber was soll's. Wenn die Leute es verlangen würden, würde man vielleicht auch eine riesige Schleuder aufstellen, mit der sich die Leute selbst aus der Stadt schießen lassen könnten. Das wäre dann auch in meinem Interesse.

Soetwas nennt man dann wohl einen gescheiterten Selbstversuch. Aber wenn es tatsächlich Namensvettern gibt, die solcherlei Dinge produzieren, dann ist das vielleicht sogar gerechtfertigt. Zumindest weiß ich, dass meine wichtigsten Namensvettern einerseits schweizer Kantonschemiker und andererseits Amateurfußballer sind. Ob die beiden auch Google Alerts auf ihren Namen eingerichtet haben? Und ob sie sich genau so freuen, wenn sie über etwas Neues von mir informiert werden, wie ich mich freue, wenn ich erfahre, dass Kantonschemiker-Ich wieder bei einem Kongress war und Fußballer-Ich wieder drei Tore geschossen hat? Vielleicht sollten wir uns treffen. Oder vielleicht können wir das gar nicht, weil wir alle die gleiche Person sind und ich mich nachts abwechselnd in einem Chemiker und einen Fußballer verwandle?!

Fancy Tür in Leipzig-West. Man kommt da ja eher selten hin, wenn man auf der anderen Seite der Elster wohnt und darüberhinaus Angst vorm Zerstückler hat. Jedenfalls fand ich diesen Eingangsbereich wirklich schön. Und da dachte ich, fotografier ich das doch mal. Sorry, wenn ich da jetzt Erwartungen enttäuscht habe.

Das hat sich der gute Yann Tiersen sicher auch anders vorgestellt gehabt, als am gleichen Tag in Leipzig aufzutreten, an dem auch der Fasching der Wirtschaftswissenschaftler stattfindet. Womöglich wurde Yann Tiersen auch genau von denen engagiert und weil er kein Deutsch kann, hat er es nicht einmal gemerkt? Fasching der WiWis, das stelle ich mir in etwa so vor wie Fußpilz: Man muss es mal mitgemacht haben, um zu wissen, wie nervig es wirklich ist, aber eigentlich reicht auch die eigene Vorstellungskraft schon als Abschreckung. Eine Armee von LaCoste-Indianern. Der Abend, versüßt mit Partyspielen wie Kreditkartenstapeln, Kurvendiskussion und Wettgeldzählen gegen eine Maschine. Aber natürlich sind das Vorurteile. Natürlich ist das alles nur Klischee. Denn natürlich ist es in Wirklichkeit viel schlimmer dort.

Des war och ziemlich dufte, da im UT Connewitz bei'n Konzi. Also nicht Yann Tiersen. Man denkt, man kommt eine Stunde zu spät und kommt faktisch eine Stunde zu früh, weil sich wie immer alles verzögert. Und dann traut man sich nicht, sich zur Bar zu drängeln, weil das Konzert mit zwanzig Kameras gefilmt wird und man Angst hat, irgendwo durchs Bild zu tappen und sich vom Kameramann eine einzufangen. Weil wenn man zu hart gegen die Wand fliegen würde, vermutlich auch noch das ganze alte Uniontheater einstürzen könnte. Man darf ja schon lange nicht mehr auf den Rang, nur noch Backstagemäßig. Unheimlich schick ist es natürlich noch immer.

À propos arrogant: Neuer Rekord und lustiges Zahlenspiel. Ich hatte gedacht ab 1000 explodiert das total und ruckzuck hat man 100.000 Follower, wird jede Woche ins P1 eingeladen und muss nie wieder arbeiten gehen, weil man ständig als Society Experte Müll in die Bunte hineindiktieren kann. Aber scheint nicht so zu sein. Allgemein geht da die mediale Aufmerksamkeit irgendwie an mir vorbei. Während andere Blogger mit Marketinganfragen überschüttet werden, gibt's hier noch nichtmal so viele Kommentare wie Postings. Aber das soll gar kein Geweine sein. Vielleicht sind die alle ja nur gut erzogen. Mann kann ja Bill Hicks nicht oft genug zitieren. Der Studiengang Kommunikations- und Medienwissenschaften wäre längst nicht so überlaufen, wenn sich die Leute den Worten Hicks' annehmen und sich einfach umbringen würden.

Bei Oma hingegen ist noch immer alles beim Alten. Hatte ich schon erwähnt, dass ich auf Wappengläser stehe? Das einzige Problem bei denen ist, dass sie so empfindlich bei modernem Spülmittel sind. Und für die Spülmaschine schon gar nicht. Aber soetwas habe ich ja nichtmal. Bin ja nicht Rockefeller. Außerdem habe ich Personal, das solcherlei Dinge für mich erledigt. Also mir doch egal, wie sie das wieder hinbekommen. Sollen sie's halt wieder draufmalen, wenn's abgeht. Aber wehe ich sehe da eine Unregelmäßigkeit. Dann zieh ich was vom Mindestlohn ab.

Und dann war ich bei einem Eishockeyspiel. Und niemand hatte mich darauf vorbereitet, wie KALT es in so einem Eisstadion ist. Bei den Gilmore Girls hatte ich Rory noch ausgelacht, als sie frierend beim Eishockey saß, aber jetzt verstehe ich es. Und hätte ich gewusst, dass dieser verrückte Puck auch mal gern über die Plexiglaswände in den Zuschauerraum fliegt, hätte ich mir doch einen Helm mitgebracht. Aber 's fetzt schon irgendwie. Okay, beim Zuschauen wachsen einem automatisch Haare auf dem Rücken und die Zähne werden irgendwie lockerer, aber das passt schon. So fällt man wenigstens nicht unangenehm auf.


Foto von das_sabrinchen

Samstag, 17 Uhr. Wir stehen auf dem Marktplatz. Thomas sieht unruhig aus und knetet seine Hände.
„Ich möchte dir jetzt mein Geheimnis verraten.“
„Worum geht’s?“, frage ich.
„Schau dich mal um, was siehst du?“
Der Marktplatz ist leer. Hier und da liest jemand im Licht der Schaufenster eine dicke Tageszeitung. Ein paar letzte Besorgungen für das Wochenende werden gemacht.
„Nichts Besonderes“, sage ich, „Der Markt halt. Hey, können wir kurz in den Buchladen gehen?“
„Schau genauer hin!“, insistiert Thomas und reicht mir einen Flachmann .
Ich nehme einen Schluck. Mein Sichtfeld beginnt zu flackern, helles Licht blitzt auf.
„Wow, Weltunglück geistert durch den Nachmittag“, sage ich, ein wenig Georg Trakl zitierend.
„Du musst dich frei machen von all den intellektuellen Assoziationen. Hier, nimm‘ noch‘n Schluck!“

Und plötzlich wird es anders. Alles beginnt zu verschwimmen. Ich höre Gekreische, klimperndes Geschirr und Prosit-Rufe. Die Luft ist schwanger von fettigen Düften und überall quälende Melodien.
Ich öffne die Augen. Wir stehen inmitten eines Labyrinths als Holzbuden, aus den kleinen Schornsteinen dampft es. Tausende Menschen drängen sich durch die schmalen Gassen oder harren an wackligen Stehtischen in der Kälte, wo sie rotes, dampfendes Gebräu aus eigenartig verzierten Bechern trinken. Sie rempeln, sie lallen, sie kaufen so genannte ‚erzgebirgsche Schnitzkunst‘.
„Ja“, nickt Thomas, als er meine Fassungslosigkeit bemerkt hat, „Ich sehe doofe Menschen!“
„Aber das ist doch nicht echt!“, rufe ich, „So etwas gibt es nicht!“
„Sie laufen durch die Gegend wie normale Menschen. Die sehen nur, was sie sehen wollen!“
„Wie oft siehst du sie?“
„Die ganze Zeit! Jedes Jahr von November bis Dezember! Sie sind überall!“
Langsam schieben wir uns durch die Massen. Thomas wimmert leise. Hin und wieder versucht eine angetrunkene Mittvierzigerin mir einen Klaps auf den Hintern zu geben.
„Sei vorsichtig“, sagt Thomas, „Der rote Trank verstärkt ihre Doofheit!“
Das Warenangebot der Holzbuden scheint sich alle fünf Meter zu wiederholen.
„Glühwein, Kreppelchen, Schnitzkunst und ein Karussell. Das zieht sie hierher“, erklärt Thomas.
„Isländischer Rentierspieß, Finnische Lachshappen, Norwegische Weihnachtswurst“, lese ich laut von den Schildern der Holzbuden.
„Je nördlicher der Name klingt, desto besser. Damit huldigen sie ihrem imaginären Anführer, einem dicken Mann, der der Legende nach am Nordpol leben soll und Geschenke bringt.“
„Der Weihnachtsmann?“, frage ich.
„Ja! Woher weißt du das? Kennst du das Märchen?“
„Meine Eltern haben mir davon erzählt“, sage ich, „Einmal, als uns an einem langen und fröhlichen Rezitationsabend im Winter keine Gedichte des Sturm und Drangs mehr einfielen.“
„Das hier nennen sie Weihnachtsmarkt. Kein logischer Bezug zur Legende, aber das stört sie nicht.“

Wir kommen an einen extra abgetrennten Bereich inmitten des Marktes.
„Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt“, lese ich vor, „Das ergibt doch gar keinen Sinn!“
„Eben! Das ist der Kern des Marktes. Nur hier sind sie verwundbar!“
„Was hat das Mittelalter mit Weihnachtsmarkt zu tun?“, rufe ich, „Das Mittelalter war eine unheimlich grausame Zeit, in der man euch Vögel als Allererste verbrannt hätte!“
„Ja!“, schreit Thomas, „Hinterfrag es, nur so kannst du sie bezwingen!“
„Und was bitte ist weihnachtlich an euren zerlumpten Kostümen? Euer Glühwein kommt auch nur aus einem Tetra-Pack! Ihr versucht doch nur, eure handwerkliche Unfähigkeit unter dem Deckmantel des Mittelalters zu legitimieren. Auf einem echten Markt wärt ihr doch die größten Verlierer!“

Plötzlich wird es still. Die Buden sind verschwunden, das trinkende Volk mit ihnen. Thomas grinst.
„Wow“, sage ich, „Das war gruselig.“
„Für mich endet es nie“, sagt Thomas und zuckt, als ihm eine unsichtbare Frau auf den Hintern haut, „Aber du kannst dich schützen.“
„Wie denn?“
„Bleib kritisch und verkläre keine geschichtlichen Fakten. Und halt dich von Menschen in violetten Moonboots fern. Das sind die Schlimmsten!“

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