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Mein Kindle-Clipboard

Ich gehöre ja zu diesen Monstern, die eBooks mögen und sogar freiwillig einen Kindle besitzen. An dieser Stelle aber keine Diskussion über eBooks und „richtige“ Bücher. Vielleicht nur so viel: Ich mag und habe beides.
Was ich bei „echten“ Büchern allerdings wirklich hasse ist, wenn jemand mit einem Bleistift oder gar einem Textmarker Markierungen im Text vornimmt und es sich bei dem Buch nicht um ein Lehr- oder Sachbuch handelt. Gleichzeitig sehe ich aber natürlich ein, dass man schöne und wichtige Stellen später gern leichter wiederfinden würde und man nicht das ganze Buch voller Post-its haben will.
Glücklicherweise ist das Markieren beim Kindle sehr einfach. Und der markierte Text wird sogar noch in einer separaten Datei abgelegt, sodass man nach einer Weile eine schöne Liste mit Zitaten der eigens gelesenen Bücher hat.

Ich weiß nicht, wie es mit Ihnen steht. Ich zumindest scrolle gern mal durch das Kindle-Clipboard und schaue mir an, was ich an welchem Buch mal markierenswert fand. Vor allem, weil es auch dokumentiert, wann man welches Buch noch einmal gelesen und darin vielleicht Neues entdeckt hat. Und es würde mich wahnsinnig interessieren, was andere Leute in welchen Bücher so markieren. Vielleicht benutzen sie ja auch gar nicht die Funktion und ich bin weltweit der Einzige.
Um es zumindest auf einen Versuch ankommen zu lassen, habe ich beschlossen, mal ein paar Zitate aus meinem Clipboard zu präsentieren. Sie sind absolut querbeet, reichen von annodazumal bis gestern und in keiner anderen Reihenfolge, als der zeitlichen. Vielleicht interessiert es ja jemanden. Ich jedenfalls, fände es sehr interessant, mal ein paar Clippings von Anderen zu sehen.

Los geht’s nach dem Klick:

 

Selbstmord (Levé, Édouard)
– Ihre Markierung auf Seite 48 | Position 733-734 | Hinzugefügt am Dienstag, 11. Juni 2013 um 00:44:53 Uhr

Du identifiziertest dich nicht mit den Glücklichen, und in deiner Maßlosigkeit projiziertest du dich auf diejenigen, die alles verpasst oder nichts erreicht hatten.

 

Selbstmord (Levé, Édouard)
– Ihre Markierung auf Seite 51 | Position 767-769 | Hinzugefügt am Mittwoch, 12. Juni 2013 um 01:39:29 Uhr

Du suchtest noch einmal den Arzt auf, und er verschrieb dir ein anderes Antidepressivum, das zugleich als Schlafmittel fungierte. Du fandst sofort einen tiefen Schlaf wieder, aber du wachtest auch nicht mehr wirklich daraus auf.

 

Selbstmord (Levé, Édouard)
– Ihre Markierung auf Seite 68 | Position 1028-1030 | Hinzugefügt am Donnerstag, 13. Juni 2013 um 17:26:10 Uhr

Ich leide nicht, wenn ich an dich zurückdenke. Du fehlst mir nicht. Du bist in meiner Erinnerung stärker anwesend als während unseres gemeinsamen Lebens. Wenn du noch leben würdest, wärst du mir vielleicht fremd geworden. Tot bist du genauso lebendig wie lebend.

 

Karte und Gebiet (Houellebecq, Michel)
– Ihre Markierung auf Seite 262 | Position 4014-4016 | Hinzugefügt am Samstag, 20. Juli 2013 um 12:20:09 Uhr

»Er hat eine sehr seltene Krankheit – eine Demeleumaiose oder wie immer das heißt. Er leidet überhaupt nicht, sondern ist nur ständig erschöpft und schläft alle paar Minuten ein, selbst beim Essen. Wenn er spazieren geht, setzt er sich nach wenigen Metern auf eine Bank und nickt ein. Er schläft jeden Tag ein bisschen mehr, und irgendwann wacht er dann gar nicht mehr auf. Es gibt Menschen, die haben bis zum letzten Moment Glück.«

 

Daily Rituals: How Artists Work (Mason Currey)
– Ihre Markierung Position 163-164 | Hinzugefügt am Samstag, 1. Juni 2013 um 10:43:46 Uhr

“Sooner or later,” Pritchett writes, “the great men turn out to be all alike. They never stop working. They never lose a minute. It is very depressing.”

 

Arbeit und Struktur (Wolfgang Herrndorf)
– Ihre Markierung auf Seite 132 | Position 2019-2020 | Hinzugefügt am Donnerstag, 12. September 2013 um 09:34:32 Uhr

C. am Telefon: “Lebensunfähig, träge, dachte vorhin, ich geb alle Ziele auf, die ich habe, bis mir einfiel, ich hab ja gar keine.”

 

Arbeit und Struktur (Wolfgang Herrndorf)
– Ihre Markierung auf Seite 158 | Position 2411-2416 | Hinzugefügt am Donnerstag, 12. September 2013 um 10:05:48 Uhr

Tischtennis im Soho-House. Sascha ist Mitglied und nimmt uns mit rein. Empfangstresen ein Baustellengerüst mit rohen Brettern wie in den illegalen Kneipen, die es hier an gleicher Stelle vor 15 Jahren überall gab und von denen meines Wissens keine übrig ist. Am Fahrstuhl kommt einem als erstes Moritz von Uslar entgegen. In der Lounge oben schöne, entspannte Atmosphäre, und mein Kleinbürgerhaß auf diese Leute, die 100 Euro im Monat zahlen, um an zwei Kaminfeuern sitzen zu können, ist ungebrochen groß.

 

Arbeit und Struktur (Wolfgang Herrndorf)
– Ihre Markierung auf Seite 165 | Position 2517-2518 | Hinzugefügt am Donnerstag, 12. September 2013 um 10:24:19 Uhr

Insgesamt vielleicht sogar ein bißchen glücklicher als früher, weil ich so lebe, wie ich immer hätte leben sollen. Und es nie getan habe, außer vielleicht als Kind.

 

Im Stein (Meyer, Clemens)
– Ihre Markierung auf Seite 68 | Position 1032-1033 | Hinzugefügt am Dienstag, 5. November 2013 um 15:40:27 Uhr

»Wir fahren, wohin wir fahren?« »Weit und hoch.«

 

On Writing (Stephen King)
– Ihre Markierung auf Seite 78 | Position 1188-1189 | Hinzugefügt am Mittwoch, 27. November 2013 um 15:30:59 Uhr

It starts with this: put your desk in the corner, and every time you sit down there to write, remind yourself why it isn’t in the middle of the room. Life isn’t a support-system for art. It’s the other way around.

 

Agota Kristof (Die dritte Lüge)
– Ihre Markierung auf Seite 15 | Position 218-219 | Hinzugefügt am Freitag, 24. Januar 2014 um 21:08:52 Uhr

– Sobald man nachdenkt, kann man das Leben nicht lieben.

 

Agota Kristof (Die dritte Lüge)
– Ihre Markierung auf Seite 45 | Position 683-684 | Hinzugefügt am Samstag, 25. Januar 2014 um 11:08:31 Uhr

Ich habe Angst, Angst, in ein Haus zu kommen, wo man sich um mich kümmern, wo man mich retten will.

 

Lanzarote (Michel Houellebecq)
– Ihre Markierung auf Seite 43 | bei Position 652-655 | Hinzugefügt am Montag, 18. August 2014 18:04:37

Man kann sehr gut leben, ohne sich etwas vom Leben zu erhoffen; das ist sogar meistens der Fall. Die meisten Leute sitzen zu Hause herum und freuen sich, wenn das Telefon nicht läutet; tut es das doch, dann lassen sie den Anrufbeantworter laufen. Keine Nachrichten – gute Nachrichten. Die meisten Leute sind so; ich übrigens auch.

 

Karte und Gebiet (Houellebecq, Michel)
– Ihre Markierung auf Seite 194 | bei Position 2973-2976 | Hinzugefügt am Montag, 25. August 2014 09:13:31

Man kann sich immer – so hatte es Houellebecq gesagt, als er ihm von seiner Schriftstellerlaufbahn erzählt hatte – Notizen machen und versuchen, Sätze aneinanderzureihen; doch um wirklich mit der Niederschrift eines Romans zu beginnen, muss man warten, bis all das kompakt und unwiderlegbar wird, warten, bis ein harter Kern der Notwendigkeit auftaucht. Man trifft die Entscheidung, ein Buch zu schreiben, nie selbst, hatte er hinzugefügt

 

Alles ist grün (Foster Wallace, David)
– Ihre Markierung auf Seite 27 | bei Position 412-412 | Hinzugefügt am Mittwoch, 22. Juli 2015 00:05:05

»Die Dinge sind schlecht geworden. Ich habe inzwischen einen Haarschnitt, dessen Schatten mir Angst einjagt.

 

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Joachim Meyerhoff)
– Ihre Markierung auf Seite 113 | bei Position 1732-1733 | Hinzugefügt am Samstag, 12. Dezember 2015 14:08:23

»Das sagen die mir auch. Du würdest an allem voller Begeisterung teilnehmen. Dein Eifer wäre absolut vorbildlich. Aber du musst eben aufpassen, dass dein einziges Talent nicht dein Enthusiasmus ist.«

 

I Can Barely Take Care of Myself (Jen Kirkman)
– Ihre Markierung auf Seite 87 | bei Position 1328-1330 | Hinzugefügt am Donnerstag, 21. Januar 2016 16:43:24

Lucy continued by confiding in me that she and her husband were “trying” to get pregnant. I hate that expression: “We’re trying.” What that translates to is: “We’re fucking.” After someone tells me they’re “trying,” I just get a visual of them having sex without birth control

 

 

Foto von Robert Couse-Baker

In Kategorie: Tribut

2 Kommentare

  1. Ah, eine richtig gute Idee, die gesammelten Zitate zu äh verbloggen.
    Ich habe schon länger einen Kindle, allerdings weniger freiwillig. 😉 mein Freund hat ihn mir geschenkt, obwohl ich eher zwiegespalten war. Aber dann war ich ganz schnell begeistert von dem Ding. Das Lesen ist sehr angenehm, bei Wind blättern die Seiten nicht von alleine um (nervig, wenn man auf den Bus wartet bei stürmischem Wetter) und man kann endlich Zitate markieren, ohne das Buch zu verschandeln.

    Ich werde dann demnächst auch mal meine Zitate präsentieren.

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