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Heute wurde das Unwort des Jahres in Köthen (Sachsen-Anhalt) bekannt gegeben. Grund der Abweichung von Frankfurt am Main ist der Geburtstag der wieder gegründeten Fruchtbringenden Gesellschaft, die schon vor 390 Jahren unter ihrem damaligen Oberhaupt, dem Fürsten Ludwig von Anhalt-Köthens, entgegen der Verunstaltung der deutschen Sprache wirkte.

So richtig scheinen wir aber von eher politisch, bzw. wirtschaftlich angehauchten Begriffen nicht weg zu kommen. Spiegel Online schreibt, dass 2.247 Zuschriften und 1.130 Vorschläge bei der zuständigen Jury eingegangen sind. Beträchtlich, wenn jede Antwort anscheinend doppelt eingereicht worden ist.

«Freiwillige Ausreise»

heißt nun das neue Wort, eher die Wortgruppe, bei der man in Zukunft aufhorchen und wissend schmunzeln muss. Der Begriff scheint vielleicht harmlos, aber es ist schon nicht schlecht, was genau man unter ihm versteht:

Ist man beispielsweise aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen, droht einem hier die Abschiebung und möchte man auf keinen Fall zurück in sein Herkunftsland, so ist dieser Begriff ziemlich fehl am Platze. Genau auf diesen Fall gründet sich die Wahl des Wortes zum Unwort. Es ist zweifelhaft, wie freiwillig eine Ausreise noch ist, wenn man sowieso keine Wahl hat und nicht in Deutschland bleiben kann. Man räumt höchstens das Feld selbst, bevor es von Anderen geräumt wird.

Dennoch, um das klar zu machen, wird bei «Freiwilliger Ausreise» keine Einreisesperre nach Deutschland verhängt. Zudem kann man unter Umständen das Ausreiseland wählen, muss also nicht in die Heimat zurück. Bei einer Abschiebung hingegen geht es direkt nach Hause, mit Einreisesperre.

Es lohnt sich zusätzlich, mal den Blick nostalgisch über die vergangenen Unwörter, die natürlich immer noch solche sind, schweifen zu lassen:

[2005] Entlassungsproduktivität

[2004] Humankapital
[2003] Tätervolk
[2002] Ich-AG
[2001] Gotteskrieger
[2000] national befreite Zone
[1999] Kollateralschaden
[1998] sozialverträgliches Frühableben
[1997] Wohlstandsmüll
[1996] Rentnerschwemme
[1995] Diätenanpassung
[1994] Peanuts
[1993] überfremdung
[1992] Ethnische Säuberung

[1991] Ausländerfrei

Mehr Informationen, auch detailierte Erklärungen und die jeweils hervorgehobenen Wörter des jeweiligen Jahres gibt es auf der Seite des Unworts des Jahres. Sehr interessant, ganz lustig, aber auch bedenklich. Man hebt ja nicht umsonst mal wieder den Zeigefinger.

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