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Hello Chicago!

18. Juli 2012, Reise Reise

 

Tipp: Wenn du um 4 Uhr aufstehen musst, um rechtzeitig am Zug und damit wiederum rechtzeitig am Flughafen zu sein, um deinen 9-stündigen Flug in Richtung USA zu bekommen, dann geh nicht erst um 2 Uhr morgens ins Bett, weil du unbedingt noch diesen Horrorfilm gucken musst.

Aber gut, wir sind also in Chicago (gesprochen„schikaaaahgoe“ mit stummem i). Warum? Weil wir Ende 2011 die Ehre hatten, die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften im Team zu gewinnen und zur Belohnung einmal in die Mutterstadt des Poetry Slams dürfen. Und insofern ich dazu in der Lage bin, schreibe ich hier davon.
Wir sind eine Woche in Chicago, 2 Tage in Detroit, 3 Tage in Toronto, 2 Tage irgendwo und abschließend eine Woche in New York. Das wird sicher lustig.

In den Nachrichten hat man ja häufiger gelesen, dass es in den USA gerade mörderisch heiß sein soll. Aber weil Teamkollege Julius in Bezug auf etablierte Nachrichtenmedien eher skeptisch gepolt ist, hat er sich vorsichtshalber doch seine Winterklamotten angezogen. Großer Fehler.

Der Flug war ganz okay, wenn auch auf Grund unendlich enger Sitze etwas unbequem. Außerdem kicherten die Stewardessen dauernd, wenn ich „a coke“ bestellte. Und auch mein Fensterplatz war eher unspektakulär, weil es in erster Linie kalt war und die sechs Stunden Flugzeug über dem Ozean aussichtsmäßig keine großen Erkenntnisse als „oh, guck, der Ozean ist auch nach 2 Stunden noch blau!“ hergeben.

Dafür gab es in jedem Flugzeugsitz ein kleines Entertainmentsystem, sodass ich große Teile der neunstündigen Flugzeug mit dem Soldaten James Ryan, Toy Story 3, Der Pate, Braveheart, sowie Bowling- und Pokerspielen verbrachte. Ich hätte auch mal länger als eine Stunde schlafen können, ja. Wäre vielleicht auch cleverer gewesen. Aber dann wäre es ja nur halb so spannend, pünktlich nach der Landung um 15 Uhr Ortszeit festzustellen, dass es für den eigenen Körper gerade 23 Uhr ist. Und man sicher nicht 4 oder 5 Uhr ins Bett kommt.

Die Great Lakes sind ein bisschen wie der Atlantik: Sehr groß, von oben betrachtet ziemlich blau und am Rand etwas heller. Das besondere an Chicagos shore ist, dass sie nahezu unbebaut ist und die Straße durch etwa 100-300 Meter Grünfläche getrennt ist. Das geht zurück auf einen netten Großkapitalisten (was es nicht alles gibt), der anno dazumal alle potentiellen Investoren mit der Mistgabel davon abgehalten hat, dort etwas hinzubauen. Heute befinden sich am Seeufer haufenweise kostenlose Sportstätten und wunderbare beaches.

Sei’s drum. In Chicago ist es unendlich heiß. Knapp unter 40 Grad am Tag, nachts gerade mal 4-5 Grad weniger. Man erlebt tagsüber mindestens 35 Hitzeschocks, weil dank Klimaanlagen in jedem Laden, jedem Auto und jedem Restaurant geschmeidige 18 Grad herrschen, es aber keine Klimaanlage gibt, die die 38 Grad Außentemperatur senken könnte.

Knuffige und dank der Klimaanlagen dauerhaft summende Häuser in Chicagos äußeren Stadtvierteln. Dank dieser lustigen Würfel, die wie im Film überall aus den Fenstern ragen, herrschen beim Tippen dieser Zeilen mollige 20 Grad und mein Umwelt-Karma befindet sich auf einem Allzeit-Tief. Auch habe ich bisher noch kein Auto gesehen, dass man bei uns als Kleinwagen bezeichnen würde.

Die harten Fakten: Chicago hat 2,8 Millionen Einwohner in der Kernstadt, 9,5 Millionen Einwohner in der Metropolregion. Der O’Hare Airport der drittgrößte Flughafen der Welt, obwohl er dafür erstaunlich gut organisiert ist. Wir wohnen in Andersonville, einem Stadtviertel, das früher maßgeblich von schwedischen Einwohnern bewohnt wurde und heute, so sagt man, das Schwulen- und Lesbenviertel ist. Der größte Teil der Stadt besteht aus kleinen Häusern oder kleinen Appartmentblocks, erst in der City wird es dann richtig groß. Teuer ist irgendwie überall, obwohl es da Unterschiede gibt.

Es gibt hier tatsächlich diese tollen Billboards. Und darauf gibt es oft lustige Werbung für allerlei komisches Zeug. Hier zum Beispiel kann man durch Wurst-Essen die amerikanischen Streitkräfte unterstützen.

Und da wir nach der Ankunft so unendlich müde waren, fiel die erste Rundfahrt mit Marc auch nur kurz aus. Hier mal ein Blick auf das fantastische Seeufer, da mal an den Wolkenkratzern vorbeigefahren, hier mal ein paar Stories zu einem Pizzaladen („Wenn du dich früher mit einem Mädchen verabredet hast, seid ihr hundertprozentig hierhin gegangen. Heute geht hier kein echter Chicagoer mehr hin.“) oder dem Navy Pier („Früher ist jede Familie einmal im Sommer dort rausgefahren, einmal den Pier rauf und runter gelaufen und dann wieder nach Hause. Heute ist dort alles neu. Wir freuen uns, wenn die deutschen Touristen dort hingehen und Geld ausgeben. Wir gehen dort nie hin.“).

Unsere kleine Backalley in Andersonville. Sehr hübsch hier. Laut Marc waren die Straßen früher ein bisschen belebter. Überall Baseball spielende Kinder und so weiter. Aber da gab es ja auch noch kein Facebook.

Danach ein kleines großes Wiedersehen mit den Boys von Allen Earnstyzz am Logan Square, laut Marc das momentane In-Viertel Chicagos. Die AE-Jungs sind schon seit einer Woche in der Stadt. Ihr Eindruck: Alles total super, aber man sollte am besten reich sein und sich nicht um die Ausgaben scheren müssen. Trotzdem gab es dann echtes amerikanisches Essen (d.h. mexikanisch) und anschließend unsere erste echte amerikanische Party (d.h. wir haben uns beim 7-eleven eine Cola gekauft und sind dann ins Bett gefallen.)

Ein besonderes Merkmal der Wolkenkratzer ist, dass die sehr hoch sind, es aber noch keiner von ihnen geschafft hat, tatsächlich an einer Wolke zu kratzen. Leider habe ich noch keine Ahnung, was die Menschen in diesem Tower hier so machen, aber das finde ich noch raus. Immerhin sind wir erst seit ein paar Stunden hier.

Am Mittwoch beginnen unsere Proben. Wenn wir denn bis dahin überhaupt wieder aufgewacht sind. Wie es aussieht, werden wir wohl mindestens drei Auftritte in Chicago haben. Aber dazu später mehr. Famoserweise haben wir Dan und Tim alias Death from Below als Probenpartner zugeteilt bekommen.

Sieht ein bisschen so aus wie bei Batman Begins und The Dark Knight, hm? Die beiden Filme wurden ja auch in Chicago gedreht.
Die Fun Facts: In Chicago gibt es den einzigen auswärtigen polnischen Fernsehsender, da in und um Chicago 1 Millionen polnischer Einwanderer leben. Chicagos Fluss, der Chicago River, fließt rückwärts, was auch immer das heißen soll. In Chicago gab es das erste Riesenrad (1893), den ersten Wolkenkratzer (1885) und die ersten Inliner der Welt (1884).

Logan Square. Laut Marc Hipsteradresse Nummer 1 in Chicago. Erstaunlicherweise habe ich bisher kaum Graffiti n der Stadt gesehen. Dafür ist aber jede zweite Laterne von Guerilla Knittern vollgestrickt worden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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