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A Week in Pictures 08/2017

Ich möchte nicht paranoid, egozentrisch (ich habe gerade SEHR lange überlegt, ob es das Wort nun egozentriert, egozentristisch oder egozentrisch heißt) oder ganz einfach nur völlig irre wirken, aber manchmal passen diese angeblichen „Zufälle“, die in meinem Leben passieren, fast schon viel zu gut zusammen. Es ist wirklich unheimlich. Und wer weiß, vielleicht dreht sich ja doch im Prinzip alles um mich? Ist zumindest eine Möglichkeit, die man ruhig mal in Betracht ziehen sollte. Sonst ist es nachher tatsächlich so und man hat es all die Jahre lang nicht wahrhaben wollen, weil man zu bescheiden war. Naja, ein Beispiel:

Letztens war ich zum Essen eingeladen. Das heißt eigentlich zum Kochen, aber ich hatte das alles irgendwie falsch verstanden. Und so kam ich vollkommen vorbereitet an (d.h. ich hatte Hunger!), hatte aber natürlich keinerlei Inhaltsstoffe mitgebracht. Und deshalb hieß es dann: Ja, kein Ding, ich geh kurz zum Supermarkt, du kannst hier schon mal irgendwie alles vorbereiten. Und weil ich nicht wusste, was ich denn vorbereiten sollte, immerhin war ja gar nichts da (ich persönlich hätte ja einfach eine Pizza bestellt, aber die Leute werden ja alle immer wunderlicher und wollen ständig kochen) habe ich stattdessen das gemacht, was ich in Situationen, in denen ich mich hilflos fühle, gern mache: Ich habe auf Youtube sinnlose Dokumentationen geschaut. Genauer gesagt Berlin bei Nacht – Die Hauptstadt schläft nie. Sie müssen wissen: Ich bin großer Fan der Dokumentationen über den EDEKA im Hamburger Hauptbahnhof. Oder den Penny auf der Reeperbahn. Oder die alte Esso-Tankstelle ebendort! Hach, ich bin so ein seichtes Gewässer.
Aber zurück zum Thema: Wie ich da also diese Doku schaute, wurde das alles immer unheimlicher, weil immer mehr auf mich zugeschnitten. Plötzlich ging es da um einen privaten Sicherheitsdienst, der in einer Wohnung wegen Ruhestörung klingelt und dann stellte sich heraus: In der Wohnung waren lauter Leute, die dort nicht wohnten, vom Wohnungsbesitzer keine Spur. Und deshalb mussten dann, unter Androhung des Hinzurufens der Polizei, sofort alle Leute die Wohnung verlassen, weil das wäre illegal, wenn der Hauptmieter nicht da sei. Oh weia, dachte ich, also quasi wie bei mir. Und deshalb versuchte ich, mich auffällig leise zu verhalten, damit niemand das Ordnungsamt oder so anrufen und ich der Wohnung verwiesen würde. Nichts eingekauft, nichts vorbereitet und dann auch noch einfach gegangen, das wäre vielleicht das falsche Signal gewesen, dachte ich.
Dann würde ich plötzlich sehr müde. Ich drehte mir eine Zigarette und zack! ging es in der Doku um einen Mann, zu dessen Wohnung die Feuerwehr ausrücken musste, weil er eingeschlafen war, während sein Schweinebraten auf dem Herd stand. Und dann war alles vollgeraucht! Also drückte ich schnell die Zigarette aus und machte ein paar hektische Bewegungen, damit mein Körper wieder in Schwung kam.
Dann bekam ich Hunger, weil es gerade um Schweinebraten ging. Und zack! ging es in der Doku um die so genannte Schrippenmutti, die nachts in Berlin mit dem Moped Kneipen und Clubs anfährt und dort belegte Brötchen und Bouletten verkauft. In diesem Moment klingelte es. Ich dachte: Krass, jetzt kommt die Schrippenmutti, jetzt wird’s echt zu viel! Aber hey, dachte ich, Boulette oder nich und hechtete zur Tür, nur um dann doch nicht zu öffnen, weil es hätte ja auch das Ordnungsamt oder der private Sicherheitsdienst sein können und nee nee, da bin ich vorsichtig.
Also weitergeguckt. Plötzlich ging es um Berlins größtes Bordell. Das Artemis. Und wer wird interviewt? Bordellbesucher André natürlich. Aber erst zum ersten Mal da, klar!
Da wurde es mir dann doch etwas zu bunt und ich habe ausgemacht. Schließlich muss ich mich ja wohl nicht von irgendeiner Doku beleidigen lassen.

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A Week in Pictures 07/2017

Symbolbild: Meide die Innenstadt.
Das einzig Okaye, das man in der Leipziger Innenstadt machen kann, ist in den Buchladen zu gehen und mal wieder zu gucken, ob mein Buch noch bei „Unsere Liebsten“ steht. Und dann zu denken „Fuck, Aldr, mach mal hin, damit da mal ein neues steht.“
Grund für meinen Innenstadtbesuch: Ich war beim Arzt. In irgendeinem riesigen Ärztehaus mit tausenden Aufgängen, die alle irgendwoanders hinführen und die ich auch alle erstmal probieren musste, ehe ich den richtigen fand. Nur um mir dann in etwa Folgendes sagen zu lassen:
„Herrmann, Herrmann, nee, hab ich hier nich stehen.“
„Aber ich hab doch angerufen. 17 Uhr, mit Wartezeit, hieß es.“
„Sind Sie sicher, dass sie hier angerufen haben?“
„Ja, ich denk schon.
„Bei Doktor X und Doktor Y?“
„Ja, glaub schon.
„Ja, das müssten Sie schon wissen. Unser Schulterspezialist ist auch gar nicht da.
„Ach ja, das hat die Frau am Telefon gesagt! Dann war das auf jeden Fall hier.“
„Mit wem haben Sie denn gesprochen?“
„Weeß ich?! Frau Schmidt?“
„Hammer nich.“
„Ja, war ja auch nur geraten.“
„Junger Mann, vielleicht sollten Sie ab und zu auch mal was wissen.“
„Ich weiß doch, dass ich kommen sollte. Am 14. Um 17 Uhr. Mit Warten.“
„Na dann müsste das ja hier stehen.“
„Sollte sogar.“
„Na ich guck mal in unseren Computer.“
„Machen Sie das mal.“
„Hier steht auch nichts.“
„Und nu? Darf ich trotzdem bleiben?“
„Nee.“
„Na und nu?“
„Da gehen Sie wieder.“
„Und mein Termin?“
„Doch hier steht’s. 14ter.“
„Na bitte.
„März.“
„Oh.“
„Ja.“
„Dann geh ich mal.
„Gehen Sie mal.“
Tja.

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A Week in Pictures 06/2017

Eine Woche der Selbsterkenntnisse.
Am Freitag zum Beispiel erfuhr ich, dass ich in meiner Kneipe of choice quasi seit Jahr und Tag immer völlig selbstverständlich aufs Frauenklo gegangen bin. Natürlich ist mir schon aufgefallen, dass da immer auffällig viele Frauen waren. Und irgendwie kann ich mich auch nicht so wirklich daran erinnern, dort jemals einen Mann gesehen zu haben. Ich dachte einfach, dass wäre unisex. Völlig normal, gibt’s doch eh andauernd. Und ja, ich hab auch bemerkt, dass es dort keine Pissoirs gab, aber 1) ignoriere ich Pissoirs sowieso, weil ich Pissoirs für unzivilisiert halte und 2) habe ich mir einfach noch nie so Gedanken über den Zusammenhang von Unisex-Toiletten und dem Vorhandensein von Pissoirs gemacht und glauben Sie mir, ich denke über viel Abwegiges Zeug nach. Außerdem: Gesagt hat ja auch nie jemand etwas. Es kam nie jemand an und sagte: Ey sorry, aber das hier ist das Mädchenklo, du bist anscheinend geistig verwirrt, also geh jetzt mal bitte weg, da drüben ist das Jungsklo. Stattdessen kann ich mich an viele interessante Gespräche erinnern. Letztens hieß es sogar: Hey, ich hab neulich dein Hörbuch verschenkt! Und das hört man doch gerne! Vielleicht nicht auf der Toilette, aber okay. Wahrscheinlich bin ich unter der Hand schon lange so ein heimlicher local Irrer, bei dem alle immer dennken: Ja ja, das ist der verrückte André, der geht immer aufs Mädchenklo, aber der tut nichts, brachst keine Angst haben, Sabine, einfach ignorieren und ein Video für Youtube machen. Oder es dachten einfach alle, es wäre total cool, mal mit einem echten Transgender sprechen zu können. Ich bin zwar kein Transgender, aber das glaubt mir jetzt vermutlich auch niemand mehr. Egal. Ich dachte ja eh, gender sei over. Und dann höre ich plötzlich, dass es da eine Herrentoilette gibt. Und ja, ich war dann auch mal auf der Herrentoilette. Es fühlte sich komisch an.

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A Week in Pictures 05/2017

Die gute Hood. Wie Sie sehen, ist es hier total gefährlich. Bitte ziehen Sie also nicht hier her. Aufgenommen wurde das Bild übrigens an einem Samstagnachmittag auf der Suche nach einem Laden, in dem man etwas essen kann, das nichts mit Döner oder Pizza oder Asiazeug zu tun hat. Fazit: Schwierig. Auf geschätzt 20-30 Dönerläden kommen vielleicht 10 mit Pizza, wobei ich jetzt nicht weiß, wie ich das zählen soll, wenn es irgendwo Döner UND Pizza gibt sowie maximal 5 mal Läden mit asiatischem Zeug. Was gar nicht mal so gut ist, denn ich bin gerade in einer schwierigen Phase. Seit ich erlebt habe, dass es im Süden der Stadt für 6 Euro eine 40 cm Pizza gibt, die auch noch sehr gut ist, kann ich hier einfach keine Pizza essen. Und Döner geht ja auch nicht ständig. Wenn der Dönermann „Na, wie immer?“ sagt, dass klingt das auf den ersten Hör natürlich schmeichelhaft, ist aber eigentlich auch ganz schön unheimlich. Und bei dem Asiastischen leide ich immer noch daran, dass jahrelang jeden Freitag die 21 und die 5 gegessen habe, bis ich dann irgendwann davor saß und dachte: „Nee! Geht nich mehr!“
Aber: Es endete alles im Guten. Im sehr Guten sogar. Ich liebe es, wenn man Bauernfrühstück für 3,60 Euro bestellen kann und es dann das Bauernfrühstück nicht gibt, weil „wir hamm heut keene Eier!“, weswegen man dann Cordon Bleu mit Bratoffeln (auch 3,60 Euro!) bestellt, woraufhin es dann heißt „Wir hamm heut keene Bratkartoffeln, geht’s vielleicht auch mit Kartoffelsalat?“, während nebenan die Viertelältesten um einen Tisch herum stehen und wild darüber diskutieren, wer das allmonatliche Skatturnier gewonnen hat. Ich liebe es, wenn die Leute sich unterhalten, ich die Worte, die sie sagen, verstehe, aber so rein gar nicht, was sie eigentlich meinen:
„Mensch, höre zu: Fünf mal neun sind Fümmfirrzsch! Da kannste doch nich gucken, ob de ’n Jungen triffst!“
„Na deswegen guck ich ja och nich!“
„Na da musste off Viernfuffzsch spiel’n, sechs ma neune! Und dann off’n Alten geh’n!“
„Nee, muss’ch nich!“
„Mensch, der will’s eenfach nich verstehn, der Kerl! Da hättste heut ordentlich Beute machen könn!“
„Ach Beute, hörmiroff! Wenn ich Beute machen will, dann gewinn ich eenfach!“
„Marjonn! Du hast heut’n Vierten gemacht!“
„Och nee, schön, hä? De Holzmedaille für mich!“

Und dann setzt sich natürlich noch ein Mann neben einen, der so ein bisschen ungelenk versucht, ein Gespräch anzufangen:
„Seid ihr von hier?“
„Ja.“
„Kennt ihr euch hier aus?“
„Geht so.“
„Ja, weil mir wurde das Buch meines Lebens gestohlen.“
Erstes innerliches LOL, denn eigentlich meinte er ein iPad, das ihm aus dem Auto geklaut wurde.
„Ihr wohnt doch hier. Wisst ihr, wer das hat?“
Er aß übrigens Schnitzelbrötchen (2,50 Euro!).
„2.600 Euro hab ich als Belohnung ausgesetzt!“
Kurzer Check, ob das eigene Portmonee noch da ist.
„Na ja, das wird wohl nicht wieder auftauchen, was meint ihr? Aber ist doch ein super Angebot, hä?“

Leider habe ich nicht gefragt, wo er eigentlich herkam. Und was für Geschäfte er so macht. Hoffentlich findet er das Buch seines Lebens wieder. Aber ich glaube, das wird nichts.

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