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Man kann Weber so auffassen: selbst Erklärungen des Freudschen Typs müssen sich, wenn sie annehmbar sein sollen, im Rahmen von Begriffen halten, die sowohl dem Handelnden als auch dem Beobachter bekannt sind. Es wäre sinnlos zu sagen, daß N's Versäumnis, einen Brief an X aufzugeben, Ausdruck seines unbewußten Grolls darüber ist, daß X über seinen Kopf hinweg befördert wurde, wenn N selbts nicht wüßte, was "über jemandes Kopf hinweg befördert werde" heißt. Es ist hier auch erwähnenswert, daß Freudianer, die im Verlauf der Psychotherapie nach Erklärungen dieser Art suchen, den Patienten dahin bringen möchten, die Gültigkeit der angebotenen Erklärung selbst anzuerkennen, ja daß dies beinahe eine Bedingung dafür ist, daß sie als die 'richtige' Erklärung angesehen wird.

Peter Winch, Die Idee der Sozialwissenschaft und ihr Verhältnis zur Philosophie, S. 64.

3 Kommentare

  1. Jessica

    29. Dezember 2010

    Hm… sowas verursacht bei mir Knoten im Gehirn. Ich klicke mal schnell aus Selbstschutz auf die nächste Seite.

  2. André

    29. Dezember 2010

    Hehe, ich glaube, der Absatz macht sich ein wenig über die Psychotherapie lustig, insofern er ihr vorführt, dass das “Freilegen” von Erklärungen im Patienten 1. gar nichts so Besonderes ist und 2. auch als Implementieren von Erklärungen gesehen werden kann. Das fand ich einfach gut :)

  3. Jessica

    29. Dezember 2010

    Ah, verstehe. Da ist was dran. Danke :)

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