Nachmittage, die man vor Unzeiten mit stundenlangem Schauen von Musikvideos auf YouTube in herrlicher Prokrastination verbringen konnte, muss man mittlerweile damit füllen, zuerst einmal jene Videos, die man schauen will, zwischen hunderten von Parodien oder Remixes zu finden. Hat man dann nach endlos geblockten Videos endlich eines gefunden, das nicht nur das Akustikgitarren-Cover eines pickligen Sechzehnjährigen ist, sondern die echt echte Version, sollte man sie sofort so oft wie nur möglich schauen, um sich einen innerlichen Vorrat anzulegen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass das Video schon am nächsten Tag geblockt ist, ist nicht gerade gering. Das Zauberwort heißt Geotagging: Verrückte Firmen rufen bei YouTube an und lassen den Videos Koordinaten hinzufügen, die dafür sorgen, dass sie nur in bestimmten Landstrichen funktionieren. Anstatt auf diesem Wege eine Art sinnvolle Zensur zu betreiben und Wahlkampfvideos der Union allein in China anschaubar zu machen, heißt das in den meisten Fällen, dass folgende und allseits bekannte Meldung erscheint:

Damit versuchen diese Firmen nicht nur, abstruse Urheberrechtsverschwurbelungen durchzusetzen, sondern auch dich und mich in den Wahnsinn zu treiben. YouTube scheint sich mehr und mehr dem Snafu-Prinzip anzupassen und sich selbst, zumindest in Deutschland, mit Kraft den Berg hinab ad absurdum führen zu wollen. Was soll ich auf dieser Seite tun, wenn jene Videos, die ich sehen will, gar nicht funktionieren und alles, was ich mir noch anschauen kann, semi-witzige Einminüter oder schlecht gefilmte Live-Aufnahmen sind?
Zwei Beispiele:
Von den ersten 20 Plätzen der deutschen YouTube-Charts kann man sich gerade mal noch 12 Videos anschauen, ohne dass sie auf Grund irgendwelcher Copyright-Ansprüche geblockt werden, von den ersten 20 Plätzen der US-amerikanischen YouTube-Charts sind es gerade mal noch 9 Videos, die hierzulande funktionieren, ganz abgesehen davon, dass diese meist gar keine Musikvideos sind.
Der gangbarste Weg, um gegen YouTubes Versuch, der Welt allzu früh graue Haare zu verpassen, entgegen zu wirken, bleibt also, gleich von an Anfang an bei Google Video zu suchen und dann bei von Google in weiser Voraussicht aufgekauften Videoportalen mit Schriftarten, von deren Existenz man selbst nicht einmal wusste, mit jener Musik belohnt zu werden, vor der uns die westliche Contentmafia so beharrlich schützen will. Auch das seit kurzem so angeprisene Simfy kann man in meinen Augen vergessen, da das Musikspektrum einerseits noch recht dürftig ist (aber das möchte ich ihnen gar nicht vorwerfen) und (das aber sehr wohl) man nach kurzer Zeit bereits die Meldung vorgesetzt bekommt, man hätte jetzt genug Musik gehört und müsse sich nun anmelden.
Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte:

