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“Und das geht so einfach?”, fragte Petersen neugierig.
Seine Frau hatte nur die Augenbrauen nach oben gezogen, als Petersen ins Haus gestürmt war, die Einzelteile der Kamera in der Hand, und verkündetet hatte, das ließe er nicht mit sich machen. Das Kennzeichen des jungen Mannes hatte er sich gleich in seinem Notizheft vermerkt. Jetzt stand an der Theke des Fotoladens, den schwarzen Haufen Technikmüll mit gesplittertem Objektiv und eingedrücktem Display vor sich.
“Nicht so einfach, wie man sich das vorstellt, ich mein, wir nehmen ja nicht nur die Speicherkarte aus der kaputten Kamera und lesen die Daten aus”, sagte der Mann, den der Verkäufer extra aus der Werkstatt geholt hatte, damit er Petersen die Einzelheiten der Reperatur erklären konnte.
“Also die Speicherkarte, die Speicherkarte ist nämlich auch kaputt, genau wie die Kamera, deswegen müssen wir die Daten retten lassen, ja, quasi retten müssen wir die, wir haben da eine Partnerfirma, die macht sowas.”
“Achso”, murmelte Petersen.
“Und das ist eben nicht ganz billig.”
“Ja, verstehe, aber machen sie trotzdem, ist wichtig”, antwortete Petersen und dachte daran, dass er die Wiederherstellungskosten sowieso nicht selbst tragen müsste, wenn vor Gericht alles nach Plan laufen würde.

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Das Bürgerbüro war dicht besetzt, fast jeder der Anwohner aus der Herbertstraße war der Einladung von Petersen gefolgt. An einer Wand hing eine Auswahl von Bildern, die spielende Kinder zeigten, daneben jeweils Datum und Uhrzeit, es gab Mineralwasser und Schnittchen.
Petersen stand, die Hände auf einen der Schreibtisch gestützt vor seinen Zuhörern und erklärte den Anwesenden seine neusten Erkenntnisse.
“Die TA Lärm, also die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm, besagt, dass in reinen Wohngebieten der Lautstärkeimmissionswert fünfzig Dezibel nicht überschreiten darf”, die Zuhörer nickten.
“Fünfzig Dezibel, müssen Sie sich vorstellen, hat das Surren ihres Kühlschranks. Sie können sich denken und einige von Ihnen erleben es jeden Tag, dass der Lärm eines Kindergartens nicht mit einem surrenden Kühlschrank vergleichbar ist.”
Wieder nickten die Anwesenden, einige murmelten leise “Ja!” und “Genau!”
“Wie sie wissen, habe ich mit der Unterstützung einiger Mitstreiter vor ein paar Monaten eine erste Linderung erwirkt. Das Amtsgericht hat unserem Antrag zur gänzlichen Schließung im Hinblick auf die Wahrung unseres Rechts auf Ruhe zwar nicht zugestimmt, aber wir konnten immerhin durchsetzen, dass die Kinder ab 12 Uhr im Haus zu verbleiben haben.”
Petersens Hände waren feucht, “Sehr richtig!”, rief jemand. Bis in die Nacht hatte er am Abend zuvor an seinem Schreibtisch gesessen und die Formulierungen für seinen Vortrag wieder und wieder überarbeitet, bis er endlich zufrieden gewesen war.
“Die Maikäfer GbR, als Träger der Kindergärten Maikäfer 1, 2 und 3 in unser aller Nachbarschaft hat, und das das zeigen die von mir dokumentierten Fälle hier an der Wand, jedoch bereits mehrmals gegen diese Auflagen verstoßen, vom Blockieren der Aus- und Einfahrten der unmittelbaren Anlieger einmal abgesehen.”
“Gleich die Polizei holen!”, rief ein grauhaariger Mann in Jackett und Krawatte am Ende des Raumes.
“Ja!”, riefen einige. Fast jeder wandte sich nach seinen Nachbarn, hektisch redete man auf einander ein, Petersen versuchte zu beruhigen.
“Herr Grubner, ich verstehe ihren Ärger, und habe auch von diesem Mittel bereits erschöpfend Gebrauch gemacht, denn auf freundliche Hinweise und Nachfragen reagieren die Leiterinnen sowieso nicht mit Verständnis.”
“Dann muss man denen zeigen, dass man es ernst meint!”, rief ein junger Mann.
“Ich bitte Sie”, versuchte es Petersen, “Im Hinblick auf die TA Lärm haben wir ein gewichtiges Argument auf unserer Seite.”
“Das ist doch gesundheitsschädigend!”, rief eine junge Frau, “Selbst wenn man denen das Rausgehen verbietet, sind immer noch die Fenster und Türen sperrangelweit offen!”
“Einen Denkzettel brauchen die!”, rief ein weiterer Mann.
“Genau!”, kam es im Chor aus dem Zuhörerraum.
“Scheißkinder!”, rief die junge Frau.
“Beruhigen Sie sich doch”, sagte Petersen, “Ich denke, wir sollten unser Vorhaben nur mit der nötigen Emotionalität verfolgen.”
“Sie sagen doch selbst, dass es nichts bringt!”, rief Gruber.
“Her Gruber, ich halte es aber trotzdem für die beste Lösung”, sagte Petersen, “Wir sollten die Sache erneut einem Anwalt übergeben, wir könnten im Endeffekt immer noch einen Sachverständigen mit einer Lautstärkemessung beauftragen.”
“Wer soll denn das bezahlen?”, rief jemand.
“Sofort in Rechnung stellen!”, kam es von hinten.
“Die vorläufigen Kosten werde ich auslegen”, sagte Petersen, “Ich habe auch hier erneut eine Unterschriftenliste bereit gelegt, in der Sie Ihre Unterstützung erklären können. Bitte machen Sie reichlich davon Gebrauch, ich werde Sie dann als Mitstreiter im Verfahren eintragen lassen.”
“Das machen Sie schon richtig Petersen!”, rief Gruber.
Noch über eine halbe Stunde wurde in dem kleinen Bürgerbüro diskutiert, jeder erzählte jedem seine Version der Ruhestörungen, die er erlebt hatte. Einige hatten Fotos dabei, die sie im Stile Petersens genau datiert hatten und reichten sie bereitwillig herum. Die Leute waren aufgebracht, Petersen stand mit seiner Frau in einer Ecke und beobachtete die kleinen Grüppchen.
“Die Presse muss auch noch benachrichtigt werden”, murmelte er vor sich hin.

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