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A Week in Pictures 34/2017

Wird es schon wieder kalt oder ist das einfach die Nordseite meiner Wohnung? Was soll das eigentlich, dass hier schon wieder Laub herumliegt? Ich weiß, ich weiß: Solang die Großfamilie von schräg gegenüber noch pünktlich ab 15 Uhr vor ihrer Haustür das erste Sterni öffnet, so lange ist noch Sommer. Und wenn die Handykamera neuerdings so lustige Flecken auf der Linse hat, dann liegt das vermutlich daran, dass es wohl doch noch relativ warm war und in der Hosentasche irgendwas mit Kondensation passiert ist, was ich sehr eklig finde und worüber ich deshalb lieber nicht nachdenken möchte.
Was mir gerade auffiel: So vor ungefähr 10 Jahren bin ich nach Leipzig gezogen. Ich wohnte gut ein halbes Jahr lang in einer Vierer-WG im Wohnheim, in der ich einen meiner Mitbewohner überhaupt nicht (also wirklich rein gar nicht, nie!), einen genau einmal (bei seinem Einzug) und den letzten immer nur dann sah, wenn er gerade in der Küche eine Pizza in den Miniofen quetschte, ehe er danach mit seinen Bauingenieurkumpels in Flower Power oder ins STUK ging. Und ich weiß noch, wie ich am ersten Abend an meinem Fenster stand, eine Zigarette rauchte und dachte: „Kacke, das Wlan funktioniert nicht. Mein Leben ist sinnlos. Am liebsten würde ich mich einfach hier aus dem Fenster kippen lassen, aber wir befinden uns im ersten Stock, das wird nix.“ Na ja, und dann verlor ich diese Wette, von der ich nicht mehr weiß, worum es genau ging, wohl aber, dass ich sie verlor und deshalb mal beim Slam mitmachen musste. Und wie das damals noch total underground war und ich nach dem ersten Mal dachte: „Wow, jetzt bist du ein Star!“ und mich dann beim LIDL doch niemand erkannte. Ich glaube, das hat mich demütig werden lassen.


Immer Briefwahl. Allein schon, um ganz sicher zu gehen, nicht am Ende doch eine Schule betreten zu müssen. Um mich mal kurz selbst zu zitieren: „Lasst die Toten ruhen! Die Wunden sind gerade erst verkrustet. Schule war scheußlich. Lauter picklige Egomanen, vollgefüllt mit Halbwissen, man könnte meinen, ich wäre in einer Schule voller SPD-Kinder gewesen, so wie die sich alle gegenseitig in den Rücken gefallen ist. Ins Dschungelcamp geht man auch nur einmal und dann nie wieder.“ Wenn ich an Schule denke, dann zieht sich in meinem Innern alles zusammen. Schule ist für mich nicht dieses „Hihi, das war aber ganz schlimm dort, aber trotzdem erzähl ich die ganze Zeit davon, weil eigentlich war’s ja doch ganz witzig!“, sondern eher dieses „André, hören Sie bitte auf, Desinteresse zu verbreiten!“, dieses „Sag mal, haben sie dir ins Gehirn geschissen?“ oder das „Ach, Schulwechsel, Sie müssen jetzt nur noch zwei Jahre machen, das halten Sie schon irgendwie aus!“ Schule, das liegt in meinem Kopf direkt hinter Mordor. Dort, wo sich nicht einmal Sauron zum Spazierengehen hintraut und eine riesige Dunsthaube mit der Aufschrift „Furchtbar“ hängt. Ich will gar nicht sagen, dass ich Schule generell furchtbar finde. Das Bildungssystem, ja, aber ansonsten ist das alles rein subjektiv. Es gibt da diesen schönen Part im neuen Louis-CK-Programm à la: „Hier ist der wichtigste Job der Welt. Sie dürfen Kinder dazu anleiten, zu lernen, zu reifen und sich zu entwickeln. Ihnen dabei zusehen, wie sie ihre Persönlichkeit entfalten und zu guten Bausteinen der Welt werden. Und weil das eine der elementarsten Aufgaben unserer Gesellschaft ist, stecken wir sie dazu in einen hässlichen Bunker mit 80 Kindern gleichzeitig, zahlen ihnen 10 Euro im Jahr, geben ihnen null Aufstiegschancen und behandeln Sie wie eine*n Ausgestoßenen, bis Sie endlich ihre Frustration an den Kindern auslassen, wie es hier alle tun. Viel Spaß!“
Themenwechsel: Auf meinem Wahlzettel konnte man einen Mann wählen, der hauptberuflich als „Ideengeber“ arbeitet. Was ist das? Wie ich muss ich mir das vorstellen?
„Hey, ich habe hier eine Idee und frage mich, ob sie auch wirklich gut ist. Was meinen Sie?““
„Ja!“
„Wow, danke! Das habe ich echt gebraucht.“
„Macht 50 Euro!“
„Ein wahres Schnäppchen!“
Ich persönlich würde ja gern als „Ideenlieferer“ arbeitet. Das heißt, mir fällt irgendetwas total Revolutionäres ein, ich schreibe ein kurzes Konzept dazu und dann verkaufe ich das für 10 Prozent Anteil an allen Einnahmen, die in Zukunft in Verbindung mit meiner Idee erzielt werden. Das wär’s. Wahrscheinlich müsste ich nur ungefähr viermal Duschen und mein Ordner wäre voller revolutionärer Ideen. Wie damals, als ich das iPhone erfunden habe, weil ich keine Lust mehr hatte, im Bett zu lesen und stattdessen lieber Trash-Sendungen gucken wollte, damit ich immer dümmer werde (etwas, das ich dafür jetzt sehr ausgiebig nachhole).
Nicht im Bild: Der Spoiler, der gleich kommt. Wenn Sie also Game of Thrones gucken und Folge 6 der siebten Staffel noch nicht gesehen haben, dann klicken sie einfach hier. Ich schwöre, der Link ist kein Spoiler, sondern lässt sie den folgenden Spoilerpart überspringen.



Ich bin ja wirklich kein Game-of-Thrones-Fan. Ich frage bei jeder zweiten Figur „Häh? Wer ist das denn? Kam der schon mal vor?“ und habe schon einige Freunde verloren, weil ich einfach so sagte: „Game of Thrones? Das mit den Fantasy-Rittern?“ Aber: Die siebte Staffel ist ja mal richtig cool. Endlich passiert da mal was. Okay, war halt eine nicht ganz so clevere Idee von der Drachenfrau, da mit ihrem Drachen die Armee der Königin und des Typens mit der Metallhand anzugreifen, denn die wissen ja mittlerweile, dass die Drachen nicht unverwundbar sind. Aber dass sie dann zu den Eiszombies fliegt, das war ja mal absolut notwendig. Bisschen spät, aber notwendig. Aber hätte sie sich halt auch denken können, dass der Eiszombiekönig einfach mal der coolste (hihi!) Typ der Welt und darüber hinaus auch noch Meister im Speerwerfen ist. Da schmettert der Eiszombiekönig halt einfach mal seinen Speer in den Himmel und zack! Eiszombiedrache. Überhaupt das beste Wort, das ich seit langem erfunden habe: Eiszombiedrache. Wie oft saß ich in der letzten Woche irgendwo rum oder machte gerade den Abwasch, als es mir wieder in den Sinn kam: Eiszombiedrache. Macht einfach gute Laune ist außerdem ein echter Hit: „EISZOMBIEDRACHE! WIR SINGEN EISZOMBIEDRACHE! EISZOMBIEDRAAAAAAACHE! WIR SIND EISZOMBIEDRAAAACHE!“ Ich hoffe ja wirklich, dass der neue Eiszombiedrache dann natürlich auch Eis spuckt. Und dann kämpft der Eiszombiekönig mit seinem Eiszombiedrachen gegen die Drachenfrau und ihren langweiligen Feuerdrachen. Sie merken schon, ich bin da ein bisschen parteiisch. Wobei das nicht stimmt: Eigentlich mag ich ja die Drachenfrau und ich glaube, sie wäre die Einzige, die die sieben Königreiche wieder wirklich lit machen könnte. Aber der Eiszombiekönig ist halt einfach mal noch cooler. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber ich stelle mir sein Königreich halt ein bisschen langweilig vor. Und so richtig harte Kälte mag ich auch nicht. Außerdem beunruhigt es mich ein wenig, dass die ganzen Eiszombies immer direkt kaputtgehen, sobald man sie mit diesen Feuer-Dragon-Glass-Schwertern auch nur das kleinste Bisschen anritzt. Und die Eiszombiehorden sind halt auch sehr dumm. Wohingegen z.B. diese Eunuchen-Söldner sowohl die übelsten Kämpfer als auch nicht die Allerdümmsten sind (aber die sind ja jetzt größtenteils hinüber). Andererseits kann es dem Eiszombiekönig auch völlig egal sein, ob seine Truppen dumm sind, denn es sind ja Zombies und außerdem kann ich sich einfach andauernd neue Zombies machen. Ich hoffe jedenfalls nicht, dass sich die Drachenfrau noch mit der Kurzhaarkönigin verbündet, um mit ihr gemeinsam gegen den Eiszombiekönig zu kämpfen. Ich möchte so einen schönen Drei-Fronten-Krieg, an dem am Ende dann die Drachenfrau gewinnt, weil die für ein bedingungsloses Grundeinkommen und so etwas ist. Also, so fühlt es sich zumindest an. Und nein, ich habe die letzte Folge noch nicht gesehen. Mache ich nachher.
Nicht im Bild: Einfach mal Kollegah die Folge erklären lassen.


Tadaaa! Na, was hab ich gesagt?
Am Donnerstag war ich im Kupfersaal, um dort gemeinsam mit dem lieben Julius über 10 Jahre Lesebühne Schkeuditzer Kreuz zu reden. Also nicht wir beide miteinander, also auch, aber halt hauptsächlich wegen Interview und so. Leider habe ich vorher nicht gewusst, dass es dazu auch ein Foto geben wird und jetzt sehe ich auf dem Bild halt aus wie ein Obdachloser. Vielleicht deshalb habe ich seit eintausend Jahren auch keine neuen Pressefotos. Also erstens, weil ich sie vermutlich gar nicht brauche und zweitens, weil ich auf so ziemlich jedem Foto grauenhaft aussehe. Ja, es gibt solche Momente, da entsteht dann mal ein schönes Foto. Eines, das mir gefällt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, ist derart gering, dass ich eigentlich 30 Fotoshootings machen müsste, nur um ein Mal gute Pressefotos zu haben. Der Rest kann dann in die Tonne. Ich bräuchte also vielmehr einen Fotografen, den ich anrufen (lol, anschreiben natürlich) könnte, sobald ich merke: „Oha! Heute ist ein good hair day! Das sollte man ausnutzen!“ Und dann müsste der eben ganz schnell kommen, halt so auf Abruf. Aber das kostet bestimmt genau so viel, wie wenn ich 30 Tage am Stück Fotos machen ließe. Also lieber gar keine.
Nicht im Bild: Wie ich gemeinsam mit dem Julius dann noch ein paar Tische aufgebaut, Verpackungskartons zerrissen und Geländer an die Bühne geschraubt habe, nur um nebenbei immer heimlich ganz viele Kekse zu essen (Sie kennen diese Keksdosen, auf die man immer bei Oma trifft, wenn man total großes Hunger hat und dann denkt man: „WOAH, KEKSE!“, reißt die Dose auf und drinnen liegen nichts als Nadel und Faden und solches Zeug. Ein grauenhaftes Gefühl!) und die Elektriker zu bewundern. Ich bewundere Elektriker wirklich. Die wissen, wie man mit Strom umgeht, stehen da vor irgendwelchen krassen Schränken, stöpseln acht Millionen Kabel in winzige Steckplätze, nur um nach einer halben Stunde Arbeit auf einen Knopf zu drücken und zack! Licht! Das ist doch Wahnsinn. Ich könnte das nicht. Das weiß ich spätestens seit Anfang des Jahres ziemlich genau, als ich in mit der Bohrmaschine in eine Stromleitung bohrte und es plötzlich ganz doll blitzte. Hätte man davon eigentlich sterben können? Ja? Cool. Aber vielleicht können die Elektriker ja auch nicht schreiben. Ob Elektriker also auch mich bewundern? Standen wir uns vielleicht einfach nur sicherer Entfernung gegenüber und dachten: „WOW! Also echt: Wahnsinn! Das würde ich auch gern können. Ich hätte so viele Fragen! Aber ich traue mich nicht! Ich möchte mich ja nicht aufdrängen!“


Oben: Sagen wir mal vorsichtig „machbar“. Ja, nicht gerade die spektakulärste Gruppe. Aber wir wollen nicht meckern. Hauptsache Champions-League. Und die richtig coolen Clubs kommen dann halt nach der Gruppenphase. Nehmen wir es mal als Motivation.
Unten: Geht auch wieder los. Und man kann sagen: Das wird, das wird. Da kommt was Gutes nach.
Nicht im Bild: Wie wir uns Donnerstagabend nah ans Koma aßen und alles nur, weil der Kellner dachte, wir würden die Nachos halt unbedingt erst aufessen wollen, bevor er das Essen bringen könnte und nicht, wie er es hätte eigentlich machen sollen, das Essen bringen, um uns davon abzuhalten, die ganzen Nachos zu essen. Hach, Kommunikation ist alles.
Auch nicht im Bild: Endlich mal Frozen auf deutsch gesehen. Man wirkt ja immer so, als hätte man den Film nicht gesehen, wenn alle von „Der Eiskönigin“ reden und man denkt „Häh? Wer?“, nur um dann zu sagen „Ach Frozen!“, womit man natürlich direkt wieder unsympathisch weil so schrecklich kosmopolitisch wirkt. Und deshalb musste ich den Film jetzt auf deutsch sehen, damit ich nicht mehr so auffalle. Eigentlich mag ich keine Synchronisationen. Und tatsächlich ist auch die Frozen-Synchronisation ziemlich schlecht. „Willst du einen Schneemann baaaaaauuen?“ Pfui! Wer hat diese schrecklichen Kinder gecastet, die nicht einmal singen können? Überzeugen Sie sich selbst: „Do you wanna build a snowman?“ Mega! Oder hier: Lass jetzt los! Wart ihr betrunken? Wie schlecht ist das bitte? Und jetzt, festhalten, das Original: Let it go! Wow! In dein Gesicht, Synchronisation! Geh nach Hause! Grab dich ein! Der einzige Song, der auf deutsch wirklich dazu gewinnt, ist der von Hape Kerkeling aka Olaf dem Schneemann. Der ist tatsächlich viel cooler als im Original. Und das ist echt selten. Gibt’s sonst eigentlich nur noch bei Alf.
Auch nicht im Bild: Das Sonntagsspiel. Schwierige erste Hälfte mit genau so einem Ergebnis, über das man sich dann am Ende wieder ärgern könnte, wie bei Schalke. Einfach, weil es die Realität des Spiels nicht wiedergespiegelt hätte. Aber, keine Ahnung, was Herr Hasenhüttl da in der Kabine erzählt hat, es wurde ja phänomenal besser. Augustin ist großartig. Keita sowieso und Werner trifft halt einfach aus jeder Position. Sabitzer hätte ich noch so einen langen Ball gegönnt. Und das Bruma-Tor war ja mal absolute Oberklasse. Und das, obwohl doch schon alle Zeitungen RB Richtung Abstieg geschrieben hatten. Gibt’s doch gar nicht! Dass die tatsächlich Fußball spielen können.


Nicht schlecht. Hätte ich ja nicht gedacht. Aber jetzt ist das also so gut wie fertig. Entwarnung: Es ist kein Buch. Ja ja, ich mach ja. Überweisen Sie mir einfach 100.000 Euro und ich hab’s Ende des Jahres fertig. Na? Dacht ich mir.
Nicht im Bild: Wie ich allerdings nur sehr langsam vorankomme, weil ich mir ständig Gedanken über die Rettungsgasse machen muss. Habe ich etwas nicht mitbekommen oder hat die Rettungsgassen-Promo in letzter Zeit tatsächlich extrem zugenommen? Ständig hört man etwas der Rettungsgasse, wie wichtig sie ist und überall stehen Schilder, die darauf hinweisen. Hat jetzt keine Pointe, ich denke nur oft darüber nach, tut mir leid.


Und dann: Rausfahren, den Herrschaften zuschauen und so weiter, nur um zu Hause wieder festzustellen, dass in der Zwischenzeit die Junkies vertrieben wurden. So richtig weg. Dabei hatten die mittlerweile schon ein Zelt und so. Und jetzt sind selbst ihre penibel angehäuften Müllberge, mit Hilfe derer sie sich in ihrer Freizeit der Züchtung von Ratten gewidmet hatten, verschwunden. Stattdessen gibt es jetzt einen dicken Zaun, tief verankert im Boden und gesichert mit einem fetten Schloss. Das nennt man dann wohl Verdrängen statt Lösen. Überhaupt gibt’s neuerdings recht viel Polizei rund um die Eisenbahnstraße. Wenn man fies wäre, könnte man meinen, wir hätten gerade Wahlkampf.
Nicht im Bild: Der Ortgang-Balken und wie ich erfuhr, dass dieser einfach unendlich wichtig für ein Dach ist, weil ansonsten alles verschimmelt und dann kann man das Dach direkt wieder wegwerfen. Hach, ich finde so etwas interessant. Eine mir völlig unbekannte Welt. So muss es sich anfühlen, wenn man 70 ist und zum ersten Mal das Internet gezeigt bekommt. Nur, dass man dann höchstwahrscheinlich abwinkt und sagt, das sei alles neumodischer Schnickschnack, den niemand brauche, weil früher hätten die Kinder alle noch draußen im Wald gespielt und heute hängen sie nur noch vorm Bildschirm, nee nee nee, die grüßen ja nicht mal mehr, weil sie nur noch auf das Ding starren, so etwas hätte es bei uns nicht gegeben, da hätt’s was mit dem Rohrstock gegeben und dann war das okay, aber die sind ja alle verweichlicht heute, wenn man da mal auf der Straße ein Kind ohrfeigt, dann kommen da immer direkt die Eltern angerannt, aber nicht, um dem Kind gleich auch noch eine zu geben, weil die Frau wird dich schon nicht umsonst geohrfeigt haben, nein, heutzutage holen die direkt die Polizei, nee nee, hör mir off! Ich schweife ab. Wussten Sie, dass Häuser heutzutage nur noch für 30 Jahre gebaut werden? Danach ist der Architekt nämlich für grobe Fehler nicht mehr haftbar und dann ist es allen egal, ob die Bude einstürzt! Aber das ist nur der polemische Grund. Der wirkliche ist, dass sich ja heutzutage die Bedürfnisse so schnell ändern, dass Gebäude meist gar keine 30 Jahre mehr stehen (so eine Lagerhalle zum Beispiel). Oder dass die verändert werden muss. Und dann pass mal so ein Ding an deine geänderten Bedürfnisse an, wenn du das vorher für die Ewigkeit gebaut hast. Ach, ich mag es, Dinge, von denen ich keine Ahnung habe, kennen zu lernen.

Was fehlt:

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A Week in Pictures 33/2017

Wenn zu viel passiert, ist es dasselbe, wie wenn zu wenig passiert: Mein Kopf geht aus und der Rest ist bloßes Funktionieren. Und am Ende der Woche sitzt man da und denkt: „Was war eigentlich Dienstag? Ach ja. Genug, sodass es praktisch schon bis Freitag gereicht hätte. Aber so richtig genau? Keine Ahnung.“ Außerdem heißt, dass viel passiert, ja keineswegs, dass Wichtiges passiert. Genau so, wie wenig passieren kann und trotzdem ist viel los. Dafür, dass eigentlich nicht viel los sein sollte, denn es ist ja Sommerpause, ist jedenfalls eine ganze Menge los. Vielleicht hätte man sich das auch besser überlegen können. „Ach, da hab ich ja Zeit, da kann ich dann ja einfach dieses Riesenprojekt machen.“ Nur um dann direkt danach wieder das normale Pensum zu absolvieren. Was natürlich auch nur so halb stimmt, denn da will ja immer noch so ein Buch fertig geschrieben werden. Ich weiß jedenfalls mittlerweile schon genau, was ich werde sagen können, wenn mich jemand fragt, wo mir die Ideen kamen: Beim Rasenmähen. Und beim Abwaschen. Und beim Duschen sowieso. Wäre es nicht so eine Verschwendung, dann würde ich einfach den ganzen Tag lang duschen und in fünf Jahren hätte ich mehr geschrieben als Stephen King (Lesen Sie unbedingt On Writing!). Vielleicht duscht der ja auch die ganze Zeit. Nein, der ist einfach nur diszipliniert. Weitaus mehr als ich. Ich mag ja diesen Satz von hier: „Ich nehme mir sowieso zu Vieles vor und zu wenig davon tue ich dann wirklich. Wenn ich nur ein Viertel von dem täte, was ich mir vornehme, würde ich sicher doppelt so viel tun, als ich jetzt tue.“ Und vielleicht ist ja auch das der ganze Schlüssel zum stardome: Großkotzig genug sein, um sich einfach selbst zu zitieren.

I can't go on, I'll go on. (Weiterlesen…)

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A Week in Pictures 32/2017

Wenn man vergisst, Fotos zu machen, dann war es vermutlich einfach gut. Oder man war bei einem Punkkonzert und wollte nicht riskieren, das Gesicht bearbeitet zu bekommen, weil man aus Versehen irgendjemanden im Bild hatte. Oder man saß einfach viel am Schreibtisch und da gibt es halt einfach nicht Besonders viel Interessantes zu fotografieren.
Immer zum Ferienende bekomme ich total Lust, mir Stifte und Hefter und all dieses Zeug zu kaufen, weil es das gerade überall im Angebot gibt und ich schreibwarensüchtig bin. Das war schon früher das einzig Okaye an Schule, sich immer zum nächsten Schuljahr mit neuem Zeug einzudecken und das eigene „System“ zu perfektionieren. Ich glaube, am Ende hatte ich es dann auch ziemlich perfekt hinbekommen. Es ist simpel wie großartig: Man kauft sich einen vorgelochten Schreibblock, dazu für jedes Fach einen Hefter, schreibt dann immer im Block und heftet anschließend alles rückwärts/umgedreht ein, sodass man nicht immer alle bisherigen Blätter rausnehmen muss, sodass sie nicht beim fünften Einheften schon völlig zerfleddert sind. Natürlich schreibt man immer mit Kugelschreiber, denn Tinte verblasst viel zu schnell. Farben und solchen Kram braucht man nicht, maximal einen Textmarker (am besten hellblau) zum Markieren. Lineal immer aus Metall. Winkelmesser immer in der 360-Grad-Variante und als Radiergummi ausschließlich Knetgummis oder weißen Kautschuk. Bleistifte immer als Druckbleistift, außer im Kunstunterricht. Dort immer als Standardbleistift Stärke 3b, 5 bis 7/8b fürs Schattieren, 3h für die Vorzeichnung, aber wer vorzeichnet, verliert. Daneben immer Acryl- statt Wasserfarben benutzen, einfach weil es besser aussieht. Das ist schon das ganze Geheimnis.

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A Week in Pictures 31/2017

Das Schönste am Wegfahren ist, wenn man wieder nach Hause kommt und erstmal ganz viel Wäsche waschen kann. Bis vor kurzem fand ich das noch ein bisschen strange, aber dann habe ich in der inTouch gelesen, dass Charlize Theron das genau mag und seither geht es eigentlich. Ja, meine Güte, ich lese halt die inTouch. Und die Bravo, na und? Lesen Sie erstmal die ganzen Dostojewski-Bücher und dann reden wir nochmal darüber, wer hier etwas verpasst hat. Letztens fiel mir auf, dass der Sommer ja praktisch schon vorbei ist. August und das war’s eigentlich. Ich gucke mir ja immer die 20-Tage-Wettervoraussicht an, damit ich etwas zu talken habe, falls ich zufällig alten Leuten begegne. So transformiere ich ganz schleichend selbst zum Rentner. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich etwas zu lang am Fenster stehe und leblos nach draußen starre. Oder wie ich auf der Couch sitze, absolut nichts tue und das völlig okay ist. Ich glaube, den Grad an innerer Verrentung bestimmt man zuverlässig daran, wie lang man, ohne etwas zu tun, irgendwo sitzen kann, ohne dass man etwas vermisst oder eine*r/m langweilig wird. Und letztens, als ich nach ein paar Tagen zurück in meine Wohnung kam, da roch es ganz komisch und seither frage ich mich, ob das jetzt einfach daran lag, dass es tagelang draußen warm und die Fenster geschlossen waren oder ob das vielleicht mein eigener Geruch nach Tod ist. Vielleicht geht das jetzt ja los bei mir. Man selbst riecht es ja nicht, das wissen wir spätestens seit Jean-Baptiste Grenouille. Aber die anderen riechen es natürlich. Aber die sagen es einem ja nicht, solang sie noch so einen Funken Restrespekt haben. Stattdessen denken sie sich: „Ach je, der André. Jetzt hat er endgültig die Kontrolle über sein Leben verloren. Jetzt wäscht er sich nicht einmal mehr. Und Arbeit hat er ja auch nicht. Sitzt den ganzen Tag zu Hause und starrt auf seinen Wand. Hoffentlich stirbt er bald.“ Ich mache mir wirklich Sorgen. Ich möchte den Zeitpunkt nicht verpassen, an dem ich innerlich zum Rentner werde, damit ich mich noch rechtzeitig davon abhalten kann, Ausländer zu hassen, die DDR zurückzufordern, AfD zu wählen und was nicht alles sonst noch. „Uns passiert so was nich“, „Wir bleiben cool“, pah! Das glaube ich schon lange nicht mehr. Stete Introspektion vorausgesetzt, glaube ich allerdings, dass man okay bleiben kann. Nicht jetzt ich, dafür bin ich eigentlich schon seit dem Kindergarten viel zu frustriert, aber ich habe ja noch Hoffnung für andere Menschen.

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A Week in Pictures 30/2017

Sachsen-Anhalt bedeutet auch, dass man sehr wohl gleichzeitig im China-Restaurant sitzen und sich über die Ausländer beschweren kann. Oder wie der Mann am Nachbartisch es formulierte: „Ach, gegen Ausländer hab ich überhaupt nüscht. Is do nett hier bei’n Fitschi!“
Vielleicht reagiere ich über, wenn ich bei solchen Sätzen an diese Szene aus ‚Jim Caroll – In den Straßen von New York‘ denke, aber irgendwie muss ich meinen inneren Brechreiz schließlich verarbeiten.
„Gibt’s bei euch och so viele Schwarze?“
„Keine Ahnung, aber ist es okay, wenn ich ‚Fickdichfickdichfickdich!‘ antworte?“
Ihr interessiert euch für nichts. Ihr könnte nicht eine aktuelle Nachricht der Bundes-, Europa- oder Weltpolitik nennen (Nein, die Fernsehzeitung ist keine Zeitung!). Aber wenn ihr auf der Straße jemandem begegnet, der anders aussieht als ihr oder anderweitig nicht in eurer verkümmertes Wendeverliererweltbild passt, dann sammelt ihr eilig euer Hab und Gut zusammen. Denn jetzt fallen sie über uns her, vergewaltigen unsere Frauen (um den lieben Moritz Neumeier zu zitieren: Niemand will deine Frau anfassen. Du fässt deine Frau ja nicht mal selbst an!) und essen unsere Kinder. DIE! WIR! UNS! Das seine eure Kategorien. Ihr habt keine Ahnung, aber ihr wisst Bescheid. Und ihr stellt Schilder auf: „Nein Frau Merkel, wir schaffen das nicht – 1.200 Einwohner, 200 Asylanten“. Ihr regt euch darüber auf, dass sich Manager für Menschen erster Klasse halten und behandelt selbst andere Menschen wir Abschaum. Wie liebend gern würde ich euch genau jene Mauer, die in euren Köpfen herumtragt, rundherum um euer Kackdorf bauen. Und dann von außen Gülle rüberpumpen. Bis ihr zum Hals genau in dem steht, was sonst so euren grundfrustrierten Mund verlässt oder sonstwie in eurem hermetisch abgesteckten Kleingartenkopf herumspukt.
Ja, das war undifferenziert. Aber es gibt so Momente, da hab ich kurz mal keine Lust mehr auf Entgegenkommen, da will ich nur noch Abstand.

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