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Mach's gut, Toronto. Obwohl wir gern noch eine Nacht geblieben wären, sind wir seit Sonntag weiter auf dem Weg nach New York City. Ab Dienstag (also heute) werden wir in der heimlichen Hauptstadt erwartet, bis dahin hieß es nochmal zwei Stopps irgendwo on the road einbauen.

Hier sind mein Finger und ich in Niagara Falls, jener Grenzstadt, die direkt an den gleichnamigen Niagarafällen gleich gegenüber Buffalo (USA) liegt. Da wir eigentlich wieder zurück in die USA und nur kurz Halt an den Falls machen wollten, sei zur Stadt nur so viel gesagt: Scheint nicht so interessant zu sein. Gibt nur viele Casinos, Hotels und Restaurants dort. Und haufenweise Touristen, die die Promenade an den Falls entlang taumeln und die überteurten Fressstände leerkaufen. In Bufallo, an der Grenze, wurden wir ganz klassisch erstmal rausgezogen und unser Auto durchsucht. Ich hätte ja gern ein Foto von der Border Patrol gemacht, aber die Männer sind nicht gerade lustig aufgelegt und erschießen einen wahrscheinlich sofort, wenn man sich nicht einfach friedlich in den Warteraum setzt und den Mund hält. Naja, wir durften dann netterweise doch wieder in die USA.

Und dass sind die Falls. Ich hätte sie mir ja höher vorgestellt. In der Breite sind sie schon ziemlich krass. Aber mehr als zwei Stunden kann man dort beim besten Willen nicht verbringen. Wenn man sich der Autodurchsuchung in Buffalo entziehen will, kann man an dieser Stelle auch in den Fluss springen und rüberwaten. Wenn man es denn schafft. Vor kurzem soll wieder mal jemand runtergefallen sein (man kommt wirklich bis auf einen Meter ran). Wir haben es jedenfalls nicht ausprobiert, mal runterzurutschen.

Und dann sind wir einfach weitergefahren. Autofahren in den USA ist immer noch nicht komplizierter geworden, als es Zwischen Chicago, Detroit und der kanadischen Grenze war. Irgendwann entschieden wir uns dafür, einfach in Rochester im Staate New York zu halten und zu nächtigen. Wir haben nicht viel von der Stadt gesehen, außer ein paar nette Straßen, während wir unsere neue Routine durchzogen: In die Stadt unserer Wahl fahren, uns vom Navi zum nächsten Starbucks lotsen lassen, dort per Wlan nach Motels suchen und dann losfahren und nachfragen, ob etwas frei ist. Klappt ziemlich gut, nach spätestens einer Stunde hat man etwas gefunden. Und manchmal gibt es sogar einen schönen Himmel zu bestaunen.

Klassische Horrorfilmatmosphäre in Rochester, NY. Wenn man will, kann man in jedem Motel in den USA einen mindestens guten Horrorfilm drehen. Alle sind ein bisschen gruselig, ein bisschen muffig und abgesehen vom Wlan auf dem technischen Stand von 1980. Aber wenn man sich überwindet und nicht unter die Matratze guckt, dann ist es ganz ok für eine Nacht.

Am Montag haben wir dann endlich mal so ein richtiges Diner gefunden, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Hinter dem Counter steht ein altes Ehepaar aus Griechenland, das einen freundlich darauf hinweist, nicht öffentlich Geld zu zählen (gefährliche Gegend) und am besten auf alle Gerichte noch haufenweise Ahornsirup draufzuknallen (insbesondere auf alles Herzhafte). Wie überall ist das Essen auch hier total fettig, aber wenigstens spottbillig, sogar im Vergleich zu den Fastfoodketten.

Weil wir gerade wieder in der Nähe waren, haben wir nochmal einen Zwischenstopp am Ontario Park Beach gemacht und sind kurz in den Lake Ontario gehüpft. Das ist sehr sehr gut und wahrscheinlich das, was am meisten fehlen wird, wenn wir wieder in Deutschland sind. Ok, um Leipzig sind zwar gleich drei Seen, zu denen man jeden Tag fahren könnte, aber das macht man ja eh nicht. Auch hier: Das Wasser wunderbar lauwarm, der Strand schön und die Lifeguards übervorsichtig.

Nicht, dass das falsche Bild aufkommt: Unsere eigentliche Aufgabe im Moment ist Autofahren und uns New York City nähern. Den letzten Stopp vor NYC wollten wir in Dover in New Jersey einlegen, wo es schon langsam wieder kälter und vor allem hügeliger wird. Aber leider ist Dover nur eine sehr winzige Stadt und das erste Motel, das wir aufsuchten, war nicht gerade das, was wir wollten. D.h., wenn man über Nacht noch eine Pistole hätte kaufen oder in das lokale Syndikat einsteigen wollen, dann wäre es sicher die erste Wahl gewesen, aber wir wollten ja nur in Ruhe schlafen. Also suchten wir weiter landeteten am Ende in Whippany, NJ, wo wir eine neue Form es US-Motels kennenlernten: Die Lobby wirkt wie ein 5-Sterne-Hotel, die Zimmer hingegen sind ziemlich hinüber. Aber es gibt Pay-TV und Internet, womit man als moderner und anspruchsloser Mensch ja doch zufrieden ist. Zumindest für eine Nacht. Von hier aus geht's heute (Dienstag) endlich nach NYC, yeah!

Kommen wir nun zur Kategorie "Quatsch in Bildform".

Nascars! Mitten auf der Interstate. Der Fahrer grinste schon, als wir vorbeifuhren und er uns beim Fotografieren beobachtete. Kommt anscheinend nicht so häufig vor, dass Leute begeistert von seiner Ladung sind. Später drängten wir den LKW von der Straße und versuchten den Mann zum Autotausch zu bewegen, aber er wollte nicht.

Dass es keine 1-Dollar-Münzen, sondern nur 1-Dollar-Scheine gibt, finde ich super, weil man immer das Gefühl hat, total reich zu sein, obwohl man nur sieben Dollar bei sich hat. Und dazu noch meine Cheerleader-Sammelkarte, die mir der liebe Julian Heun geschenkt hat. Leider ist die gute Jayne Baujahr 1967, also wohl leider zu alt für mich und wenn man ihrem Steckbrief auf der Rückseite glauben darf, ist sie mittlerweile eh total erfolgreich im Fernsehgeschäft tätig und würde sich mit mir wahrscheinlich nicht mehr abgeben wollen.

Und dann dachte ich mir: Wenn ich schon einmal im Lake Ontario baden gehe, dann doch bitte so bunt wie möglich. Jon Bon Jovi wäre total stolz auf mich. Und die DDR sowieso, weil ich noch immer ihre Handtücher benutze.

Und dann dachte ich mir: Wenn ich schon einmal durch Pennsylvania fahre, dann passe ich mich doch kleidungsmäßig am besten den Einwohnern an und trage mein cooles Unterhemd. Außerdem, so dachte ich, könnte ich auf diese Weise gleich noch total braun werden. Leider aber trägt man in Pennsylvania keine Unterhemden, sondern wird nur total komisch angeguckt. Und braun wird man dort auch nicht, weil es längst nicht mehr so warm ist, wie in Chicago.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir sehen uns wieder in New York City!

5 Kommentare

  1. irmi

    1. August 2012

    andre, es gibt dollar muenzen.

  2. Inch

    1. August 2012

    Oh, in so einem Motel möchte ich auch mal schlafen. Und mich gruseln! Ehrlich! Das war sogar mein diesjähriger Sommerplan. Aber jetzt muss ich nach Rumänien, und die Motels auf unbestimmte Zeit verschieben

  3. thomas

    1. August 2012

    ich fühle mich durch die latente retrolastigkeit der bilder in meiner persönlichkeit verwirrt.
    schreibt der autor per zeittunnel aus den 70igern? reist er in einer elektromagnetischen raum-zeit-störung, die den kamerachip verwirrt? sendet diese seite optische signale mit lsd-ähnlicher wirkung?

  4. Nicole Herrmann via Facebook

    1. August 2012

    GROßARTIGER Himmel

  5. André

    4. August 2012

    Es gibt Dollar-Münzen, oha. Das wusste ich nicht. Hab leider auch noch keine zu Gesicht bekommen, außer in Kanada. Aber gut zu wissen, danke Irmi :)

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