“Erst wo unerwartet etwas Selbstverständliches mißlingt, wo der Bleistift abbricht, die Tür nicht aufgeht, die gesunde Kraft eines Morgens versagt, da zieht die unerwartet einbrechende Widrigkeit das Aufmerken auf sich. Man ‘ärgert sich’ und übersieht auch weiterhin das selbstverständliche Gelingen als solches, als nicht Selbstverständliches. Das gewohnte, gewöhnliche Leben ist ‘undankbar’, weil ohne ausdrückliche Hinnahme des Guten. Freilich ist das nötige Einspringen der Aufmerksamkeit gelegentlich des Versagens von Gewohnheiten nicht ihre einzige Funktion, wie behauptet worden ist, sondern wieder nur Ausnahme und gerade darum ärgerlich. Denn eigentlich habe ich als planend Handelnder jeweils ‘etwas Besseres zu tun’ als Bleistifte anzuspitzen oder zum Arzt, zum Schlosser zu laufen. Ärgerliche ‘Störungen’ sind immer ‘so unnötig’. Der sprechende Mensch in seiner ungeduldigen zugespitzten Aufmerksamkeit auf das Bessere übersieht das Gute.”
Wilhelm Kamlah: Der Mensch in der Profanität.
Aufgabe für heute: Etwas zum Freuen finden.













