Craig (Keir Gilchrist) ist 16 und besucht eine Schule, in der nur die 800 besten Schüler des Bundesstaates aufgenommen werden. In ein paar Tagen läuft die Bewerbungsfrist für die summer school ab, deren Besuch sich so schön in der Collegebewerbung machen würde und ohne den sein weiteres Leben eher ab- statt aufwärts verlaufen würde, aber Craig fühlt sich alledem mehr und mehr nicht gewachsen. Sein Vater drängt ihn zu Bestleistungen, seine Schwester ist ein kleines Wunderkind und sein Kumpel Aaron scheint in allem immer ein ganze Stück besser zu sein, außerdem ist er mit Nia, seiner heimlichen Liebe, zusammen.
Als Craig sich nun einer Wochenendnacht ausmalt, wie es wäre, von der Brooklyn Bridge zu springen, um all dem zu entfliehen, beschließt er, sich selbst in die Psychiatrie einzuweisen. Zuerst ist das ein wenig schwierig, denn so richtig kann er selbst nicht erklären, weswegen er Zoloft hatte nehmen müssen und was es genau ist, das seine Depression ausmacht, aber am Ende wird er doch aufgenommen. Da die Abteilung für Jugendliche gerade renoviert wird, kommt Craig in die geschlossene Erwachsenenabteilung und schnell bemerkt er, dass die Leute, die er dort trifft, schlimmere Probleme als er selbst zu haben scheinen. Er will wieder entlassen werden, aber fünf Tage Minimum muss er durchhalten.
Gleich zu Beginn seines Psychiatrieaufenthalts lernt er Bobby (Zach Galifianakis) kennen, der sich gern als Arzt verkleidet aus der Abteilung schleicht, um Eis oder Kaffee zu holen und eine heimliche Pizza-Kasse betreibt, weil er das Stationsessen nicht mag. Bobby will nicht verraten, warum er eingewiesen wurde und erklärt, dass er nur Urlaub mache. Als Craig einmal zufällig bemerkt, wie seine Frau und Tochter ihn besuchen und erstere ihn ausschließlich anschreit, weil er sich aus der Verantwortung für sein Kind stehle, erklärt Bobby nur, es sei seine Steuerberaterin gewesen. In Kürze hat Bobby ein Bewerbungsgespräch für ein betreutes Wohnprojekt, in das er aufgenommen werden will, weil er sonst nach seiner baldigen Entlassung obdachlos wäre. Dummerweise hat Bobby nur einen alten Wollpullover und Craig bietet ihm an, sich ein Hemd von seinem Vater bringen zu lassen, das er ihm leihen könnte. Kurz darauf erhält Craig einen Zettel von Noelle, einem ebenfalls 16jährigen Mädchen, das auf Station ist, weil sie sich angeblich mehrmals selbst geschnitten hat.
Craig und Noelle kommen sich ein wenig näher, in der Ergotherapie zeichnet Craig einen Stadtplan, der bei allen Patienten, nicht zuletzt bei Noelle schindet und seine Lust am Zeichnen und Malen weckt. Bobby hatte schon zu Anfang gesagt, er könne nicht verstehen, was Craig mit 16 in einer Psychiatrie mache, wo er doch Spaß, eine Freundin und keine Gedanken an die Zukunft haben sollte. Gleichzeitig scheint aber auch Bobby, der es deshalb zu seiner Aufgabe macht, Craigs Berater in Sachen Noelle zu sein, ziemliche Angst vor seiner eigenen Zukunft zu haben und Craig wiederum versucht ihm diese zu nehmen.
Achtung, das Nachfolgende ist womöglich manchmal ein wenig spoilerig.
Die Geschichte wird aus dem Off von Craig erzählt und so jeweils mit den einzelnen Szenen illustriert. Dort, wo die Szenen an ihre erzählerischen Grenzen stoßen, wird mit vielen schnellen Bildfetzen nachgeholfen, bzw. manche Situation bewusst so überzogen dargestellt, das man möglichst nachvollziehen können soll, wie Craig sie empfindet. Das ist am Anfang, als Craig versucht, eine prägnante Antwort auf die Frage zu finden, warum er depressiv sei, noch sehr gut, aber schon einen Moment später, als ihn die Stationspsychologin fragt, warum er unbedingt in der summer school aufgenommen werden müsse und er darüber sinniert, wie er ansonsten nie bei MTV Cribs oder als Commander in Chief im Weißen Haus landen würde, schon viel zu überzogen. Noch später, als er beim Singen Queens Under Pressure covert und alle Patienten zum Teil seiner Band werden, wirkt es einfach nur deplatziert.
Der Film lebt größtenteils von der Beziehung zwischen Craig und Bobby. Dass nebenbei auch noch eine kleine Liebesgeschichte hinzugedichtet werden musste, mag man dem Hollywoodgeschmack zuschreiben. Aber Keir Gilchrist macht es wirklich gut, diesen zierlichen, verwirrten Jungen zu spielen, dem alles zu viel wird, insbesondere weil er in seiner Zurückhaltung dem großartigen Zach Galifianakis so toll die Bühne bereitet. Bobby, der einerseits immer so lustig und unbekümmert aussieht, aber gleichzeitig viel tiefschürfendere Probleme als Craig hat, ist ein perfekter Partner für den schüchternen Jungen. Da ist es fast schade, dass er am Ende einfach so aus dem Film verschwindet und dieser dafür ziemlich kitschig und in einem riesengroßen Happily-Ever-After-Ende geschlossen wird.
Dass Craig innerhalb von fünf Tagen (Psychiatrie, hallo? Nur 5 Tage? Niemals...), die er auf Station verbringt, nicht nur erkennt, dass sein Herz insgeheim für die Bildende Kunst schlägt und er unbedingt Künstler werden müsse, sondern nebenbei noch die halbe Station selbst therapiert, ebenso wie seinen Freund Aaron und dessen kurzzeitige Ex Nia, ist viel zu viel und tut der Geschichte nicht gut. Man hat wohl versucht, eine Mischung aus eine Teenie-Film à la Easy A (der auch nur in den ersten 30 Minuten gut ist und ansonsten gerade noch von Emma Stone über der Schmerzgrenze gehalten wird) und One Flew Over the Cuckoo's Nest zu basteln, hätte sich doch aber lieber mehr auf eine der beiden Seiten schlagen sollen, als so ein Mash-Up zu schaffen. So wirken die ernsten Teile, insbesondere alles zwischen Bobby und Craig, sehr schön, die lustigen Teile, sobald sie nichts mit Zach Galifianakis zu tun haben, völlig übertrieben. Auch warum Nia in einer Szene einfach mal im Krankenhaus erscheinen muss, um Craig zu verführen, warum Noelle am Ende doch nochmal einen Rückfall kriegen und sich dilletantisch im Gesicht kratzen (es sollen wohl Schnitte sein) muss, wer weiß.
Ich muss zugeben, ich habe das zugehörige Buch nicht gelesen, aber rund 450 Seiten deuten darauf hin, dass Craigs Transformation im Buch viel langsamer und damit glaubwürdiger von statten geht. Dass Craig im Film noch sagt, er sei nicht geheilt, aber er kenne nun seine Probleme, nimmt man ihm auch bei fünf Tagen nicht ab. So wirkt es im Endeffekt manchmal wieder nur wie eine gute, aber nicht außergewöhnliche Coming-Of-Age-Geschichte, die zufälligerweise in einer Psychiatrie spielt und so zufälligerweise durch ein paar ulkige Kranke aufgelockert werden kann. Wie gesagt, ein bisschen mehr in eine der beiden Richtungen, ernst oder teenielustig, wobei Letzteres sicher noch weniger mein Geschmack gewesen wäre, hätte dem Film gut getan. So aber bleibt er immer noch gut, bis die große Glückskeule ausgepackt hat, sogar sehr gut.
6/10
It's Kind of a Funny Story
2010, 101 Minuten
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Ryan Fleck, Anna Boden
Mit: Keir Gilchrist, Zach Galifianakis, Emma Roberts



Kathrin
23. Februar 2011
Danke für die Besprechung!
André
23. Februar 2011
Gerne, rat mal, wo ich von dem Film gelesen habe ;-)