Ab jetzt auch als Video: Der Jahresrückblick 2011.

Januar
Aus Protest gegen die Hysterie im Dioxin-Skandal verspeist Jopi Heesters öffentlich 30 gekochte Eier. Wissenschaftler sprechen ihm seither jede Form von Sterblichkeit ab, in der Nato debattiert man ein Bombardement des 108-Jährigen. Berlin: Zu Jahresbeginn werden die letzten Wehrpflichtigen zum Grundwehrdienst einberufen. Ab Juli 2011 soll die militärische Ausbildung von privaten Sicherheitsdienstleistern, so genannten Freien Kameradschaften, geleistet werden. International: Bei der Eröffnung eines neuen Apple Stores in der ägyptischen Hauptstadt Kairo kommt es aus Versehen zur Revolution, als frustrierte Kunden feststellen, dass bereits alle iPhones ausverkauft sind.

Februar
Spanien erklärt den Berliner Szene-Bezirken und Clubs den Krieg und greift die Stadt mit einer Armee betrunkener Erasmus-Studenten aus Madrid an. Die Stadt reagiert und stellt ab sofort alle Kotzorgien vor Bars und in Clubtoiletten sofort auf YouTube. Gerlingen: Die Tierschutzorganisation Peta verklagt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, weil er auf seinem Kopf den gegeelten Skalp eines toten Waschbären trägt. Hollywood: Charlie Sheen wehrt sich gegen Vorwürfe, regelmäßig Kokain zu sich nehmen. Sheen argumentiert, wenn ein Typ wie er selbst überhaupt etwas rauche, dann doch wohl Chuck Norris.

März
Die Leipziger Buchmesse erlebt einen wahren Besucheransturm, als chinesische Regierungshacker auf den Seiten der Messe verkünden, man werde Daniela Katzenberger nach der Vorstellung ihres neuen Buches öffentlich steinigen. Berlin: Nach nur vier Jahren verstirbt Eisbär Knut im Berliner Zoo. Experten vermuten, dass der konservative Knut den Wahlerfolg der Grünen in Baden-Württemberg psychisch einfach nicht verkraftet habe. Als erste politische Maßnahme lösen die Grünen per Erdbeben einen Tsunami vor der Küste Japans aus und attackieren auf diesem Wege mehrere Atomkraftwerke.

April
Die FDP rationalisiert den Posten ihres Parteivorsitzenden und besetzt die Stelle in Zukunft mit einem Chinesen. Der Nachfolger von Guido Westerwelle habe sich bei der Arbeit in FDP-eigenen unterirdischen Bergwerken bereits besonders verdient gemacht. London: Über zwei Milliarden Zuschauer verfolgen die königliche Hochzeit von Prince William. Der mögliche Thronfolger heiratete diese komischen Frau, deren Namen bald darauf niemand mehr kennt, weil ihre Schwester so einen fantastischen Hintern hat.

Mai
EHEC-Mikroben lösen eine Krankheitsepidemie in Deutschland aus. Ähnlich wie ein Konzertbesuch der Band Nickelback verursacht der Erreger bei Betroffenen blutigen Durchfall, Darmentzündungen und Nierenversagen. International: Osama Bin Laden ist tot. Amerikanische Spezialeinheiten erschossen den Terrorfürsten in einem Versteck in Pakistan. Entgegen Vorschlägen der amerikanischen Konservativen, wurde Bin Ladens Leichnam jedoch nicht ins Fundament eines neuen World Trade Centers einbetoniert, sondern nach muslimischer Bestattungstradition wahllos ins Meer geschleudert.

Juni
Das UN-Kriegsverbrechertribunal erhebt Anklage gegen Boris Becker. Das Gericht argumentierte, Becker sei für viele führende Kriegsverbrecher ein Idol und sei nach Expertenmeinung sogar gefährlicher als Skeletor. Heidelberg: Die Ruprecht-Karls-Universität ehrte die erfolgreiche Promotion der EU-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zum Thema „Urheberrechtsverletzung“ mit der Aberkennung ihres Doktortitels. Koch erklärte reumütig: „Mir doch egal, ihr Ficker, ich verdien‘ zehnmal mehr als ihr, ihr Spassten, und so wird das auch bleiben. Ich bin raus, yo!“

Juli
Die Alt-Herren-Mannschaft des Fußballvereins 1. FC Rüsselsheim gewinnt überaschend die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin. Beim betrunkenen Überqueren der Spielfläche erzielten die 50- bis 70-Jährigen insgesamt 38 Tore gegen die Mannschaften aus Japan und den USA. London: Nach dem Ende der Harry-Potter-Septologie arbeitet Joanne K. Rowling, die Schöpferin des modernen Zauberlehrlings, wieder in ihrem alten Beruf als Chef-Demagogin bei der Terrororganisation al Quaida.

August
Deutschland verzichtet auf den Einsatz von Körperscannern an Flughäfen. Verteidigungsminister Jung erklärte, man wolle sich auf bewährte Technik verlassen und Verdächtige in Zukunft einfach wieder direkt erschießen. New York: Die Ratingagentur Standard & Poor stuft die Bonität der USA auf „Standard“ und „Poor“ herab. Großbritannien: Nachdem das Olympische Komittee seine Entscheidung mitteilte, Nintendo Wii-Spielen nicht als olympische Sportart anzuerkennen, beginnen enttäuschte Jugendliche selbstständig mit dem Abriss des Olympiastandortes London.

September
Wie stark sich die fehlende Wehrpflicht auswirkt, wird deutlich, als der Papst es schafft, unbehelligt in deutsches Terrain einzudringen. Vor rekordverdächtiger Kulisse spielt das Kirchenoberhaupt im Berliner Olympiastadion seine Gottesdienst-Show namens „Männer sind peinlich, Schwule sind keine Menschen“. Düsseldorf: Das Landgericht entscheidet in einem Rechtstreit zwischen dem Apple-Konzern und Bio-Bauer Rudolf K., dass der Bauer vorsätzlich und tausendfach essbare Kopien des Konzernlogos hergestellt und zu Schleuderpreisen vertrieben habe. K. wird zu 800 Jahren Kettenhaft an einem einsamen Berg verurteilt, an dem ihm jeden Tag ein Adler die Leber aus dem Körper picken soll.

Oktober
Apple-Gründer Steve Jobs verstirbt an einem Krebsleiden. Insbesondere in den westlichen Ländern ist die Trauer groß, schließlich ist hier der Verlust eines Jobs das Allerschlimmste. Gleichzeitig stürmen Tausend Milliarden Studenten an die deutschen Unis, weil sie alle “was mit Medien” studieren und später zufrieden im Sekretariat eines Autohauses arbeiten wollen. International: Mit dem Tod des libyschen Diktators Gaddafi ist der Militäreinsatz beendet und Libyen nunmehr ein freies Land. Noch während Gaddafis Leiche zur Obduktion transportiert wird, eröffnen in größeren Städten wie Tripolis, Surt oder Benghazi bereits zwölf Starbucks- und siebzehn H&M-Filialen.

November
Nachdem bekannt wurde, dass eine Gruppe rechtsextremer Terroristen über mehrere Jahre hinweg Morde im gesamten Bundesgebiet begangen hat, debattiert die NPD über ein neues Verbotsverfahren gegen den Verfassungschutz. Problematisch seien dabei nur die 130 V-Leute, die die NPD in den Reihen des Verfassungsschutzes beschäftigt. International: Sieben Milliarden Menschen leben nunmehr auf dem Planeten Erde. Das Siebenmilliardste Erdenkind ist wie zu erwarten Chinese, arbeitet seit seinem zweiten Lebenstag in einer iPhone-Fabrik und spielt virtuos Klavier. Fußball: Nach wiederholten Fan-Ausschreitungen bei Liga- und Pokalspielen beschließt der Deutsche Fußballbund, Fußball in Dresden gänzlich zu verbieten und schickt zum Neuanfang ein Netz voller Handbälle.

Dezember
Als erste Stadt der Welt begeht Koblenz Selbstmord und sprengt sich in die Luft. Der touristische Erfolg der Aktion ist bahnbrechend, auch überflüssige Städte wie Hannover, Wolfsburg oder Halle überdenken bereits die Selbstsprengung als touristische Attraktion. Brüssel: Martin Semmelrogge wird Steuerfachmann beim Rat für Wirtschaft und Finanzen in der Europäischen Union. Vorbild war die Ernennung Karl-Theodor zu Guttenbergs zum Berater für Internetfreiheit, so die Expertenmeinung. Berlin: Die Silvesterfeierlichkeiten auf dem Alexanderplatz eskalieren, nachdem linke Autonome Rainer Calmund in ihre Gewalt bringen und damit drohen, den Ex-Fußballtrainer an einen Kran zu hängen und mit ihm den Fernsehturm einzureißen.

Ich sagte ja bereits, dass ich bei diesem Weihnachtskalender Leipziger Kreativer mitgemacht habe. Zweimal. Gestern kam dann meine zweite Weihnachtsgeschichte online, nachzulesen hier. Es geht um weihnachtlichen Geschichtsrevisionismus und Kinder. Ich wünsche viel Spaß damit.

Für ganz Hungrige: Hier der erste Text vom 9. Dezember.


Foto von quinn.anya

„Hier entsteht ein neuer BASE Shop“, steht auf dem Schild des Ladens, der gestern Nacht noch der Leipziger Burgermeister war. Verdammte Handyläden, denke ich und taumle weiter Richtung Heimat. Mein T-Shirt ist zerrissen und ich sehe wahrscheinlich nicht gut aus. Offensichtlich habe ich mal wieder den Alkoholischen Imperativ völlig missachtet: “Trinke stets so, dass du die Fotos und Videos vom letzten Abend auch deinen Eltern zeigen könntest!”
Als ich die Treppe unseres Hauses nach oben wanke, erkenne ich eine dunkle Gestalt, die sich gerade an meiner Wohnungstür zu schaffen macht.
“Ey!”, rufe ich.
“Hau ab, hier bin ich schon!”, ruft die Gestalt.
“Versuchst du da grad, in meine Wohnung einzubrechen?”
“Oh, Tschuldigung, ist das Ihre?“, fragt der Kerl.
Er sieht sogar noch übler aus als ich. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass Pete Doherty da gerade versucht, meine Wohnungstür zu knacken. Leipzig, Hauptstadt der Einbrüche und Raubüberfälle, eigentlich war es ja nur eine Frage Zeit, bis es auch mich trifft.
Sichtlich unruhig rappelt sich der Typ auf und verfällt sofort in sein übliches Schema.
„Eh, eh“, stammelt er, „Eh, mir fehlen noch ein paar Euro für ein Ticket nach Dresden, könnten Sie mich vielleicht mit 1 oder 2 Euro unterstützen?”, murmelt er.
„Willst du mich verarschen?“
„Ich nehm auch Scheine!“
Er macht nicht einmal Anstalten, abzuhauen. Auf alles wird man in diesem Leben vorbereitet, gegen alles kann sich schützen, sogar meinen Arsch könnte ich mir für 100.000 Euro versichern lassen, was zweifelsohne gerechtfertigt wäre, aber was man tun soll, wenn der Einbrecher nicht einmal von selbst gehen will, das sagt einem niemand.

Ein paar Minuten später sitzen wir in der Küche. Ich hatte mir nicht zu helfen gewusst und ihn auf einen Kaffee eingeladen. Das machen doch alle so, wenn sie nicht weiter wissen, Kaffee.
„Und du bist so richtig drogensüchtig?“, frage ich.
„Bundesliga quasi“, sagt der Typ, der sich mir als Maik vorgestellt hat, „Absolut top-notch, Champions League vielmehr.“
„Und wie viel Geld braucht man da so am Tag?“
„100, 200 pro Tag. À propos, Sie hätten nicht zufällig ein oder zwei Euro für mich? Mir fehlt noch etwas für ein Ticket nach Magdeburg.“
„Ruhe jetzt“, sage ich, „Ich stell mir das ziemlich schwierig vor.“
„Ach, am schwierigsten ist es, sich ständig neue Ortsnamen auszudenken.“
Völlig selbstverständlich greift er nach meinen Zigaretten. Dabei fällt mir auf, dass seine Fingernägel völlig akurrat geschnitten sind, auch seine Zähne sind blendend weiß.
„Ein Gewerbe wie jedes andere auch. Nur die Umtriebigsten kriegen das Geld zusammen und kommen über die Runden. Naja“, lacht er, „Zumindest bis der Gewinn einmal zu groß ist.“
Ich stelle ihm einen Kaffee hin, den er in einem Zug austrinkt. Anschließend lässt er die Tasse in seinem Rucksack verschwinden.
„Ey!“, sag ich, „Du kannst doch nicht vor meinen Augen meine Tasse klauen!“
„Sorry“, sagt Maik, „Berufskrankheit.“
„Warte mal“, sage ich, „Du bist gar kein Junkie, oder?“
„Naja, ist eher mein Zweitjob“, sagt Maik, „Tagsüber bin ich Immobilienmakler, aber da sind die Grenzen ja auch irgendwie fließend.“
Warum hab ich nicht einfach die Bullen gerufen, denke ich. Ich bin viel zu gutmütig. Ständig gebe ich nach und immer endet es zu meinem Nachteil. Unbezahlte Praktika, Freunde, die ich nicht ausstehen kann, zu teure Drogen, irgendwann werde ich mir das Hartz-IV-Geld womöglich gleich selbst bezahlen können. Jetzt heißt es Autorität zeigen, seinen Mann stehen und einfach rausschmeißen den Spinner.
„Ich, ich, ach scheiße, ich geh mal Bier holen“, sage ich und renne aus der Wohnung.

Als ich beim Späti ankomme, stehe ich vor verschlossenen Türen. Außerdem ist der Späti weg. Stattdessen verkündet ein Schild, dass hier in Kürze ein BASE-Laden eröffnet. Ich mache auf dem Absatz kehrt und trotte nach Hause.
„Hätte ich Ihnen auch gleich sagen können“, kichert Maik, als ich wieder in der Küche stehe, „Unser Auftraggeber verfügt über ein flächendeckendes Netzwerk von Geschäftsstellen.“
„Auftraggeber?“, frage ich verwirrt.
„Überlegen sie mal“, sagt Maik.
„Sie arbeiten für BASE!“, rufe ich.
Maik nickt.
„Aber wieso übernehmen die neuerdings alle möglichen Läden?“
„Verstehen Sie es immer noch nicht?“, grinst Maik, breitet die Arme aus und schaut demonstrativ an sich selbst herab.
„Das sind gar keine Junkies!“, sage ich.
„Ein todsicherer Plan“, erklärt Maik, „Tausende als Junkies getarnte Makler überfallen so lange alle Läden der Stadt, bis die Besitzer verängstigt genug sind und freiwillig wegziehen. Anschließend vermitteln wir die frei gewordenen Ladenflächen an Handyläden.“
„Aber wieso Handyläden?“
„Das weiß niemand. Haben Sie schon einmal einen Kunden in einem Handyladen gesehen? Ich auch nicht. Aber die Wege des Kapitals sind unergründlich.“
„Und wieso brecht ihr neuerdings auch in Wohnungen ein?“
„Kleiner Nebenverdienst“, sagt Maik, „Irgendwo müssen die Mitarbeiter ja wohnen.“
Draußen beginnt es zu poltern. Als ich die Tür öffne stehen zwei verwahrloste Junkie-BASE-Mitarbeiter vor mir. „Alles fertig? Können wir einziehen?“, fragen sie.
Ich knalle die Tür zu und stampfe zurück in die Küche. Dort versucht Maik gerade, den Aufkleber mit der Seriennummer von meinem Laptop zu kratzen.
Jetzt reichts. Ich stürme in den Flur und greife nach dem Telefon.
„Herzlich Willkommen bei der Polizei Leipzig. Leider rufen Sie außerhalb unserer Öffnungszeiten an. Sie erreichen uns von Montag bis Freitag zwischen 8 und 20 Uhr.“
Ich lege auf. Was für eine beschissene Welt ist das nur geworden?
„Ja ja, die Polizei, dein Freund und Helfer“, grinst Maik, der plötzlich hinter mir steht, „Völlig überlastet, die Herren. Aber die kriegen wir auch noch.“
„Ihr seid doch pervers!“, schreie ich.
„Irrtum“, sagt Maik, „Die ganze Welt ist pervers. Warum sonst hat man David Garret noch nicht auf einem Scheiterhaufen aus Geigen verbrannt? Warum darf David Guetta noch immer den Musikgeschmack unschuldiger Jugendlicher vergwaltigen? Wir bedienen Bedürfnisse.“
„Vor allem mein Bedürfnis nach Aggression“, höre ich mich sagen, hole aus und schlage zu. Blitzschnell duckt sich Maik mit einer Matrixbewegung weg und mit einem lauten KRRR fliegt meine Faust gegen die Wand.
Ich schaue auf meine verdrehten und höllisch schmerzenden Finger. Fuck, denke ich, sogar meine Knochen sind Weicheier und geben nach. Ich muss ins Krankenhaus.
„Versuchen Sie ruhig ihr Glück“, sagt Maik und grinst schon wieder so ekelhaft.

Im Krankenhaus ist alles normal. Außer dass man mich bedenklich oft fragt, ob ich Interesse an Karten für David Guetta hätte oder noch ein paar Flats hinzubuchen wolle.
Als ich mit geschienter Hand an meinem Haus ankomme, bleibe ich wie angewurzelt stehen.
Vor meiner Haustür ist eine riesige Zeltstadt entstanden, hunderte Menschen in Karohemden und Rahmenbrillen harren in der Kälte und versuchen, sich Espresso-Macchaitos auf ihren mitgebrachten Gaskochern zu fabrizieren, über allem tront ein riesiges Plakat: Hier entsteht in Kürze Leipzigs erster Apple Store.
„Tja“, sagt Maik, der plötzlich wieder neben mir steht, „Der hat aber wirklich noch gefehlt.“

Keine Ahnung, was da vorne los war. Vorsichtig näherte ich mich von hinten. Womöglich präsentierte man der Weltöffentlichkeit gerade den ersten Cyborg? Er wurde komplett an der Universität Leipzig entwickelt, ist auf dem Schlachtfeld quasi unbesiegbar und sächselt. Oder Hunderte Menschen wollten mit eigenen Augen sehen, wie Peer Steinbrück das Angebot, in Zukunft 'Wetten, dass...?' zu moderieren, ausschlägt? Oder wie sich Ronald Pofalla und Wolfgang Bosbach im bare knuckle fist fight miteinander messen? Im Endeffekt war es dann aber doch wieder nur eine Xbox mit dem neuen Call of Duty und jeder wollte unbedingt mal spielen, aber der Steinbrück gab wieder mal den Controller nicht ab.

Weltbewegende Dinge aus meinem Leben Teil 34: Ich habe neue Schuhe. Ich weiß, das hat sie jetzt völlig unvorbereitet und kalt erwischt, sie mal eben wie Hurricane Katrina vom Drehstuhl geweht. Eigentlich hätte dazu in der letzten Ausgabe der ZEIT auch ein mehrseitiges Interview erscheinen sollen, welches später in Buchform den Markt aufgewirbelt hätte, aber da musste ich mal streng sein. Da musste ich wirklich einmal sagen: Nein, lieber Giovanni, so etwas ist wirklich nicht nötig, das interessiert doch niemanden, da denken die Leute doch, das wäre ein abgekatertes Spiel.

Das kommt halt davon, wenn der Systemadministrator in der Uni versucht, heimlich Quake 3 auf dem Fahrstuhl zu installieren. Stürzt halt einfach ab das Teil. Ein witziger Gedanke, dass der ganze Unikomplex ein einziger großer Computer ist. Ob ich es womöglich noch miterleben werde, wie ein findiger Informatikstudent auf den Ankündigungsbildschirmen Videos leichtbekleideter VWL-Studenten abspielt? Oder per Superhack aus den Fahrstuhl Abschussrampen Richtung Erdumlaufbahn macht? Wie in der Mensa blutige Schlachtvideos statt des Essensplans gezeigt werden? Oder einfach nur ein paar Studenten Mario Kart über den Beamer im Audimax spielen?

In Leipzig gibt es zwar ein schönes Stadion, aber Symmetrie ist nicht unsere Stärke. Hier war ich gerade auf dem Weg zu meiner wöchentlichen Huldigungszeremonie. Diesmal waren sogar tausende Fans aus dem benachbarten Halle angereist, um meine Person zu preisen. Gleichzeitig inszenierte man ein seitens der heimischen Leipziger stümperhaftes Fußballspiel, das mich milde stimmen und belustigen sollte. Kann halt nicht alles immer glatt laufen. Schon meine Mutter sagte immer: Entweder den Nobelpreis oder Sonnenschein, man kann nicht immer beides haben. Aber dann muss man sich ja auch fragen: Entweder den Nobelpreis gewinnen und sich bei der Zeremonie voll auf die Fresse legen oder doch lieber keinen Roman schreiben? Oder nur einen halben hinterlassen und den Rest den Fähigkeiten der Literaturwissenschaftler überlassen?

Mal als Empfehlung. Gute DVDs. Der Film ganz anders als Unlike U (wo mir gerade das Dokuhafte sehr gut gefallen hat) und locker in der Liga der Graffitifilme ganz weit oben (hier ein schöner Bericht dazu). Gleich neben der Dirty Handz-Reihe und natürlich Pure Hate. Aber auch die Leipziger LEgends-Reihe ist sehr hübsch anzusehen.

Und da wandern sie gebrochen. Man beachte die nach unten geneigte Kopfhaltung. Was man leider nicht erkennt: Alle Menschen bewegen sich in Zeitlumpe, um ja nicht am Ort ihrer Bestimmung ankommen zu müssen. Die meisten machen sogar für jeden Schritt nach vorn wieder zwei zurück. Oder weigern sich, öffentliche Verkehrsmittel oder ein Auto zu benutzen, obgleich sie in 10 Minuten eigentlich schon in München sein müssten. 'Nee nee, zu Fuß ist gesünder! Da schlägt mein Herz grün!' Diese Holzkaschemmen dort an der Seite sind übrigens keine Josef-Fritzl-Gedenkbaracken, sondern verkleidete Statuen. Ganz recht, nämlich um die empfindlichen Kunstwerke vor den winterlichen Witterungen zu schützen. Im Frühjahr werden sie dann wieder befreit. Und hin und wieder befreit man dann auch einen halb Verhungerten Pantomime aus seiner Holzverpackung, weil er im Herbst einfach krampfhaft seine Rolle durchgezogen hatte.

Die Aufklärung hätte ihre große Freude daran gehabt, zu erfahren, dass auf dem Weihnachtsmarkt wenigstens die Taschendiebe tätig sind. Leider erkennt man auf dem Bild nicht, dass dieser Warnhinweis noch mit weiteren rhetorischen und orthgraphischen Kniffen gestaltet wurde. Kracher der Groß- und Kleinschreibung wie 'Geben Sie Ihnen keine Chance' und Vieles mehr gibt es zu erleben. Wobei man bei 3,50 Euro pro Glühwein eigentlich nur mutmaßen kann, wer da eigentlich der Dieb sein soll.

Die Mensa von oben. Also ein Stückchen Mensa. Lädt zu Aktionen à la Mission Impossible ein. Und dann den Kulturwissenschaftsstudentinnen das Schnitzel vom Tablett klauen. Oder von ganz oben heimlich Senf auf ihre Spaghetti Carborana fallen lassen. Von so weit oben sehen sie eigentlich ganz friedlich aus. Und nur, wenn man jemals unten bei Ihnen war, weiß man, dass der Schein trügt. Sollte es Gott also wirklich geben, ich wette, er lehnt sich zurück und denkt: Wieso, läuft doch alles prima dort unten? Und Jesus wird sagen: Aber Vati, die sind völlig gestört! Guck mal dort, in Srebrenica, das sieht nur von weitem so aus, als hätten sie dort bloß den Garten umgegraben! Und Gott wird sagen: Ach, Halt doch die Klappe, du gepiercter Freak, der einzige Grund, warum du nicht zurück gehst, ist doch, dass du diesen Personenkult, den sie um dich treiben, so großartig findest. Und hör auf, dich ständig selbst zu googlen!

Das das oben auf dem Bild ist der Weihnachtskalender der Leipziger Kreativen. Ja, siehtjetzt nicht sonderlich kreativ aus. Und auch nicht sehr weihnachtlich. Nennen wir ihn vielleicht einfach schlicht. Und immerhin könnten die weißen Flächen ja gänzlich mit Schnee bedeckt sein.

Vor ein paar Monaten bekam ich eine Mail, in der eine Agentur mich fragte, ob ich nicht einen Text für eben diesen Weihnachtskalender schreiben könnte. Für jedes von einer/m Leipziger/in gestaltete Türchen würde die Agentur dann 15 Euro für einen guten Zweck spenden. 17 Türchen sind es geworden, zwei davon sind von mir. Einmal das 9. Türchen und eines, von dem ich selbst noch nicht weiß, welches es ist. Aber da geb ich einfach nochmal Bescheid.

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