Als Berlioz, seines Zeichens Vorsitzender der Literaturver-einigung MASSOLIT, gemeinsam mit seinem Kollegen Besdommy, einem nicht allzu begabten Dichter, in einem Garten Moskaus der 1920/30er Jahre eine Auftragsarbeit bespricht, mischt sich kurzerhand ein Unbekannter in ihr Gespräch. Dieser gibt sich als auslän-discher Artist und Professor für schwarze Magie zu erkennen und beginnt, den beiden Literaten eine etwas andere Version der Jesusgeschichte zu erzählen, sowie Berlioz kurzer-hand seinen Tod vorraus zu sagen, der kurze Zeit später auch tatsächlich eintritt. Besdommy gerät daraufhin völlig außer sich und landet in der Psychiatrie, redet wirres Zeug und sieht sich fortan allein solchen gegenüber, die ihn als Verrückten betrachten. Dort trifft er bald auf den Meister, einem gescheiterten Schriftsteller, der einen Roman über Pontius Pilatus und die Jesusgeschichte, ganz wie der Unbekannte sie rezitiert hatte, geschrieben, aber nichts als Verachtung dafür erfahren hatte und letztlich auch in der Psychiatrie landete.
Der Unbekannte, auf dessen Visitenkarte Besdommy nur den Anfangsbuchstaben “V” erkennen konnte, in Gänze aber bald in seiner Rolle als Teufel Voland genannt, verfrachtet unterdessen Lichodejew, den Direktor des Moskauer Varietétheaters, auf mysteriöse Art und Weise nach Jalta, nicht jedoch ohne sich vorher von ihm einige Auftritte im Theater arrangieren zu lassen. Da Lichodejew fürs Erste auf dem Weg ist, zieht Voland samt seinem Gefolge, einem übergroßen schwarzen Kater namens Behemoth, Volands Diener Korowjew, bzw. Fagott, ein womöglich ehemaliger Kantor, der sich aber auch als Dolmetscher ausgibt, seinem Handlanger Asasello und dem Hausmädchen Abadonna, in dessen Wohnung ein. Fortan sind Voland und seine Begleiter für alle möglichen Unheimlichkeiten in Moskau zuständig, so geben sie bspw. ein Vorstellung in schwarzer Magie im Varietétheater, von der noch ewig gesprochen wird, sie bringen falsches Geld unter die Leute oder lassen hin und wieder jemanden verschwinden.
Bald jedoch machen sie Margarita ausfindig. Sie ist die frühere Geliebte des Meisters, der auf Grund seines Romans verhaftet worden war und weiß seitdem nicht, wo er sich aufhält. Voland und seine Leute laden Margarita ein, ihr bei einer Sache behilflich zu sein, für die nur sie allein geeignet sei und auch reich entlohnt werden soll und Margarita willigt ein, mehr soll vom Inhalt an dieser Stelle nicht verraten sein.
Ich glaube, über dieses Buch könnten ganze Arbeiten geschrieben werden, erst weil es schon schwierig genug ist, die gesamte Handlung zusammenzutragen, insbesondere da mindestens zwei, eher drei Geschichte, miteinander verworben werden, zweitens, weil es enorm viel zu interpretieren gibt. Darum sei hier darauf hingewiesen, dass alles Folgende keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit oder Wahrheit hat.
Als ich in Paris war und gerade Der Meister und Margarita von Michael Bulgakow las, dachte ich, ich würde eine Weile brauchen, um mich durch die 500 Seiten Kleingedrucktes zu arbeiten. Aber ganz im Gegenteil, abseits der anfänglichen Verwirrung, da auf den ersten einhundert Seiten so ziemlich alle Personen des Buches mit ihren jeweils eigenen Geschichten eingeführt und bereits damit begonnen wird, die verschiedenen Erzählstränge des Buches mit einander zu verweben, fand ich das Buch gleich von Anfang an wunderbar zu lesen. Voland und sein Gefolge sind so großartig grotesk und lustig, dass man sie von Beginn an toll finden muss, auch wenn auf ihr Konto eine Menge Ärger und ein paar Tote gehen.
Das überbürokratische Moskau erhält also Besuch vom Teufel höchstpersönlich und wird gehörig aufgemischt. Je weiter man im Buch voran kommt, desto mehr wirken Teufel und Kumpanen jedoch nicht nur wie jene, die da sind, um Verwirrung zu stiften, sondern auch, um mindestens zwei quasi-gescheiterten Existenzen zu helfen. Es ist schwer, viel über die Tiefe des Romans zu sagen, ohne etwas vom Inhalt zu verraten, aber es ist schön zu lesen, wie die Figur des Teufels Voland nicht nur als Unheils- sondern auch als Glücksbringer verwendet wird, wie verzweifelt die ordnungsbewussten Moskauer mit der chaotischen Bande umzugehen versuchen und wie Meister und Margarita wieder zu einander finden dürfen.
Ich würde nicht so weit gehen wie das amerikanische Mädchen in einem Gibert-Jeune-Laden, das ihren Begleiter beim Anblick dieser schönen Ausgabe immer und immer wieder darauf hinweisen musste, Der Meister und Margarita sei “the best, the best book I probably ever read!”, dafür fehlt mir wahrscheinlich das Gespür für die Stimmung eines Moskaus vergangener Zeiten, aber nichtsdestotrotz gehört das Buch zu den/meinen sehr guten.
Der Meister und Margarita
Sammlung Luchterhand, 512 Seiten
ISBN: 3630620930





















