
Update: Großartig, einen Hinweis auf diesen Text gibt es nun auch auf bud-spencer-tunnel.de, vielen Dank!
Liebes Internet,
bitte mach, dass der neue und bis dato teuerste Tunnel Baden-Württembergs Bud-Spencer-Tunnel heißen muss. Einerseits, weil es ein wirklich wohlklingender Name ist und Bud Spencer eigentlich nicht nur einen Tunnel, sondern mindestens eine rocky-mäßige Statue kurz vorm Brandenburger Tor verdient hat. Weil Bud Spencer der Filmheld meiner Kindheit ist und ich bis heute fest daran glaube, dass dieser Mann alles kann. Weil in meiner Familie allein mein Opa mütterlicherseits die Qualität eines guten Bud-Spencer-Films zu schätzen weiß. Und weil es andererseits ziemlich lustig wäre.
Ja, lustig ist ein Kriterium. Warum nicht? Gehört es definitorisch zu Straßen, Brücken und Tunneln, dass man sie immer besonders nichtssagend benennen muss, d.h. je weniger man etwas mit dem Namen anfangen kann, desto besser? Ist es notwendig, die eigene Umgebung immer möglichst langweilig zu gestalten? Das hat ja schon bei Graffiti niemand verstanden. Dass es schön ist, durch die Gegend laufen und dabei etwas sehen zu können. Nicht nur ein Ziel im Auge zu haben, sondern auch den Weg dorthin wahrnehmen zu können.
Wie schön wären die stolzen Anrufe bei den Liebsten, während man gerade den Bud-Spencer-Tunnel durchführe. Wie trophäengleich die Bilder, die eifrige Pilger mit stolz geschwellter Brust vor dem Tunneleingang von sich machten. Jedem Menschen, dem Bud Spencer imponiert hat, der sich beeindruckt zeigt von einem Idol der Popkultur, wüchse abseits des Baumplanzens, Hausbauens und Kindzeugens automatisch ein weiteres Ziel im Leben: einmal am Bud-Spencer-Tunnel gewesen zu sein.
Man könnte die ganze Aktion, dass die Stadt Schwäbisch-Gmünd online und offen Namensvorschläge für den blöden neuen Tunnel entgegen nimmt, worauf ein findiger Mensch auf den Namen Bud-Spencer-Tunnel kommt, jemand Anderes einen Aufruf bei Facebook postet und im Nu dieser Vorschlag weit vor allen anderen liegt, als bösen Online-Flashmob bezeichnen und den Gemeinderat Schwäbisch-Gmünds in die Opferrolle drücken, natürlich. Man könnte das Ganze aber auch Begeisterung der Vielen nennen, die das Rückrat des Gemeinderats wie ein Streichholz brechen lässt. Wie viele Stimmen wären wohl ohne den Bud-Spencer-Vorschlag zusammen gekommen? Und wie froh hätte man sich anschließend auf die staubigen Schultern geklopft, dass man so herrlich die Bürger an der Namensfindung beteiligt hat?

Dass man den Bud-Spencer-Vorschlag trotz seines enormen Stimmenvorsprungs nicht für voll nimmt, zeigt eigentlich nur, dass man es mit der Bürgerbeteiligung nur so lang ernst meint, wie das Ergebnis den eigenen Vorstellungen entspricht, d.h. faktisch gar nicht. So etwas ist traurig aber eben die Social-Media-Realität (kleine Gedenkesekunde für das Pril Schmeckt-lecker-nach-Hähnchen-Design). Genau durch solche Mechanismen entstehen das Desinteresse an Politik und Stammtischrufe nach direkter Demokratie, obwohl niemand weiß, wie die aussehen sollte.
Ich hoffe, dass in zehn, zwanzig Jahren, wenn die ersten Menschen mit Social-Network-Account in einem Gemeinderat sitzen, alle Projekte, die Namensgebung erfordern, tolle Namen verpasst bekommen. Sodass sich die Jugendlichen fortan auf dem Terence-Hill-Platz treffen, nachdem die letzte Stunde in der Super-Mario-Schule geschafft ist. Dass die freiwilligen Bundeswehrrekruten (haha) auf dem auf Zelda-Platz vereidigt und das Bundesverdienstkreuz durch einen weißen Gandalf-Preis für unendliche Weisheit ersetzt (oder auf Grund genereller Sinnlosigkeit ganz abgeschafft) wird. Stolz will ich einmal aus dem Fenster auf ein Cthulhu-Straße-Schild blicken und zufrieden über diesen Spaß lächeln können. Ok, das ist vielleicht utopisch, aber ein Bud-Spencer-Tunnel wäre klasse.
Aber lasst uns realistisch sein: Es ist nicht realistisch. Natürlich sagt der Bürgermeister Schwäbisch-Gmünds jetzt, da ihm eine Welle der Empörung entgegen schwappt, dass noch keine abschließende Entscheidung getroffen ist. Selbstverständlich sagt er, er erkenne das Potential dieses Alleinstellungsmerkmals für Tourismus und just for the lulz. Und nehmen wir ruhig einmal an, dass er schon zu jener Generation gehört, die so etwas tatsächlich mitmachen würde, dann muss man sich immer noch eingestehen, dass der Gemeinderat der schönen Stadt Schwäbisch-Gmünd wahrscheinlich nur so vollgestopft ist mit Traditionsbewahrern, Heimatbewussten und nebenberuflichen Spaßbremsern, kurz, mit ziemlich langweiligen Leuten, die so etwas auf keinen Fall durchwinken werden.
Das Vorurteil sagt, der Schwabe verfüge über einen besonderen Geschäftssinn. Andererseits sagt es, der Schwabe sei geizig. Beides könnte hier in gewisser Weise zutreffen, je nachdem wie das Ergebnis der Entschließung am 25. Juli aussähe. Aber mal ehrlich, wer glaubt schon solch blöden Vorurteilen?
Und jetzt, Musik:


Hansi
22. Juli 2011
AAA-MEN!
Wir müssen uns übrigens mal dringend zu einem Mittagessen in der Guybrush-Threepwood-Mensa im Hörsaalgebäude treffen. Meinetwegen auch in der Indy-Butze am Peterssteinweg.
André Herrmann (via facebook)
22. Juli 2011
Hihi, er würde sogar zur Eröffnung kommen: http://www.facebook.com/photo.php?pid=747995&id=1694401401
Andre Herrmann – der Beste Kommentar zum Thema | Bud-Spencer-Tunnel Schwäbisch Gmünd
22. Juli 2011
[...] heute Mittag, vor dem Interview, habe ich folgenden Blog gelesen. Andre Herrmann schreibt “Denn wir alle wären so gern wie er“. Damit spricht er mir aus der Seele. Das ist ein unglaublich treffender, persönlicher und [...]
André
22. Juli 2011
Sehr gut :-D
Sonja
23. Juli 2011
“Dass man den Bud-Spencer-Vorschlag trotz seines enormen Stimmenvorsprungs nicht für voll nimmt, zeigt eigentlich nur, dass man es mit der Bürgerbeteiligung nur so lang ernst meint, wie das Ergebnis den eigenen Vorstellungen entspricht”
GANZ GENAU DAS IST DER KERN DER SACHE!!!
Danke, dass es mal jemand ausspricht! Dir Gmünder Zeitungen trauen sich ja nicht, kritisch zu berichten, da geht alles schön in Windrichtung des Gemeinderats / der Stadtverwaltung.
Schwäbisch Gmünd und das Bad Spencer » André Herrmann
27. Juli 2011
[...] wir so an: Der Bud-Spencer-Tunnel bekommt also, wie zu erwarten, einen Namen mit regionalem Bezug. Gleichzeitig soll das [...]