Ich bemerke erst kurz bevor ich aussteigen muss, dass ich vergessen habe, mir eine Fahrkarte zu kaufen. Mein Rücken beginnt zu brennen, meine Hände werden sofort feucht. Es sind keine Kontrolleure in der Bahn, selbst wenn sie an der nächsten Haltestelle einsteigen würden, sie würden mich einfach ignorieren, denn jetzt bin ich nur einer von vielen Studenten, die vormittags zur Uni in die Stadt fahren und habe eben Glück gehabt. Aber mein Blick rast durch die Bahn, hin, her, und ich muss einen Schluck Wasser nehmen, um den Kloß im Hals los zu werden.
Später laufe ich durch den Innenhof des neuen Campus' und mir fällt auf, dass ich nicht einmal weiß, wie ich dorthin gekommen bin. Bewusste Momente im Hundertmeterabstand, dazwischen das ewigliche Repetitorium dessen, was zu tun ist. Es hat sich über meinen Kopf gelegt und drückt wie die Schwüle der ersten hellen Tage. Und ich bemerke nichts von den vielen Polizisten, die gerade den Neumarkt absperren.
Meinem Laptop bekommt der anklingende Sommer nicht. Um ihm ein wenig Linderung zu verschaffen, aber noch eher, um ihm dem Hitzetod und mir eine unangenehme Invesitition zu ersparen, habe ich mit dem kleinsten Schraubenzieher, den wir haben, den Deckel an der Unterseite abgeschraubt. 20 Grad weniger für ihn und ein geöffnetes Fenster für mich.

