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„I guess my ambition was to make a film that would do for graffiti art what ‘The Karate Kid’ did for martial arts — a film that would get every schoolkid in the world picking up a spray can and having a go…As it turns out, I think we might have a film that does for street art what ‘Jaws’ did for waterskiing.“

Zu erwarten war, trotz des obigen Zitats von Banksy, dass mir die Doku schon irgendwie gefallen würde, schließlich kann ich mich auch für Karate Kid, Liebe zwischen Vampiren und Menschen, Multieffektboards und viele andere Dinge begeistern, die einem Großteil der Allgemeinheit wahrscheinlich sowas von… Dass also nicht nur ich, sondern auch das Feuilleton bereits in überschwänglichen Metaphern applaudiert und die Doku ganz großartig findet, ist umso besser.

Auf der Internetseite zum Film steht, dass es um die “incredible true story how the world’s greatest Street Art movie was never made” geht und falls jemand glaubt, beim “Banksyfilm” gehe es hauptsächlich um Banksy, der mag vielleicht recht haben, aber wird ob der sich größtenteils nicht um Banksy drehenden Handlung ein wenig beunruhigt, doch am Ende keinesfalls enttäuscht sein (toller Satz, so viel Weisheit).

banksy

So dreht sich anfangs erst einmal alles um den französischstämmigen und mittlerweile in Los Angeles lebenden Filmemacher Thierry Guetta. Seit dem Tod seiner Mutter filmt dieser alles und jeden und füllt damit kistenweise Videotapes. Irgendwann beginnt er, seinen Cousin, den Künstler Invader, der Space-Invader-Mosaike überall in Los Angeles an die Wände klebt, bei dessen Touren zu begleiten und rutscht auf diese Weise mehr und mehr als dauerfilmender Protokollant in die aufkeimende Street-Art-Szene. Irgendwann kennt er dann auch die ganz Großen des Geschäfts, so z.B. Shepard Fairey aus den USA, André und Blek le rat aus Paris und viele andere Künstler mehr, er unternimmt ausgedehnte Touren rund um die Welt und sammelt Material für seine große Dokumentation über die Street-Art-Szene, für die jedoch immer noch einer fehlt: Banksy.

Zufällig trifft er ihn dann irgendwann in Los Angeles und begleitet auch ihn seitdem auf dessen Touren durch die Stadt, besucht ihn in seinem Studio in England und Banksy meint später, sie wären so etwas wie Freunde geworden (ein Erlebnis in Disney World hat damit nicht wenig zu tun). Als es mit der Doku dann endlich ernst wird und Thierry merkt, dass er zwar filmen, aber nicht wirklich Filme machen kann, bastelt er ein sehr exzentrisches Werk zusammen, das auch kurz in der Doku angeschnitten wird und man versteht sehr schnell, weshalb Banksy fragt, ob Thierry vielleicht nur “someone with mental problems who happened to have a camera” war und lieber einen anderen Vorschlag macht.

Er schlägt vor, die Seiten zu tauschen, Thierry solle anfangen, Street Artist zu werden, ein paar Sachen machen und eine kleine Austellung auf die Beine stellen, er selbst, Banksy, werde sich um den Film kümmern. Thierry gibt sich den Künstlernamen Mr Brainwash und schon von Anfang an nimmt man ihm sein Gerede über Kunst nicht wirklich ab, nicht, weil es gestellt scheint, sondern weil er zwar eigen erscheint, aber nicht gerade nicht gerade auf Qualität, sondern auf Quantität zu setzen scheint. Er mietet sich ein Studio, besorgt sich Angestellte, die für ihn Drucke erstellen, er kümmert sich allein um die Ideen dafür. So entstehen in kürzester Zeit unglaublich viele Werke, die hin und wieder irgendwie an seine früher noch gefilmten Kollegen erinnern, die geplante Austellung wird größer und ausufernder, bis Thierry schon kurz vorm Scheitern ist und Banksy Hilfe schicken muss.

Exit Through the Gift Shop

Mit dessen Helfern, unter Anderem einer Marketingfirma, die dem Ganzen einen richtigen Hype verpassen, verspricht die Auststellung erst richtig groß zu werden. Und wird es dann auch. Gleich am ersten Tag verkauft Thierry Werke im Wert von 1 Million Dollar und ist aus dem Stand mit der ersten Austellung ein gefeierter Künstler. Gleich mit der ersten Austellung hat er alle seine Kollegen übertroffen, die jetzt hin- und hergerissen auf das Phänomen Mr Brainwash schauen. Der aber freut sich und es wirkt immer, als kriege er von dem ganzen Trubel sowieso nicht viel mit. Sein Cousin kündigt ihm den Kontakt und Banksy sinniert: “I always encouraged people to become an artist and, well, I don’t do that so often anymore.”

In all das, was man vielleicht “Handlung” nennen könnte, sind es doch meist nur kurze Sequenzen und Interviews, eingewoben sind unzählige kleine Anekdoten und Videos von Aktionen aller Art, von Fluchten vor den Ordnungshütern über das Aufstellen von Guantanamo-Häftlingspuppen in Disney World bis hin zum Drucken von Falschgeld, alles dabei.

Aber am Ende bleibt einem nur die Frage: Ist das alles wahr? Ist Mr Brainwash ein zu sehr ausgeufertes Ergebnis des Rollentauschs vom Kameramann und Street Artist oder ist Mr Brainwash, der konstruierte Künstler, vielleicht selbst das Kunstwerk, geschaffen von Banksy, um zu zeigen, wie leicht Öffentlichkeit, Wirtschaft und Kunstszene zu täuschen sind, wenn man nur die richtigen Knöpfe zu drücken weiß? Ist Mr Brainwash ein Künstler, auch wenn er ursprünglich nur auf Anweisung agierte und nicht wartete, bis sich jemand für ihn interessierte, sondern den Leuten das Interesse einfach sehr clever auf zu drägen wusste? Wer soll so etwas entscheiden? Und deshalb sinniert Banksy weiter: “Maybe it means art is a bit of a joke, Mr. Brainwash didn’t play by the rules, he observes, but there aren’t supposed to be rules, right?” Dieses Tanzen auf den Metaebenen macht den Film erst richtig sehenswert, da ereinen  nicht zuletzt mit dieser Ungewissheit zurück lässt und man sich vom ganzen Rest einfach sehr gut unterhalten fühlt.

Ich weiß gar nicht, wann die Doku in Deutschland anlaufen wird, aber sobald dies der Fall ist, werde ich sie mir sicher noch einmal anschauen, es sei denn, es käme jemand auf die Idee, daran herum zu synchronisieren. Bis dahin muss erst einmal meine Aufforderung gelten, sich den Namen des Film zu merken und ihn sich beim plötzlichen Auftauchen in den Kinos an zu sehen, denn man wird nicht enttäuscht werden, ganz im Gegenteil. Und ihr kriegt das auch mit, daran glaube ich.

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