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Bild von sykerabbit77

Nachts versiegt unser Heizungsguthaben mit einem leisen Klicken und während alle schlafen, kriecht die Kälte leise vom Hof zu uns ins Haus. Am Morgen haben wir Eisblumen an den Fenstern, eine Sache, die einem in England niemand abnimmt. Am Kühlschrank hat John einen Zettel aufgehangen mit der Bitte, wir sollen darauf eintragen, wann wir wie viele Pfund auf die Gaskarte geladen haben, sodass immer erkenntlich würde, wer als Nächstes an der Reihe wäre. Momentan führe ich mit vierzig Pfund, aber das stört niemanden, es wird noch ein paar Morgen lang Eisblumen geben und ich nehme mir vor, mich ab heute wieder daran zu gewöhnen, in meiner Daunenjacke zu schlafen.

Es ist jetzt Januar und der unverhältnismäßig harte Winter lässt die Insel vom Weltall aus wie weißes Schimmelgeflecht aussehen. Bei Tesco sieht man Henry, den Inder an der Selbstbedienungskasse, der irgendwie so eine Art Freund geworden ist, nur noch mit Handschuhen und Pudelmütze. Als ich ihm erzählte, dass es in Deutschland sicher noch zehn Grad kälter ist, hat er die Hände so über dem Kopf zusammen geschlagen, wie sie es nur in alten Schwarz-Weiß-Filmen noch tun.

In der wöchentlichen Bezirkszeitung habe ich gelesen, dass es Theorien gibt, die die Angesagtheit von Stadtvierteln anhand der Anzahl von Friseuren bestimmen. In unserer main street, unten der an der Ecke, wo man sich entscheiden muss, rein in die Stadt oder raus in die bitteren Vororte, gibt es nur einen kleinen Friseurladen, ein alter Mann betreibt ihn mit seiner Frau, es ist nicht sehr angesagt hier. Statt Friseur reiht sich hier Buchmacher an Buchmacher. Es gibt die vier großen: Coral, William Hill, Ladbrokes und ToteSport, dazu jeweils noch unzählige Tocherfirmen und kleinere private. Ausschließlich Männer sitzen in den grell beleuchteten Läden vor großen Fernsehern, studieren Zahlen in monochromen Heften, benutzen Bleistifte und sagen wenig zu einander. Man kann hier auf alles wetten, sagt Henry, sogar auf die Scheiße, in die man vorm Tesco tritt, aber so richtig reich würden doch nur die bookies.

Wenn ich morgens am Schreibtisch sitze und durch die kahlen Äste des Baumes im Hof schaue, kann ich manchmal die orientalischen Nachbarskinder sehen, wie sie bibbernd neben ihrem orientalischen Vater stehen, der die letzte Zigarette vor der Schicht raucht. Die Kinder formen große Os mit ihren Mündern, drücken sich Zeige- und Mittelfinger an den Mund und lassen ihre Atemluft als kleine Wölkchen aufsteigen. Bevor sie von der Schule nach Hause kommen, mache ich meist meinen Spaziergang. Ich gehe hoch zum Fitness-Center und durch den Birchfields Park und von dort über die Schienen Richtung Chorlton, wo ich noch nie war, obwohl es dort viele Friseure geben soll.

Wir haben jetzt eine dicke Kette an der Tür, John hat sie vom landlord anbringen lassen, weil es ab und zu Probleme vor den Läden der bookies gibt. Schlägereien wegen Schulden oder einfach so, weil irgendein Pferd, irgendein Hund nicht so wollte, wie die odds es voraus sagten. Aber es gibt kein Blut auf den Straßen, dafür sind die cleaning guys hier zu gründlich und so früh unterwegs, dass es niemandem auffällt. Manchmal schlägt nachts jemand an unsere Tür, das Hämmern lässt mich hochfahren, mein Herz rast dann und ich hoffe, dass John, der immer als Letzter nach Hause kommt, die Alarmanlage angeschaltet hat, das tut er immer. Einmal war es Eric, der seinen Schlüssel vergessen, dafür aber einige Pints intus hatte. Nur wenn morgens die Mülltonne umliegt, dann weiß ich, dass es nicht Eric war.

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