"Der Mensch", sagt Mia zu ihren Fingerspitzen, "ist verblüffend unpraktisch konstruiert. Im Gegensatz zum Menschen lässt sich jede Saftpresse aufklappen und ihr Einzelteile zerlegen. Säubern, reparieren und wieder zusammenbauen."
[...]
"[...] Wir können einen schönen Ort aussuchen, in den bergen oder am Meer. Man wird sie dabei unterstützen, mit Ihrer Lage fertig zu werden. Anschließend werden Sie bei der Wiedereingliederung in Beruf und Alltag..."
"Nein, danke", sagt Mia.
"Was soll das heißen - nein danke?"
Mia schweigt.
[...]
"Frau Holl", sagt Sophie und rümpft ihre niedliche Nase. "Sie sind organisch völlig gesund. Aber Ihre Seele leidet. Sind wir uns insofern einig?"
"Ja."
"Warum wollen Sie sich dann nicht helfen lassen?"
"Ich hielt den Schmerz für eine Privatangelegenheit."
[...]
"Niemand", sagt Mia, "kann nachvollziehen, was ich durchmache. Nicht einmal ich selbst. Wäre ich ein Hund - ich würde mich ankläffen, damit ich nicht näher komme."
Juli Zeh: Corpus Delicti. Ein Prozess, S. 52ff.


Konrad Köthke (via facebook)
8. September 2011
Das steht schon lange auf meiner Liste und ich würd mich über eine kurze Rezension freuen…
André Herrmann (via facebook)
8. September 2011
Das Buch ist schon etwas orwellesk. Es geht darum, dass die Menschheit es geschafft hat, Krankheiten auszurotten, indem alle Menschen total steril gehalten und ihr Gesundheitszustand ständig überwacht wird. Ebenso können Mordfälle zur den genetischen Fingerabdruck und solche Sachen immer eindeutig gelöst werden. Außer bei dem Bruder der Hauptperson, der bis zum Schluss behaupte, dass er niemanden umgebracht hat. Das ist so in etwas die grobe Handlung, ohne etwas Wichtiges zu verraten :)