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Mein erstes cooles Blog-Stöckchen

Was die „Blog-Szene“ und mich betrifft, dann ist das in etwa wie bei Astrid Lindgren. Auf der einen Seite stehen die ganzen Normalen, die Networking, SEO und Ironblogging machen und dann bin dort ich, mit Propeller auf dem Rücken und irgendwie so ein bisschen abseits. Aber das ist okay. So kam es beispielsweise auch, dass dieses Blog-Stöckchen-Spiel, bei dem sich BloggerInnen gegenseitig dazu auffordern, bestimmte Fragenkataloge zu beantworten, um so ein bisschen Vitalität in die „Blogosphäre“ zu bringen, bisher komplett an mir vorbei ging.

Glücklicherweise gibt es Menschen wie Laura, die es noch nicht aufgegeben haben, mich blogmäßig zu resozialisieren. Und so traf mich nun endlich mein allererstes cooles Blog-Stöckchen. Geworfen nach mir und dem fabelhaften Kollegen Martin Neuhof (deshalb die Fragen im Plural). Natürlich mache ich mit! Jemand, der einen Propeller auf dem Rücken hat, hat sowieso nichts mehr zu verlieren. Los geht’s!

1. Wie ist das so, Martin Neuhof und André Herrmann zu sein?

Es ist total super, Martin Neuhof zu sein. Gegen 14 Uhr wache ich auf und nehme ein erfrischendes Bad in meinem Geldspeicher. Ich schwimme eine Runde und schon ist es 16 Uhr, weshalb ich beschließe, noch schnell eine Runde Joggen zu gehen. Ich renne so schnell (88 Meilen pro Stunde), dass ich dabei in der Zeit zurückreise und es plötzlich wieder 9 Uhr morgens ist. Dann ziehe ich los, um mich ein bisschen durch die Gegend zu fotografieren. Weil ich total bekannt bin, bewerfen mich die Leute auf der Straße mit Geldscheinen, die ich aufsammle, um mir dann eine neue unendlich teure Spiegelreflexkamera zu kaufen, die ich sofort vor dem Laden zertrete. Einfach, weil ich Martin Neuhof bin und es mir leisten kann. Dann fotografiere ich noch ein paar bildhübsche Frauen in irgendeiner Industrieruine. Natürlich zahlen sie mir Geld dafür. Geld, das ich abends in meinem Schloss in Gohlis in den Kamin werfe, damit es so richtig muckelig wird. Kurz vor dem Schlafengehen checke ich noch schnell die sozialen Netzwerke. Huch, wieder 1.000 neue Follower bei Twitter. Naja, wer will es ihnen verdenken.

2. Nennt etwas, wozu ihr euch für 1000 € Sponsoring durchringen würdet!

Ich befürchte, ich habe längst alle schlimmen Dinge getan. Und sogar für weniger Geld. Sagen wir es so: Ich hoffe, dass ich mich zu nichts durchringen muss. Dann das wäre an sich schon ziemlich doof. Und selbst wenn man sich dazu durchgerungen hat, kann man sich ja immer noch zurückringen und es doch nicht machen. Einfach, weil manchmal ja erst kurz nach der Zusage der Verstand wieder einsetzt. Vielleicht würde ich für 1.000 Euro ein Lookbook machen, wobei das für so viel Demütigung schon arg wenig wäre. Obgleich ich ja praktisch dauernd mit einer dicken Rüstung aus blank poliertem Zynismus, garniert mit reichlich Ironie, umher laufe. Mich schocken eigentlich nur noch die SPD und SEO.

3. Kann Euch Leipzig eigentlich noch überraschen?

Nein. Meist laufe ich durch die Straßen und schreie: „Komm, hör mir doch auf, Leipzig, das ist doch alles so Berlin vor 10 Jahren, was du machst!“ Generell kann mich eigentlich nichts mehr überraschen. Letztes Jahr veranstalteten ein paar Freunde eine Überraschungsparty für mich. Ich wusste drei Tage vorher schon Bescheid und als sie dann alle das Licht anknipsen und „ÜBERRASCHUNG!“ riefen, sagte ich „Nein!“
Doch, natürlich kann mich Leipzig überraschen. Letzte Woche erst wurde ich fast von einer Straßenbahn überfahren. Die war ziemlich überraschend von rechts gekommen.

4. Was war rückblickend die dümmste Idee, der ihr Euch auf euren Blogs gewidmet habt?

Ich bereue eigentlich mit jedem neuen Post alle davor veröffentlichten Posts. Das Archiv ist mir so peinlich, dass ich es nicht einmal verlinke. Aber ich tue einfach so, als würde ich drüber stehen. Immerhin: Ich stand schon bei vielen dummen Ideen daneben. Bzw. saß, z.B. auf dem Beifahrersitz und drehte mir eine Zigarette, während der Fahrer des Autos mir fasziniert dabei zusah und vergaß, dass wir uns gerade in einer Kurve befanden. Auch habe ich letztens vor zwei Neu-Eltern erzählt, dass ich das Jimmy-Kimmel-Video, in dem Eltern ihren Kindern erzählen, sie hätten all ihre erbeuteten Süßigkeiten gegessen, total witzig finde. Fanden sie nicht witzig, so gar nicht witzig, nicht einmal ‚Ich verstehe, dass man das witzig finden kann‘-witzig, sondern einfach nur ‚Das ist nicht witzig, das Kind ist danach total traumatisiert und wenn du das witzig findest, dann bist du ein Arsch‘-witzig. À propos dumme Idee: Kennen Sie den Mann, der in New York 36 Stunden zwischen zwei Häusern feststeckte? Dumme Idee.

5. Was ist auf Eurem PC-Hintergrund zu sehen?

Ein Zitat meiner Lieblingsautorin. Aber seht selbst (zum Vergrößern aufs Bild klicken):

6. Wenn Euch jemand fragt: “Und was haben Sie eigentlich für einen Blog?” Wie antwortet ihr?

Vermutlich würde ich erst einmal ganz keck zurückfragen: „Heißt es nicht ‚das Blog‘?“ und mich dann auf eine sinnlose fünfstündige Diskussion freuen. Und wenn wir das dann irgendwann geklärt hätten, würde ich sicher sagen: Modeblog, ganz klar. Vielleicht auch ein bisschen Lifestyle. Dass ich ausgerechnet im Kunst-und-Kultur-Ranking auf Platz 50 bin, finde ich jedenfalls vollends daneben.
Dann kommt meist als nächste Frage: „Hihihi, meinst du das ernst?“ Natürlich meine ich das ernst. Als ob ich einen Grund zum Lügen hätte. Ich verdiene 84.000 Euro im Jahr mit meinem Blog, ohne es mit haufenweise Werbebannern und Layern zu vergewaltigen, was würde es mir bringen, an dieser Stelle tief zu stapeln? Meist fragen Sie dann: „Und wie viel Wahrheit steckt da drin?“ Und ich antworte: Es ist alles wahr. Weil es die Wahrheit ist.

7. Was soll den Rest des Jahres 2013 noch alles passieren, wenn es nach Euch ginge?

Ach, nichts Besonderes: Mein Jewerbe, mein Angelschein, mehr will nicht. Ich warte noch auf eine ganz bestimmte Mail. Das würde mir praktisch schon reichen. Ansonsten natürlich das Übliche: Unendlicher Reichtum, Superheldenkräfte (Unsichtbarkeit, Laserstrahlen aus den Augen und Teleportation bitte). Wahlweise auch ein unbekannter Mäzen, der mir einfach so Unmengen von Geld überweist und mich in seinen Wohnungen im New Yorker Greenwich Village, im Pariser Marais sowie in seinem Beachhouse am Lake Michigan in Chicago wohnen lässt. Damit wäre schon zufrieden. Na gut, vielleicht noch eine Spielkonsole mit einem monströs großen Fernseher, damit ich endlich in Ruhe dick und doof werden könnte. Und einen Wasserhahn, aus dem Dr Pepper Coke Light kommt, die auf Knopfdruck auch Dr Pepper Cherry Coke Light werden kann. Und eine Katze namens „Gerhard Richter“.

8. Euer persönliches Unwort des Jahres?

„Humor-Signal“. Lange Geschichte. Immerhin haben ja eh alle Hypezig erwartet.

9. Butter bei die Fische: Welche Poster hingen in Euren Zimmern?

Puh, da ist schwierig. Ich glaube, ich hatte mal ein Poster von Michael Jordan an der Wand. Ich dachte, ich werde einfach genau so wie der und muss nie arbeiten gehen. Hat nur so halb geklappt. Und ein Poster von einem Belugawahl, das ich vermutlich in der kurzen Phase totaler Verwirrung, in der ich mal die Apothekenumschau sammelte, aufgehängt hatte. Ich hatte definitiv noch mehr Poster, aber ich kann mich beim besten Willen nicht dran erinnern. Ich hätte in der Grundschule einfach weniger koksen sollen. Zumal wir noch umgezogen sind, als ich 12 war und ich seitdem gar keine Poster mehr an der Wand hatte (es hielt auch kein einziges, denn wir lebten seither in einer Höhle). Später hatte ich dann mal so ein paar Slam-Plakate an der Wand, bis ich auch das zu doof fand. Heute habe ich noch eine ganze Rolle voll mit solchem Zeug. So richtig hängend gibt es aber nur noch der Siegerkranz der Deutschsprachigen Meisterschaften über meinem Bett.

10. Wie könnte man Euch und Euren Blogs etwas Gutes tun?

Ehm, ich wäre sehr zufrieden, wenn das, was ich so schreibe, weiterhin gut gefunden wird. Und wenn im Supermarkt nicht dauernd die Cola Light alle wäre, das wäre auch super. Bei der Lesebühne vorbei zu kommen, ist auch gern gesehen, bspw. am 22. November. Natürlich darf man mir auch Unsummen an Geld spenden, bei der nächsten OBM-Wahl auf dem Abstimmungszettel alle Namen durchschtreichen und meinen drunter schreiben oder mir etwas von meinem Wunschzettel schicken.

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Jetzt muss ich das weitergeben, oder? Okay, dann bitte 10 beantwortete Fragen mit Adelina von Leipzig leben und dem netten jungen Mann hinter Flohbude.

  1. Warum nicht?
  2. Welcher ist der Ort, der garantiert niemanden dazu bringt, nach Leipzig ziehen zu wollen?
  3. Die besten drei Bücher überhaupt sind?
  4. Warum sollte jeder Mensch gegen Kapern sein?
  5. Was sollte bestenfalls noch kommen?
  6. Im Supermarkt tuscheln Sie über mich, weil ich dauernd … kaufe.
  7. Früher war ich fest davon überzeugt, dass ich mal … werde, heute bin ich leider …
  8. What’s in your Kühlschrank? (Inspiration: mein Sonntags-Desaster)
  9. Bestes Blog/bester tumblr/bester Twitter-Account der Welt?
  10. Welche/r ist dein/e Lieblingswrestler/in?

Foto von Guerito.

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