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Und trotzdem geht man jedes Jahr aufs Neue wieder hin, auch wenn es jedes Jahr weniger zu hören gibt und es jedes Jahr bitterer wird, die Leute, besonders die Mädchen, bei den Jungen hat man sich damit schon lange abgefunden, zu hören, wie sie sprechen. Dieses “Muss ja!” und “Ich fahr jeden Tach mit’n Auto hin. Is ja och allet so teuer jewordn!”, bei dem man genau weiß, dass es so jetzt bleiben wird, eine lange Zeit so bleiben wird, das sich aber genau jetzt schon anhört, als seien sie die geworden, die sie vormals nie hatten werden wollen. Bis sie dann alt genug sind und über die Jugend (“Hör mir uff mitte Jurend! Alle keen Respekt mehr!”) herziehen können. Dieses Feierabenddeutsch, mit dem sonst nur am Tresen in der Kneipe geliebäugelt wurde.

Es gibt nichts zu bereden und dennoch wird gesprochen. Aus Frustration Bier, reichlich Bier. Viele machen es richtig und kommen schon gar nicht mehr. Waren schon die letzten Jahre nicht mehr da. Und man vermisst sie irgendwie. Es ist schon eine Art Masochismus, den man jedes Jahr braucht, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Sich jedes Jahr gegen Ende noch einmal fein verletzten zu lassen mit dem, was sie so erzählen und dem, was man dagegen hält, mit dem gegenseitigen Unverständnis, das aber von den meisten schon längst nicht mehr zu Tage getragen wird, “sinn’ ja schließlich erwachsen, heh?” Und den ganzen Leuten, jedes Jahr mit weniger von ihnen zu sprechen, sie nur noch zu kennen und freundlich “Tahaag!” zu sagen. Dazu die Kinder, die jetzt kommen. Mit noch mehr Fragen: “Und, bei dir so?”, komisch gucken, “Wie, ‘bei mir so’?”, “Na, so, weißt schon.”, drauf einsteigen, “Läuft.”, “‘s immer jut!” Dann gehen und sich fragen, ob man im nächsten Jahr wieder kommen soll. Nur wie könnte man nicht, wenn sich dadurch nicht die Möglichkeit eröffnen würde, plötzlich auf jene zu treffen, die man eigentlich nur aus einem unergründlichen Interesse wiedersehen will, nicht aus irgendeinem Wunsch. Nur um, ja, dagegen halten zu können und um zu spüren, dass man noch am Leben ist. Pervers.

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