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Ich wollte gerade ansetzen, davon zu erzählen, dass, wenn ich mich nicht wirklich gut unter Kontrolle und mit den Jahren gelernt hätte, nicht jeder x-beliebigen Leidenschaft sofort klein bei zu geben, man muss sich das vorstellen, ein großer Raum, über dreißig Minuten hinweg gefüllt mit Menschen. Ein konstanter Zustrom, der urplötzlich fast gänzlich versiegt und nur durch ein paar Nachzügler dezent aufrecht gehalten wird. Durch die Flügeltüren plätschern sie herein wie warmes Gelee und fließen auf die Bänke, wie durch eine Glaswand magisch getrennt vom Podest unter den schweren Tafeln, was eine Beschriftung in auditorium und orator glücklicherweise obsolet macht. Man sieht sich notwendigerweise gezwungen, eng aufeinander zu hocken und manchmal bereits Intimlichkeiten wahr zu nehmen, die jedem Unterstufenschüler einen feisten Ständer bereiten würden, Körpergerüche und enges Aneinandergequetschtsein, Atemzüge, die zwischen den Nasenhaaren ein ekelhaftes Pfeifen produzieren, grundloses Schmatzen, was gar nicht so unverbreitet ist, Nagelpflege.


Ich setzte einen Fuß vor den anderen, was gemeinhin aus Laufen bekannt und akzeptiert ist und hob schon einmal den Finger, anzukündigen, dass ich eine Bemerkung folgen lassen wollte, da gehen wir zwischen den Säulen entlang, Wolfgang und ich, und ich musste mich innerlich korrigieren, da Wolfgang doch Amerikaner ist, gebürtiger und nur in Deutschland aufgewachsen ist. Ich jedoch, war und bin der Meinung, dass die Geburt in den USA auch den Klang des Namens zu rechtfertigen vermag und korrigierte innerlich wieder zu Wuhfgäng.
Wer weiß, fragte ich mich, was wohl geschehen wäre, wenn ich diese Glanzleistung aus Sozialisation und Disziplinierung nie erfahren hätte und jeder Gefühlsregung unbekümmert spontane Akte folgen ließe. Vielleicht hätte man uns rausgeworfen und wir hätten gar nicht freiwillig gehen müssen, weil es so langweilig war, sondern wären aus dem Saal gezerrt worden, darüber dachte ich nach. Dass diese schrecklich natürliche Absonderung von stinkendem Wasser, wie ich bereits sagte, nun einmal leider natürlich ist, schrecklich natürlich, aber dass die Aufgabe der Sozialisation und Disziplinierung seit jeher darin bestanden habe und zu bestehen hat, jedwede zusätzliche Belästigung der eigenen Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren, wenn nicht gar gänzlich zu tilgen.
Es muss doch nicht sein, dachte ich, dass man so etwas tut, dachte ich und schob den Gedanken zur Seite, um mich wieder gänzlich auf meinen Wuhfgäng konzentrieren zu können. Ich sog ein wenig Luft durch meinen Mund in meine Lungen und achtete beflissen darauf, dabei keinen Ton von mir zu geben und wollte gerade beginnen, davon zu erzählen, denn bestimmt hatte Wuhfgäng gar nichts davon mitbekommen, von dieser Schweinerei, wahrscheinlich haben es viele nicht einmal mitbekommen, was es dennoch lange nicht gut macht, denn nur, weil etwas geheim ist, ist es noch lange nicht gut, das wäre eine zu simple Logik, dachte ich und es regte mich noch immer auf.
So gingen wir durch die Säulenhalle, vorbei an den vielen, die sich hier die Zeit vertrieben, sich aufs mittägliche Essen oder auf Referate vorbereiteten und dabei stets gebannt ihre registrierenden und stempelnden Blicke auf alle Vorbeieilenden hefteten. Mein Finger befand sich noch immer in der Luft und langsam schlug uns die Kälte von draußen entgegen, in dünnen Ausläufern rannte sie ins Gebäude, wurde aber bereits nach ein paar Metern von der Wärme zu Boden geknüppelt, denn die Türen gingen ständig auf und zu und drinnen würde bestialisch geheizt, und ich wollte gerade beginnen, es zu erzählen, als uns plötzlich ein Typ fragte, ob wir nicht einen Ferienjob als Flyerausträger bräuchten und Wuhfgäng schnarrte, dass Arbeit einfach scheiße sei.

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