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Erst am Freitag hat Gauner davon zu berichten gewusst, wie seltsam und aufregend zugleich es ist, die Interpretation eines eigenen Textes zu hören. Bisher kam ich leider nicht in den Genuss, aber jetzt ist es soweit: In der Rede zur Verleihung des Michael-Lindner-Preises 2009 steht etwas, das man vielleicht als (weit gefasste) Interpretation eines Textes von mir interpretieren könnte. Aber lest selbst:

Solche hochfliegenden epistemischen und ästhetischen Probleme sind dem Siegerbeitrag von André Herrmann „Wenn’s ein Titel ändern würde“ eher fremd, auch wenn sein Text enorme Weltkenntnis behauptet. Auch wenn in seiner Machart das Wissen des Autors um moderne Textverfahren, wie sie in esoterischen Literaturseminaren verhandelt werden, sichtbar wird. Den Ballast von Theorie jedoch wirft er von sich. Er besteht darauf, dass wir zunächst Subjekte sind, die in der Wirklichkeit handeln, die sich miteinander auseinander setzen müssen, er besteht darauf, dass Sprache vielleicht doch nicht so fragil ist, wie manche glauben mögen, weil sie ja als Werkzeug alltäglich zum Einsatz kommt. Befehlen, Danken, Bitten, aber auch Spotten und Darstellen (nicht zuletzt sich selbst darstellen), das alles kann die Sprache, dazu benutzen wir sie. Literatur ist eine Fortsetzung dieser Praxis. Sage mir, dass die Sprache nicht taugt etwas in ihr darzustellen und dann erzähle, wie Du es mir sagen willst, so möchte man es André Herrmann in den Mund legen. Den Wirklichkeiten in seinen Texten sollen wir vertrauen, wie wir einem Mitmenschen vertrauen, aber auch manchmal nicht vertrauen.

Enorme Weltkenntnis – esoterische Literaturseminare – Theorieballast – keck – frech – down to earth (zugegeben: die letzten drei Stichworte habe ich hinzuerfunden).

Dazu passend vielleicht: Susan Sontag – Against Interpretation (Dankeschön dafür!)

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