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Beim Einkaufen, kurz bevor der Konsum seine nahrungsspendenden Pforten schließt – gerade in Leipzig, wo es die Leute mit der Wende nicht eilig genug haben konnten, heißt eine Supermarktkette “Konsum” – die überbordende Traurigkeit des Abends genossen. Durch die Lautsprecher zerrt sich Gary Jules’ Mad World (Ja, ja, Cover von Tears for Fears.) und alle schleichen ganz langsam durch die Gänge, immer auf der Hut, ja keinen Laut dabei von sich zu geben. Draußen glitzert der Schnee vor sich hin und man bekommt spontan Lust, sich den Namen der Verkäuferin mit der rauchigen Stimme in den Arm zu ritzen, unterlässt es aber, um die Arbeit der armen Azubine nicht noch zu mehren. Die Fleischthekenfrau schaut missmutig auf ihr Fleisch, als würde sie überlegen, ob sich die Schweinerücken auch in Tränen noch verkaufen lassen. Die Bäckersfrau hockt in ihrem Hinterzimmer und weint wahrscheinlich lautlos vor sich hin. Nur an der Kasse rempelt eine ausgfranste Frau gegen die verstoßenen Weihnachtssüßigkeiten, ob derer Mitnahme sich beim letzten Feste niemand erbarmen konnte. Man hat das Gefühl, sie in ihren Vakuumpackungen schluchzen zu hören. Sie rempelt, dass es kracht und entschuldigt sich hilfesuchend: “Nisch ernst nehmen, isch hab een anne Klatsche!” Und man schaut betreten weg und versteht es. “The dreams in which I’m dying are the best I’ve ever had.” singt Gary und die Dame vom Zeitungsstand schaut wehmütig auf die Zigaretten, mit denen sich doch so viele hätten die erleichternden Schmerzen zufügen können. Ich bezahle und wünsche mir fast, mir auf den spiegelglatten Fliesen im Eingangsbereich, aus dem sie jetzt extra die rutschmindernden Läufer entfernt haben, einen Oberschenkelhalsbruch zuzuziehen. Rein aus Mitgefühl. Aber nichts passiert. So grausam ist die Welt.

Mein erstes eBook ist da!
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4 Kommentare!

Einkaufen kann manchmal „anders“ sein. Wie ich in deinem Blog gerade festgestellt habe. E ist eine sehr nette Geschichte und wirklich gut geschrieben. Ein kleines oder auch etwas größeres Lob von meiner Seite.

Was ich noch sagen möchte. Ich glaube nicht, dass du dir wirklich einen solchen Oberschenkelhalsbruch wünschst. So was ist sehr schmerzhaft und sicherlich nicht sehr gesund. Und wer will schon freiwillig solche Schmerzen aushalten? Und eine OP durchstehen. Meins wäre es nicht.

PS: Die Welt kann sehr schön sein, wenn man positiv denkt.

Mag sein, aber das zu sehen wurde ich wohl nicht gemacht.

PS.: Hab den Link entfernt, auf solche Fake-Adressen reagiere ich allergisch.

Herzallerliebst.

Danke für die anmutende Story. So richtig schön traurig beschrieben und gemacht. War sicher mal eine ganz andere Erfahrung des Einkaufens. Sowas finde ich schon interessant, aber auch traurig. Und nicht jeder kann immer nur positiv denken, es gibt schließlich genügend Schlechtes auf der Welt. Ich hoffe dennoch, dass du dem Leben noch ein paar positive Seiten abringen kannst.

Auch der Link ist weg.

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