#Interview ad rem 31.2008

In „ad rem“ 31.2008 vom 3. Dezember, Seite 6

Der mit dem Wolf reimt
Der sechste Görlitzer Winterslam wartet in der Mensa mit einer Größe der Szene auf
Von Elena Jung

André Herrmann ist einer der angesagtesten Poetry-Slammer in der deutschen Literaturlandschaft.
Sein Können beweist er immer wieder in Weltstädten wie Berlin, München und Regensburg. Am Mittwoch (3.12., 20 Uhr, Mensa) kommt er nach Görlitz, um beim hiesigen Görlitzer Poetry Slam Konkurrenz, Zuschauer und Kritiker zu beeindrucken. „ad rem“ sprach vorab mit ihm.

Studierst Du oder hast Du studiert? Wenn ja: Was und wo?
Ich studiere in Leipzig im dritten Semester Politikwissenschaft und Philosophie. Weil das aber noch nicht spektakulär genug ist, fahre ich durch die Gegend und lese Texte vor.

Warum kommst Du für einen Poetry-Slam ausgerechnet nach Görlitz?
Vor einiger Zeit rief mich ein freundlicher Mensch (Robin war sein Name) an, schmeichelte mir und versprach Ruhm und Geld für eine Reise nach Görlitz. Außerdem möchte ich Wölfe kennen lernen.

Was erwartest Du vom (studentischen) Publikum in Görlitz?
Hauptsache die Leute kommen zahlreich und sind bereit, sich durch Zusammenschlagen ihrer Handflächen sowie extatisches Aufschreien an der Abendgestaltung zu beteiligen. Für das Studentsein können wir ja alle nichts.

Welche Erfolge konntest Du schon feiern? Und kann man dadurch seinen Rang steigern oder zählt jeder Sieg einzeln?
In der letzten Saison habe ich viele Slams in Deutschland gewonnen und die Rangliste in Sachsen angeführt. Dafür bin ich dann auch beim Grand Slam of Saxony glorreich in der Vorrunde ausgeschieden. Es kommt immer auf jede Veranstaltung einzeln an, man kann in Stadt A mit Abstand gewinnen und dafür in Stadt B kläglich scheitern, das macht die Sache spannend. Und manchmal ein wenig frustrierend.

Wie können Poetry Slams das kulturelle Leben beeinflussen?
Da jeder bei einem Poetry Slam auftreten kann, gebären sie manchmal echte Perlen. Zwischen Literaturkonsument und -produzent ist ja sonst immer so eine riesige Kluft, die bei Slams eben leicht überwunden wird.

Wie hast Du den Draht zur Poesie gefunden und wie hast Du dann mit dem Battlen angefangen?
Geschrieben habe ich schon lange vorher, auf die Bühne gestellt habe ich mich erst zu Beginn meines Studiums und glücklicherweise gleich meinen ersten Slam gewonnen. So kommt man dann natürlich auch nicht wieder los davon.

Kann man sich schon mal auf ein bestimmtes Thema einstellen oder hast Du ein absolutes Lieblingsthema, über das Du immer wieder reimen könntest?
Ich könnte mich immer wieder über die Inkonsequenz von Menschen, mich eingeschlossen, auslassen. Darüber, daß alles immer so herrlich ernst genommen werden muß und dafür aber viel zu viel gegen den Baum gefahren wird.

Was ist Deine Strategie, um die Konkurrenten hier in Görlitz zu schlagen?
Ich dachte, ich würde außer Konkurrenz auftreten? Aber macht ja nichts. Ich werde niedlich aussehen

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