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Man kann dabei zusehen. Und wenn man wenigstens möglich beisteuert, sondern einfach nur dasitzt, dann bruacht man nur darauf zu warten. Die Sonne verabschiedet sich langsam in Richtung der südlichen Hemisphäre, wo sie die Nacht über nach dem Rechten sehen und den dort Lebenden den Weg leuchten wird. Hinterlassen tut sie dabei nur ein bisschen Wemut. Keiner der Anwesenden ist schon betrunken genug, um nicht mehr an gute, alte Zeiten und ehemalige Freunde nachdenken zu müssen, alle klammern sich noch an die verschiedensten Alkoholika, in der Aussicht, wenigstens die Bilder in ihrem Kopf ein wenig verwischen, wenn schon nicht zerstören, zu können.

Auf den Stufen zum Haus sitzen drei abgemagerte Katzen, die dem Treiben mit der Ahnungslosigkeit eines Tauben und Blinden oder mit der Ruhe eines Erleuchteten beiwohnen. Die Reflektionen in ihren Augen jedenfalls lassen sie so aussehen, als wüssten sie etwas von dem, wonach wir suchen und das uns auch so leichtfüssig wie sie herumschleichen und genießen ließe. Nicht einmal, wenn man zusammen oben steht oder unten angekommen ist, wird allen vielleicht noch während des Abends klar, ist man wirklich gemeinsam dort. Jeder ist immer noch für sich allein an seinem Platz und hat damit zu kämpfen, sich auch noch dort stehen sehen zu können. Vielleicht sahen sie die Verstorbenen, deren verblassendes Bild sich jeder im Gespräch noch einmal vorzustellen versuchte, quicklebendig mit am Tisch sitzen und einfach nur zuhören.

Dabei war es ein schöner Abend gewesen. Irgendwann, vielleicht schon beim nächsten Mal, müsste jemand eine Kamera mitbringen und Momente einzelnen auf Film oder Festplatte bannen, damit man sie nur noch nach Bedarf durchzuspielen hat. Guten Tag, gut, nein, danke ja, sehr gern. Bisher war noch niemand auf diese Idee gekommen. Wenigstens die ruhige Gewissheit, dass sich nichts verändert, wird alle davon abgehalten haben, auf soetwas zu kommen.

Die dennoch verschiedenen Lebensanschauungen aber, die am Esstisch aufeinander trafen und so friedlich latent schmatzend beieinander hockten, konnte man schon an der Anordnung des Essens auf den Tellern erkennen. Eine Dame hatte ihren riesigen Hut gar nicht abgenommen, aus Angst, er könne entweder kaputtgemacht oder nicht mehr zu sehen sein, schließlich war er sehr teuer gewesen. Das konnte ruhig jeder wissen. Vor sich hatte sie eine gekünstelte Anordnung kleiner Häppchen, die sie einzeln langsam und gespielt genüsslich in ihren Mund schob, wobei sie mit Bedacht alle Anwesenden mit ihren Blick darauf aufmerksam zu machen versuchte.

Einige Reihen weiter gab es die Ordnungshüter, die ihre Teller streng in Kalo-\\rien-, Geschmacks- oder Zeitzonen aufgeteilt hatten und sich jetzt Stück um Stück dem Regelwerk nach dem auf der letzten Seite beschriebenen Sättigungsgefühl näherten. Und wenn sie sich eine kleine Verletzung ihres Spiels erlaubten, dann schauten sie mit verächtlichem Lächeln zu den Restlichen hinüber, die irgendetwas auf ihren Teller geladen hatten und nun einfach nur fraßen.

Am Ende waren sich wirklich alle einig. Es war ein schöner Abend. Beim nächsten Mal bringen wir die Videokamera mit.

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