Weil sich Alex und Marie in Ruhe auf ihr Examen vorbereiten wollen, fahren sie zu Alex' Eltern aufs Land. Erst spät abends kommen sie bei dem abgelegenen Haus an, sodass sie die Alex' Vater, Mutter und ihren kleinen Bruder nur kurz begrüßen, etwas essen und danach gleich ins Bett gehen. Während Alex längst schläft und Marie noch Musik hört, bemerkt sie irgendwann das Näherkommen eines Autos. Ein alter Lieferwagen hält direkt vorm Haus, die Scheinwerfer auf die Haustür gerichtet. Heraus steigt ein Mann in Arbeitskleidung und klingelt Sturm. Als Alex' Vater öffnet, kann Marie von ihrem Zimmernfester aus sehen, wie der Unbekannte durch das Sichtfenster in der Haustür auf Alex' Vater einsticht. Der Mann verschafft sich Zugang zum Haus, erledigt den Vater endgültig und trennt ihm mit einer Kommode anschließend den Kopf ab.

In voller Angst beginnt Marie, ihr Zimmer so herzurichten, dass es aussieht, als wäre es unbewohnt und versteckt sich unter dem Bett. Als der Killer Maries Zimmer inspiziert, scheint er zwar zuerst noch misstrauisch zu sein, aber dann lässt er ab und widmet sich den übrigen Bewohnern des Hauses. Marie schleicht sich nach unten und findet Alex angekettet und geknebelt in ihrem Zimmer. In der Hoffnung, ein Telefon zu finden, rennt Marie ins Schlafzimmer der Eltern, muss sich dort jedoch im Wandschrank verstecken, weil der Killer vorbei kommt. Auf diese Weise muss sie mit ansehen, wie Alex Mutter umgebracht wird. Ihr kleiner Bruder rennt währenddessen panisch aus dem Haus, aber der Killre folgt auch ihm und erlegt ihn buchstäblich in anliegenden Maisfeld. Als Marie es nicht schafft, Alex zu befreien, zerrt der Killer sie schließlich in seinen Lieferwagen. Marie, die sich längst mit einem großen Messer bewaffnet hat, schleicht sich in einem unbeobachteten Moment ebenfalls in den Wagen und hofft, den Mann so noch vor der Abfahrt selbst umbringen zu können, wird aber kurzerhand und ohne Wissen des Mannes einfach mitgenommen.


Direkttension

An einer Tankstelle hält der Killer, um seinen Lieferwagen zu betanken und Marie gelingt die Flucht. Sie versucht, den Mann an der Kasse davon zu überzeugen, dass der Mann in den Arbeitsklamotten ein Killer ist. Als dieser herein kommt, ist die Stimmung angespannt. Da er es noch nicht geschafft hat, die Polizei zu rufen, muss er den Killer irgendwie abwimmeln, aber dieser ist gerade in Plauderlaune und wittert, was gespielt wird, sodass auch der Tankstellenwart mit einer Axt im Bauch endet. Als Marie daraufhin in der Tankstelle ausharrt, bis der Lieferwagen davon fährt, versucht sie, die Polizei zu alarmieren, kann aber nicht erklären, wo sie sich befindet. Deshalb greift sie zu dem Autoschlüsseln des Tankwarts und nimmt selbst Verfolgung auf.

Am Anfang dachte ich: "Ok, ja, so darf ein New French Extremity-Film beginnen, mit zwei singenden Mädchen im Auto auf der Fahrt zu den Eltern des einen." Dann sah ich den Lieferwagen, in dem dessen sich von einem abgetrenten Frauenkopf einen blasen ließ und ich dachte: "Ok, könnte lustig werden." Dann wurde es dunkel, die Mädchen fuhren plötzlich durch ein Maisfeld und ich dachte: "Och nö, nicht das jetzt." Dann hielten die Mädchen tatsächlich, weil eine der beiden angeblich etwas gehört hatte und das andere Mädchen blieb mutterseelenallein im Auto zurück und ich dachte: "Nein nein nein, bitte nicht, warum solch ein Quatsch?" Dann ging das zweite Mädchen das erste suchen, rannte auch ins Maisfeld und ich dachte: "Meh, meh meh!" Aber dann, ein paar schnelle Schnitte, beide Mädchen wieder da und ich dachte: "Ach! Die eine hat die andere nur verarscht! Zum Glück!"

Es wäre auch sehr schade gewesen, wenn sich High Tension mit diesen Horroklischees rumgeplagt hätte, fand ich ihn doch eigentlich ganz gut. Neu war mir jedenfalls, dass ein Film so oft und so offensichtlich auch solche Klischees persifliert. Aus dem Stehgreif würden mir direkt drei Szenen einfallen, bei denen jeder denkt: "Ahja, ok, das wird also in den nächsten 30 Minuten passieren." Aber zum Glück passiert genau das nicht. Natürlich, man wird sich ausrechnen können, dass bei einem Horrofilm Blut fließen und es sich ums Verstecken, Quälen, wasweißich drehen wird, aber wenn dabei heutzutage wenigstens die absoluten Standardwandungen großräumig umfahren werden, dann bin ich schon einmal sehr dankbar.

Was High Tension von vielen Horrofilmen abhebt ist, dass die Schauspieler wirklich gut spielen, dass man ihm einen guten Soundtrack verpasst hat und vor allem Anderen: dass er über eine Wendung verfügt. Keine weltbewegende, unglaublich neue, keine Mehrfachwendung wie bei Martyrs, aber doch eine solche, die zumindest mich dazu gebracht hat, noch einmal meine Meinung zu Film zu ändern, sodass ich ihn in dieser Form ziemlich gut finde.

Inwieweit der Film zur New French Extremity zu zählen ist, ist sicherlich streitbar. Ich würde ihn auf jeden Fall dazu zählen, obwohl klar ist, dass er eher einer der seichteren und massenpublikumsverträglicheren Filme dieser Sorte ist. Schon ziemlich aufs große Kino getrimmt, scheint er zu sein, wenn man auch am Ende noch einmal, so sieht es zumindest aus, alles loslassen wollte, was man sich nur vorstellen konnte. Und das ist wirklich sehr gut, gerade da sonst größtenteils auf typische Body-Horror-Elemente verzichtet wird und die Kämpfe fast ein wenig alt-horrorhaft daher kommen, von wegen "übermächtiger Killer macht kurzen Prozess mit möglichst vielen Opfern". Aber all das relativiert sich dann schnell wieder, wenn die Wendung passiert ist und man all das noch einmal in anderer Perspektive sieht. Ich für meinen Teil war hin- und hergerissen, am Anfang noch gar nicht so gut auf den Film zu sprechen, jetzt würde ich seine IMDB-Wertung von 6.8 durchaus unterschreiben.

High Tension
2003, 91 Minuten
Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Alexandre Aja, Dean R. Koontz
Mit: Cécile De France, Maïwenn Le Besco, Philippe Nahon

7 Kommentare

Sag der Welt deine Meinung

Ich liebe Kommentare! Bitte lass dich nicht davon abhalten, mich zu beglückwünschen oder zu kritisieren. Falls du das nicht öffentlich tun willst, schreib mir einfach eine E-Mail. Ich freue mich immer über Post, außer es geht um Penisverlängerungen: post [at] andreherrmann [punkt] de

Connect with Facebook


 
Mehr aus Kritikaster